Großgeschiebe aus der Niederlausitz – Granitoide Teil 2

Uppland-Granite und Granite des svekofennischen Bereiches

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Augengranit unbekannter Herkunft auf der Findlingskippe in Steinitz. – Die Uppland-Granite sind die „jüngeren“ Granite des svekofennischen Raumes (nach Törnebohm) und erreichen Alter von 1,95-1,75 Ga. Sie entstanden während der svekofennischen Orogenese durch Aufschmelzung noch älterer Gesteine, vorwiegend wohl Metasedimente und Metavulkanite, jetzt als Gneise und Migmatite vorliegend, und durchschlagen diese, weswegen sie als „jüngere“ Granite bezeichnet werden. Wichtige traditionelle Leitgeschiebe aus diesem Bereich sind Sala-, Uppsala-, Stockholm- und Vänge-Granit, wenngleich diese nur einen kleinen Teil der dort beheimateten Granite ausmachen bzw. der im svekofennischen Raum auftretenden Granitkörper überhaupt, s.a. Übersicht Uppland-Granite.   

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Uppland-Granit, Typ Sala-Granit (Nr. 366, Findlingsgarten Nochten). Es handelt sich eigentlich um einen Granodiorit, da Plagioklas deutlich Alkalifeldspat überwiegt. Der weiße Alkalifeldspat ist auf dem Bild schwer zu erkennen. Plagioklas bildet kleine idiomorphe bis hypidiomorphe Kristalle von weißer bis grünlicher Farbe. Quarz ist von milchig graublauer Farbe und kann im Sala-Granit auch ohne Blaufärbung auftreten. Schwarze Minerale sind überwiegend Biotit und etwas Hornblende.

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Tonalit bis Granodiorit (Nr. 525, Steinitz) mit großem, nahezu assimiliertem mafischen Xenolith. Länge 130 cm, Xenolith etwa 40 cm im Durchmesser. Das mittel- und gleichkörnige Gestein hat Ähnlichkeit mit einem Sala-Granit bzw. -Granodiorit, aufgrund des Gefüges erscheint zumindest Uppland als Herkunft denkbar.

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Gefügedetail aus dem vorigen Bild. Überwiegend weißer, teilweise idiomorpher Plagioklas, von Alkalifeldspat nicht gut unterscheidbar. Hellgrauer bis leicht bläulicher Quarz, viele Mafite (Glimmer und Hornblende) sowie einige kleinere mafische Xenolithe.

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(Uppland?-)Granodiorit (Nr. 138, Steinitz) mit deutlicher Foliation. Vor allem an den Blauquarzen und den dunklen Mineralen ist die Einregelung durch seitlich wirkenden Gebirgsdruck erkennbar. Eine gewisse Ähnlichkeit zum Sala-Granit fällt auf, allerdings sind in diesem Beispiel die Plagioklase kaum idiomorph, sondern wirken überwiegend körnig und zerbrochen.

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Feinkörniger Biotitgranit, möglicherweise vom Typ Stockholm (Nr. 136, Steinitz). Die Bestimmung von feinkörnigen grauen Graniten als Stockholm-Granit ist nicht unproblematisch, da die Unterscheidung von ähnlichen Graniten aus anderen Gebieten schwierig ist, zumal von den ebenfalls kleinkörnigen Blekinge-Graniten (Halen- bzw. Spinkamåla-Granit). COHEN & DEECKE 1891 führen den Stockholm-Granit als mögliches Leitgeschiebe auf, weil er unter dem Mikroskop ein besonders charakteristisches Aussehen besitzt. Auch makroskopisch soll das Gestein einen „sehr charakteristischen Habitus“ besitzen durch die lichtgraue Gesamtfärbung und der ausgeprägten Gleichkörnigkeit aus weißem Plagioklas und Alkalifeldspat, grauem Quarz und braunschwarzen Biotit.

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Kleinkörniger Granit vom Typ Stockholm (Nr. 139, Steinitz, BB 60 cm) mit Pegmatitgang. In der Pegmatitpartie ist Quarz gelblichgrau gefärbt, während die bläulich-grauen Partien Alkalifeldspat sind, der vermutlich durch fein verteilte Glimmerminerale diesen Farbeindruck bewirkt. Pegmatite im Stockholm-Granit werden erwähnt in HOLMQUIST 1906 unter Bezug auf Törnebohm.

