Schweden 8: Tag an der Ostküste

IMG_6659

Blick in den Steinbruch Kråkemåla im Götemar-Pluton. Dieser letzte Teil des Exkursionsberichts beschreibt einen langen Tag mit Probenahmen in NE-Småland. Am Ende der Seite folgen abschliessend einige Beobachtungen am südlichsten Punkt Schwedens, in Smygehuk.

Tour_Ostküste

Kartenausschnitt aus OSM (openstreetmap) mit den Exkursionspunkten in Ost-Småland. Von Mariannelund fuhren wir (T. Langmann, L. Kassens, M. Torbohm) zunächst in das Gebiet von Vena. NE der Ortschaft beprobten wir einen zufällig entdeckten kleinen Steinbruch (1) und besuchten die Fundstelle des „Alsarp-Diabases“ (2). An der Ostküste Smålands, im Gebiet zwischen dem See Götemaren (3) und Påskallavik/Vånevik (6), sammelten wir Proben der anorogenen 1,45 Ga alten Granite: Götemar- (3), Uthammar- (4) und Virbo-Granit (5). Fundpunkt (6) schliesslich ist ein Strassenaufschluß in Påskallavik-Nord (Småland-Gangporphyr und Vånevik-Granit) sowie das Stenhuggarmuseum in Vånevik.   

 

(1) Steinbruch bei Vena

IMG_6564web

Auf dem Weg zur Fundstelle des Alsarp-Diabases haben wir zufällig einen kleinen Steinbruch (etwa 30 x 30 m) entdeckt, etwa 2 km ENE Vena Richtung Alsarp (57.53024, 15.99391). Der Bruch scheint recht frisch angelegt zu sein und liegt laut geologischer Übersichtskarte der SGU (1:250 000) in einem Gebiet enger Nachbarschaft von Vulkaniten, Graniten und mafischen Intrusionen des TIB. Lithologisch äußerte sich dies im Auftreten zahlreicher unterschiedlich ausgebildeter Gesteinsvarietäten und Mischgesteine auf kleinstem Raum.

IMG_6578web_BB16cm

Deutlich von schwarzen Schlieren eines mafischen Magmas überprägter roter Småland-Granitoid mit Blauquarzen, BB 16 cm. Eine genauere Ansprache des Gesteins macht aufgrund des Mischcharakters nur begrenzt Sinn.

IMG_8965

Probe eines kontrastreichen Blauquarz-Monzogranits mit rotem Alkalifeldspat, weniger schmutzig-grüngrauem Plagioklas und dunklem Glimmer bzw. hauptsächlich chloritisierten, grünen Alterationsprodukten als dunkle Minerale. Quarz ist im trocknenen Zustand transparent bis milchig blau ausgebildet.

Vena_anstehenderGranit1b

Unterwasseraufnahme der gleichen Probe, Quarz ist durchgängig milchig trüb und blau ausgebildet. Auffällig ist die kräftige Grünfärbung des Plagioklas. Die Probe enthält überdies reichlich Titanit.

IMG_8905

Detail einer angefeuchteten Probe. Die Pfeile markieren besonders große Exemplare von gelbem Titanit in der charakteristisch keilförmigen Ausbildung.

IMG_8883

Sehr feinkörnige bis dichte rote Hälleflinta, Vulkanit rhyolithischer Zusammensetzung mit leicht inhomogenem Gefüge. Bis auf vereinzelte Lichtreflexe von Kristallflächen sind keine Mineralbestandteile zu erkennen.

IMG_8887

Diese Probe ist grobkörniger als die vorher gezeigte und besteht im Wesentlichen aus Quarz und Feldspat. In dünneren Lagen ist das Gestein transparent. Einige vereinzelte Quarze sind in der ansonsten feinkörnigen Gesteinsmasse zu erkennen, die ebenfalls aus Feldspat und Quarz besteht. Dunkle Minerale, vermutlich Glimmer oder grünliche, chloritisierte Alterationsprodukte, sind nur vereinzelt aufzufinden. Das Gestein ist mit Erz imprägniert, wahrscheinlich Pyrit. Ein leicht silbriger Schimmer auf der Bruchfläche läßt die Gegenwart kleiner Mengen Hellglimmer vermuten. Es könnte sich um einen Aplit handeln.

