Großgeschiebe aus der Niederlausitz – Granitoide Teil 1

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Roter Augengranit (Nr. 264) am Tagebaurand Cottbus-Nord. Dieses Geschiebe wird weiter unten besprochen. – Am Beispiel der Granite einige Anmerkungen zu den Möglichkeiten der geschiebekundlichen Herkunftsbestimmung: nur wenige Granite weisen hinreichende petrographische Eigenheiten und eine begrenzte lokale Verbreitung auf, so dass ihre genaue Herkunft bestimmbar wäre. Angesichts des riesigen Einzugsgebietes der eiszeitlichen Gletscher muß man feststellen, dass diese Leitgeschiebe mengenmäßig einen winzigen Teil ausmachen. Weiterhin ist die Eignung vieler Leitgeschiebe unklar oder umstritten. Dies liegt auch an den in der Geschiebekunde verwendeten, z.T. wohlklingenden Lokalnamen der schwedischen Geologen. Die Namen suggerieren eine spezifische lokale Ausbildung, was für die Arbeit im Gelände sicherlich hilfreich ist. Hier bei uns im Abtragungsschutt eines ganzen Kratons verbleibt aber oft nur die Illusion einer Bestimmbarkeit, und der Wunsch ist vermutlich nicht selten Vater des Gedankens, einen Granit bzw. ein Gestein mit möglichst spezifischem Eigennamen anzusprechen.   

Ein Beispiel mag der Loftahammar-Augengneis sein, der in ähnlicher Form im Bereich der Protoginzone auftritt, aber mit Beharrlichkeit als Leitgeschiebe in der Literatur verbleibt. Hinzu kommt zur Problematik der Bestimmbarkeit die Erfahrung einzelner Sammler/Autoren im Gelände: hat man sich z.B. viele Varianten des Karlshamn-Granit im Anstehenden angeschaut, erkennt man möglicherweise viel mehr Karlshamn-Granite im Geschiebe als man je in Büchern beschreiben könnte. Andererseits ist die Beschreibung auffälliger, lokal auftretender Gesteine (z.B. bestimmte Småland-Metavulkanite in HESEMANN 1975) noch kein Alleinstellungsmerkmal für ein Leitgeschiebe. Die Gefahr einer Überbestimmung bei der Ansprache von Geschieben ist also hoch. Im Grunde genommen gibt es nicht wirklich viele Leitgeschiebe, und auch unter den altbekannten so manche Unschärfe, z.B. beim Stockholm-Granit und beim Arnö-Granit. Andere Bezeichnungen müssen mittlerweile als obsolet oder irreführend angesehen werden, wie z.B. der „Virbo-Granit“. Eine gute Nachricht ist, dass sich seit der Erstbeschreibung und Namensgebung dieser Gesteine – oftmals vor mehr als 100 Jahren – einiges bezüglich unseres Wissensstandes getan hat.

Bei einiger Kenntnis der Geologie des Baltischen Schildes läßt sich ein wesentlich größerer Teil der Granite einer geologischen Provinz zuordnen (TIB, Rapakiwi, Svekofenniden), womit geographisch aber eine deutlich weniger spezifische Aussage verbunden ist. Häufig muß man sich damit allerdings zufrieden geben. Diese Zuordnung sollte in jedem Falle Vorrang haben vor der Belegung mit Lokalnamen. Reisen ins Anstehende der Granite zeigen, dass in einem Pluton oftmals nur ganz bestimmte Gefügeformen als Leitgeschiebe geeignet sind. Es ist manchmal unmöglich, einen Negativbeweis zu führen, dass ähnliche Gesteine nicht auch an anderen Orten auftreten können. Die Variabilität innerhalb eines einzigen Plutons kann sehr hoch sein. Als Beispiel sei hier auf die zahlreichen, deutlich unterschiedlichen Varianten des Karlshamn-Granits verwiesen.