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Detail des kleinkörnigen, die Pegmatitader einbettenden Granits. Quarz ist grau, Alkalifeldspat transparent weiß und Plagioklas undurchsichtig gelblich-weiß gefärbt. Biotitplättchen erscheinen eingeregelt. Oben rechts im Bild sind schwarz-rote Xenolithe von Granat (+Biotit) zu erkennen. Sie könnten aus Granat-Paragneisen stammen, aus denen der Stockholm-Granit z.T. ausgeschmolzen wurde. Zumindest sind im Anstehenden des Stockholm-Granits Granatxenolithe nicht selten. Möglicherweise kann man diesen Typ kleinkörniger Granite auch zuverlässiger als Stockholm-Granit ansprechen, wenn Granat- oder auch Paragneis-Xenolithe vorhanden sind.

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Klein- bis mittelkörniger Granit (Nr. 137, Steinitz) mit weißen, meist unter 1 cm großen Feldspäten (Alkalifeldspat) und weiterem rot pigmentiertem Feldspat (möglicherweise Plagioklas und Alkalifeldspat). Die Herkunft des Granits ist unklar. Eine gewisse Ähnlichkeit zum Stockholm-Granit ist zu erkennen, rote Varianten davon sind bekannt. Nach ZANDSTRA 1988 sollte diese allerdings bis auf die Färbung mit dem grauen Haupttypus übereinstimmen. Zum Zentrum der Intrusionskörper können die Stockholm-Granite auch leicht porphyrische Gefüge annehmen, sind dann als Leitgeschiebe aber eher nicht mehr zu gebrauchen.

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Grauweißer porphyrischer Granit (Nr. 135, Steinitz) mit eingeregelten Alkalifeldspäten, gelblich-weißem Plagioklas und zwei Glimmern: silbrig schillernder Hellglimmer und schwarzer Biotit. Somit ein Zweiglimmergranit (S-Granit), ziemlich sicher aus dem svekofennischen Raum. Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit mit Proben vom Ångermanland-Zweiglimmer(gneis)granit. Fraglich ist seine Eignung als Leitgeschiebe bzw. ob in Ångermanland die einzigen Vorkommen solcher Zweiglimmer-Granitoide liegen.

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Detail des vorigen Gesteins mit schräger Aufsicht auf die perfekt ausgebildeten Alkalifeldspat-Zwillinge.

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Granit mit bis etwa 2 cm großen Granaten, vermutlich Xenolithe (Nr 150, Steinitz, Breite 35 cm).

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Das Detailbild der Nr. 150 zeigt ein Granitgefüge mit weißen bis schwach rötlichen Alkalifeldspäten, kleineren grünlichen Plagioklasen, durchscheinendem hellgrauem, xenomorphem Quarz sowie ein etwa 1,5 cm durchmessendes Granataggregat. Etwas orangefarbenes Pigment scheint für eine möglicherweise nur oberflächlich vorhandene Färbung des Gesteins verantwortlich zu sein. Dunkle Minerale sind untergeordnet vorhanden und füllen die Zwickel zwischen den Feldspäten. Möglicherweise stammt dieser Granit ebenfalls aus Uppland, wo größere Granate in Graniten vorzukommen scheinen. Eine entsprechende Anstehendprobe in der BGR Berlin Spandau kann als Referenz dienen.

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Anderes Exemplar, hier ein Zweiglimmer-Granit (Nr. 275, Merzdorf/Cottbus-Nord) mit bis 1 cm großen Granaten. Das Gestein enthält blaßroten Alkalifeldspat, weniger leicht grünlichen Plagioklas und farblosen hypidiomorphen Quarz. Dunkle Minerale (Biotit und auch etwas Muskovit) kommen in isolierten kleinen Blättchen vor.

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Weitgehend undeformierter grauer Augengranit (Nr.107, Steinitz) mit deutlich porphyrischem Gefüge, möglicherweise ein Arnö-Granit. Vom Arnö-Granit gibt es eine deformierte und untergeordnet eine undeformierte Variante. Nur letztere ist als Leitgeschiebe geeignet. Charakteristisch ist das deutlich bimodale Gefüge aus einer feinerkörnigen Matrix und sehr großen, meist eckigen weißen Alkalifeldspäten. Ob dies insgesamt hinreichende Eigenschaften für ein Leitgeschiebe sind, sei dahingestellt.