IMG_8901

Rotbrauner Vulkanit mit schlierigem Mischgefüge. Die Oberfläche der frischen Bruchfläche ist zwar feinkörnig, durch zahlreiche Lichtreflexe sind aber kristalline Bestandteile auszumachen: farbloser Quarz und roter Feldspat. Die dunkler gefärbten Partien müssten mehr Glimmer oder Alterationsprodukte wie Chlorit enthalten. Zur Genese lässt sich aufgrund der Inhomogenität des Gefüges wohl nur sagen, daß eine Mischung saurer und mafischer Magmen stattfand. Möglicherweise erfolgte nachträglich eine Umkristallisation der Mineralbestandteile.

IMG_8891

In diesem ähnlichen Stück ist eine Bruchlinie mit leichtem Höhenversatz zu erkennen. Die feinkörnige Matrix ist schlierig rot bis grünschwarz, keine Einsprenglinge, kein Erz.

IMG_6567web_BB7cm

Druse im anstehenden Granit, ausgekleidet mit hellgrünem Epidot bzw. grünen Alterationsprodukten hydrothermaler Einwirkung und violettem Fluorit, BB 7 cm.

 

(2) Alsarp-Diabas

Der Alsarp-Diabas wird bei Hesemann (1975) als mögliches Leitgeschiebe aufgeführt. Bilder auf skan-kristallin von diesem einschlussführendem Diabas veranlassten uns, das Gestein in situ aufzusuchen. Der Aufschluss liegt zwischen Alsarp und Junnarp etwa 650 m hinter dem Bahnübergang direkt an der Strasse.

Alsarp-Diabas (S 2) (11)web

Ausbiß des gemischten Ganges von Granit und Diabas in unterschiedlichen Mischungsanteilen, Bild: T. Langmann. Die Zone ist etwa 5 m breit, rechts und links davon steht Granit an, der deutlich weniger in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Diabas drang in den bereits auskristallisierten Granit ein, zerstörte lokal sein Gefüge und resorbierte gewisse Bestandteile.

IMG_6586web

Einerseits war die Enttäuschung groß, den auf skan-kristallin.de abgebildeten Diabas mit den schönen, gerundeten Feldspataugen nicht anzutreffen, sondern nur granitoides Gestein mit wechselnden Anteilen basaltischer Komponente ohne durchgreifende Homogenisierung des Materials. Andererseits kann man an dieser Stelle die Interaktion eines in den Granit eindringenden Diabasganges studieren („gemischter Gang“). Im Bild: grobes Mischgefüge aus basaltischen und granitischen Komponenten.

IMG_8860

Kleine Probe aus dem gemischtem Gang. Ein größerer, leicht gerundeter Alkalifeldspatkristall (Karlsbader Zwilling) liegt in einer inhomogenen Gesteinsmasse aus dunklen Mineralen der basaltischen Komponente. Die Gesteinsmasse enthält auch zahlreiche kleine Quarzkörner und weitere Bestandteile, die aus dem granitoiden Gestein stammen: abgerundete größere und milchblaue Quarze und kleinere rote Alkalifeldspäte.

Alsarp_gemischterGang

Gleiche Probe als Unterwasseraufnahme. Wir können uns der Auffassung von H. Wilske auf skan-kristallin.de nur anschliessen: …Meines Erachtens wäre es allerdings weit übers Ziel hinaus geschossen, aus diesen Gegebenheiten ein geschiebekundlich relevantes Leitgeschiebe zu kreieren  –  den sog. „Alsarp-Diabas“. Zumal unklar ist, wie viele ähnliche gemischte Gänge es noch in Schweden gibt.

AlsarpDiabas_Alsarp

Weitere Probe als Unterwasserfotografie. Dieses Gefüge zeigt einen Zustand des magma mingling, der mechanischen Vermengung zweier Magmen. Mafische Magmen sind heisser als granitische Schmelzen. Der Diabas hat den Granit teilweise an- und aufgeschmolzen, dabei reagierten seine Mineralbestandteile mit denen des Granits, z.B. zu reichlich Glimmer (oder Chlorit), der den Hauptteil der dunklen Minerale auszumachen scheint. Es erfolgte aber keine weitergehende Homogenisierung dieser Partien (magma mixing). Sowohl granitische als auch basaltische Partien liegen mehr oder weniger getrennt vor. In dieser Probe „fehlt“ lediglich die feinkörnigere Matrix des Granits. Man kann also bei den von uns aufgefundenen Gesteinsproben keineswegs von einem einschlussführenden Diabas sprechen, lediglich von einem Mischgestein aus Diabas und Granit.