Den in den Lausitzer Braunkohletagebauen zahlreich auftretenden Rapakiwigraniten werden zwei eigene Abschnitte gewidmet. Die unklare Herkunft einiger nun folgender Granite schmälert nicht die Ästhetik ihrer Betrachtung, da sich selten die Gelegenheit ergibt, Großgeschiebe in frischem Erhaltungszustand zu studieren. Der erste Teil zeigt Granite mit mutmaßlicher Herkunft aus Südschweden und dem TIB (Transskandinavischer Magmatitgürtel), der zweite die etwas älteren, tendenziell eher schwarz-weißen svekofennischen bzw. nordschwedischen Granite.

 

Granite aus Blekinge (Karlshamn-Granit)

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Karlshamn-Granit (Steinitz, Nr. 111, BB 40 cm). Der Karlshamn-Granit ist in seiner hier vorliegenden Ausbildung ein recht gutes Leitgeschiebe unter den zahlreichen in Blekinge auftretenden Graniten, die im Geschiebe nicht allzu selten sein dürften. Auffällig ist sofort der Farbeindruck (blaßrot-weiß-grau) und das grobkörnig-porphyrische Gefüge.

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Aufsicht auf die Nr. 111, trockene, etwas angewitterte Bruchfläche, BB 35 cm. Die hell rötlichen, eckigen und länglichen, oftmals deutlich Karlsbader Zwillinge ausbildenden Alkalifeldspäte bis 5 cm zeigen eine Einregelung, vermutlich durch magmatische Fließbewegungen (Lamination). Der anorogene Granit ist weitgehend frei von tektonischer Deformation, allerdings kommt gelegentlich kataklastischer zuckerkörniger Quarz vor. Im allgemeinen hypidiomorpher bis xenomorpher Quarz ist farblos transparent bis hellgrau gefärbt, wie im hier vorliegenden Beispiel. Er kann aber auch dunklere und braune Tönungen annehmen. Weißer bis leicht grünlicher Plagioklas tritt meist in undeutlicher massiger Ausbildung, untergeordnet in bis cm-großen weißen, z.T. idiomorphen Kristallen auf und bildet Säume um einige der eckigen Alkalifeldspäte. Ziemlich viele mafische Minerale (Biotit) bilden eine ketten- oder girlandenartige Textur.

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Detail vom vorigen Block. Blaßrote Kalifeldspäte (Mikroklin), einige von einer Plagioklas-Hülle umgeben, bilden etwas undeutliche Karlsbader Zwillinge. Es sind zahlreiche Titanit-Kristalle zu erkennen, die im Karlshamn-Granit wichtig für seine sichere Bestimmung sind. Die größten dieser braunen, häufig rhombischen oder keilförmigen Kristalle sind mit einem Pfeil markiert. Titanit entsteht als spätmagmatische Bildung in Al-reichen Graniten und kristallisiert in den Zwickeln zwischen den Kristallen oder bevorzugt in den Biotit-Ansammlungen.

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Vermutlich ebenfalls ein Karlshamn Granit (Steinitz, Nr. 147) mit mittelgrauem Quarz und einigen plagioklasummantelten, rötlichen Alkalifeldspäten. Die laminierte Textur ist nicht so deutlich ausgeprägt wie im vorigen Beispiel. Vor allem sind nur wenige Alkalifeldspäte als Megakristalle ausgebildet. Sie sind auch nicht blaßrot, sondern blaß orangerot. Titanit ist vorhanden. Unter Vorbehalt handelt es sich um einen Karlshamn-Granit.

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Nr. 144, Steinitz. Ähnelt etwas dem Karlhamn-Granit, enthält aber verhältnismäßig wenig dunkle Minerale, neben Glimmer auch Hornblende. Dunkle Minerale sind nicht ketten- oder girlandenförmig angeordnet. Größere hellrote Alkalifeldspäte, z.T. mit Plagioklassaum, sind mengenmäßig nur vereinzelt vorhanden, nicht größer als 2,5 cm und besitzen keine Einregelung. Herkunft ungewiß.