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Detail des Gefüges. Vergleichsproben s. skan-kristallin. Das Gestein ähnelt etwas dem Revsund-Granit, der allerdings eine viel grobkörnigere Matrix haben muß.

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Svekofennischer Gneisgranit (Nr. 404, Findlingslager Weißagk, Tgb. Jänschwalde) mit deformiertem Gefüge (kein Arnö-Granit). Schmutzig braungrüner Plagioklas überwiegt, das Gestein ist ein Granodiorit, mind. 20% Quarzgehalt vorausgesetzt.

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Detail der Nr. 404: gerundete und eckige weiße Kalifeldspäte bilden Einsprenglinge in einer Masse aus zerdrückten Aggregaten aus grauem Quarz, Plagioklas, vermutlich weiterem Alkalifeldspat und flaserig texturierten dunklen Mineralen (Biotit, Chlorit etc.).

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Augengranit (Nr. 151, Steinitz, B 50 cm) mit großen hellroten und teils gerundeten Alkalifeldspäten und graubläulichem, xenomorphem Quarz. Auffälliges Erscheinungsbild, hübsches Gefüge, Herkunft leider völlig unklar.

 

Granite aus Dalarna

Einige Varianten von Dala-Graniten, Siljan- und Garberg-Granit, sind als gute Leitgeschiebe bekannt. Trotz leichter Erkennbarkeit treten diese Granite unter den Großgeschieben aus der Niederlausitz nur sehr vereinzelt auf. Ein „typischer“ Siljan-Granit wurde unter den Tausenden von gesichteten Großgeschieben aus Cottbus-Nord, Jänschwalde und Welzow-Süd gar nicht, am Tagebau Nochten dafür aber gleich zweimal gefunden.

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Garberg-Granit (Nr.276, Findlingslager Cottbus-Nord, BB ca. 16 cm). Porphyrisches Gefüge mit reichlich, zum Teil weiß umkränzten Alkalifeldspäten und weißem und grünem Plagioklas. Quarz ist trüb hellgrau und nur in geriner Menge vorhanden. Dunkle Minerale, darunter einige Hornblendenadeln, sind nur untergeordnet vorhanden. Weiterhin sind einige Fremdgesteinseinschlüsse mit strahliger Hornblende zu erkennen. Mir der Lupe waren graphische Verwachsungen aus Feldspat und Quarz aufzufinden.

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Garberg-Granit? (Nr.142, Steinitz). Gefüge und Farbe nach ein Dala-Granit. Das Gestein ist frei von tektonischer Deformation und enthält blaßroten, perthitisch entmischten Alkalifeldspat und weißen bis hellgrünen Plagioklas, z.T. mit dunkler gefärbten Kernen. Selten umsäumt Plagioklas einzelne Alkalifeldspäte. Weiterhin ist etwas grauer Quarz enthalten, offenbar in mehreren Generationen (größere runde und viele kleine und eckige Quarze). Dunkle Minerale sind Biotit und etwas Hornblende. Sie sind innerhalb von fast assimilierten basischen Xenolithen angehäuft. Relativ wenig Quarz könnte für eine Zuordnung zum Garberg-Pluton sprechen, er ist im vorliegenden Stück aber recht hoch. Auch der Farbeindruck des Gesteins ist ein vergleichsweise heller.

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Gerundeter Block eines grobkörnigen roten Granits von knapp einem Meter Länge (Nr. 402, Tagebaurand Jänschwalde).

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Detail der Nr. 402, BB 30 cm. Auf der angefeuchteten Verwitterungsseite sind rissige rote Alkalifeldspäte und gelbgrüne Plagioklase, jeweils mit etwas unklaren Korngrenzen zu erkennen. Die Risse sind nicht eingeregelt. Reichlich grauer und trüber, vermutlich zerdrückter Quarz bildet grössere runde Aggregate. Dunkle Minerale sind recht wenig enthalten, weiterhin gibt es einige basische Xenolithe. Trotz einiger Ähnlichkeit zum Siljan-Granit steht dieser Granit möglicherweise eher bunten (rot-gelb-grauen) Växjö-Typen nahe, die Ähnlichkeiten zum Siljan-Granit zeigen können. Vor allem die runden, trüben Quarzmassen und Kataklase-Erscheinungen an den Feldspäten sprechen für eine Herkunft aus dem TIB.