AlsarpDiabas_anstehenderGranit1c

Unterwasserfotografie einer Probe des Granitoids in wenigen Metern Abstand vom Kontaktbereich. Quarz ist reichlich vorhanden, und zwar in zahlreichen trüb-blauen, in trockenem Zustand glasklaren bis milchig-trüben Körnern. Die roten Alkalifeldspäte sind häufig einfach verzwillingt ausgebildet und überdies gerundet (Augengranit). Plagioklas ist farblos, weiß oder leicht grünlich gefärbt. Schwarze Minerale sind in der Hauptsache Biotit, Hornblende wurde nicht erkannt. Das Gestein ist als Monzogranit anzusprechen. Die inhomogene Verteilung der dunklen Minerale legt einen Einfluß des benachbarten Diabasganges nahe.

Granit_Alsarp1a

Detail der vorigen Probe.

IMG_8839

200 m südlich vom Aufschluß des gemischten Ganges wurde dieses feinkörnige, grüngraue, leicht schillernde Gestein als Abschlag vom Anstehenden aufgesammelt. Durch die Foliation der zahlreich enthaltenen feinen Schüppchen eines dunklen Glimmers könnte es sich um einen kristallinen Schiefer (Metavulkanit?) handeln, möglicherweise ist es ein Leptit. Leptit (griechisch: leptos = dünn) ist ein veralteter Name für feinkörnige, gleichkörnige metamorphe Gesteine von annähernd granitischer Zusammensetzung und vermutlich suprakrustalem Ursprungs. Mit zunehmendem Gehalt an Glimmer gehen sie in Glimmerschiefer und bei zunehmendem Gehalt an Quarz in Quarzite über (nach Fettes/ Desmons 2007).

 

(3) TIB-Granit bei Misterhult

IMG_4117b

Auf dem Weg zum Steinbruch N Kråkemåla im Götemar-Granit wurde an einem Straßenaufschluß 300 m S Misterhult (57.45895, 16.55195) ein roter, mittelkörniger Småland-Granitoid des TIB beprobt. Quarz ist farblos, Alkalifeldspat rot gefärbt, z.T. auch fleckig durch Hämatitpigment. Etwas Plagioklas ist schmutzig grün, Biotit schwarz gefärbt.

IMG_4115b

Die Probe zeigt dunkle Schlieren aus nicht equilibriertem basischem Magma. Die Schlieren sind feinkörnig und von hellgrüner bis grünschwarzer Farbe.

 

Anorogene Granite in Ost-Småland

AnorogeneGr_Ostsmaland

Karte aus rapakivi.dk nach Kartenmaterial der SGU. Im Osten Smålands gibt es 3 kleine, individuelle Intrusionen von jeweils etwa 1,45 Ga alten, anorogenen Graniten: Jungfrun (anstehend auf der Insel Blå Jungfrun), Götemar und Uthammar (mit Virbo). Die Platznahme in 1,8 Ga alten TIB-Gesteinen erfolgte in einem tektonisch vermutlich extensionalem Regime, das unter distalem Einfluss der sog. danopolonischen Orogenese stand (Friese 2009). Die 1,45 Ga Granite schneiden sauber entlang des Wirtsgesteins ab. Es gibt keine Anzeichen, dass sich tektonische Deformation in der Oberkruste während der Platznahme von Götemar- und Uthammar-Granit auf diese auswirkten (Cruden 2008). Zumindest der Jungfrun- und der Götemar-Granit zeigen petrographisch Eigenschaften von Rapakiwi-Graniten, siehe weiter unten. Beim Uthammar-Pluton ist eine ähnliche Genese wahrscheinlich, jedoch ohne deutliche rapakiwiähnliche Gefügeeigenschaften des Granits. Definiert man Rapakiwis gemäß Rämö und Haapala (1992): „Rapakivi granites are A-type granits characterized by the presence, at least in the larger batholiths, of granite varieties showing the rapakivi texture.“ , so kann man den Uthammar-Pluton kaum als besonders groß bezeichnen. Eine ähnliche Genese bei allen drei Granitintrusionen durch Aufsteigen besonders heisser, wasserarmer Magmen (durch magmatic underplating?) kann angenommen werden, so daß auch der Uthammar-Granit als A-Granit ein den Rapakiwis verwandter Granit ist.

