Großgeschiebe aus der Niederlausitz – Diabase, Dolerite, Gabbros

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Anorthosit aus Steinitz/Welzow-Süd, Besprechung s.u. – In die Gruppe Diabase, Dolerite, Gabbros einer petrographischen Grobeinteilung der Großgeschiebe fallen die dunklen, SiO2-armen, nicht durchgreifend metamorphisierten Plagioklas-Pyroxen-Gesteine. Effusive und hypabyssale Bildungen sind Basalte bzw. Diabase (im Sinne vergrünter Basalte des deutschen Sprachgebrauchs) und basaltähnliche Gesteine wie Andesite. Ganggesteine sind v.a. als Dolerite und Tiefengesteinsäquivalente (Plutonite) als Gabbros und Diorite ansprechbar. Mit diesen Begriffen lassen sich eine Reihe von dunklen Gesteinen bestimmen, die keinen sichtbaren Quarz aufweisen. Im Einzelfall ist es manchmal schwierig, den genauen Mineralbestand zu ermitteln, z.B. bei feinkörnigen Gesteinen. Aber auch bei der Unterscheidung von Gabbro und Diorit über den Anorthitgehalt des Plagioklas stößt man schnell an die Grenze der Bestimmbarkeit mit makroskopischen Mitteln. Somit sind die meisten Bezeichnungen vorläufige Geländeansprachen unter Berücksichtigung des Gefüges, weniger des exakten Mineralbestandes zu sehen. Ein Großteil der Gesteine dieser Gruppe besteht aus Plagioklas und Pyroxen mit wechselnden Anteilen weiterer Minerale wie Amphibol, Olivin oder Magnetit.   

 

Diabase und Dolerite

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Als Kinne-Diabas gekennzeichneter Gesteinsblock (Nr. 388, BB 55 cm) im Findlingsgarten Grießen. Nicht selten treten in den Tagebaubereichen Diabase mit ölgelber Verwitterungsrinde auf. Eine Einordnung der Herkunft ist nicht möglich, wenn das typische Verwitterungsgefüge des Kinne-Diabas fehlt. Hier ist es zumindest auf der Oberseite in Ansätzen erkennbar. Das Gestein dürfte zu jenen Diabasen gehören, die SE des Vänern-Sees im Gebiet der Västergötländer Tafelberge anstehen (sog. Kinne-Diabas) und während der Vereisungsphasen offenbar großflächig abgetragen wurden, im Geschiebebestand also entsprechend häufig anzutreffen sind.

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Kinne-Diabas (Nr. 088, B 30 cm) mit der typischen Verwitterungstextur der unregelmäßig runden und helleren, häufig etwas erhabenen Flecken annähernd gleicher Größe (5-10 mm). Das Gestein ist auch in dieser Ausprägung gelegentlich zu finden, v.a. in den nördlichen Tagebauen Cottbus-Nord und Jänschwalde. Kleine Schlagnasen am unteren Bildrand zeigen bereits Ansätze der Verwitterung.

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Weiteres Exemplar eines Kinne-Diabas (Nr. 503; Tgb Cottbus-Nord) mit kleineren Verwitterungsflecken von etwas abweichender Gestalt. In Form und Größe können die Flecken durchaus variieren. Am oberen Bildrand ist eine homogen schwarze, feinkörnige Bruchfläche zu erkennen, die kaum eine makroskopische Mineralbestimmung zuläßt, zumindest keinen Olivin erkennen läßt.

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Grobkörnigere, doleritische Variante eines Kinne-Diabas (Nr. 081, BB 35 cm) mit kleinen schwarzen Körnern, vermutlich Pyroxen (Augit). Das Gestein besitzt ein ophitisch-intergranulares Gefüge. Ophitisches Gefüge bedeutet, dass die Pyroxen-Phänokristen, die die helleren Flecken ausbilden, von den zuerst kristallisierten Plagioklasleisten durchsetzt sind. Intergranular bezieht sich auf die schwarzen Körner, die Zwischenräume zwischen den Plagioklasen ausfüllen.