 

Lemland-Granit

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Lemland-Granit (Nr. 482, Breite 60 cm) mit typischer Einregelung der länglichen Alkalifeldspäte durch magmatische Lamination. Der Lemland-Granit ist ein anorogener Granit, der gegen Ende der svekofennischen Orogenese entstand und auf Åland beheimatet ist. Er gehört nicht zur Suite der wesentlich jüngeren Rapakiwi-Gesteine.

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Lemland-Granit ist gut kenntlich an rechteckigen bis länglichen, fleischfarbenen Alkalifeldspäten, rotem Plagioklas und dunkelgrauem xenomorphem Quarz bei weitgehender Armut an dunklen Mineralen.

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Ebenfalls ein Lemland-Granit (Nr. 531, BB 35 cm, Steinitz, Bild: T. Langmann) mit einem Aplitgang, der durch Bruchtektonik versetzt wurde. Die Spalte wurde mit einem grünlichen, feinkörnigen Material verfüllt. Die Grenze zum Granit verläuft scharf.

 

Vänge-Granit und ähnliche Granite

Am Beispiel des Vänge-Granits mögen die Mühen und auch der Lernprozeß bei der Bestimmung von möglichen Leitgeschieben illustriert werden. Der typische Vänge-Granit ist ein grob- bis mittelkörniger Granit mit viel blaßrotem bis kräftig rotem, auch orangerotem Alkalifeldspat (1-3 cm Länge) und wenig weißem Plagioklas, der hauptsächlich an den Rändern der Alkalifeldspäte erscheint und wesentlich kleinere Körner bildet. Quarz ist zuckerkörnig grau bis grünlich grau gefärbt und erscheint auch in einigen größeren braungrauen Körnern. Der Vänge-Granit kann in besonders quarzreichen Varianten auftreten, zumindest ist dieser Umstand ein wichtiges Erkennungsmerkmal. Die Alkalifeldspäte „schwimmen“ in der zusammenhängenden Quarzmasse. Mafische Minerale sind nur untergeordnet vorhanden. Als Verwechslungsmöglichkeiten seien der ebenfalls sehr saure Älö-Granit aus dem nordöstlichsten Småland und möglicherweise Varianten des kleinkörnigeren Norrtälje-/Vätö-Granits angeführt. Die folgenden Exemplare zeigen die Schwierigkeiten der Bestimmung anhand von Granitgeschieben mit mehr oder weniger gemeinsamen Eigenschaften.

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Am besten passt obige Beschreibung auf diesen Fund einer grobkörnigen Variante eines Vänge-Granits (Nr. 128, Steinitz, BB 30 cm).

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Detail des Gefüges. In der unteren Bildhälfte ist ein größerer hellgrauer Quarz zu erkennen. Der übrige Quarz ist zuckerkörnig und zumindest oberflächlich von grüngrauer Farbe. Teilweise „schwimmen“ die Alkalifeldspäte in der Quarzmasse.

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Mittelkörniger, mafitarmer Granit mit roten und grünen Mineralen, vermutlich ebenfalls ein Vänge-Granit (Nr. 270, Tagebau Cottbus-Nord, Breite 45 cm).

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Detailbild Nr. 270: angefeuchtet zeigt sich reichlich hell rosafarbener Alkalifeldspat, wenig weißer bis schmutzig-grüner Plagioklas und zerdrückter, zuckerkörniger Quarz, der grünliche bis graue Farben annimmt. Das Gefüge, die Mafitarmut sowie Zuckerkörnigkeit des Quarzes lassen eine Ansprache als Vänge-Granit zu.

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Vänge-Granit (Nr. 271, Merzdorf, Tgb. Cottbus-Nord; B 40 cm). Dieses Exemplar besitzt eine angewitterte, aber vermutlich nicht besonders alte Bruchfläche. Quarz ist hier grau ausgebildet.

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Detailbild Nr. 271: Gefüge eines Vänge-Granits gemäß obiger Beschreibung. Hier ist bei Vergrößerung in der linken Bildhälfte auch der zuckerkörnige Quarz einigermaßen gut zu erkennen, ebenfalls die wesentlich kleineren weißen Plagioklase, die sich um die Alkalifeldspäte zu gruppieren scheinen.