Die in der Geschiebekunde beschriebenen Granite Uthammar und die undeformierte Variante des Virbo-Granits gehören nach neuen aeromagnetischen Messungen (Cruden 2008) einer einzigen Intrusion an. Demnach ist der undeformierte Virbo-Granit lediglich als eine (mitunter quarzärmere) Spielart des Uthammar-Granits anzusehen. Die Namensgebung des Virbo-Granits erstreckt sich aber auch auf deformierte Varianten. Letzere sind möglicherweise ausschliesslich 1,8 Ga alte TIB-Granite, zumal sie sich ausserhalb des durch jüngste aeromagnetische Messungen ergebenen Umrisses der Intrusion befinden (Cruden 2008). Der gesamte auf der Karte eingezeichnete Körper, durchschnitten von der Figeholms-Bucht, ist also eine Intrusion. Grund für diese Ungenauigkeiten in der Namensgebung des Virbo-Granits ist nach Ausführungen auf rapakivi.dk eine Arbeit von Holmquist (1906), der zwar Virbo- und Götemargranit als eigenständige Intrusionen erkannte, für die Granite in der Bucht von Figeholm aber folgende Unterteilung wählte: Granite nördlich der Bucht (bis ins Gebiet von Västervik!) hießen Uthammar-Granit, jene südlich der Bucht (bis Oskarshamn!) Virbo-Granit. Er unterschied nochmals einen durch Kataklase deformierten und einen undeformierten Virbo-Granit. Hesemann, und nicht nur er, übernahm später diese Einteilung wohl ungeprüft. Deshalb regt S. Madsen an, den Namen Virbo-Granit nur noch für die deformierten Granite zu verwenden, da ein und derselbe Name kaum zwei verschiedene Granitvorkommen mit 1,45 Ga und ca. 1,8 Ga repräsentieren kann. Ob der Name „Virbo-Granit“ darüber hinaus als eigenständige Typbezeichnung taugt und ob er für die Geschiebekunde relevant ist, bleibt zunächst offen.

Gestützt wird diese Vermutung durch einige Angaben in der neueren Literatur, so in Cruden (2008), der fast identische chemische Analysen von Granitproben anführt (Proben A 360-1 im Uthammar- und A 362-3 im undeformierten „Virbo“-Teil). Weiter heisst es dort: „The Götemar and Uthammar granites appear to be anorogenic intrusions, with no indications that upper crustal tectonic deformation participated in the emplacement and space-making process.“ 

Schaut man sich die Kartenskizze aus skan-Kristallin an, so erkennt man, daß Probenahmen des ominösen Virbo-Granits sowohl innerhalb (Nr. 3, 5, 6, 10) als auch außerhalb (Nr. 1, 2, 4, 11, 12) der Plutongrenzen erfolgten. Auch die Proben 5 und 6 liegen nach der folgenden Kartenskizze ausserhalb des Plutons.

Götemar_Uthammar

Skizze aus Cruden (2008). Davon ausgehend, daß die Umrisse des Uthammar-Plutons auf der Skizze geographisch korrekt wiedergegeben wurden, befindet sich unser Fundpunkt des Virbo-Granits leider ausserhalb der Plutongrenzen (rotes Kreuz, 57.32838, 16.53400). Die Grenze der Intrusion verläuft an ihrem Südrand etwas weiter nördlich als auf oben gezeigter Skizze aus skan-kristallin. Es steht zu befürchten, daß wir einen TIB-Granit als „Virbo-Granit“ aufgesammelt haben. Ein erneuter Besuch im Gelände mit Probenahmen und der Abgrenzung von deformierten 1,8 Ga-TIB- und undeformierten 1,45 Ga-A-Graniten entlang der südlichen Grenze der Intrusion müsste Klarheit schaffen, inwiefern der Name Virbo-Granit in der bisher verwandten Form obsolet ist und der nun Uthammar-Granit zu nennende Granit an seiner südlichen Intrusionsflanke tatsächlich keine Deformationen aufweist. Ein Vergleich der Proben auf skan-kristallin zeigt jedenfalls, daß die deformierten Formen des Virbo-Granits nicht innerhalb der auf der Kartenskizze von Cruden verzeichneten Plutongrenzen vorkommen.

