Schweden 6: Vulkanite und Granite aus Småland

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Auf dem Weg zur Skurugata. Nordöstlich von Eksjö steht ein Vulkanitgebiet an, die Vulkanite von Skurugata bilden den südlichen Teil davon. Eine nicht immer zutreffende, hier aber bestätigte Regel zur Geomorphologie (nach Persson 1973) besagt: Vulkanite sind verwitterungsresistenter und bilden Bergkuppen aus, Granite finden sich in den Tallagen.   

Einführung Transskandinavischer Magmatit-Gürtel

Die in diesem Bericht gezeigten Plutonite und Vulkanite aus dem Transskandinavischen Magmatit-Gürtel (transscandinavian igneous belt, TIB) stammen ausschließlich aus Småland bzw. der geologischen Großeinheit des Småland-Värmland-Gürtels (abgekürzt SVB). Auf TIB und SVB wird kurz auf Grundlage der Schrift von Högdahl, Andersson, Eklund (2004) eingegangen, im folgenden mit SP37 (Geological Survey of Finland, special paper 37) abgekürzt.

TIB und SVB

Grafik, verändert aus rapakivi.dk. Links: Der Transskandinavische Magmatitgürtel (TIB) zieht sich als lange Kette von Batholithen etwa 1.400 km durch Skandinavien, von SE-Schweden bis NW-Norwegen. Er lässt sich in Schweden nach lithologischen Kriterien in 4 Provinzen einteilen: 1) Småland-Värmland-Gürtel (SVB) im Süden und Westen, 2) Dala-Provinz, 3) Rätan-Batholith im Zentrum und 4) Revsund-Batholith im Norden. Weiter im Westen und NW verschwindet der TIB unter den Kaledoniden und taucht nur in kleinen Fenstern unter dem mittlerweile wieder abgetragenen Deckgebirge auf. Rechts: Grobe Einteilung des SVB mit Växjö-Graniten südlich und dem Vimmerby-Batholith nördlich des grün gezeichneten, älteren Oskarshamn-Jönköping-Gürtels. Filipstad-Granite nehmen grosse Flächen in Värmland ein. Diese Unterteilung von Graniten nach geographischen Hauptverbreitungsgebieten ist nicht allzu wörtlich zu nehmen. Filipstad-Granite treten auch andernorts auf, ebenso die Växjö-Granite, deren Begrifflichkeit ohnehin schwer zu fassen scheint.

Zum TIB

Die Intrusivalter der paläoproterozoischen Gesteine des TIB variieren zwischen 1,85 bis 1,65 Ga, die älteren von ihnen treten an der Grenze zu Gesteinen der svekofennischen Orogenese auf. Der TIB entstand durch Aufarbeitung (Bildung von Granitplutonen in einem Szenario eines aktiven Kontinentalrandes) jüngerer svekofennischer Kruste, die Alter von 2,1 bis 1,87 Ga aufweist, ergänzt durch Gesteinsmaterial aus dem Erdmantel (magmatic underplating). Ausführlich geht SP37 auf die Theorien plattentektonischer Prozesse ein, die aufgrund geophysikalischer Messungen (z.B. BABEL-Group 1993) verfeinert werden konnten. Den Grenzen der 1,92-1,86 alten kontinentalen Kruste des svekofennischen Orogens folgen im W und SW 1,85 Ga alte Gesteine des TIB („TIB-0“), die plattentektonisch den Übergang zwischen kollisionalem und postkollisionalem (Dehnungs-)Regime markieren. Zwischen 1,85 und 1,65 Ga wurden alkalireiche, krustale I-bis A-Magmen produziert, die zum Ende hin auch wieder kalkalkalischen Charakter annahmen. Die lange Zeit magmatischer Aktivität (1,8-1,0 Ga) entlang des Südrandes der Urkontinente Laurentia-Baltica ist am besten mit einer langlebigen Kontinentalrand-Subduktionszone vom Anden-Typ erklärbar.

Die Verwendung der Begriffe svekofennisch, Svekofenniden und der jüngeren, aufgearbeiteten Kruste (TIB) wird von verschiedenen Autoren unterschiedlich gehandhabt. Es gibt keine einheitliche Nomenklatur. Als svekofennisch sollen hier der Einfachheit halber subduktionsverwandte Gesteine der svekofennischen Orogenese (2,0-1,8 Ga) bezeichnet werden, incl. damit verbundener Inselbögen wie dem OJG (Oskarshamn-Jönköping-Gürtel). Als svekokarelisches Orogen bezeichnen Wahlgren et al. (1996a) sowohl die durch Subduktion gebildeten Gesteine vor als auch die post-kollisionalen Gesteine (TIB) des orogenen Kollaps nach dem Höhepunkt der Orogenese um 1,85-1,80 Ga. Die Gesteine des TIB, der keine chronologische, sondern eher eine lithologische und geographische Beziehung andeutet, sind also auch „svekofennisch“, jedoch zum post-kollisionalen Stadium zu rechnen.

Der 1,84-1,82 Ga alte Oskarshamn-Jönköping-Gürtel (OJG), auf der rechten Kartenskizze zwischen Växjö-Graniten und Vimmerby-Batholith gelegen, repräsentiert einen Span einer jüngeren (post-)svekofennischen Kruste und zeigt an, dass eine Akkretion von Inselbögen ozeanwärts vom Kontinentalrand fortgesetzt wurde, während die Aufarbeitung svekofennischer Gesteine (TIB) zeitgleich weiter nordwärts durch massives mafisches underplating stattfand.

Zwei Altersgruppen von TIB werden unterschieden, TIB-1 (1.76–1.81 Ga) und TIB-2 (1.69–1.71 Ga). TIB-2 scheint die größte Vorkommensbreite in Värmland, Dalarna und Süd-Jämtland zu besitzen. Isolierte TIB-2-Vorkommen finden sich aber auch im TIB-1. Die Grenzen zwischen beiden Bereichen sind irregulär, sie repräsentieren eher Provinzen magmatischer Gesteine als kohärente tektonische Terrane oder gar Orogene. Ein ehemaliger TIB-3 (1.65–1.67 Ga) wird mittlerweile zu TIB-2 gerechnet. Weiter westwärts wurden die TIB-Granitoide durch die svekonorwegische Orogenese (vor etwa 1 Ga) deformiert.