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Mittelkörniger Granit (Nr. 130, Steinitz) mit sehr quarzreicher Zusammensetzung. Rosafarbener Alkalifeldspat, der teilweise rot pigmentiert ist und fleckig wirkt. Wesentlich weniger alterierter, häufig idiomorpher Plagioklas mit dunklen Kernen. Relativ wenig Mafite. Quarz ist blaugrau und nicht zuckerkörnig granuliert. Vermutlich kein Vänge-Granit, vielleicht eher ein saurer Nordost-Småland-Granit (vom Typ Älö)?

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Granit (Nr. 129, Steinitz) mit rosa Alkalifeldspat und weißlichem bis grünlich-grauem Plagioklas. Ebenfalls grünlich-grau getönter Quarz erscheint hier in hypidiomorphen bis idiomorphen Aggregaten. Mafische Minerale sind in mäßiger Menge vorhanden. Kein Vänge-Granit v.a. wegen der Ausbildung der Quarze. Herkunft ungewiß, vielleicht aus Småland bzw. TIB?

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Interessant texturierter Granodiorit (Nr. 127, Steinitz, BB 30 cm). Hellroter Alkalifeldspat in größeren Aggregaten steht mengenmäßig zurück hinter reichlich idiomorphem, weitgehend hellgrünem Plagioklas. Viel gelblich brauner, zuckerkörniger Quarz ist ebenfalls enthalten. Gleichzeitig erkennt man größere runde Ansammlungen von hellgrauem, leicht blaustichigem Quarz.

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Die Detailaufnahme zeigt das Gefüge der idiomorphen bis hypidiomorphen Plagioklas-Kristalle, gelbbraunen zuckerkörnigen Quarz und größere hellgraue, ebenfalls zerdrückte Quarze. Dieser Granodiorit zeigt einige Merkmale des Vänge-Granits, der hohe Plagioklas-Gehalt und der erhöhte Gehalt an Mafiten passt aber nicht ins Bild. Nicht ausgeschlossen ist, dass solche Gesteine in Nachbarschaft zum Vänge-Granit vorkommen, die Herkunft muß aber mangels Vergleichsproben als ungewiß gelten.

 

Revsund-Granit und weiße, grobkörnig-porphyrische Granite

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Grobkörniger grauweißer porphyrischer Granit (Nr. 099, B 90 cm, Steinitz) mit teilweiser magmatischer Lamination der rechteckigen Alkalifeldspäte bis 5 cm Länge.

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Detail der Nr. 099. Dieses Objekt hat nicht ganz das zu erwartende grobkörnige Gefüge in der Matrix wie ein Revsund-Granit und wird deshalb eher ohne Herkunftszuordnung bleiben. In Jämtland gibt es zwar auch kleinkörnigere, ähnlich zusammengesetzte Granite, die allerdings keine Leitgeschiebe darstellen (Jämtland-Granite). Überhaupt finden sich in den Tagebaubereichen immer wieder grobkörnige porphyrische Granite, die keiner Herkunft zugeordnet werden können. Der Revsund-Pluton in Nordschweden besitzt eine große räumliche Ausdehnung und reichlich Spielarten der Granite. Nur ein kleiner Teil davon mit spezifischen Merkmalen ist eindeutig zuzuordnen. Zum Beispiel das folgende Exemplar.

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Grauer Revsund-Granit (Nr. 508, Tagebau Cottbus-Nord, BB 35 cm). Gesteinsbeschreibung s. kristallin.de.

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Detail des großen, etwa 10 cm langen Alkalifeldspats.

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Grobkörniger, angewitterter Granit (Nr. 405, Findlingslager Malxetal/ Tgb. Jänschwalde, BB 60 cm). Enthalten sind viel xenomorpher, gräulich-blauer Quarz und ein Megakristall eines leicht blaustichigen Alkalifeldspats von 7 cm Länge, der als Karlsbader Zwilling ausgebildet ist. In der richtungslos-körnigen Matrix sind Alkalifeldspat, weniger Plagioklas, Quarz und Biotit enthalten. Auch das Gestein insgesamt weist einen blaustichigen Farbton auf. Bis auf den Megakristall ist der Gesamteindruck des Gefüges nicht wirklich porphyrisch, lediglich grobkörnig. Das Gestein ist kein Leitgeschiebe, seine Heimat könnte aber möglicherweise in Nordschweden liegen.