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Grobkörniger hellrot-weißer Granit (Nr. 143, Steinitz). Xenomorpher Quarz ist hellgrau, manchmal von leicht bläulicher Farbe. Hell rötlich fleischfarbene Alkalifeldspäte tragen teilweise einen dünnen Plagioklas-Saum. Plagioklas ist weiß, manchmal idiomorph ausgebildet, z.T. mit grünem Kern bzw. grünen und schwarzen Alterationsprodukten. Dunkle Minerale sind Glimmer und Hornblende. Die feinkörnigen grünschwarzen Partien sehen aus wie weitgehend assimilierte Fremdgesteinseinschlüsse (basische Xenolithe). Das Gestein ähnelt einer Anstehendprobe vom Rätan-Granit (rapakivi.dk). Auch Varianten von Dala-Graniten könnten möglicherweise so aussehen. Zuletzt sei auch der Karlshamn-Granit in seiner Variante Eringsboda-Granit nicht ausgeschlossen. Diese führen allerdings i.A. Biotit, nur in Ausnahmefällen Hornblende. Auch Titanit wurde nicht aufgefunden. So charakteristisch dieses Gestein ausgebildet ist, einem Herkunftsgebiet konnte es bisher nicht sicher zugeordnet werden.

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Auffällig geformter Xenolith in obigem Granit. Grüne Farbtöne sind organischer Bewuchs.

 

Granite von Bornholm

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Dieser Granit ähnelt mit seiner etwas unklaren Konturierung der Korngrenzen und den kornübergreifenden Hämatitflecken einem Bornholm-Granit (Hammer-Granit; Nr. 097, Steinitz). Es ist das einzige aufgefundene Exemplar in der Niederlausitz, möglicherweise wurden ähnliche Granite bisher übersehen oder nicht beachtet.

 

Granite des Transskandinavischen Magmatitgürtels (TIB)

Die Granite des Transskandinavischen Magmatit-Gürtels (Transscandinavian Igneous Belt, TIB), auch bezeichnet als Småland-Granite, TIB-Granite bzw. Småland-Värmland-Granitoide oder Småland-Östergötland-Granite, sind sehr häufig im Geschiebebestand zu finden und oftmals auch als solche ansprechbar, wenn sie als bunte, mittel- bis grobkörnige, häufig Blauquarz führende Granite auftreten. Problematisch ist dabei allerdings eine genaue Herkunftsbestimmung. Oftmals muß es bei einer Einschätzung als TIB- oder Småland-Granit bleiben, weil die Gefahr einer Überbestimmung hoch ist. Bestimmte, vermeintlich charakteristische Typen von Graniten können an unterschiedlichen Orten im TIB vorkommen. Sicherlich tragen traditionell verwendete Ortsbezeichnungen für Gefügetypen, z.B. mittel- und gleichkörnige Alkalifeldspatgranite vom Typ „Växjö“, „Barnarp“-Trikolore-Varianten, grobkörnige „Filipstad“-Granite mit oder ohne Plagioklasummantelungen der Alkalifeldspäte u.s.w. zur allgemeinen Verwirrung bei. Vielleicht wäre es sinnvoller, Granittypen herauszustellen, die eine gewisse begrenzte lokale Verbreitung besitzen, z.B. rote, grobkörnige Augengranite von Östergötland, Varianten von titanitführenden Blauquarzgraniten mit braunen Alkalifeldspäten und orangefarbenem Plagioklas von NE-Småland, Augengranite mit möglicher Herkunft aus Värmland etc. Hier ist noch einiges an Arbeit nötig, um eine Übersicht zu gewinnen. Weiterhin müßten obsolete Bezeichnungen und veraltete Namen wie z.B. „Virbo-Granit“ verworfen werden. Häufig als Leitgeschiebe angesprochen werden z.B. rote, porphyrische Granite als Uthammar-Granit, einem anorogenen, 1,45 Ga alten Granit, der m.E. nur mit Mühe von ähnlichen TIB-Graniten unterschieden werden kann. Solche Beispiele können fast beliebig fortgesetzt werden. Die Fülle an Lokalnamen für Granitvorkommen (und gleichermaßen allen anderen Gesteinsarten) kaschiert im Grunde genommen nur die Unmöglichkeit, Granite im Geschiebe sicher einer spezifischen Herkunft zuzuordnen. Bei den Bezeichnungen der Granite gibt es keine in der Geschiebekunde allgemein verbindliche Nomenklatur. Empfehlenswert sind die praktischen Gesteinsansprachen in SMED 2002 und VINX 2016, weniger vielleicht die Beschreibungen in HESEMANN 1975. Letztere beziehen zudem mikroskopische Eigenheiten der Gesteine ein, die in der praktischen Geschiebekunde nur im Ausnahmefall in die Bestimmung einfließen können.