Småland-Värmland-Gürtel (SVB)

Die meisten Gesteine des SVB fallen in den Zeitraum von TIB-1 (1,81-1,76 Ga), u.a. alle vulkanischen und plutonischen Gesteine Zentral- und Ost-Smålands. Hier füllen vorwiegend felsische (also hauptsächlich Feldspat und Quarz, Si=Silizium, enthaltene) Vulkanite große Flächen. Teile der Gneise nördlich des Vänern im östlichen Segment gehören zum SVB, südlich davon ist die Einordnung ungewiß, da auch eine Reihe von kalkalkalinen Gesteinen auftreten.

Petrographisch sind die grob- bis mittelkörnigen SVB-Plutonite Granite bis Quarzmonzonite, weitgehend I- und A-Granite mit postkollisionalem Charakter (postorogene magmatische Suite). Amphibol und Biotit sind die gewöhnlichen dunklen Minerale. Es gibt kontinuierliche kompositionelle Trends vom Gabbro bis zum Granit. Auch mehr kalkalkalische Formen kommen vor: Granodiorite und sogar Tonalite (sehr selten). Nach Persson (1973) gibt es bei den Småland-Graniten eine Differentiationsserie vom Gabbro über Diorit, Quarzdiorit zum Granodiorit, die beim roten, mittel- bis grobkörnigem, salischen („saurem“) Alkalifeldspat-Granit endet. In die Granite eingeschaltet sind zahlreiche mafische Körper, vor allem N und S des OJG. Mafische Gesteine, auch magma mingling/-mixing-Strukturen treten auf. Die postkollisionalen TIB-Granite unterscheiden sich damit deutlich von paläo- bis meso-proterozoischen TTG-(Tonalit-Tronhjemit-Granodiorit)-Serien, die subduktionsbezogen sind und S-(Leuko)-Graniten, die aus verdickter Kruste ausgeschmolzen wurden.

Im SVB gibt es zahlreiche Varietäten von Graniten, die teilweise unabhängig von ihrer Herkunft Gruppennamen tragen, z.B. „Roter Växjö“ für mittel- bis grobkörnige rote, saure Granite und „Grauer Växjö“, der etwas alkalischer ist (Granodiorit). In Värmland kommen v.a. Granite vom Typ „Filipstad“ vor. Diese Bezeichnung ist bei den schwed. Geologen traditionell ein Sammelname für grob porphyrische Granite des SVB mit gerundeten Feldspat-Megakristallen, die einen Mantel aus Plagioklas besitzen. Diese Granite dominieren den nördlichen Teil des SVB, kommen aber auch in Småland vor. Der Teil des SVB nördlich vom OJG heißt Vimmerby-Batholith mit roten bis grauroten, grobkörnigen Graniten. Er reicht geographisch im N bis zur Askersund- und Fingspång-Intrusion, im E bis Västervik und im W bis westlich des Vätternsees. Lokalnamen der verschiedenen Granitvorkommen existieren seit langer Zeit, ursprünglich wurden sie bei der Entwicklung von Theorien geosynklinaler Zyklen in den 30er Jahren zu unterschiedlichen Phasen der Gebirgsbildung gerechnet.

Vor allem in Småland gibt es größere Areale mit Vulkaniten, die wahrscheinlich in Grabenbildungen vor Abtragung bewahrt wurden. Es sind gewöhnlich gut erhaltene Einheiten mit Ignimbriten, Tuffen, vulkanischen Brekzien und möglicherweise Laven (Persson 1973), Alter etwa 1.81-1.79 Ma. Mafische und felsische Gänge (z.B. Småland-Gangporphyre) incl. gemischter Gänge sind weit verbreitet. Diese Gesteine bestätigen eine co-genetische Beziehung zwischen felsischen und mafischen Magmen.

Die folgenden drei Teile dieser Artikelserie zeigen Bilder von gesammelten Proben aus dem TIB: Vulkanite, Granitoide und einige basische Gesteine. Der Barnarp-Granit, der ebenfalls zum TIB gehört, wurde bereits im 4. Teil vorgestellt. Einen kurzen Überblick speziell zu den Vulkaniten in Småland gibt es in Teil 7.

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Die Karte zeigt die besuchten Exkursionspunkte. Rote Kreuze markieren Probenahmen von TIB-Granitoiden und Vulkaniten, die in anderen Teilen dieses Exkursionsberichtes besprochen werden, siehe Teil 4 und Teil 8.

 

(1) Skurugata

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Skurugata, 9 km NE von Eksjö, ist eine etwa 1 km lange und bis 50 m tiefe Schlucht. Man kann sie durchwandern und anschließend den Skuruhatt (337 m) besteigen. Im ganzen Gebiet stehen Quarzporphyre und hälleflintartige Gesteine an. Auf der geologischen Karte, Blatt Vetlanda NV durchzieht die Schlucht eine grössere Störung, die möglicherweise ursächlich für ihre Entstehung ist. Denkbar ist, dass die Schlucht durch Einwirkung des Inlandeises oder durch Schmelzwässer weiter ausgeräumt wurde. Auch der isostatische Ausgleich durch Aufsteigen des skandinavischen Festlandes nach Ende der letzten Kaltzeit kann eine Rolle spielen. In diesem Falle würde man eher von einem Canyon sprechen.

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Rotbraun und hellrot verwitternder Quarzporphyr, der ein relativ weitständiges Kluftmuster zeigt. Die Klüfte laufen in verschiedene Richtungen, waagerecht vermutlich die Abkühlungsklüfte, quer einzelne Scherklüfte einer Bruchtektonik.

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Roter Quarzporphyr mit hellroter Verwitterungsrinde aus der Skurugata-Schlucht. Diese feinkörnige Variante vermutlich rhyolithischer Zusammensetzung ist häufig zu finden.