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Rechteckige, nach dem Karlsbader Gesetz verzwillingte sowie leicht gerundete Alkalifeldspäte von weißer bis bläulich-grauer Farbe in einer grobkörnigen Grundmasse, die gelblichen Plagioklas und viel bläulich-grauen Quarz enthält. Grauer Revsund Granit in der Uferbefestigung am Greifenhainer See, ehemaliger Tgb. Greifenhain.

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Eines der größten Objekte auf der Findlingshalde in Steinitz ist dieser etwa 2 Meter hohe, sehr grobkörnige Granit (Nr. 101).

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Die Detailaufnahme des Gefüges zeigt bis zu 10 cm lange, rechteckige Alkalifeldspäte. Es ist sehr viel Quarz vorhanden, der gelblichbraun ge- oder verfärbt ist. Der Granit zeigt deutliche Verwitterungserscheinungen. Möglicherweise ist diese Braunfärbung eine Folge davon oder auch durch den Einfluß von eisenhaltigem Grubenwasser verursacht. Eine Bruchfläche konnte nicht geschlagen werden. Gelb verwitternder Plagioklas ist in wesentlich kleineren Aggregaten vorhanden, Mafite nur sehr untergeordnet. Vom Erscheinungsbild her könnte das vorliegende Gestein aus der Revsund-Suite stammen, erfüllt aber nicht alle Anforderungen an ein Leitgeschiebe. Dies betrifft v.a. die zusammenhängende Quarzmasse. Zu erwarten wären bis 5 mm große, xenomorphe, aber voneinander getrennte Quarzkörner.

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Weiteres Gefügedetail der Nr. 101, trockene Oberfläche. Dieser Ausschnitt zeigt noch einmal den braungrauen, massigen Quarz. Seine Verfärbung ist auf dieser Seite offenbar nicht so stark ausgeprägt wie im vorigen Bild.

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Grauer Augengranit (Nr. 098, Breite 40 cm, Steinitz) mit braunen Rostflecken, vermutlich eine Variante des Revsund-Granits, ein Pilgrimstad-Granit.

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Die runden, hellgrauen Alkalifeldspäte erreichen einen Durchmesser bis 5 cm. Viel weniger weißer und kleinerer Feldspat (verm. Plagioklas) ist innerhalb und außerhalb der grauen Feldspäte zu erkennen. Evtl. vorhandener Quarz verbirgt sich wohl weitgehend in der schwarzen, biotithaltigen Zwischenmasse. Es dürfte sich aber nicht um größere Mengenanteile handeln, so dass hier eine quarzmonzonitische Zusammensetzung angenommen wird.

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Sehr grobkörniger Granit (Nr. 105, Steinitz, Höhe 40 cm) mit hellroten bis orangeroten abgerundeten und eckigen Alkalifeldspäten bis 5 cm Kantenlänge. Weiterhin graue, hypidiomorphe Quarzkörner bis annähernd 1 cm Größe, graugrüner Plagioklas und relativ wenig Mafite (Hornblende?). Aufgrund der ausgesprochenen Grobkörnigkeit und des Habitus wird das Gestein unter Vorbehalt bestimmt als Roter Revsund-Granit (Björna-Granit).

 

Weitere Granite ungeklärter Herkunft

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Mächtiger Block eines Biotitgranits (Nr. 403, Findlingslager bei Weißagk/Malxetal) mit bis zu 5 cm großen, rötlich fleischfarbenen Alkalifeldspäten.

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Angefeuchtete Oberfläche, BB 14 cm, leicht deformiertes Gefüge. Die Alkalifeldspäte besitzen deutliche perthitische Entmischungen, recht wenig weißer bis hellgrüner Plagioklas ist ebenfalls erkennbar. Weiterhin erkennt man weiße, klare bis hellbraune, hypidiomorphe Quarze und Biotit. Letzterer ist teilweise auch als unvollständiger Kranz um die Feldspäte gruppiert. Rote und grünbraune Pigmente sorgen für zusätzliche Farbnuancen. Kein Titanit. Die Herkunft dieses markanten Granits ist bislang nicht bestimmbar. Eine Ähnlichkeit mit Proben vom Örebro-Granit könnte in Erwägung gezogen werden.

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Detail des Gefüges, BB 5,5 cm. Zwillingskristall mit perthitischen Entmischungen als Zonarbau und eingelagerten dunklen Mineralen (Biotit, wohl auch etwas Erz).

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Stark angewitterter, im Bruch grünlich-grauer Syenit bzw. Quarz-Syenit (Nr. 439, ehem. Aussichtspunkt S Heinersbrück, Tgb. Jänschwalde, Breite 80 cm).