 

(3) Götemar-Granit bei Kråkemåla

Der Götemar-Granit mit einem Alter von 1.452 + 11/–9 Ma (Åhäll 2001) bildet eine Intrusion in der Nähe der Ortschaft Misterhult am See Götemaren, die eine fast kreisrunde Form mit einem Durchmesser von etwa 5 km besitzt. Eine Skizze dieser Intrusion, eine petrographische Beschreibung sowie Angaben zur Entstehung dieses Hypersolvusgranits („Ein-Feldspat-Granit“) finden sich auf kristallin.de.

Die Kontakte zum umgebenen 1,8 Ga-Småland-Granit sind im allgemeinen scharf und Xenolithe fehlen im Götemar-Granit. Der Götemar-Granit tritt in einer fein-, mittel- und grobkörnigen sowie in einer porphyrischen Variante auf. Neuere Untersuchungen (Friese et al. 2011) zur Platznahme des Götemar-Plutons in den paläoprotozoischen Graniten des TIB ergaben, dass es verschiedene Magmenschübe in 4-8 km Tiefe gab, die zu einem zonierten Wachstum und Aufbau des Plutons führten. Nach initialer Platznahme des Magmas gab es mehrere Vorgänge von Aufstieg, Wiedererhitzung und Verformung des bereits vorhandenen Magmakörpers, die zu einer Art geschichtetem Sill (Lagergang, punched laccolith bei Cruden 2008) führten. Dieses mehrphasige System wird u.a. durch die Beobachtung gestützt, dass es im Götemar-Granit verschiedene Quarzgenerationen gibt. Grössere Quarze zeigen Anzeichen eines oszillatorischen Kristallwachstums, das an Vorgänge von wiederholtem magma mixing oder an Wasserzufuhr in die Haupt-Magmakammer gebunden ist. Die Platznahme des Götemar-Granits erfolgte insgesamt vermutlich in einem verhältnismässig kurzen Zeitraum von 20-30 ka. Dies wäre zumindest eine Erklärung, warum der anorogene Götemar-Granitkörper während einer Zeit regionaler Deformation trotzdem keine entsprechenden Deformationsstrukturen aufweist (Friese 2009).

Petrologisch ist der Götemar-Granit ein hoch differenzierter, alkalireicher Granit mit weniger als 3,5 % mafischen Komponenten und einer großen Menge an Volatilen. Hoher F-Gehalt (durchschnittlich 0,43% im Granit) führte zu einer späten Mineralisation von Fluorit (CaF2) in Spalten und Klüften. Gemäß dem Fehlen (Fe-haltiger) dunkler Minerale besitzt er sehr niedrige Fe- und Mg-Gehalte. Der Ca-Gehalt ist mit 0,02-0,6% ebenfalls sehr niedrig. Bemerkenswert sind die hohen Thorium-Gehalte des Götemar-Granits, die höchsten gemessenen in schwedischen Graniten: 25-70 ppm (Uthammar: 20-30 ppm; Cruden 2008). Dünnschliff-Mikroskopie von Götemar-Proben ergab, daß der Granit nicht vollständig frei von Deformationsstrukturen ist (Friese 2009). Schwache syn- und postmagmatische Deformationserscheinungen der Minerale sind aber hauptsächlich auf das Hochtemperatur-Stadium der Platznahme durch Abkühlung und Wiederaufheizung beschränkt und bis auf die Bruchstrukturen in den Feldspäten wohl nur mikroskopisch wahrnehmbar.

IMG_6619

Steinbruch im Götemar-Granit, N des Dorfes Kråkemåla. Hier wurde die grobkörnige Varietät des Götemar-Granits abgebaut, die unter dem Handelsnamen „Gothenrot“ im Handel war. Heute scheint der Betrieb zum Stillstand gekommen zu sein.

IMG_6607_BB25cm

Götemar-Granit, Block im Steinbruch, Breite 30 cm. Rote bis rotbraune Alkalifeldspat-Megakristalle, umgeben von reichlich dunklen, hypidiomorphen bis idiomorphen Quarz-Körnern. An größeren Feldspatkristallen ist Verzwilligung nach dem Karlsbader Gesetz zu beobachten. Der erste Blick mit der Lupe offenbart bereits die Armut an dunklen Mineralen und Plagioklas.

