Großgeschiebe aus der Niederlausitz – Rapakiwis Teil 2

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Von einigen Rapakiwigesteinen konnten im Tagebau Cottbus-Nord Handstücke geschlagen werden (s.a. Rapakiwis Teil 1). Dieser Bereich befindet sich gerade in der Rekultivierungsphase. Der gesamte Tagebau wird geflutet, und es ist zu erwarten, daß die Gesteine in Zukunft nicht mehr zugänglich sind. Bei der Befahrung fiel eine gewisse Anzahl, etwa 20 Blöcke, an grobkörnigen, porphyrischen Rapakiwis auf, von denen einige ziemlich sicher nach Kökar gehören. Bei anderen könnte dies aufgrund ähnlicher petrographischer Eigenschaften der Fall sein. Typische Åland-Gesteine traten ebenfalls auf, in etwa gleicher Menge. Dies ist zwar nur ein subjektiver Eindruck von begrenzter Aussagekraft, offenbart aber eine eigenwillig zusammengestellte Geschiebegemeinschaft.   

 

Porphyrische Rapakiwis und Pyterlite von Kökar

Die Rapakiwigesteine von Kökar sind anstehend nur auf einigen wenigen Schären zugänglich, vom weitaus größeren Teil des Plutons sind in nächster Zeit keine Proben zu erwarten, da es sich um Unterwasservorkommen handelt. Fast alle Schären sind mittlerweile beprobt. Die schon länger bekannten Probeorte sind die Schären Söderharu, Norrharu und Andör (s. kristallin.de, skan-kristallin.de). Kennzeichen der Rapakiwis von Kökar sind ihr auffallend grobkörniges und porphyrisches bis Pyterlit-Gefüge mit kräftiger perthitischer Entmischung der hellen Alkalifeldspäte. Die Quarze sind grau bis braun gefärbt, größere von ihnen bisweilen bläulich-grau und zoniert. Plagioklas ist in der Regel rot und grün gefärbt, häufig auch in einem Kristall.

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Typischer Kökar-Rapakiwi (Nr. 332, Cottbus-Nord, BB ca. 30cm). Sehr grobkörniger porphyrischer Rapakiwi mit bis zu 5 cm langen, fleischfarbenen, deutlich perthitisch entmischten Alkalifeldspäten. Roter bis grüner Plagioklas kommt nebeneinander und ebenfalls idiomorph vor. Charakteristisch sind weiterhin die bis zu 1 cm großen blaugrauen bis grauen, zonierten Quarze der 1. Generation. Graphische Verwachsungen in der Grundmasse fehlen, stattdessen bilden Quarz und Alkalifeldspat eine körnige Grundmasse.

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Grünlicher porphyrischer Rapakiwi/ Pyterlit (Nr. 368, Findlingspark Nochten), Übergang zum Pyterlit, ähnlich grobkörniges Gefüge wie im Kökar-Rapakiwi. Plagioklas ist hier ausschließlich grün. Große graublaue zonierte Quarze sind ebenfalls vorhanden. Die Alkalifeldspäte zeigen sowohl grünliche als auch rötliche Farben. Möglicherweise ist die Grünfärbung nur äußerlich vorhanden, organischer Bewuchs ist es jedenfalls nicht. Eine Bruchfläche konnte an diesem Exponat natürlich nicht geschlagen werden.

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In diesem Kökar-Rapakiwi/ Kökar-Pyterlit (Nr. 456, BB ca. 20 cm, Malxetal/Tgb. Jänschwalde) sind auf einer angewitterten Bruchfläche helle Alkalifeldspäte zu erkennen, von denen ein gewisser Teil gerundet ist (Pyterlit-Gefüge). Ausnahmsweise ist ein einzelner Alkalifeldspat von einem dicken Saum hellgrünem Plagioklas umgeben. Die Quarze der Grundmasse weisen braune Färbungen auf, wobei die 2. Generation Körner bis 5 mm, eine 1. Generation etwas größere Quarze ohne auffällige Zonierung ausbildet.