 

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Bunter Småland-Monzogranit („bunter Växjö-Granit“; Nr.112, Steinitz, BB 30 cm) mit Blauquarz, reichlich weißem bis grünem Plagioklas und etwas weniger rotem Alkalifeldspat. Der Plagioklasanteil ist recht hoch, ab 65 Vol.% Feldspatanteil handelt es sich um einen Granodiorit. Dieses Gestein dürfte damit vermutlich auf der Grenze zwischen Monzogranit und Granodiorit liegen.

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Ähnliches, aber mittel- und weitgehend gleichkörniges Exemplar (Nr.114, Steinitz), Småland-Monzogranit. Hier überwiegt Alkalifeldspat eindeutig über Plagioklas. Diese mittel- bis gleichkörnigen Granite werden als Småland- bzw. TIB-Granit vom Typ Växjö bezeichnet. Verwirrenderweise handelt es sich hierbei nicht um eine Herkunftsbezeichnung, sondern lediglich um ein Gefügemerkmal (mittel- und gleichkörnige TIB-Alkalifeldspat- bis Monzogranite mit grauem oder blauem Quarz). VINX 2016 bezeichnet Växjö-Granite wie diesen vorliegenden mit Blauquarz und vergrüntem Plagioklas als bunten Växjö-Granit. Die Verwendung der Begriffe „Växjö“- und „Filipstad“-Granittyp, die Feldansprachen der schwedischen Geologen darstellen, sind für die Geschiebekunde problematisch, da eine zwar mögliche, oftmals aber vermeintliche geographische Herkunft suggeriert wird.

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Alkalifeldspatgranit, roter Växjö-Granit (Steinitz, Nr.115). Dieser gleich- und mittelkörnige Granit enthält im wesentlichen Blauquarz und Alkalifeldspat, der durch Entmischungserscheinungen fleckig wirkt. Eigenständiger Plagioklas ist nur sehr untergeordnet vorhanden. Blauquarze, rissige Feldspäte und durch hydrothermale Alteration grün gefärbte Mafite sind Spuren einer leichten Deformation im Zuge bzw. im Ausklingen der Orogenese. Ohne Festlegung auf eine Herkunft treten solche Granite mit variablem Habitus wohl in ganz Småland auf.

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Mittel- bis fein- und gleichkörniger Småland-Granit (Steinitz, Nr. 117) mit wenig dunklen Mineralen, blaß rötlichem Alkalifeldspat und weißem bis grünlichem Plagioklas. Ähnliche Varianten dieses Granittyps kommen z.B. in NE-Småland vor. Ob dieses Auftreten lokal spezifisch ist, ist bislang ungeklärt.

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Ein weiterer TIB-Granit (Nr. 279, Cottbus-Nord, BB?) mit hellroten Alkalifeldspäten, Blauquarz und weißem bis grünem, idiomorphem Plagioklas. Das Gefüge erscheint leicht deformiert durch die Anordnung der Mafite in Flecken und Streifen. Die Streifen auf der Gesteinsoberfläche rechts im Bild sind Gletscherschrammen. Ein „typischer“ Vertreter eines grobkörnigen roten Småland-Granits.