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Särna-Diabas laut Beschriftung im Findlingsgarten Grießen (Nr. 389, B 80 cm). Dieser Diabas mit knotiger Verwitterungsrinde erinnert eher an einen sehr groben Kinne-Diabas?, wenn überhaupt die Verwitterungstextur aussagekräftig genug ist. Zudem soll der Särna-Diabas als deutlich gröberkörniger Dolerit entwickelt sein, der eher an die Åsby-Ulvö-Dolerite erinnert. Die Beschreibung des Särna-Diabas in SMED 2002 ist irreführend. Siehe auch skan-kristallin.de. Überhaupt scheint eine hinreichende Charakterisierung des Särna-Diabas als Leitgeschiebe fragwürdig zu sein.

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Eine Bruchfläche verdeutlicht, daß dieser Diabas feinkörnig ist. Weiterhin ist die Begrenzung der Verwitterungsflecken nicht so deutlich wie in den vorangegangenen Beispielen. Am besten, man ordnet diesem Stück keine Herkunft zu.

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Diabas (Nr. 254, Cottbus-Nord) mit eigentümlicher Verwitterungsstruktur und runden, schwarzen, etwa 1 cm durchmessenden Flecken eines unbekannten Minerals. Möglicherweise gehört auch dieses Stück in die Gruppe der Kinne-Diabase. Die Verwitterungsflecken besitzen eine längliche, bohnenförmige Form (ähnlich Nr. 503). Auf der Bruchfläche sind zudem einige cm-große Plagioklaseinsprenglinge zu erkennen.

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Bunter Diabas (Nr. 092, Steinitz; B 120 cm) mit knolliger Oberfläche. Dieses Exemplar ist weitgehend grün gefärbt. Die Außenseite bilden braune, rostige Beläge, während die rote Farbe, vermutlich Eisenoxide (Hämatit), auf zahlreiche Risse und Klüfte beschränkt ist. Es ist ein stark alteriertes, feinkörniges basisches Gestein ohne Einsprenglinge. Man könnte in diesem Fall auch von Grünstein sprechen. Der Begriff Diabas passt im deutschen Sprachgebrauch ebenfalls, da es vergrünte basaltische Gesteine (Paläobasalte) bezeichnet. Im Englischen bezeichnet diabase allerdings eher doleritische Gesteine. Die Bezeichnung Spilit ist vorgesehen für vergrünte basaltische Gesteine, die der sog. „Ozeanbodenmetamorphose“ ausgesetzt waren. Ohne Ausbildung als pillow– oder Kissen-Lava oder Vorhandensein von Albit (Na-Metasomatose des Plagioklas) wird die makroskopische Bestimmung solcher Gesteine schwierig, zumal ohne Zusammenhang einer regionalen Geologie.

 

„Diabasporphyrite“ (plagioklas-porphyrische Diabase)

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Gewöhnlicher plagioklas-porphyrischer Dolerit (Nr. 90, Steinitz) mit ophitischem Gefüge aus Plagioklas und mafischen Mineralen sowie einzelnen grösseren Plagioklaseinsprenglingen. Eine veraltete und unscharfe Bezeichnung für solche Gesteine (Diabase und Dolerite) ist „Diabasporphyrit“.

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Plagioklas-porphyrischer Diabas (Nr. 084, Steinitz, B ca. 60 cm). Die schwarzgrüne Färbung verrät hydrothermale Alteration, entweder durch Spilitisierung oder nachfolgende Metamorphose. Hierbei werden primäre Minerale (Plagioklas, Pyroxen) in sekundäre, grün gefärbte Minerale wie Chlorit, Amphibol oder Epidot umgewandelt.

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Detail Nr. 084: Deutlich bimodale Ausbildung des Mineralbestandes durch zahlreiche, bis 3 cm große, grüne Plagioklaskristalle in einer feinkörnigen Grundmasse.