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Großer Block eines porphyrischen Kökar-Rapakiwis (Nr. 034, BB etwa 70 cm) im Findlingslabyrinth Steinitz mit z.T. sehr großen rechteckigen Alkalifeldspäten bis 6 cm Länge.

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Aufsicht auf die Nr. 034, Bildbreite etwas über 30 cm: helle, perthitisch entmischte Alkalifeldspäte; rot und grün pigmentierte Plagioklase, auf der Oberfläche mittelgrau erscheinende Quarze. Größere Quarze der 1. Generation weisen bläuliche Tönungen auf.

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Orangefarbener, quarzreicher porphyrischer Rapakiwi (Nr. 480, Tgb. Cottbus-Nord) mit rotem und grünem Plagioklas. Die Quarze sind meist oberflächlich angeschlagen und erscheinen daher hell. Etwas tiefer und geschützt liegende Quarze zeigen graue bis bräunliche Farben. Möglicherweise ebenfalls ein porphyrischer, ziemlich quarzreicher Kökar-Rapakiwi.

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Porphyrischer Rapakiwi (Nr. 036, BB 35 cm, Steinitz)  mit hell orangeroten Feldspäten (perthitische Entmischung, Karlsbader Zwillinge), trüben, hellen Quarzen und rotem und grünem Plagioklas sowie kleinen basischen Xenolithen. Das Rapakiwigefüge tritt durch die hellen, xenomorphen Quarze einheitlicher Größe in den Hintergrund. Herkunft ungeklärt, vielleicht Kökar.

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Auffallend bunter, vermutlich ein porphyrischer Kökar-Rapakiwi (Nr. 487, Cottbus-Nord) mit ziemlich hellen Alkalifeldspäten.

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Angefeuchtete Partie mit reichlich rotem und grünem Plagioklas und bis über 1 cm großen, kräftig zonierten Quarzen der ersten Generation. Auch die auffallend helle Farbe der Alkalifeldspäte ist in Anstehendproben von Kökar zu finden, dieser Rapakiwi stammt mit einiger Wahrscheinlichkeit von dort.

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Unterwasseraufnahme eines Abschlags der Nr. 487.

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Porphyrischer Rapakiwi (Nr. 488, Tgb. Cottbus-Nord) mit hellrötlichen, großen Alkalifeldspäten bis 6 cm Länge. Einige Alkalifeldspäte sind von einem grünen Plagioklasring umsäumt.

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Vom obigen Block konnte eine Probe geschlagen werden. Das Gestein ist auf der angewitterten Oberfläche dunkler als auf der Bruchfläche, die hier olivgrünen Plagioklas und orangeroten Alkalifeldspat zeigt. Das Gefüge hat Ähnlichkeit mit den Anstehendproben von Andör, wenngleich der Farbeindruck ein viel hellerer ist. Die großen Alkalifeldspatkristalle (s. voriges Bild) und dunkel schwarzbraune Quarze lassen eine Herkunft von Kökar vermuten.

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Weiteres Detail der vorigen Probe: dunkelgrau bis braun getönter Quarz tritt in verschiedenen Grössen auf, die größten Quarze sind gerundet, jedoch nicht erkennbar zoniert.

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Dunkelgrauer, porphyrischer Rapakiwi (Nr. 495, BB 30 cm, Cottbus-Nord) mit kleinkörniger Grundmasse und großen hellen Alkalifeldspäten.

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Detail der Verwitterungsseite mit orangefarbenen Alkalifeldspäten (Zwillingsbildung) und einem einzelnen, von einem dunkelgrünem Plagioklasring umgebenen Ovoid. Große dunkelgraue Quarze bis 1 cm Durchmesser.

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Probe aus vorigem Block, Verwitterungsseite, Unterwasseraufnahme. Man beachte den unterschiedlichen Farbeindruck der Quarze auf diesem (hell bis dunkelgrau) und dem nächsten (deutlicher Braunstich) Bild.