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Brauner Monzogranit (Steinitz, Nr. 118) mit cm-großen xenomorphen Massen von getrübten Blauquarzen und gelblichem bis orangefarbenem Plagioklas. Diese Farbkombination (braun-blau-orange) scheint charakteristisch zu sein für Granite aus dem nordöstlichen Småland bis ins südliche Östergötland.

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Angefeuchtete Verwitterungsfläche eines bunten NE-Småland-Granits (Nr. 126, Steinitz), wie er in verschiedenen Varianten (mittelkörnig, porphyrisch, Augengranit) in NE-Småland vorkommt.

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Frische Bruchfläche vom gleichen Block als Unterwasseraufnahme. Im Flivik-Granitgebiet in NE-Småland kommen auch Augengranite mit solchem Gefüge vor, Anstehendproben zeigen einen geringeren Quarzanteil. Der Flivik-Granit sieht etwas anders aus und ist ein gleichkörniger bis porphyrischer Granit mit kleineren, hypidiomorphen Quarzen.

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Detail des vorigen Bildes: orangefarbener Plagioklas bildet unvollständige Ringe und Ränder um die Alkalifeldspäte, eine Eigenschaft, die ausgeprägter v.a. der im südlichen Östergötland vorkommende, aber mehr grobkörnige und quarzmonzonitische Kinda-Granit zeigt.

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Dunkler Biotitgranit vom Filipstad-Typ (Nr.124, Steinitz; BB 45 cm) mit Blauquarz und z.T. von Plagioklas umsäumten Alkalifeldspäten von hell- bis dunkelroter Farbe. Während Filipstadtypen mit verschiedenfarbigen Alkalifeldspäten eher in Värmland vorkommen, gibt es in Småland/Östergötland rote bzw. homogene Farbgebungen der Alkalifeldspäte (nach SMED 2002). Das vorliegende Exemplar könnte demnach möglicherweise aus dem südlichen Östergötland stammen. Es sei an dieser Stelle nochmal darauf hingewiesen, dass die schwedischen Geologen ALLE grobkörnigen porphyrischen TIB-Granite – ob mit oder ohne Plagioklassäume – als Filipstad-Typ bezeichnen.

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Småland-Monzogranit bis -Quarz-Monzonit (Nr. 119, Steinitz) mit wenig Blauquarz, deutlichem „Zonarbau“ (perthitische Entmischungen) der braunen Feldspatkristalle und reichlich kleineren weißen bis grünlichen Plagioklasen.

 

Augengranite, möglicherweise aus Värmland

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Augengranit bzw. -quarzmonzonit (Nr.474) mit graubraunen, in der Mehrzahl deutlich gerundeten Alkalifeldspäten und weißem Plagioklas, teilweise auch als Ummantelung der Alkalifeldspäte. Etwas sichtbarer Blauquarz kommt in einer Menge von vermutlich unter 20% vor. Ungewiß ist, ob sich in der schwarzen Zwischenmasse weiterer granulierter und feinkörniger Quarz befindet. Solche Granite vom Typ Filipstad, die in dieser deutlichen Ausprägung nicht häufig in der Niederlausitz zu finden sind, könnten aus Värmland stammen.

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Kurioser und auffallender, leuchtend roter Augengranit (Nr. 264; Aussichtspunkt Merzdorf, Tgb. Cottbus-Nord) als Windkanter, ähnelt auf den ersten Blick einem Rapakiwi-Granit. Max. Breite an der Basis 50 cm.

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BB 30 cm. Leuchtend orangerote Alkalifeldspäte, die meisten davon gerundet, zum Teil mit weißen Plagioklasringen. Es spricht einiges dafür, dass dieser Granit aus dem Gebiet nördlich vom Vänern-See stammt („Filipstad“-Granitgürtel, siehe auch skan-kristallin). SCHEERBOHM H&A 2010 beschreiben ähnliche rote Filipstad-Granite als „Beifang“ aus einer Kiesgrube etwa 10 km S Kopparberg, in der v.a. der weiße Filipstad-Granit gefunden wurde.