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Makroskopisch erkennbarer Quarz ist in geringer Menge zu sehen, er besitzt z.T. eine bläuliche Färbung. Die Grundmasse ist bei Vergrösserung inhomogen-schlierig entwickelt, die wenigen Feldspateinsprenglinge sind entweder rot oder weiß ausgebildet, letztere oft mit grüngrauem Kern. Wenig dunkle Minerale kommen in kleinen Flecken oder auch nadeligen (Hornblende?) bis plattigen (Biotit?) Aggregaten vor.

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Ein weiteres, häufig anzutreffendes Gestein ist ein rotbrauner, hälleflintartiger Porphyr mit undeutlichen Feldspateinsprenglingen und rotschlierigem Gefüge, vermutlich eine ignimbritische Ablagerung. Dies entspricht Beobachtungen von Persson (1973), der solche schlierigen Hälleflinte oft als Ignimbrite deutet. Ein deutliches eutaxitisches Gefüge fehlt.

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Es gibt in der Skurugata auch Porphyre mit körniger Grundmasse und mehr oder weniger zahlreichen weissen bis roten Feldspateinsprenglingen. Quarz ist transparent bis hellgrau und in der körnigen Grundmasse reichlich zu finden, und zwar sowohl in gerundeten als auch eckigen Aggregaten. Dunkle Minerale, u.a. schwarzer Glimmer, sind in geringer Menge vorhanden. Bilder von einem auffälligen, nur lokal anzutreffenden Porphyr mit „kumulophyrischem“ Gefüge roter Feldspäte, das ich auf meiner Wanderung nicht fand, gibt es auf skan-kristallin.

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Nach dem Schnitt durch das vorige Gestein, Unterwasseraufnahme, macht sich leichte Enttäuschung breit: die Größe der Feldspäte bleibt bescheiden. Die Grundmasse entspricht der Korngröße nach kaum noch der eines Porphyrs, vielmehr geht das Gefüge in Richtung Mikrogranit (oder Granophyr?). Auffällig ist, daß die kleinen Quarzkörner Ansammlungen und Gruppen bilden, die Feldspäte weniger. Das Stück wird von einer Quarzader durchzogen.

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Am Ende des Wanderweges durch die Schlucht beginnt der Aufstieg zum Skuruhatt (337 m), der ebenfalls aus rhyolitischem Quarzporphyr besteht. Im Bild ist eine enge Klüftung der Rhyoliths im dm-Maßstab zu erkennen.

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Einige Meter höher, auf dem Top des Skuruhatts, finden sich überlagernde Kluftmuster jeweils einer eng- und einer weitständigeren Klüftung. Die feinere Klüftung könnte auf Abrasion durch  Gletschereinwirkung zurückzuführen sein.

 

(2) Ignimbrit von Idekulla

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Kleine, unauffällige Felsen im Wald, südlich der kleinen Ortschaft Idekulla. Die Lokalität ist einer der wenigen Aufschlüsse von Ignimbriten in Småland mit deutlich eutaxitischem Gefüge bzw. gut erhaltenem Primärgefüge. Nach Persson (1973) sind die Primärgefüge in vielen Vulkaniten/Ignimbriten durch metamorphe Überprägung verwischt worden.

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Ignimbrit von Idekulla mit heller Verwitterungsrinde, rechts oben Im Bild rotbraune bis dunkelgraue Farbtöne des frischen Bruches. Die für Ignimbrite typische Fiamme, die dünnen und kurzen weissen Schlieren, weisen klare Begrenzungen auf, ein Indiz dafür, daß das Gestein nicht oder kaum metamorph überprägt wurde.

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Eutaxitisches Gefüge auf angefeuchteter Partie der Verwitterungsfläche. Die hellen, flachen und gewellten Streifen bestehen aus ausgewalztem Quarz und offenbar rekristallisiertem Quarz: in den Streifen ist eine Zonierung von randlich trübem Quarz zu klarem Quarz mit senkrecht verlaufenden Bruchlinien erkennbar.

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Unterwasseraufnahme einer Schnittfläche des Ignimbrits von Idekulla mit quer durch das Stück verlaufendem Riss (tektonischer Versatz). Auch nahezu senkrecht sind zahlreiche feinste Risse zu beobachten. Das Gestein enthält relativ wenige und kleine, häufig undeutlich begrenzte Feldspateinsprenglinge, wie es für Ignimbrite/Porphyre aus Småland typisch ist. Dunkle Minerale und zerbrochene Quarzkörner kommen ebenfalls sporadisch vor. Ungewöhnlich für Ignimbrite aus Småland ist die kontrastreiche Streifung der hell- bis dunkelbraunen, in der Mitte weissen Schlieren/Flammen.

 

Småland-Gangporphyre

Die Lokalnamen der Småland-Gangporphyre (Påskallavik-, Emarp-, Sjögelö-Porphyr etc.) stammen aus einer Zeit der geologischen Bestandsaufnahme Schwedens. Diese Gesteinsvorkommen unterschiedlicher Variationsbreite kennzeichnen bestimmte Typen mit ähnlichen Eigenschaften, die nicht nur an der namensgebenden Typlokalität, sondern auch an anderen Orten auftreten können. In der Geschiebekunde ist es daher oft sinnvoller, z.B. von einem „Småland-Gangporphyr, Typ Påskallavik“ zu sprechen. Von den bekannten Leitgeschieben wurden hier an Typlokalitäten Emarp-, Sjögelö- und Nymåla-Porphyr, Lönneberga-Porphyrit und Lönneberga-Agglomeratlava beprobt. Eine Varietät eines Gangporphyrs aus Påskallavik wird in Teil 8 besprochen. Literatur mit Beschreibungen dieser Gesteine des Sjögelö-Gebietes liefern u.a. Nordenskjöld (1893), Persson (1973), Hesemann (1975) und Zandstra (1988).