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Gleiche Probe, frische Bruchfläche, Unterwasseraufnahme. In der gleich- und kleinkörnigen Grundmasse liegen größere dunkle Quarze von bräunlicher Farbe und grüne Plagioklase. Orangefarbener Alkalifeldspat in eckigen, verzwillingten Kristallen bildet einen auffälligen Kontrast zur dunklen Grundmasse. Herkunft vielleicht vom Kökar-Pluton?

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Heller Rapakiwi mit Pyterlit-/Wiborgit-Mischgefüge (Nr. 494, Cottbus-Nord) mit viel braunrotem und grünem Plagioklas. Die tiefer liegenden, nicht angeschlagenen, weitgehend idiomorphen Quarze besitzen einen bräunlichen Farbton. Auch dieser Rapakiwi könnte von Kökar stammen. Von Åland sind solche hellen Rapakiwis in dieser Ausprägung bisher nicht bekannt. Die finnischen Rapakiwis sind porphyrische Rapakiwis oder Pyterlite. Bliebe noch die Frage, ob der NB-Pluton evtl. solche Gesteine geliefert hat.

 

Rapakiwis vom finnischen Festland (Vehmaa-/Laitila-Rapakiwis)

Vom finnischen Festland, vom Vehmaa- oder Laitila-Pluton (= „Nystad-Rapakiwis“)  stammende Rapakiwis, sind eine Besonderheit der Findlingshalde in Steinitz. Nirgendwo anders in der Niederlausitz habe ich bisher mehr oder weniger eindeutige Festland-Rapakiwis beobachtet. Dabei darf die Begeisterung nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Großteil von Rapakiwi-Vorkommen mit unbekannter Petrographie unter Wasser liegt und somit einer Beprobung nicht zugänglich ist. Wiborgite aus dem Wiborgpluton sind im Geschiebe nicht zu erwarten, wie POSTELMANN bereits 1937 in einer Rezension von Hesemanns jüngst erschienenem Werke anmerkt. Vom Gefüge her ähnliche Wiborgite könnten aus Unterwasservorkommen wie dem Nordbaltischen Pluton stammen (BRÄUNLICH 2016). Auch die Kenntnis des Kökar-Plutons, in dem wohl besonders helle Rapakiwi-Varianten vorkommen, ist nur punktuell. Hier könnten sich ebenfalls den Nystad-Rapakiwis ähnelnde Gesteine befinden.

Finnische Rapakiwis von Veehma- oder Laitilapluton sind im Geschiebe kaum unterscheidbar, sie können unter dem Namen „Nystad“-Rapakiwis zusammengefasst werden. Es sind hauptsächlich Pyterlite und porphyrische Rapakiwis, keine Wiborgite (einzelne umsäumte Ovoide in den Pyterliten sind zu finden) und nur sehr untergeordnet Porphyraplite. Die z.T. recht grobkörnigen Rapakiwis besitzen häufig sehr helle („weiße“) Alkalifeldspäte, die große Ovoide bis 4-5 cm entwickeln können. Plagioklas tritt in verschiedenen Farben auf: rot, olivgrün sowie ein recht charakteristisches oliv-grau. Die eckigen Quarze der Grundmasse haben Korngrössen von 1-3 mm, in Pyterliten können sie eine Tendenz zur Ausbildung von Kränzen um Alkalifeldspäte haben. Manchmal tritt Blauquarz auf. Ein weiteres Kennzeichen in manchen Varianten (z.B. Lellainen-Rapakiwi) sind Alkalifeldspäte, die zwar eine klare Kornbegrenzung, insgesamt aber eine diffuse Konturierung besitzen.

 

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Grobkörniger weißer Pyterlit (Nr. 039, BB 40 cm, Steinitz) mit meist etwa 4 cm großen Ovoiden. Dieses Geschiebe weist eine gute Übereinstimmung mit Proben vom Laitila-Pluton auf, es ist vermutlich ein Laitila-Rapakiwi.