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BB ca. 20 cm. Im angefeuchteten Zustand zeigt sich ein rapakiwiähnliches Gefüge. Es gibt zahlreiche kleine helle und einige größere Quarze bis etwa 7 mm Größe, manche Quarze weisen magmatische Korrosionsspuren und aber vermutlich auch Spuren einer Deformation auf. Letzteres Kennzeichen ist ein definitives Ausschlußkriterium für Rapakiwi-Granite aus Schweden und Finnland, die anorogen gebildet und undeformiert sind. Graphische Verwachsungen sind ebenfalls nicht zu erkennen, lediglich feinkörnige, inhomogene Gruppierungen von Feldspat und Quarz. Dunkle Minerale (Biotit und Hornblende) bilden einzelne Nester und umringen manchmal ihrerseits die Ovoide. In den Ansammlungen der dunklen Minerale findet sich ein weiteres kleinkörniges, gelbbraunes Mineral, vermutlich Titanit.

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Detail des Gefüges: hell- bis dunkelgrauer, mit leicht bläulichem Stich versehener Plagioklas umsäumt einige orangefarbene, rechteckige oder abgerundete sowie perthitisch entmischte Alkalifeldspäte. Eigenständiger Plagioklas mit gut erkennbarer Zwillingsstreifung tritt auf in undeutlichen Einzelkristallen und als Bestandteil vermutlich mafischer Xenolithe. Dunkle Minerale finden sich v.a. in runden Ansammlungen. Größere runde und korrodierte graue Quarze sind gut zu erkennen. In der Vergrößerung sieht man auch die kleinen Quarze in der Grundmasse.

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Kleiner Abschlag aus obigem Block, Unterwasseraufnahme. Spuren einer tektonischen Deformation zeigen wohl v.a. die runden Alkalifeldspäte. Eine Vorzugsrichtung der Minerale insgesamt ist nicht zu erkennen. Bei genauerer Kenntnis des vermuteten Anstehenden in Värmland könnte dieser Granittyp, von dem in Brandenburg bereits mehrere Exemplare eines übereinstimmenden Typs gefunden wurden, ein gutes Leitgeschiebe sein, da er eine Vielzahl petrographischer Charakteristika aufweist.

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Grünlich-brauner Augengranit mit beigefarbenen Alkalifeldspäten (Nr. 307, Merzdorf, Cottbus-Nord), Breite 50 cm. Dieser sehr auffällige Granit hat bei näherer Betrachtung (s.u.) eine quarzmonzonitische Zusammensetzung. Runde, beigefarbene Alkalifeldspäte, teilweise mit weißen Plagioklassaum, sind locker verteilt in einer grün-beigefarbenen Grundmasse.

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Die Umsäumungen der Alkalifeldspäte sind häufig unvollständig. Blauquarz ist ebenso wie Alkalifeldspat gut gerundet. Insgesamt zeigt dieser Granit ein rapakiwiartiges Gefüge, ohne dass es sich um ein Rapakiwigestein handelt. Es fehlen die zwei Generationen Quarz und Alkalifeldspat, weiterhin gibt es keine graphischen Verwachsungen. Vielmehr ähnelt das Stück etwas dem erwähnten „weißen Filipstad-Granit“ bzw. den Graniten des Filipstad-Granitgürtels in Värmland.

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Weiteres Bild der Nr. 307: Detail der gerundeten Blauquarze und der Alkalifeldspäte mit perthitischen Entmischungen. Grüne Matrix ohne graphische Verwachsungen.

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Kleiner Abschlag der Nr. 307, Unterwasseraufnahme. An der frischen Farbe der Feldspäte kann man das Mengenverhältnis der Feldspäte besser abschätzen, das etwas zugunsten des Alkalifeldspates verschoben ist. Es dürfte sich um einen Quarz-Monzonit handeln. Etwas Titanit ist innerhalb der dunklen Minerale zu erkennen.