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Mafisches Gestein mit zahlreichen Plagioklas-Einsprenglingen, ein plagioklas-porphyrischer Diabas (Nr. 256, Findlingslager Tgb. Cottbus-Nord, B 40 cm). Auffällig ist der hohe Anteil an zum großen Teil gerundeten Plagioklasen in einer feinkörnigen Grundmasse. Eine mögliche Erklärung zur Entstehung dieses Gesteins könnte die Vermengung zweier basischer Magmen (magma mingling) sein, wobei das basaltische Magma Plagioklase z.B. aus einem grobkörnigen anorthositischen Gestein aufnahm, die in der Folge ihres Eintrages in die Schmelze durch magmatische Korrosion angelöst und gerundet wurden.

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BB 20 cm. Im trockenen Zustand weist die feinkörnige und alterierte Grundmasse ein fleckiges Gefüge von heller- und dunkelgrünen Bereichen auf. Einzelne Minerale konnten nicht bestimmt werden. Es dürfte sich um Chlorit, Amphibol, diallagartigen Pyroxen o.ä. handeln. Auch die Grünfärbung der Plagioklase deutet auf die hydrothermale Alteration des Gesteins hin.

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Detail der angefeuchteten Oberfläche. Rundliche und eckige Plagioklas-Einsprenglinge bis 3 cm Länge.

 

Diabas-Mandelsteine

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Diabas-Mandelstein bzw. Diabas-Brekzie, in älterer Literatur und Geschiebesammlungen manchmal auch als Ostsee-Diabas-Mandelstein bezeichnet. Oberflächennah intrudierte Basalte werden durch eindringende Oberflächenwasser hydrothermal überprägt. Diese hydrothermale Alteration ist verantwortlich für die Färbung der Gesteinsbruchstücke (rötliche oder violette Töne durch Hämatitbildung) und die Migration zahlreicher Minerale in Blasenhohlräume (Calcit, Zeolith, Chlorit, Epidot, Prehnit, Chalcedon, Achat etc.). Hohlraumfüllungen mit dem dezent grün gefärbten, häufig radialstrahlig kristallisiertem Mineral Prehnit (der metamorphen Prehnit-Pumpellyit-Fazies) werden als Prehnit-Mandelsteine bezeichnet, ebenfalls ein Begriff der traditionellen Geschiebekunde. Mit einer genaueren petrographischen Spezifizierung ist allerdings keine exaktere Herkunftsbestimmung möglich. Man nimmt lediglich an, dass diese Gesteine zum großen Teil am Boden der Ostsee ihr Anstehendes haben.

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Ein weiterer Diabas-Mandelstein (Nr. 481, Tgb. Cottbus-Nord, BB 40 cm) von schwarzgrüner Farbe mit rotbraunen, vermutlich durch Abkühlung und Klüftung entstandenen Adern. Lediglich einzelne, dafür recht große Blasenhohlräume sind mit verschiedenen Mineralen gefüllt. Die bläulichgraue „Mandel“ in der linken Bildhälfte ist wahrscheinlich Chalcedon.

 

Åsby-Ulvö-Dolerite

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Grobkörniger Dolerit (Åsby-Ulvö-Dolerit) mit schaliger Verwitterung (core stone), Breite 40 cm. Das für dieses Gestein typische Herauswittern der Plagioklas-Leisten gegenüber der Matrix ist deutlich zu erkennen. Dieser Block scheint darüber hinaus Olivin zu enthalten, zu vermuten an einzelnen gelblich-braunen Körnern zwischen den Pyroxenen. Auf Magnetit wurde nicht geprüft, er ist in diesen Doleriten aber regelmässig nachweisbar. Ähnliche Blöcke finden sich ziemlich häufig als Großgeschiebe im Tagebauumfeld. Ihr Herkunftsgebiet liegt zwischen SW-Finnland über Ångermanland bis nach Älvdalen. Diese Dolerite und ähnliche feinkörnigere Diabase gehören zur CSDG (Central Scandinavian Dolerite Group) und wurden bisher mit dem Namen „Åsby-Diabas“ bzw. -Dolerit belegt. Geeigneter ist die Bezeichnung „Åsby/Ulvö-Diabas“, noch besser: -Dolerit (VINX 2016), da durch die beiden geographischen Antipoden das große mögliche Herkunftsgebiet Berücksichtigung findet.