(3a) Sjögelö-Porphyr an der R 40

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Kartenausschnitt des Blattes Vetlanda NE der SGU. An der Strasse R 40 (auf dieser Karte 33) (57.620872 15.485236) steht an der Parkmöglichkeit ein grauer Granitoid an („grauer Växjö“), zusammen mit einem Mikrogranit. Ca. 360 m weiter westlich an der Straße gibt es einen Aufschluß des Sjögelö-Porphyrs mit einem diabasartigem Gestein. Laut Index der geologischen Karte (Vetlanda NE) steht an der Parkmöglichkeit ein Quarzmonzonit bis Quarz-Monzodiorit an, der in einen porphyrischen Granit vom Filipstad-Typus (nicht gefunden) übergeht. Zusätzlich treten große Xenolithe eines Metabasits auf (schwarze Rauten). Am Porphyraufschluß schneidet der Gangporphyr die Strasse und ist von  Diabasporphyritgängen begleitet. Dieser Gangporphyr streicht von hier aus etwa 3,5 km in SSE-Richtung. Die weiter unten beschriebene Fundstelle S des Gutes Sjögelö gehört zum GLEICHEN Gang!

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Probe des Sjögelö-Porphyrs. Neben der roten bis rotbraunen Farbe und den teils runden, teils nur kantengerundeten sowie hämatitimprägnierten Feldspatkristallen bis max. 2 cm ∅ ist v.a. eine körnige Grundmasse charakterisierend. Bei Nordenskjöld (1893) wird der Sjögelöporphyr als Granophyr beschrieben, da er mikropegmatitische Verwachsungen enthält, die allerdings nur mit dem Mikroskop beobachtet werden können.

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Weitere Probe des Sjögelö-Porphyrs. Schwach bläulicher Quarz bildet rundliche, durchsichtige bis leicht trübe Aggregate. Einige dunkle Minerale, auch in den Kernen der Feldspäte, sind nicht genau identifizierbar. Blättchenartige Ausbildung von dunklen Mineralen legt Biotit oder Alterationsprodukte (Chlorit) nahe. Eigenständiger Plagioklas ist auf der Bruchfläche gar nicht zu entdecken.

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Teil einer Probe als Unterwasseraufnahme. Die Feldspäte besitzen nach Nordenskjöld (1893) eine interessante Zonarstruktur: die Kerne aus mikroperthitischem Orthoklas (rot) umgibt eine klare Randzone aus Plagioklas (weiß). Die Ecken dieser Kerne können gerundet sein. Darum verläuft wieder eine etwas dunklere, einschlußreichere Schicht, die mit einer dünnen, weißen Schicht zur Grundmasse hin abschließt. Diese letztere Zone soll aus Orthoklas bestehen.

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Dunkles Gestein mit zahllosen 2-4 mm langen, intensiv reflektierenden Hornblendeleisten in einer kristallinen Grundmasse. Auf der geologischen Karte ist das Gestein als Diabas gekennzeichnet (s.o. Kürzel Db). Der Feldspat in der Matrix ist leicht grün gefärbt, wahrscheinlich Plagioklas.

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Leicht angewitterte Oberfläche einer Probe vom Anstehenden an der Parkmöglichkeit. Das als Metabasit-Xenolith (schwarze Rauten) auf der geologischen Karte verzeichnete Gestein erscheint zunächst wie ein Porphyrit. Die mittel-, im Bruch dunkelgraue Grundmasse ist sehr feinkörnig und enthält zahllose Feldspat-Einsprenglinge. Ganz unten links der Mitte ein leicht bläulicher Quarz.

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Frische Bruchfläche. Überwiegend handelt es sich bei den Feldspäten um Plagioklas, andere, grössere Einsprenglinge mit leicht rötlicher Färbung sind Alkalifeldspat. Dies ist manchmal nicht leicht zu erkennen, da die Feldspäte offenbar alteriert sind. Auf der Bruchfläche sind viele größere, sechseckige Biotite zu finden. Einige grössere graue Quarze mit abgerundeten Umrissen sind ebenfalls in nicht unwesentlicher Anzahl aufzufinden. Die Zusammensetzung der Grundmasse bleibt naturgemäss unklar, nach grober makroskopischer Einschätzung könnte es sich um ein dacitisches Gestein (Paläobezeichnung: Porphyrit) handeln.

 

(3b) Sjögelö-Porphyr S Gut Skögele

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Südlicher Aufschluss des Sjögelö-Gangporphyrs (s. Karte oben), BB 80 cm, Bild: T. Langmann. Vor über 120 Jahren bewohnte O. Nordenskjöld das Gut Sjögelö (heute Skögle) und benannte den etwas weiter südlich ausbeissenden Gangporphyr nach dieser Lokalität. Dieser Aufschluss gehört zum gleichen Gang wie der eben beschriebene Porphyr an der R 40.

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Handstück mit frischer Bruchfläche. Die Eigenschaften decken sich weitgehend mit dem Porphyr vom Aufschluß an der R40. Lediglich die Zahl der Einsprenglinge scheint etwas höher zu sein, die Größe der Einsprenglinge etwas geringer. Die mehrfache Zonierung der Feldspäte ist in unseren Proben nicht so deutlich, dafür haben die Feldspäte kräftiger pigmentierte, rote Kerne. Nach Zandstra (1988) unterscheidet sich der Sjögelö-Porphyr von ähnlichen Varianten des Påskallavik-Porphyrs durch seine vollrote oder grau- bis braunrote Färbung und seine deutlich körnigere Grundmasse. Auch sind Deformationserscheinungen nicht so deutlich ausgeprägt. Geschiebefunde und Bestimmungen von Gangporphyren als Typ Sjögelö lassen also vermuten, daß es in Småland noch weitere, ähnlich ausgebildete Gangporphyre gibt. Gemessen an der geringen Ausdehnung speziell dieses Ganges dürfte der Sjögelö-Porphyr dieser Typlokalität im Geschiebe sehr selten zu finden sein.

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Aufsicht auf die trockene Bruchfläche.

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Angefeuchtete Bruchfläche.

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Unterwasseraufnahme einer weiteren Probe. Foto und Probe T. Langmann.