 

Grob- und riesenkörnige TIB-Granite

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Sehr grobkörniger porphyrischer Granit (Nr. 121, Steinitz, BB ca. 20 cm) mit großen Alkalifeldspäten bis 5 cm Länge und starker perthitischer Entmischung. Blaugraue, zerdrückte Quarze bis 1 cm Durchmesser in einer dunklen Grundmasse; Plagioklas ist kleiner und meist graugrün gefärbt. Weiterhin sind grünlich-schwarze, feinkörnige Xenolithe erkennbar. Herkunft ungewiß.

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Brauner Augengranit vom Typ „Filipstad“ (Nr.125, Steinitz). Evtl. Filipstad-Granit, südliche Variante (nach SMED 2002). Abgerundete graubraune bis violett-braune Feldspäte bis 5 cm Durchmesser. Viele, nicht alle von ihnen sind von gelben Plagioklasringen umgeben. Plagioklas kommt auch in kleinen Körnern vor. Schwarze Zwischenmasse mit Biotit. Quarz ist milchig trüb und von bläulichgrauer Farbe.

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Riesenkörniger, mafitreicher Augengranit (Nr 120, Steinitz) mit großen Nestern von Blauquarz, BB ca. 45 cm.

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Detail der Nr. 120: über 5 cm großes „Auge“ aus beige-rötlichem Alkalifeldspat. Herkunft ungewiß, möglicherweise aus Östergötland oder aus dem Gebiet um Örebro, wo ähnlich riesenkörnige Granite zu erwarten sind.

 

Järeda-Granit

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Järeda-Granit (Nr. 116, Steinitz), ein auffälliges und häufiges Leitgeschiebe für das zentrale Småland mit graublauem Quarz, reichlich blaß graurotem Alkalifeldspat, wenig weißem Plagioklas, auch in Ringen um die Alkalifeldspäte, sowie Biotit als dunklem Mineral. Im Zuge der Deformation während der Orogenese wurden die Feldspäte „geknackt“ und die Risse von einer Masse dunkler Minerale (Biotit und/oder Hornblende) ausgefüllt.

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Rote Variante des Järeda-Granits (Nr. 277, ). Auf einer Exkursion (Torbohm/Langmann 2015) im zentralen Småland wurden solche Exemplare im Gebiet des Sees Linden gefunden.

 

Grobporphyrische Östergötland-Granite?

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In Östergötland gibt es neben den vom nordöstlichen Småland ausgehenden Monzograniten mit braunem Alkalifeldspat, orangem Plagioklas und blauem bis grauem Quarz (Flivik-Granit, Kinda-Granit) Übergangsformen hin zu eher roten Graniten, weiter nördlich dann riesenkörnige rote bis braune porphyrische Granite. Ein Vertreter dieser letzten Gruppe ist der Graversfors-Granit, der aufgrund der relativ geringen Ausdehnung des Plutons aber selten im Geschiebe zu finden sein dürfte. VINX 2016 weist darauf hin, daß in der Nähe anstehende Granite, z.B. der Finspång-Granit, ähnlich aussehen können und eine viel größere Ausdehnung besitzen. Ein möglicher Vertreter dieser grobporphyrischen Östergötland-Granite ist das abgebildete Exemplar vom Findlingslabyrinth Steinitz (Nr. 524, maximale Breite 115 cm)

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Detailaufnahme des obigen Blocks: rosafarbene Alkalifeldspäte bis 6 cm Länge, viele davon Karlsbader Zwillinge ausbildend. Plagioklas ist grün gefärbt, dunkle Minerale sind Biotit und grünschwarzer Chlorit. Der Quarzanteil liegt möglicherweise an der 20% Grenze (Quarzmonzonit bis Granit).

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Kleiner Abschlag aus dem großen Block der Nr. 524, Unterwasseraufnahme. Die Alkalifeldspäte sind sehr hell gefärbt, aber von rotem Pigment umschlossen, was den oberflächlich roten Farbeindruck bedingt. Plagioklas ist in dieser kleinen Probe z.T. idiomorph und von gelbgrüner Farbe, die Quarze sind grau-bräunlich und xenomorph. Dunkles Mineral ist Biotit in größeren Ansammlungen. Kein akzessorischer Titanit. Der Quarzanteil (über 20%?) liegt in diesem kleinen Abschlag etwas über dem auf der Verwitterungsseite erkennbaren Gehalt.