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Aufsicht auf den angefeuchteten Stein, BB 45 cm. Rechts ist ein Riesen-Ovoid (Länge 9 cm) zu erkennen.

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Detailansicht des Gefüges: weißer Alkalifeldspat, teils kantengerundet, teils als Ovoid bis 4 cm. Plagioklas weist auf der Verwitterungsseite graugrüne und rotbraune Farben auf. Idiomorphe Quarze sind grau bis bräunlich-grau und haben Größen bis 3 mm, vgl. Proben auf skan-kristallin.de. Die Mischfarbe des Plagioklas, ähnlich den Kökar-Rapakiwis, könnte auch verwitterungsbedingt sein. Ähnliche Ansätze dieser Zweifarbigkeit der Plagioklasverwitterung habe ich an „echten“ Laitila-Rapakiwis (Nahgeschiebe aus Finnland) beobachtet. Eine Bruchfläche zum Prüfen der frischen Farbe des Plagioklas konnte an diesem gerundeten Stein nicht geschlagen werden. Wenigstens die hell-graugrünlichen Farben des Plagioklas deuten neben der Ausbildung des Alkalifeldspat und des Quarzes auf eine Herkunft aus dem Laitila-Pluton.

 

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Heller porphyrischer Rapakiwi, Übergang zum Pyterlit (Nr. 058, Steinitz), trockene Oberfläche. Eckige und gerundete, cremefarbene Feldspäte, gesäumt von graubraunen idiomorphen Quarzen. Einige Feldspäte tragen z.T. einen Saum aus hellgrünem Plagioklas. Vermutlich ein weisser Nystad-/Vehmaa-Rapakiwi (Lokala-Granit, Referenz). Vergleichsproben zeigen auf der frischen Bruchfläche etwas dunklere bis braune Quarze und olivgrünen Plagioklas. Eine Bruchfläche konnte an diesem Objekt allerdings ebenfalls nicht erzeugt werden.

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Angefeuchtete Oberfläche. Links der Mitte ist ein länglicher, abgerundeter Feldspat mit hellgrünem Plagioklassaum zu erkennen. Stellenweise, z.B. rechts der Mitte, ist ansatzweise Kranzbildung der idiomorphen Quarze um Feldspatkristalle zu beobachten. Dieses Gefüge ist typisch für die Nystad-Rapakiwis.

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Seitlicher Blick auf den Gesteinsblock: ein etwa 3,5 cm im Durchmesser großes Ovoid mit dickem hellgrünem Plagioklas-Saum. Die Alkalifeldspäte sind weiß bis schwach rötlich gefärbt.

 

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Grauer Pyterlit (Nr. 038, Steinitz) mit mafischem Xenolith. Plagioklas ist auf der Verwitterungsrinde überwiegend graugrün gefärbt, aber auch rötliche und braune Töne treten auf. Idiomorphe Quarze sind hellgrau bis bräunlichgrau gefärbt. Möglicherweise ein Pyterlit vom finnischen Festland (bzw. aus dem Unterwasserteil des Vehmaa-Plutons).

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Grünweißer, gleichkörniger bis schwach porphyrischer Rapakiwi (Nr. 061, Steinitz), Plagioklas olivgrün bis graugrün, Quarze grau bis braun, eckig und sehr dunkel. Solche oder ähnliche Rapakiwis müssten als Begleitgesteine v.a. des weiter unten gezeigten „Lellainen“-Rapakiwis öfter auftreten. Ob dieses Exemplar tatsächlich vom finnischen Festland stammt, läßt sich bisher nicht eindeutig beantworten. Die Quarze, graugrüner Plagioklas und die helle Farbe der Feldspäte sprechen dafür.