IMG_8433

Probe eines grobkörnigen Götemar-Granits aus dem Steinbruch Kråkemåla. Quarz ist unter der Lupe durchscheinend hell- bis dunkelgrau. Sehr wenig dunkle Minerale (in der Hauptsache wohl Biotit, eindeutig aber auch grössere Plättchen von Hellglimmer wie Muskovit) sind zu erkennen. Plagioklas ist auf der trockenen Bruchfläche nicht zu entdecken. Die Quarze gruppieren sich, wenn auch nicht besonders ausgeprägt, um die Feldspäte. Sie kommen, und dies ist ein Kennzeichen für Rapakiwis, in mehreren Generationen vor: wenige größere, graublaue und zonierte Quarze heben sich aus der Masse der kleineren, hypidiomorphen grauen Quarze ab. Noch kleinere eckige, idiomorphe Quarze (Lupe) finden sich in den Feldspäten. Bisweilen treten sogar – nicht jedoch in dieser Probe – (graugrüne) Plagioklas-Ringe (Friese 2011) um Alkalifeldspäte auf, häufiger sind nach kristallin.de Säume von rotem Alkalifeldspat um Alkalifeldspatkristalle.

IMG_4094b

Weitgehend hypidiomorphe Quarzkörner gruppieren sich um die Feldspäte. Idiomorphe Quarze finden sich v.a. in den Feldspat-Kristallen. Eine polierte Schnittfläche, wie hier auf kristallin.de, zeigt dieses Gefüge deutlicher. Das Gefüge ist aber nicht als „pyterlitisch“ zu bezeichnen, da der Begriff Pyterlit Rapakiwigranite mit idiomorphen Quarzen um gerundete Feldspäte impliziert. Vielmehr sollte man hier von einem porphyrischen Granit mit Rapakiwigefüge sprechen. Dieses spiegelt sich vor allem in den 3 Quarz-Generationen wieder.

Götemar_Granit_Krakemala1_korr

Die Unterwasseraufnahme einer weiteren Probe zeigt deutlich die bläulichen, zonierten Quarze. Undeutlich ist auch die Verzwilligung der Alkalifeldspäte zu erkennen, perthitische Entmischung nur mit der Lupe. Plagioklas ist im Gefüge auch unter Wasser nicht leicht zu identifizieren, vermutlich sind einige braunrote Aggregate Plagioklas. Für gewöhnlich besitzt er rötliche bis blassgraue oder rotbraune Färbungen, er kann aber auch fehlen.

Götemar_Granit_Krakemala1_korr (2)

Detail einiger Blauquarze, der grosse mit mehrfacher Zonierung. Hier und da sind jetzt auch die kleinen, in die Kalifeldspäte eingewachsenen, meist eckigen Quarze erkennbar sowie einige wenige dunkle Minerale und evtl. gelber Titanit (oder Apatit?). Links unterhalb des grossen Blauquarzes ist ein graugrünes Aggregat, vermutlich Plagioklas, in einem roten Alkalifeldspat zu erkennen. Neben Biotit und Muskovit soll nach Zandstra (1988) auch Magnetit vorkommen, der aber in unseren Proben nicht nachgewiesen wurde. Als Akzessorien sollen weiterhin Fluorit, Zirkon, Monazit, Apatit, Titanit und Topas auftreten.

S 4_Götemar G._Krakemala_1_pub

Unterwasseraufnahme Götemar-Granit, Bild: T. Langmann. Der rote Alkalifeldspat besteht aus Kalifeldspat-Albit als Mesoperthit. Diese perthitische Entmischung ist leicht zu erkennen, die Tatsache, dass es sich um Mesoperthit handelt (Kalifeldspat und hier vorwiegend Plagioklas-Albit in etwa gleichen Anteilen, Vinx 2011), kann nur mikroskopisch ermittelt werden. Die Kristallisationsbedingungen in der Magmakammer waren derart, daß sie in Temperatur, Druck und Fluidgehalt oberhalb der Solvuslinie von Alkalifeldspat und Plagioklas lagen, beide Feldspäte also überwiegend zusammen kristallisierten (Ein-Feldspat-Granit, Hypersolvusgranit).

IMG_6665

Vom Inlandeis der letzten Vereisungsphase rund geschliffener Höcker aus Götemar-Granit auf dem Steinbruchgelände.