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Dolerit, (Nr. 083, Steinitz, BB 40 cm) mit Pyroxen-Megakristallen und einer stark angewitterten, rostfarbenen Oberflächentextur. Sehr deutlich ist das ophitische Mineralgefüge aus sehr großen Pyroxenkristallen und einem Netz kleinerer Plagioklasleisten ausgeprägt, die vor Pyroxen kristallisierten und diese durchdringen.

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Das hier vorgestellte Stück ähnelt mit seinen verfilzten Plagioklas-Leisten übrigens ein wenig dem Särna-Diabas. Vermutlich ist eine makroskopische Unterscheidung der postjotnischen Diabas-/Dolerittypen vom Typ Åsby/Ulvö vom Särna-Diabas (und womöglich auf der anderen Seite von besonders grobkörnigen Kinne-Diabasen) gar nicht möglich.

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Ein weiterer Åsby-Ulvö-Dolerit mit ophitischem Gefüge (Nr. 491, Tgb. Cottbus-Nord, BB 30 cm).

 

Anorthosite und Leuko-Gabbros

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Anorthosit aus Steinitz/Welzow-Süd (Nr. 087, B 54 cm). Das Gestein besteht makroskopisch zu über 90% Plagioklas und wenigen länglichen, perlschnurartig verteilten mafischen Mineralen. Auch bei den Anorthositen ist die Herkunft meist ungewiß, da es in Skandinavien viele Vorkommen gibt, z.B. nördlich von Stockholm, in Ångermanland, auf Åland, sogar in Småland.

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Angefeuchtete Verwitterungsfläche. In der Mehrzahl graue, mit leichtem Violettstich versehene Plagioklaskristalle (z.T. auch mit weißen Partien) und dunkle Minerale (Pyroxen und/oder Amphibol sowie grünliche, glimmerartige Alterationsprodukte, z.B. Chlorit). Rechts der Bildmitte ist ein Korn eines auffällig hellgrünen, epidotähnlichen Minerals zu erkennen.

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Auf der frischen Bruchfläche und als Unterwasseraufnahme wird der grauviolette Farbton des Plagioklas etwas deutlicher. Dunkle Minerale sind in rundlichen Aggregaten scheinbar lagenweise gruppiert, möglicherweise handelt es sich um gravitative Kumulate in der Magmakammer.

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Detail der Unterwasseraufnahme. In der Vergrößerung ist noch mehr grünes epidotähnliches Mineral zu erkennen, v.a. in der Nähe der dunklen Minerale. Die Kristallformen der dunklen Minerale sind undeutlich, z.T. blättrig, was auf Chlorit oder diallagartigen Proxen schließen läßt. Letzterer kann ähnlich glimmerartig aussehen, ist aber im Gegensatz zu Glimmer spröde zerbrechlich (VINX 2011). Die hydrothermale Alteration scheint in diesem Gestein recht weit gegangen zu sein, ohne dass Plagioklas grüne Farbtöne angenommen hat.

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Ein weiterer Leukogabbro/Anorthosit (Nr. 486, Tgb. Cottbus-Nord). Der Mafitanteil dürfte bei etwa 10% liegen. Grünlich-grauer Plagioklas bildet große weitgehend idiomorphe Kristalle, schwarzer bis grünlich-schwarzer Pyroxen befindet sich in den Zwickeln. Solche und ähnliche „anorthositischen Gabbros“ kommen z.B. in Nordingrå vor. Es handelt sich aber nicht um das Leitgeschiebe „Ångermanland-Syenitgabbro“ bzw. Ångermanland-Monzogabbro, sondern um ein Gestein, welches dort anstehenden Leukogabbros ähnelt. Ob es weitere Vorkommen gibt, möglicherweise in Vergesellschaftung mit anderen Rapakiwiplutonen, ist ungeklärt.