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Auffälliger Rapakiwi mit Pyterlitgefüge (Nr. 040, BB 50 cm, Steinitz) und goldbraunen Alkalifeldspäten. Auf der Oberfläche ist eine Striemung durch Gletscherschliff zu erkennen. Dieses Exemplar wurde zunächst als Lellainen-Rapakiwi bestimmt und stammt damit vom finnischen Festland aus dem östlichen Teil des Laitila-Plutons. Angesichts der Ausdehnung dieses Vorkommens im Laitila-Gebiet sind entsprechende Begleitgesteine (kleinkörnigere weiße Rapakiwis, weiße Pyterlite) erwartbar. Diese liegen in Einzelfunden auch tatsächlich vor, stehen aber in keinem Verhältnis zu gleich drei hier diskutierten Exemplaren von möglichen Lellainen-Rapakiwis.

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Detailaufnahme der Nr. 040: neben der auffällig beigebraunen Farbe der Alkalifeldspäte, die grössere Ovoide bis 4,5 cm bilden, gibt es zonierte, leicht bläuliche bis blaugraue Quarze, die kleineren von ihnen idiomorph, die grösseren in xenomorphen Körnern. Plagioklas ist grün, z.T. graugrün, aber nicht olivgrün gefärbt. Das Gefüge, v.a. der Alkalifeldspäte, ist ähnlich diffus, wie man es an den Anstehendproben erkennen kann. Bis auf die Farbe des Plagioklas klar ein Lellainen-Rapakiwi.

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Detail eines großen Feldspatovoids von etwa 4 cm Durchmesser.

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Auf diesem Detailfoto sind die grossen zonierten, leicht bläulich erscheinenden Quarze und die etwas irregulär verlaufenden Konturen der Alkalifeldspäte besser zu erkennen.

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Von diesem Stück konnte eine Probe genommen werden. Im Bruch erscheinen die Quarze mittelgrau. Die Zonierung größerer Quarze ist längst nicht so deutlich ausgeprägt wie auf der Verwitterungsoberfläche und äußert sich lediglich in einer Trübung der inneren Bereiche. Plagioklas besitzt grüne bis graugrüne Färbungen.

 

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Ein auffälliger, ebenfalls als Lellainen-Rapakiwi (Nr. 042, Steinitz) bestimmter Rapakiwi (Referenz) war aufgrund von reflektierendem Licht stets schlecht zu fotografieren. Gut erkennbar sind dennoch die zahlreichen Blauquarze und die lachsfarbenen Alkalifeldspäte mit ihren irregulären Begrenzungen.

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Gleicher Block des Lellainen-Rapakiwi mit einem 4,5 cm breitem Ovoid, der von hellgrünem Plagioklas ummantelt wird. In der Vergrößerung erkennt man graphische Verwachsungen, und zwar offenbar von Plagioklas und Quarz. Diese als Myrmekit bezeichneten Verwachsungen sind für gewöhnlich nur unter dem Mikroskop zu erkennen.

Kleiner Abschlag der Nr. 042. Auch bei diesem Rapakiwi ist der Blauton der Quarze in der Unterwasseraufnahme nicht mehr gut zu erkennen. Größere Quarze sind zoniert, hell braungraue, hypidiomorphe bis idiomorphe Quarze der 2. Generation reichlich vorhanden sowie eine weitere Generation in den Alkalifeldspäten zu erkennen. Plagioklas besitzt hell graugrüne Färbungen. Dunkle Minerale sind Biotit und Hornblende.

 

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Ein weiterer Rapakiwi, der in Richtung Lellainen-Rapakiwi (Nr. 041, Steinitz, BB 35 cm) deutet und ein noch diffuseres Gefüge durch die irreguläre Anordnung v.a. der Alkalifeldspäte zeigt.

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Beige bis rötlich-braune Alkalifeldspäte, hell- bis mittelgrüner Plagioklas und an tiefer liegenden Quarzen erkennbare Graufärbung. Die Quarze erscheinen auf der Oberfläche etwas diffus ausgebildet. Ein Abschlag einer frischen Bruchfläche war nicht möglich.