IMG_6614_BB20cm

Götemar-Granit als Aplit mit scharfem Kontakt zum grobkörnigen Granit. BB 20 cm.

IMG_8456

Detail des Götemar-Aplits. Das Gestein besteht aus schwach rötlichbraunem Feldspat sowie dunkelgrauen Quarzkörnern unterschiedlicher Größe. Dunkle Minerale kommen nur in vereinzelten Körnern vor, vereinzelt lässt sich etwas Hellglimmer entdecken.

IMG_6632

Ausscheidungen einer pneumatolytischen bis hydrothermalen Phase sind häufig zu beobachten, hier Imprägnierungen von Pyrit.

IMG_6640

Pegmatitartige Partie mit großen Blättchen von Hellglimmer, vermutlich Muskovit, neben grobkörnigem Quarz. Pegmatite sollen im Götemar-Granit öfter vorkommen, im Steinbruch Kråkemåla blieb es jedoch bei diesem einen Fund. Darüber hinaus soll es enge, mit Sandstein gefüllte Gänge und Spalten geben, die wir nicht entdeckt haben. Der Sandstein ist vermutlich kambrischer Sandstein, der auch heute noch in dieser Gegend das präkambische Grundgebirge entlang der Küste S Oskarshamn bedeckt. Andere Spalten im Granit sind mit Fluorit und/oder Quarz, Glimmer, Chlorit, Calcit, Galenit oder Pyrit, Chalcopyrit ausgefüllt (Kresten and Chyssler 1976). Letztere durchschlagen auch die Sandsteinspalten und wurden durch Messung von Sm/Nd-Isotopenverhältnissen im Fluorit auf 405 ± 27 Ma datiert (Sundblad et al. 2004).

IMG_6654_BB25cm

Sehr häufig hingegen sahen wir Ausscheidungen von violettem Fluorit, BB hier 25 cm. Der Fluorit ist kaum massig ausgebildet, er füllt vielmehr dünne Klüfte aus.

IMG_6669_BB20cm

Anflüge von violettem Fluorit, BB 20 cm.

IMG_8578bb

Partie mit Fluorit im Detail. Hier ist deutlich die typisch würfelförmige Ausbildung des Fluorits zu erkennen.

 

(4) Uthammar-Granit

IMG_6697

Bestes Wetter in Uthammarsudde. Auch der Uthammar-Granit wurde in zahlreichen Steinbrüchen abgebaut. Ein Steinbruch befindet sich am Uthammarvägen unmittelbar hinter den letzten Häusern von Uthammar.

IMG_6707_BB35cm

Uferbefestigung aus Uthammar-Granit, BB 35 cm. Deutliche Unterschiede zum Götemar-Granit sind der helle, xenomorphe bis hypidiomorphe Quarz und ein etwas helleres Rot der Feldspäte. Gemeinsam ist das weitgehende Fehlen von Plagioklas und die Armut an dunklen Mineralen. In diesem Block zeigt der Uthammar-Granit ein mässig porphyrisches Gefüge.

IMG_8299_web

Probe eines Uthammar-Granits aus dem Steinbruch am Uthammarvägen. Das porphyrische Gefüge ist weniger deutlich zu erkennen. Viel transparenter bis leicht bläulicher Quarz und braunroter Alkalifeldspat machen den Hauptanteil des Gesteins aus. Wenig dunkle Minerale, makroskopisch ist kein Plagioklas zu erkennen. Die wenigen von uns gesammelten Proben vermitteln keinen Eindruck von der Variabilität des Uthammar-Granits. Für weitere Bilder siehe skan-Kristallin.

IMG_4072web

Weitere Probe des Uthammar-Granits.

IMG_4084web

Im Detail zeigt sich, daß die in die Alkalifeldspäte eingewachsenen Quarze fehlen, die neben weiteren Generationen von Quarz ein Rapakiwi-Merkmal sind. Dafür gibt es einen großen zonierten, etwas dunkleren Blauquarz neben den zahlreichen hellen und kleineren Quarzen. Möglicherweise besitzt der Uthammar-Pluton eine ähnliche Genese intervallischer Magmenschübe mit Si-Metasomatose wie der Götemar-Pluton.

 

(5) „Virbo-Granit“

Der letzte Besuch der anorogenen Granite Ost-Smålands sollte dem Virbo-Granit gelten, der im Grunde genommen nur eine Varietät des Uthammar-Granits darstellt, siehe Ausführungen weiter oben. Gefunden haben wir aber wohl eher einen TIB-Granit mit Deformationserscheinungen.