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Der Gangporphyr ist eingebettet in ein granitoides Gestein. Aufgrund des geringen Quarzgehaltes und dem deutlichen Überwiegen an rotem Alkalifeldspat gegenüber Plagioklas handelt es sich um einen Quarz-Syenit bis Quarz-Monzonit. Diese Beobachtung stimmt mit den Angaben der geologischen Karte überein. Zwischen Gangporphyr und angrenzendem Quarzmonzonit haben wir dunkle Schlieren eines diabasartigen Gesteins beobachtet, das Übergänge mit dem Quarzmonzonit bildet. Es konnte aufgrund der Aufschlusssituation nicht ermittelt werden, ob der Diabas mit dem Gangporphyr gemeinsam bzw. jeweils randlich davon auftritt (composite dyke), wie es häufig bei Småland-Gangporphyren der Fall ist.

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Unterwasseraufnahme vom Gefüge des mittelkörnigen Quarz-Monzonits, Bild und Probe T. Langmann. Quarz ist spärlich in hellgrauen Körnern zu erkennen. Reichlich Alkalifeldspat ist rot, deutlich weniger Plagioklas weiss bis leicht grünlich gefärbt, Biotit bzw. Chlorit schwarz.

 

(4) Emarp-Porphyr Pelarne

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Gangporphyr als Strassenaufschluß an der Strecke nach Pelarne, 600 m NE des Abzweiges von der R 40, BB etwa 1,50 m. Links daneben, gerade noch erkennbar, ein grüngrauer Diabasporphyrit als Gangbegleiter. Dieser bekannte Aufschluß „nahe der Eisenbahnstation Emarp“ war schon O. Nordenskjöld bekannt. Es ist die Typlokalität des Emarp-Porphyrs/Hamphorva-Typ. Aufgrund zahlreicher Funde von Emarp-Porphyren im Geschiebe scheint es zahlreiche weitere und ähnliche Vorkommen (z.B. S Storebro oder im Vulkanitgebiet von Oskarshamn) dieses Porphyrtyps zu geben, auch stärker umkristallisierte Typen, betont O. Nordenskjöld (1893). Daher spricht man besser von Gangporphyren, Typ Emarp. Der Hamphorva-Typ hingegen ist nach Zandstra (1988) im Geschiebe selten zu finden. Das Gestein ist, wie vermutlich alle Gangporphyre, ein Subvulkanit. Dafür spricht das bimodale Gefüge einer (rasch erstarrten) feinkörnigen Grundmasse und bereits kristallisierter, großer und abgerundeter Kristalle von Feldspat und Quarz.

Unterwasseraufnahme einer Probe vom obigen Aufschluss. Nordenskjöld (1893) beschreibt die „schön porphyrischen“ Varianten des Emarptypus („Hamphorfva“-Typus) wie folgt: …„Dasselbe enthält in einer rotbraunen, schon makroskopisch nicht völlig dichten Grundmasse, welche sich dem Aussehen nach feinkörnigen Varietäten von Aplitgraniten anschliesst und in dünnen Splittern etwas durchscheinend ist, grosse, zuweilen bis 3 cm. lange, idiomorph begrenzte Einsprenglinge von hellröthlichem, perlmutterartig glänzendem Orthoklas und mehr untergeordnet von trübem, grünlichem Plagioklas. Ferner findet sich Quarz in fast centimeterlangen, milchblauen, fettglänzenden Individuen, und daneben treten Aggregate von chloritartigen Gemengtheilen als kleine rundliche Partien hervor. Es ist besonders die Anwesenheit des blauen Quarzes, welche das porphyrische Aussehen hervorruft.“…

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Detail des Gefüges, Unterwasseraufnahme. Einsprenglinge machen etwa 30-35 % des Volumens aus. Biotit ist das vorherrschende dunkle Mineral. Nebenbestandteile sind nach mikroskopischer Untersuchung Nordenskjölds u.a. Serizit, Epidot, Titanit und Erz.

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Angefeuchtete Probe, Variante mit vermindertem Einsprenglingsanteil und kleineren Feldspäten.

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Der Gangporphyr ist begleitet von einem grüngrauen Diabasporphyrit. Im Gelände war nicht zu erkennen, ob der Diabas auf beiden Seiten des Gangporphyrs ansteht (mehrphasiger Gang, composite dyke). Zumindest auf einer Seite steht er in direktem Kontakt. Der Name Diabasporphyrit ist etwas irreführend. Die Bezeichnung Porphyrit impliziert einen Vulkanit dacitischer Zusamensetzung (Dacit, Paläobezeichnung: Porphyrit), gemeint ist offenbar ein Diabas mit Plagioklas-Einsprenglingen. Im skandinavischen Raum werden alle Basalte mit erkennbaren Kristallen als Diabase (engl.: dolerite) bezeichnet, im Deutschen gibt es hierfür kein Äquivalent außer dem Begriff Dolerit, der aber eher gabbroide Gesteine betrifft. Diabas im deutschen Sprachgebrauch hingegen bezeichnet leicht metamorphisierte („vergrünte“) basaltische Gesteine, die älter als Perm sind (Basalt, Paläobezeichnung Diabas). Ein petrographisch nach aktueller Nomenklatur zutreffender Name hierfür wäre Grünstein. Im vorliegenden Falle passt auch der Begriff (plagioklasporphyrischer) Diabas, weil er sowohl die skandinavische als auch die deutsche Begrifflichkeit hinreichend abdeckt.

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Handstück des Diabas. Zu den weissen bis schwach rotbräunlichen, offenbar stark alterierten grösseren Feldspäten (Plagioklas) kommen viele kleine, ihre Kristallflächen reflektierende Plagioklase in einer grüngrauen, feinkörnigen Grundmasse. Einzelne Körner dunkler Minerale von stumpfem Glanz waren nicht bestimmbar (Hornblende, Pyroxen?).