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Auf einer Bruchfläche zeigen sich unregelmäßig fleckig gefärbte Alkalifeldspäte von weißer bis gräulich-blauer und grüner Farbe. Diese Pigmentierung ist wohl auf fein verteilte Minerale wie Glimmer, Chlorit etc. zurückzuführen. Eigenständiger Plagioklas wurde überhaupt nicht identifiziert, Quarz tritt in einzelnen Körnern auf. Biotit ist vorherrschendes dunkles Mineral.

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Grau und rötlich-weiß gefärbter Syenit? (Uferbefestigung im ehem. Tagebau Greifenhain). Quarz und Plagioklas fehlen, Mafite ebenfalls weitgehend. Vermutlich handelt es sich um einen Syenit oder ein pegmatitartiges Gestein (Syenit-Pegmatit?).

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Bemerkenswerter leukokrater Magmatit (Nr. 406, Findlingslager bei Weißagk/Malxetal, BB 45 cm) mit trockener Oberfläche. Auffallend ist das Gefüge aus bläulichgrauen, abgerundeten, z. T. länglichen Quarzen, viel weißem Feldspat und zahlreichen Hornblende-Nädelchen.

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Angefeuchtete Partie, 20 cm Breite. Das Gefüge ist teilweise leicht fluidal ausgeprägt (siehe v.a. auf der rechten Seite: ausgelängte, eingeregelte Quarze). Größere weiße Feldspäte sind Alkalifeldspat, die schwarzen Minerale nadelige Hornblende. Sofern Plagioklas vorhanden ist, fällt er nicht durch erkennbare polysynthetische Verzwilligung auf. Möglicherweise ist er in den grünlichen, feiner körnigen Massen enthalten.

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Detail, BB 20 cm: teilweise eingeregelte, gerundete und z.T. ausgelängte Quarze. Einer gewöhnlichen Kristallisationsabfolge entsprechend müßte Alkalifeldspat größere Kristalle ausbilden als Quarz. Dies ist hier nicht der Fall. Zudem sind die Quarze ausgelängt und gerundet, könnten also in das Gestein als Fremdbestandteile eingetragen worden sein, so dass hier also das Ergebnis einer unvollständigen Magmenvermengung vorliegt. Dafür spräche auch die unregelmäßige Mineralverteilung, v.a. der feinerkörnigen grünlichen Gesteinsmasse. Das Gestein dürfte insgesamt etwa eine granitische Zusammensetzung besitzen.

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Unterwasseraufnahme eines Bruchstückes. Quarz ist bläulich-grau, Alkalifeldspat weiß, Hornblende schwarz. Die Minerale in der feinerkörnigen, gelbgrünen bis grauen Gesteinsmasse sind nicht zu identifizieren Lediglich die Grünfärbung gibt einen Hinweis, dass möglicherweise alterierter Plagioklas enthalten ist. Ebenfalls nicht bestimmt werden konnten kleine rundliche, honigbraune und gerandete Minerale unter 1 mm Größe.

 

Literatur

COHEN E & DEECKE W 1891 Über Geschiebe aus Neu-Vorpommern und Rügen – Mittheilungen aus dem naturwissenschaftlichen Verein für Neu-Vorpommern und Rügen in Greifswald, 23(1891) – Berlin 1892.

HOLMQUIST P J 1906 Studien über die Granite von Schweden – Bulletin of the Geological Institutions of the University of Upsala 1906.

ZANDSTRA J G 1988 Noordelijke kristallijne gidsgesteenten – E. J. Brill 1988.

2 Gedanken zu „Großgeschiebe aus der Niederlausitz – Granitoide Teil 2

  1. Pingback: Großgeschiebe aus der Niederlausitz – Einleitung | Geologische Streifzüge

  2. Stephan Kempe

    Hallo,
    danke für Ihre Webseite!
    Auf Reha in Neustadt habe ich einen schönen Findling (ca. 30 cm) am Strand gefunden mit großen Granaten. Ansonsten viele große Feldspäte und Quarz (?) (ich hätte kratzen sollen). Sieht nicht nach Gneis sondern nach einem Granit aus. Können Sie da mit der Bestimmung helfen? Ich schicke gerne Fotos.
    Glückauf, Stephan Kempe

    Antworten

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