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Leukogabbro bzw. anorthositischer Gabbro (Nr. 089, BB 30 cm, Steinitz). Schon an der weißen Verwitterungsrinde kann man einen hohen Feldspatanteil (Plagioklas) erkennen. Das Mineralgefüge wirkt durch die flaserig ausgebildeten, dunklen Minerale foliiert. Der Anteil dunkler Minerale ist schwer abzuschätzen, sie scheinen insgesamt in geringer Menge (unter 10%) enthalten zu sein und treten deutlicher in der Verwitterungsrinde hervor als auf der dunkelgrauen Bruchfläche.

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Kleines Spaltstück vom obigen Block. Grünlich-dunkelgraues Gestein mit offenbar weitgehend gut kristallisiertem, verzahntem Gefüge der Mineralbestandteile, hauptsächlich farbloser, transparenter Plagioklas, der frisch und unalteriert wirkt. Makroskopisch sind keine Spuren von Metamorphose oder Deformation zu erkennen. Dunkle Minerale, vermutlich Klinopyroxene, sind schwierig aufzufinden und bilden kleine, xenomorphe Aggregate. Die Unterscheidung von Amphibol gelang nur über den Glanz und schlechte Spaltbarkeit, charakteristische Spaltwinkel konnten nicht bestimmt werden. Weiterhin ist das Gestein schwach magnetisch, an einzelnen Stellen liegen größere Magnetitkörner. Schwarze Serpentinitmasse (glanzlose feinkörnige schwarze Masse) ist nicht zu erkennen, ebenso fehlen Olivin und Glimmer. Zuletzt ist an einigen Stellen etwas hellgrüne, epidotähnliche Substanz zu erkennen. Auch der grünliche Gesamteindruck des Gesteins läßt auf eine leichte (auto?)-hydrothermale Alteration schließen.

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Leukokrate Schliere aus Feldspat und Quarz (körnig und aplitisch) in einem (Leuko-)Gabbro (Nr. 085, Breite 65 cm, Steinitz) mit reichlich gelbgrünen, bis 5 cm großen Plagioklaseinsprenglingen.

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Dicht an dicht liegende Plagioklaskristalle in einer grobkörnigen Grundmasse, die wiederum Plagioklas und vermutlich Pyroxen enthält. In Leukogabbros, die sich von der Zusammensetzung Anorthositen annähern, sind Ca-Plagioklase vorherrschend, die eine grüne Färbung durch hydrothermale Alteration aufweisen. Manche Plagioklaskristalle zeigen Spuren von randlicher Auflösung und sind leicht gerundet. Im Inneren der Kristalle sind an Spaltlinien Produkte hydrothermaler Alteration ausgeschieden (dies können Amphibol, Chlorit oder Epidot o.ä. sein).

 

Hornblendegabbros und -diorite

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Interessante pegmatitartige Bildung in einem gabbroiden/dioritischem Gestein (Nr. 473, BB ca. 35 cm, Tagebau Cottbus-Nord). Neben einem an einen Dolerit erinnernden ophitischen Gefüge treten größere dunkle und runde Mineraleaggregate auf, vermutlich Granoblasten von Hornblende. Auch das schwarze Mineral in der grob kristallisierten Partie könnte Hornblende sein. Das Stück konnte petrographisch nicht eingehender untersucht werden. Es ist aber ein Beispiel für die seltenen Pegmatitbildungen in einem (Meta-)Hornblendegabbro/-diorit.

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Grobkörniger Gabbro (Nr. 257, Merzdorf/ Tgb. Cottbus-Nord, BB 70 cm) mit markanter Verwitterungsoberfläche: die Plagioklaskristalle treten zurück, die faserigen dunklen Minerale, vermutlich Amphibol bzw. „Uralit“, hervor. Das dunkle Mineral ist also verwitterungsresistenter als Plagioklas und kann daher kaum Pyroxen sein. Im Findlingspark Nochten ist ein ähnliches Exemplar mit deformiertem Gefüge als „Hällefors-Diabas (Dalsland)“ beschriftet. Die Angabe soll an dieser Stelle aber keine Herkunft implizieren, im Gegenteil dürften solche Gesteine kaum zuverlässig einer Herkunft zugeordnet werden können. Nach VINX 2016 sind solche „uralitisierten“ Gabbros meist svekofennischer Herkunft.