 

(5) Granitporphyr Funghult

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Granitporphyr, Strassenaufschluss an der 919, 800 m NE von Funghult, Probe von T. Langmann. O.Nordenskjöld (1893) weist auf eine gewisse Ähnlichkeit im Erscheinungsbild mit dem Emarp-Porphyr hin. Die Grundmasse ist hier jedoch deutlich körniger. Durch das diffuse, verwaschen erscheinende Gefüge der Einsprenglinge und unklaren Korngrenzen im Verhältnis zur Grundmasse ist anzunehmen, daß eine Umkristallisation stattgefunden hat. Die Granitporphyre dürften ebenfalls wie die Gangporphyre subvulkanische/hypabyssische Bildungen sein. „In der Umgebung von Funghult (SW Mariannelund) grenzen granitische Gesteine, Porphyre und dunkle Ganggesteine auf engem Raum aneinander  –  wie es in Småland häufig der Fall ist.“ (aus: skan-kristallin.de).

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Auf der feuchten Bruchfläche tritt das Gefüge klarer hervor. Die Probe enthält wesentlich mehr vergrünte Feldspäte (Plagioklas). Adern von grünen bis schwarzgrünen Alterationsprodukten durchziehen das Gestein. Dunkle Minerale bilden kleine Anhäufungen. Bereits in der Vergrösserung des Fotos erkennt man die körnige Gesteinsmasse.

 

Rote Småland-Granite

Rote Granite gibt es in Småland in vielen Varianten, sie werden von schwedischen Geologen allgemein als „rote Småland-Granite“ bezeichnet. Der Begriff „Roter Växjö“ ist obsolet. Ein Zitat von O. Nordenskjöld in Holmquist (1906) verdeutlicht bereits die Problematik: Växjö-Granite sind Småland-Granite, „die in verschiedenen Gegenden verschieden aussehen und wohl auch verschieden zusammengesetzt sind, aber gegeneinander im allgemeinen keine scharfe Grenze zeigen“. In der Geschiebekunde werden gleich- sowie fein- bis mittelkörnige rötliche Småland-Granite als Granite vom Typ Roter Växjö bezeichnet, eine wenig hilfreiche Klassifizierung, da das mögliche Herkunftsgebiet sehr gross ist. Einen Eindruck in die Variationsbreite roter Småland-Granite vermittelt eine Zusammenstellung auf skan-kristallin.de. Im Geschiebe können mittel- bis grobkörnige Granite einigermassen sicher nach Småland, zumindest als TIB-Granite zugeordnet werden, wenn sie reichlich roten Alkalifeldspat, grauen bis blauen Quarz, untergeordnet Plagioklas und im Allgemeinen wenig dunkle Minerale (Biotit) enthalten. Wir haben einige wenige Proben von roten Smaland-Graniten v.a. im grösseren Umkreis von Mariannelund gesammelt, weitere TIB-Granitoide werden in anderen Teilen dieses Reiseberichtes vorgestellt.

 

(6) Vollroter Smaland-Granit von der T-Kreuzung Haddarp-Lönneberga Kyrka-Hultsfred

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Alkalifeldspat-dominierter grobkörniger Granit mit hellgrauen Quarzen und etwas Biotit. Alterierter Plagioklas liegt in wenigen und kleinen, grünen Aggregaten vor. Der Anteil bleibt deutlich unter 10%. Petrographisch handelt es sich somit um einen Alkalifeldspatgranit.

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Die Unterwasseraufnahme zeigt das Gefüge von roten, perthitisch entmischten Alkalifeldspäten. Wie im Järeda-Granit sind in dieser Probe die Feldspäte teilweise zerbrochen und die Risse mit dunklem Mineralen ausgefüllt worden, ein Gefüge, das offenbar nicht selten in diesem Gebiet auftritt.

 

(7) Südufer des Sees Linden

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Grobkörniger, vollroter Alkalifeldspatgranit vom Südufer des Sees Linden, Str. Aufschl. an der Straße 702, Probe von T. Langmann. Die bläulichen Quarze sind klar bis trüb. Kaum Plagioklas.

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Weitere Probe, ebenfalls vom Südufer des Linden, Bild von T. Langmann. Hier erkennt man wieder mit schwarzen Mineralen verfüllte Risse in den Alkalifeldspäten. Der Granit wirkt mäßig deformiert, was man neben den eingeregelten, zerbrochenen Feldspäten an den trüben, in die Länge gezogenen Quarz-Aggregaten und der Anhäufung von dunklen Mineralen (Biotit, Chlorit) in Flecken erkennt.

 

(8) Järeda-Granit

Die Variante des Järeda-(Mariannelund)-Granits, die als Leitgeschiebe geeignet ist, findet sich an einem Straßenaufschluß an der R 47, etwa 8 km E Järnforsen. Aufgrund einbrechender Dunkelheit konnten wir keine Fotos eines Diabasganges machen, der den Granit durchschlägt. Dieser oder ein benachbarter Diabas bewirkte die Ausscheidung dunkler Minerale in den Rissen der rot- bis beigebraunen Feldspäte, die den Järeda-Granit von anderen Småland-Graniten unterscheidet. Nicht der gesamte Granit in der Gegend von Järeda ist so ausgebildet, diese Granit-Typen müssen aber insgesamt ein recht großes Areal einnehmen, weil sie im Geschiebe recht häufig auftreten. Der alternative Name „Mariannelund-Granit“ wurde von P. Smed eingeführt. Es ist aber zu empfehlen, diesen Begriff nicht zu verwenden, da er irreführend ist. Im Gebiet von Mariannelund kommen eher Augengranite anderer Beschaffenheit vor, die wohl eher nicht als Leitgeschiebe geeignet sind. Zudem liegt diese Fundstelle etwa 25 km SE von Mariannelund (Hinweis: H. Wilske).

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Frische Bruchfläche des Järeda-Granits. In der Vergrösserung erkennt man einen eigentümlichen Glanz und ein tiefes Schwarz der dunklen Minerale, das auf Hornblende schliessen lässt. Unter der Lupe ist der Befund nicht eindeutig, zumindest in den Anhäufungen scheint auch Biotit anwesend zu sein. Kräftiges Kratzen mit einer Stahlnadel an den dunklen Partien brachte allerdings keinen blättchenförmigen Abrieb, der Biotit bestätigen würde.