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Möglicherweise ebenfalls ein Vertreter eines grobkörnigen, porphyrischen Östergötland-Granits (Nr. 530, Steinitz, B 45 cm; Foto: T. Langmann) mit basischem Xenolith. Solche grobporphyrischen Augengranite von etwas anderer Färbung, aber ähnlichem Gefüge, kommen auch in NE-Småland im Gebiet des „Virbo“-Granits an der Küste bei Saltvik vor.

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Detail aus vorigem Block: helle, blaß rötliche bis bräunliche, z.T. leicht gerundete Alkalifeldspäte mit perthitischer Entmischung (Zonierung) liegen in einer Grundmasse aus blauem Quarz, Biotit und rötlich pigmentierten Feldspäten (Plagioklas und vermutlich weiterer Alkalifeldspat).

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Ein weiterer riesenkörniger Granit (Nr. 109, Steinitz, B 80 cm) mit roten Alkalifeldspäten bis 6-7 cm und äußerlich gelbem, im Bruch grün gefärbtem Plagioklas. Das Gefüge ist leicht deformiert, ein großer länglicher basischer Xenolith ist in der unteren linken Bildmitte erkennbar.

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Blick auf eine leicht angewitterte Bruchfläche. Unten im Bild ein weiterer mafischer Xenolith. Der Anteil an bläulichem Quarz liegt offenbar unter 20%, demnach handelt es sich um einen Quarzmonzonit.

 

Weitere Granite mit mutmaßlicher Herkunft aus dem TIB

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In den Tagebaubereichen fallen v.a. in den nördlichen Bereichen (Cottbus-Nord, Jänschwalde) mafitreiche porphyrische Granite auf, die große rechteckige bis rundliche rote Alkalifeldspäte führen. In Welzow-Süd und Nochten kommen diese Granite eher untergeordnet vor. Auf den ersten Blick wirken diese Granite oftmals einfach schwarz-rot. Sie sind sehr biotitreich, Quarz tritt nicht dominant in Erscheinung und kann sich auch in nicht unwesentlicher Menge feinkörnig in der schwarzen Matrix verbergen. Der abgebildete Granit steht stellvertretend für viele weitere mit ähnlichem Aussehen (Nr. 110, Steinitz, BB 45 cm). Zur Herkunft dieser Granite –  wahrscheinlich gibt es viele verschiedene einzelne Vorkommen – kann man keine Aussagen machen. Neben Vorkommen in Småland gibt es z.B. frühe TIB-Granite („TIB 0“, Askersund-Suite) und verschiedene kleine und größere Vorkommen in Västergötland.

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Granodiorit (Nr. 149; Geschiebegarten Griessen, Tgb. Jänschwalde) aus grauem Quarz, hellgrünem Plagioklas und wenigen großen rosafarbenen Alkalifeldspäten. Das Gestein ist als „Rätan-Granit“ bestimmt worden, auch wenn in SMED 2002 ein etwas abweichendes Gefüge beschrieben wird. Allerdings gibt es bisher keine Anstehendproben, die eine solche Zuordnung beweiskräftig unterstützen. Im Gegenteil wurden auf einer Exkursion in NE-Småland in der Nähe von Uthammar ganz ähnliche Granodiorite gefunden. Der Rätan-Pluton in Härjedalen hat eine grosse Ausdehnung. Gesteine von dort müssten zwar im Geschiebe vorkommen, aber es scheint bis jetzt noch nicht gelungen, überzeugende und charakteristische Granitvarianten herauszustellen, die als Leitgeschiebe geeignet sind.

 

Literatur

Scheerboom H & A 2010 `Witte Rapakivi´ is witte Filipstadgraniet – Grondboor & Hamer 2010 Nr.2, S. 42-45.

 

Ein Gedanke zu „Großgeschiebe aus der Niederlausitz – Granitoide Teil 1

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