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Die hervortretenden dunklen Minerale entstanden wahrscheinlich durch Umwandlung von Klinopyroxen in nadeligen bzw. faserigen (aktinolithischen) Amphibol durch den namensgebenden Vorgang der „Uralitisierung“. Dies ist eine spezifische Form der Metamorphose eines Gabbros. Wasseraufnahme wandelt Pyroxen in Amphibol um. Solche Gesteine wurden früher als „Uralit-Gabbro“ bezeichnet. Der Begriff ist obsolet, korrekter wäre heute die Bezeichnung amphibol-fibroblastischer Meta-Gabbro.

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Hornblendegabbro mit ophitischem Gefüge, ebenfalls in älterer Literatur manchmal als Uralitgabbro bezeichnet. Haldenfund bei Weißagk/Malxetal, Tgb. Jänschwalde. Die Probe zeigt einen stark hydrothermal alterierten Dolerit (kräftige Grünfärbung der ursprünglich schwarzen Pyroxene) mit tiefschwarzen Hornblende-Granoblasten. Letztere entstanden aufgrund der deutlichen Begrenzungen nach der Alteration unter zunehmenden, vermutlich statischen Metamorphosebedingungen.

 

Uralit-Porphyrit

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Ebenfalls ein uralitisiertes Gestein, ein „Uralit-Porphyrit“, zutreffender: amphibol-porphyroblastischer Diabas. Das Gestein besitzt eine grüngraue Verwitterungsrinde, in der größere eckige und auch abgerundete schwarze Amphibole stecken. Die reichlich vorhandenen, kleinen Plagioklase sind auf dem Bild schlecht zu erkennen, die größeren kaum sicher als solche zu identifizieren. Auffällig ist das Gefüge aus runden, plagioklasreicheren und -ärmeren Partien ähnlich einem Lapillituff. Die enthaltenen Arten von „Lapilli“ sind sehr ähnlich. Solche Uralit-Porphyrite treten wohl an mehreren Orten im svekofennischen Raum, mit weniger Einsprenglingen auch in Småland sowie in mehreren Vorkommen auf dem finnischen Festland auf. Sie sind kaum als Leitgeschiebe geeignet (s.a. Uralit-Porphyrit von Vaksala).

 

Kumulophyrischer Metagabbro

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Metagabbroides Gestein mit Kumulatgefüge, (Nr. 400, Breite ca. 40 cm; Tgb. Jänschwalde, Findlingskippe Malxetal). Das Exemplar wird trotz seines metamorphen Charakters in dieser Rubrik gezeigt, weil das Gabbro-Gefüge noch deutlich zu erkennen ist. Man beachte, dass das Gestein oben deformiert, mit deutlicher Foliation und Auslängung der dunklen Minerale bestimmt ist, während es unten rechts nahezu regellos-körnig erscheint. Die etwas heller grüngraue, feinkörnig erscheinende „Schicht“ könnte eine Scherfläche mit sehr begrenzter lokaler Ausdehnung darstellen.

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Das Detailfoto zeigt rundliche grünliche Pyroxene von 1 cm Durchmesser mit etwas dunkleren Hornblende-Coronen und Plagioklas als „Füllmasse“. Der Mineralbestand des Protolithen scheint reichlich grobkristalliner Pyroxen und sehr wenig Plagioklas gewesen zu sein, eine Mineralzusammensetzung, wie sie als gravitatives Kumulat in der Magmakammer einer Gabbroschmelze auftreten kann. Es handelt sich um ein ultrabasisches Gestein, vielleicht aus einem Ophiolith-Komplex. Für ein ultramafisches Gestein muß der Plagioklasanteil unter 10% liegen und das Gestein aus dem Erdmantel stammen. Dies ist im vorliegenden Falle unwahrscheinlich durch das Fehlen von Olivin.

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Detail der stark foliierten Partie, darunter vermutlich eine Scherzone mit hell graugrünem, pulverigem Mineral. Das schwarze, flaserig ausgebildete Mineral scheint hier eher Amphibol zu sein. Münzdurchmesser 18 mm.