 

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Ein ganz besonderer Fund ist dieser Quarzgang in einem Rapakiwi mit Pyterlit-Wiborgit-Mischgefüge (Nr. 054, Steinitz, BB 35 cm), Aufnahme von oben. Der Gang weist eine Zonierung auf. In etwa gleich große, transparente und idiomorphe Quarze „schwimmen“ dicht an dicht in einer hellen Masse aus Alkalifeldspat. In der Gangmitte ist wesentlich mehr und gröber kristallisierter Alkalifeldspat zu erkennen.

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Weitere Ansicht auf die Zweiteilung des Quarzganges.

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Gefüge des Wirt-Rapakiwis: grobes Mischgefüge aus Pyterlit- und Wiborgitgefüge mit gelbbraunem Alkalifeldspat (Ovoide bis 3 cm) und graugrünem bis olivgrünem Plagioklas. Quarz ist idiomorph ausgebildet, tiefer liegende, unbeschädigte Quarze sind graubraun gefärbt. Der Rapakiwi könnte von Åland oder Kökar stammen (Hinweis M. Bräunlich).

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Ummantelte und nicht ummantelte Ovoide, eckige und abgerundete Feldspäte ohne auffällige Kranzbildung durch idiomorphe Quarze sprechen gegen eine Herkunft aus einem finnischen Festlandsvorkommen.

 

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Grobkörniger Rapakiwi mit Wiborgit-Pyterlit-Mischgefüge (Nr. 060, BB 40 cm, Steinitz): rosa farbener Alkalifeldspat (Ovoide bis 4 cm), hell olivgrüner Plagioklas und hellgraue, meist idiomorphe Quarze. Ein ganz ähnliches Stück ist in ZANDSTRA (1999) abgebildet, wenn auch die Kranzbildung der Quarze im vorliegenden Objekt nicht so ausgeprägt ist. (Nr. 25, „Finnischer Rapakiwi, Pyterlitischer Typ, …möglicherweise vom Laitila-Massiv“ sowie Nr. 45: Anstehendprobe Lellainen-Granit)

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Es gibt aber auch auf Åland Rapakiwis, die eine solche Farbkombination und ein ähnliches Gefüge aufweisen, wenn auch möglicherweise nicht so grobkörnig (s. erstes Beispiel auf kristallin.de).

 

Rapakiwis von Nordingrå?

Die Zuordnung von Rapakiwis nach Nordingrå bzw. Ångermanland ist problematisch, da noch keine umfassende oder abschließende Beschreibung der dort vorkommenden Rapakiwi-Typen existiert, die petrographisch charakteristische, im Geschiebebestand erkennbare und von Åland-Rapakiwis unterscheidbare Varianten herausstellt. Auf skan-kristallin finden sich zahlreiche Anstehendproben aus diesem Gebiet, auf rapakivi.dk eine Reihe von Nahgeschiebe von Norrfällsviken. In ZANDSTRA 1999 beschriebene Gesteine scheinen eher untypische Vertreter zu sein. Als mögliche Leitgeschiebe eignen sich unter Vorbehalt zunächst zwei Typen:

  • porphyrische Rapakiwi-Granite mit mittelgrauen und gerundeten größeren Quarzen (2-3 mm) und einer kontrastierend roten Masse an graphischen Verwachsungen aus Feldspat und Quarz in den Zwickeln. Die rechteckigen, perthitisch entmischten Alkalifeldspäte weitgehend einheitlicher Größe (1-2cm) sind oft weiß bzw. hell und sehen rissig aus. Dunkle Minerale können Hornblende und Biotit sein. Nur vereinzelt sind plagioklasumrandete Alkalifeldspäte zu erkennen. Die Menge an graugrünem Plagioklas schwankt. Nach rapakivi.dk sollen gute Erkennungsmerkmale die rechteckigen Feldspäte und die grobe, tropfenförmige, meist rote mikrographische Struktur an der Peripherie sein.
  • Weiterhin gibt es hell rötlichbraune bis rötlich-graue porphyrische, vom Gefüge etwas homogener wirkende Rapakiwis, ähnlich der Nr. 048 und 499. Diese Rapakiwis enthalten ebenfalls, jedoch etwas unauffälligere graphische Verwachsungen in ähnlicher Farbe.