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Unterwasserfotografie einer weiteren Probe. Hier erkennt man die mit schwarzen Mineralen ausgeheilten Risse in den beigebraunen Feldspäten im Detail. Hornblende überwiegt dabei. Die leicht bläulichen, xenomorphen und ebenfalls zerbrochenenen Quarze sind trüb und bilden zusammenhängende Massen. Schmutzig grüner Plagioklas ist nicht eindeutig zu identifizieren und nur untergeordnet vorhanden.

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Järeda-Granit, Probe und Foto von T. Langmann, mit eigentümlich schlierigen Streifen aus grauem bis blaugrauem Quarz und reichlich dunklen Mineralen. Die Quarz-Schlieren weisen hier eine waagerechte Orientierung auf, während viele der charakteristischen Risse mit dunklen Mineralen in den bis zu 2 cm langen und abgerundeten Alkalifeldspäten nahezu senkrecht dazu stehen. Der Granit wurde unter Bedingungen des spröden Bruches deformiert, dadurch entstanden die Risse in den Feldspäten. Diese wurden durch das Aufdringen eines benachbarten mafischen Magmas mit Mineralen gefüllt, v.a. wohl Hornblende. Kontakte von basaltischen Gesteinen mit Granitoiden kann man in Smaland häufig sehen, oft entstehen ziemlich heterogene Gesteinsmischungen (gemischte Gänge, s.a. „Alsarp-Diabas“ in Teil 8). Die Überprägung des Järeda-Granits könnte eine recht wasserarme Angelegenheit gewesen sein, da wohl hauptsächlich Hornblende aus dem Basaltoid injiziert wurde, ohne daß unter Wasseraufnahme eine weitere Umsetzung zu Biotit stattfand, zudem der Eduktgranit wohl arm an wasserhaltigen Mineralen (z.B. Biotit) war. Südlich vom Anstehenden des Järeda-Granits liegt die Grenze zum OJG. In seiner unmittelbaren Nähe ist die Dichte mafischer Gänge und Intrusionen im TIB besonders hoch. Das geologische Kartenblatt Vetlanda SE (1:100 000) zeigt unmittelbar westlich unserer Fundstelle eine 6 km lange, bis etwa 500 m breite mafische Intrusion.

 

(9) Småland-Granit Västrum

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Ebenfalls wie der Järeda-Granit aus dem Vimmerby-Batholith stammend, jedoch von völlig anderem Erscheinungsbild ist dieser mittelkörnige NE-Småland-Granit (Str.Aufschl. an der Straße 790, 8 km NW von Västrum, T. Langmann legit). Orangerote bis braunrote Feldspäte bis 1 cm, Quarz ist deutlich zerdrückt, teilweise zuckerkörnig. Diese Aggregate sind klar bis trüb weiss, größere intakte Quarze blau. Etwas grünlich alterierter Plagioklas ist zugegen.

Smaland_Granit_Västrum

Die Unterwasseraufnahme zeigt die Verteilung von weißem, zuckerkörnigem Quarz neben grösseren Aggregaten Blauquarz. Dieser Granit enthält mehr dunkle Minerale als die vorangegangenen Beispiele, zudem ist unter der Lupe Titanit zu erkennen.

 

(10) Ignimbrite bei Växjö

Die abschliessend gezeigten Proben stammen nicht aus dem Gebiet um Mariannelund, sondern aus dem Gebiet zwischen Åseda und Växjö bzw. Braås, s.o. Punkt 10 und 11 auf der Karte. Einem Hinweis von Matthias Bräunlich folgend, beprobte ich auf der Strecke von Åseda nach Växjö an der R 23 einige Straßenaufschlüsse mit Ignimbriten und Porphyren. Das Erscheinungsbild dieser Vulkanite ist im allgemeinen etwas schlicht und oft wenig aussagekräftig. Als Leitgeschiebe taugen diese Vulkanite wohl eher nicht. Die folgenden Bilder vermitteln lediglich einen kleinen Einblick in Umfang und Variabilität der Småland-Vulkanite in diesem Gebiet. Hierzu nochmal O.Nordenskjöld (S. 111): „Das größte der Smaländer Hälleflintgebiete, das Lenhofdagebiet, umfasst sowohl typische Eovulkangesteine, als auch Quarzporphyre und Felsite; nach Beschreibungen von HOLST (Sect. Lenhofda) scheinen auch basische Gesteine vorzuliegen. Zahlreiche Porphyrgänge kommen in der Nähe des Gebietes und in demselben (Kristvalla) vor.“

Lokalität 1 (57.12051, 15.24466)

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Feinkörniger, plattiger Vulkanit mit diffus lagigem Aufbau. Biotit ist als einziges Mineral sicher erkennbar, keine Einsprenglinge von Quarz oder Feldspäten. Die obere Hälfte enthält mehr dunkle Minerale und ist feinkörniger als die untere, rötliche Partie. In beiden Partien gibt es schwarze und rötliche Schlieren. Die klare Begrenzung beider Partien ist gebogen, ob es sich um reliktische vulkanische Schichtung handelt oder um nachträgliche tektonische Beeinflussung, bleibt ungewiß. Für letztere Annahme spricht eine Einregelung der Biotitplättchen. Die Gesteinsmasse ist feinkörnig, auf der Bruchfläche erkennt man Reflektionen von Feldspat-Kristallflächen, für eine Unterscheidung zwischen Alkalifeldspat und Plagioklas sind sie zu klein. Es handelt sich vermutlich um einen umkristallisierten Tuff.

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Brauner, feinkörniger bis dichter Porphyr/Vulkanit mit einigen runden Quarzen und sehr wenig Feldspat-Einsprenglingen: roter Alkalifeldspat und ein grüner, stark alterierter Feldspat, vermutlich Plagioklas. Weiterhin sind Biotitplättchen und etwas Erz erkennbar.

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Geschiebe vom gleichen Strassenaufschluss. Es handelt sich um ein basaltisches Gestein mit schlierigem Gefüge und Kontakt zu einem mittel- bis kleinkörnigem Granitoid. Der Basalt ist alteriert (Grünfärbung). In ihm finden sich fein verteilt rote Feldspatkörnchen (aus dem Granit). Der Granit ist durchsetzt mit grünen Alterationsprodukten. Die Probe ist vermutlich ein Stück aus einem gemischtem Gang.