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Kleiner Abschlag der Nr. 400 (Unterwasseraufnahme) mit bis zu 1 cm großen, grünlich schillernden Pyroxenen (diallagartig), die von einem Rand aus Hornblende umgeben sind (coronitisches Gefüge). Die „Füllmasse“ zwischen den abgerundeten Mafiten ist weiterer Amphibol und Plagioklas, darin einige rote Flecken, offenbar nur Einfärbungen durch Fe-oxide o.ä. Das Gestein reagiert nicht auf einen Handmagneten.

 

Einschlußführende Diabase

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Einschlußführender Diabas oder sog. Gerölldiabas (Nr. 079, Höhe 90 cm, Aussichtspunkt Tgb. Welzow-Süd, SE Neupetershain). Die rostbraune Verwitterungsrinde verhüllt die basaltähnliche Matrix des Gestein, die zahlreiche Gesteinsbruchstücke, in der Hauptsache weiße Granitoide und graue Gneise führt.

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BB 35 cm; Detail der eckigen bis leicht gerundeten Klasten vorwiegend schwarz-weißer Granitoide und Gneise.

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Ein weiterer Diabas mit narbiger Oberfläche (Nr. 82, Steinitz, B 60 cm). Zu erkennen sind Adern von hellerem Material aus Feldspat und Quarz, einzelne Klasten von Fremdmaterial sind kaum näher zu spezifizieren.

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Das letzte Exemplar dieser Reihe ist ein Mischgestein, ein einschlußführender Diabas (Nr. 427, Findlingshalde bei Weisagk/Malxetal/Tgb. Jänschwalde). Eine basische Schmelze (Dolerit) drang in ein saures Gestein ein oder riss beim Aufstieg entsprechende Gesteinsbestandteile mit und bewirkte eine sichtbare Vermengung beider Magmen (magma mingling). Basische Schmelzen sind unter gleichen p-T-Bedingungen einige hundert Grad Celsius heißer als saure Schmelzen. Die Rundung des grossen Alkalifeldspat/Quarz-Xenoliths ist also nur möglich durch ein Eindringen basischer Schmelze in das granitische Gestein.

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Detail des runden Alkalifeldspat-Quarz-Xenoliths in vergrüntem Dolerit. Ein kleiner Abschlag oberhalb der Kugel zeigt das Gefüge des eindringenden mafischen Magmas. Etwas links unterhalb der 2-Cent-Münze ein größeres Quarzkorn mit schwarzem Reaktionsrand („Ringquarz“) in einem deutlich stärker von Magmenmischung betroffenen Bereich.

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Partie aus „quarzmonzogabbroidem“ Mischgestein. Erkennbar sind Ränder von durch Aufschmelzung mobilisiertem rotem Feldspat um vergrünte Plagioklase und gegenseitige Durchdringung beider Gesteinskomponenten. Abgerundete Quarzkörner zeigen Ringe von mafischen Mineralen („Ringquarze“). Da sich für gewöhnlich Gesteine mit einem solch unterschiedlichen Chemismus kaum innig miteinander vermischen, erscheint eine Herkunft aus einem Rapakiwipluton denkbar, in dem in unteren Krustenbereichen durch besonders heiße und trockene Schmelzen magma mingling mit lokalen mixing-Erscheinungen nicht nur möglich, sondern gesteinsbildend ist. Das Ergebnis dieses Kontaktes ist kein homogenes Gestein, vielmehr ändert sich das Gefüge im Dezimetermaßstab.

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Unterwasseraufnahme eines kleinen Abschlags: die obere Partie besteht aus stark alteriertem Dolerit, während der untere Bereich stärker vom magma mingling betroffen ist.

 

Literatur

Smed P, Ehlers 2002 Steine aus dem Norden, 2.Auflage – Gebrüder Bornträger, 195 S.

Vinx R 2011 Gesteinsbestimmung im Gelände, 3. Auflage – Spektrum-Verlag, 480 S.

Vinx R 2016 Steine an deutschen Küsten – Verlag Quelle & Meyer Wiebelsheim, 279 S.

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