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Nordingrå-Rapakiwi? (Nr. 048, Steinitz). Hell rötlich-brauner Typ, der Anstehendproben auf skan-kristallin ähnelt. Rechteckige Alkalifeldspäte mit perthitischen Entmischungen, helle, gerundete tropfenförmige Quarze. Wenig graugrüner Plagioklas. Eckige graphische Verwachsungen aus Feldspat und Quarz sind vereinzelt auffindbar.

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Nordingrå-Rapakiwi? (Nr. 499, Cottbus-Nord). Helle, annähernd gleich große Alkalifeldspäte. Runde, hellgraue, mäßig korrodierte Quarzkörner. Nur mit der Lupe ist zwischen den Feldspäten eine hellrötliche, körnige Masse aus Alkalifeldspat und Quarz zu erkennen, dies sind die graphischen Verwachsungen. Eine Bruchfläche konnte an diesem gut gerundeten Geschiebe nicht geschlagen werden, der Befund bleibt daher etwas vage.

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Mittelkörniger rotbrauner Rapakiwi-Granit (Nr. 306, Merzdorf/Tgb. Cottbus-Nord, BB 100 cm) mit einzelnen größeren, bis 4 cm langen Alkalifeldspäten.

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Nasse Verwitterungsoberfläche der Nr. 306: verschieden große weiße Alkalifeldspäte, reichlich grüner, weitgehend xenomorpher Plagioklas sowie auffallend hellgrauer, xenomorpher Quarz sind reichlich von einer rotbraunen Masse an graphischen Verwachsungen begleitet. Relativ viel Mafite.

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Die Aufnahme einer Probe unter Wasser zeigt das Gefüge mit den hellroten graphischen Verwachsungen noch deutlicher. Es gibt keine Referenzprobe zu diesem Rapakiwi. Vor allem die Texturierung des Gesteins durch die graphischen Verwachsungen weist am ehesten in das Rapakiwigebiet von Nordingrå.

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Das letzte Exemplar in der Reihe der Rapakiwigesteine ist dieser Nordingra-Rapakiwi (Nr. 536, Steinitz, BB 20 cm), ein zunächst matt dunkles und etwas unscheinbar wirkendes Gestein mit porphyrischem Gefüge.

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Die helle, verwitterte Außenseite zeigt weiße, rissige Alkalifeldspäte, hellgraue hypidiomorphe bis idiomorphe Quarze und hellrote graphische Verwachsungen, die nicht gewunden, eher eckig aussehen.

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Ein Abschlag zeigt die frische Bruchfläche eines wesentlich dunkler wirkenden, grünlich-braunen Gesteins.

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Erst die Aufnahme unter Wasser (eines anderen Handstückes aus dem gleichem Block) läßt die hell rötlichen Farbtöne wieder hervortreten. Grüner Plagioklas kommt nur vereinzelt vor. Der Mafitanteil (nur Hornblende) ist recht hoch.

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Detail aus obigem Handstück, vgl. etwa mit dieser Probe auf rapakivi.dk, einem Nahgeschiebe von Norrvällsviken.

 

Literatur

Bräunlich M 2016 Kristallingesteine der nördlichen Ostsee (Teil 1: Rapakiwis) – Geschiebekunde aktuell 32 (2): 37– 53, 15 Abb., 3 Karten. Hamburg/Greifswald Mai 2016.

Postelmann A 1937 Besprechungen J. Hesemann, Zur Petrographie einiger nordischer kristalliner Leitgeschiebe – Zeitschrift für Geschiebeforschung und Flachlandsgeologie, Band 13, S.222-225.

Zandstra J G 1999 Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten – Backhuys Leiden.

 

Ein Gedanke zu „Großgeschiebe aus der Niederlausitz – Rapakiwis Teil 2

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