 

Lokalität 2 (57.10998, 15.21005)

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Dunkel graubrauner, einsprenglingsarmer Porphyr bzw. Ignimbrit. Kein Quarz erkennbar,  dunkle Minerale sind fein verteilt. Die wenigen hellen Einsprenglinge sind Plagioklas. Manchmal sind diese auch grün verfärbt. Das Gestein hat vermutlich eine intermediäre Zusammensetzung (Dacit?). Unberücksichtigt bleibt bei dieser Ansprache natürlich der Anteil der Si-Komponente der Matrix.

S44_Porphyr1_Aseda

Die Unterwasseraufnahme zeigt ein verwaschenes Gefüge zahlreicher kleiner Feldspäte. Lediglich einige grössere weiße Feldspäte haben halbwegs klare Korngrenzen. Teile dieses Porphyrs besitzen gar keine Einsprenglinge, andere Bereiche Akkumulationen von dunklen Mineralen, vermutlich Biotit.

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Rotbrauner (Gang?)-Porphyr mit reichlich klaren Einsprenglingen bis 5 mm in einer dichten Grundmasse. Die Einsprenglinge weisen z.T. deutliche Kristallformen auf, z.T. sind sie abgerundet. Quarz ist nur unterordnet in wenigen abgerundeten Körnern vorhanden.

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Unterwasseraufnahme. Ähnelt ein wenig der kleinkörnigen Probe aus dem Emarp-Aufschluss, besitzt aber mehr dunkle Minerale und eine dunklere Grundmasse. Grössere Feldspäte sind abgerundet, die rötlichen und weissen sind Alkalifeldspat, Plagioklas ist meist grünlich getönt.

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Detail der angefeuchteten Probe mit roten, weissen und grünen Feldspäten, darüber hinaus Biotit bzw. Chlorit und grüne Alterationsprodukte. Unter der Lupe war ein wenig Erz zu finden.

 

(11) Braås

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In der flachen Gegend um Braås (Strecke Braås-Hornaryd) fallen Vulkanite/Ignimbrite durch sanfte Kuppen im Gelände auf. Sie scheinen hier die einzigen Aufschlüsse an den Straßen zu sein. Gesucht wurde das Anstehende des Ignimbrits von Karstorp, siehe auch skan-kristallin, beprobt habe ich einen Aufschluss etwa 8 km N von Braås (57.09334, 14.99582).

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Ziemlich harte Oberfläche des obigen Strassenanschnitts, BB etwa 1 m. Versucht man diese Vulkanite mit dem Vorschlaghammer zu bearbeiten, muß man sich in Acht nehmen vor umherfliegenden, messerscharfen Splittern. Das Gestein ist ausgesprochen zäh, hart und verwitterungsresistent, vergleichbar Feuerstein (Hälleflinta, Äquivalent im Deutschen etwa „Felsenfeuerstein“). Auffällig ist auch eine z.T. sehr weitständige Klüftung. Die Gletscher der Eiszeit bzw. mitgerissenes Gesteinsmaterial müssten dieser Oberfläche reichlich zugesetzt haben, vermochten aber vielleicht nur Splitter abzuhobeln.

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Braune Hälleflinta mit einigen weissen Feldspäten, Bruchflächen durch Strassenbaumassnahmen, BB etwa 30 cm.

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Direkt an der Ortsausfahrt von Braås (Idrottsplats, Zufahrt zum Volvo-Werk) findet sich ein sehr ähnlicher Vulkanit, deswegen beschränke ich mich darauf, nur diese Probe zu zeigen: braune, dichte Grundmasse mit wenigen helleren, rotbraunen sowie grünlichen Feldspateinsprenglingen, die auf der Verwitterungsfläche klarer hervortreten. Keine Quarzeinsprenglinge, einige schwarze Mineralkörner. Insgesamt recht merkmalsarm.

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Der interessantere, zumal angewitterte schwarze Ignimbrit wird als Schottermaterial verwendet und stammt sicherlich aus der unmittelbaren Umgebung (dieses Stück: 8 km N Braås). Hier wird schon eher deutlich, daß es sich um einen Ignimbrit handelt, da das eutaxitische Gefüge gut erkennbar ist. Die weiß verwitternden, parallelen Flasern umfließen einzelne, wenn auch undeutlich entwickelte und sehr spärlich vorhandene Feldspat-Einsprenglinge sowie Klasten. Auffällig ist die knotige Oberfläche. Vermutlich handelt es sich hierbei um Lapilli. Fast alle diese Klasten sind gerundet, nur wenige eckig. Manche haben eine andere Zusammensetzung/Textur als das einbettende Gestein.

 

Literatur

Hesemann: Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen
Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen, 1975

Högdahl, Andersson, Eklund: The Transscandinavian Igneous Belt (TIB) in Sweden: a review of its character and evolution; Geological Survey of Finland, Special Paper 37, Espoo 2004

Holmquist (1906): Studien über die Granite von Schweden

Nordenskjöld, O. (1893): Archaische Ergussgesteine aus Småland; SGU Ser.C, No. 135

Persson,L. (1973; Übersetzung A.P.Meyer): Die Vulkanite in der Umgebung von Vimmerby in Nordost-Smaaland (Südschweden); Der Geschiebesammler 12, 4, S.1-28 und 13,1, S.1-14, Hamburg 1979

Schmincke, H.-U.: Vulkanismus, 3. Auflage (2010), WBG-Verlag

Smed/Ehlers: Steine aus dem Norden
Bornträger-Verlag Stuttgart, 1.Auflage 1994, 2.Auflage (2002)

Vinx, Roland: Gesteinsbestimmung im Gelände, 3.Auflage, Spekrum-Verlag (2010)

Wimmenauer: Petrographie magmatischer und metamorpher Gesteine
Enke-Verlag, Stuttgart (1985)

Zandstra, J. G.: Noordelijke Kristallijne Gidsgesteenten; Brill, Leiden (1988)

 

 

Ein Gedanke zu „Schweden 6: Vulkanite und Granite aus Småland

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