IMG_8818

Die Probe stammt aus einem Straßenaufschluß zwischen Dragskär und dem Gut Virbo. Deformierte und undeformierte Formen des Virbo-Granits sollen hier in enger Nachbarschaft vorkommen, siehe skan-kristallin, dort auch Bilder von weiteren Proben. Aus Zeitgründen haben wir lediglich diese eine Stelle besucht. Der Granit ist leicht deformiert, was man an den unscharfen Korngrenzen der Minerale, den zerbrochenen Feldspäten und kettenförmigen Anhäufungen von dunklen Mineralen erkennt.

IMG_8763

Detail der oberen Probe: dunkle Minerale (Biotit) in Ketten. Einige der rotbraunen Feldspäte wirken zerdrückt, manche zeigen klare Formen. Plagioklas ist reichlich vorhanden und besitzt gelb- bis braungrüne Färbungen. Xenomorpher Quarz ist graublau gefärbt und bisweilen zuckerkörnig ausgebildet. Alles in allem unterscheidet sich dieser deformierte Granit deutlich von den Götemar- und Uthammar-Proben.

IMG_8803b

Angefeuchtete Partie des Virbo-Granits: unklare Korngrenzen, rote Alkalifeldspäte, teils mit deutlichen Kristallformen, teils zerdrückt. Ebenso leicht bläulich erscheinender Quarz und gelblich- bis bräunlich-grüner Plagioklas. In den Partien dunkler Minerale (Biotit) findet sich reichlich gelber Titanit.

S33_VirboGranit_Dragskär_2

Weitere Probe des Virbo-Granits, angefeuchtete Schnittfläche, mit orangeroten Alkalifeldspäten, etwas weniger Plagioklas, undeutlich ausgebildetem Quarz und roten Hämatitflecken (?).

 

(6) Straßenaufschluß Påskallavik

Die letzte Station dieses langen Tages war ein Strassenaufschluß an der Abfahrt von der E 22, Påskallavik-Nord (57.17834, 16.44593). Hier steht ein etwa 20 m breiter Gang eines Gang- bzw. Granitporphyrs an, begleitet von schmalen Salbändern aus feinkörnigem Rhyolith, eingebettet in einen rötlichen Granit („Vånevik-Granit“).

IMG_6751web

Ansicht des Strassenaufschlusses. Aufgrund bereits tiefstehender Sonne waren nur noch eingeschränkt Fotoaufnahmen im Anstehenden möglich.

IMG_6770web_BB3m

Ganggrenze, BB etwa 3 m, links der Gangporphyr, in der Mitte ein feinkörniges, einsprenglingsloses, vermutlich rhyolithisches Gestein, rechts ein roter ostsmåländischer Granit. Auch hier liegt, wie bei vielen Porphyr-Gängen Smålands, ein zusammengesetzter Gang (composite dyke) vor. Er besitzt eine schmale und recht scharfe seitliche Begrenzung (Salband) des feinkörnigen Gesteins nach rechts zum einbettenden Granit („Vånevik-Granit“). Zur Gangmitte hin zeigt es einen allmählichen Übergang zum einsprenglingsführenden Gangporphyr. Üblich sind, wie bereits bei den Porphyrtypen Emarp und Sjögelö angedeutet, Gangbegrenzungen von Bändern aus diabasartigen Gesteinen auf beiden Seiten. Hier ist es nun ein rhyolithisches Gestein, ausserdem ist der Gang in voller Breite aufgeschlossen. Nach Lindh (2011) gibt es wenigstens zwei mögliche Erklärungen zur Entstehung dieser Struktur: 1. einheitlicher Gang mit schnellerer randlicher Abkühlung des feinkörnigen Rhyoliths. 2. zusammengesetzter Gang mit älteren Rändern und etwa jüngerer Gangmitte.

IMG_6785web

Scharfe Ganggrenze des feinkörnigen Rhyoliths zum roten Granit.

IMG_8237

Probe der Ganggrenze Rhyolith (oben) und Granit (unten).

IMG_8288

Trockene Probe des anstehenden Granits. Da er unmittelbar an der Ortschaft Vånevik ansteht, kann man ihn als Vånevik-Granit bezeichnen, auch wenn er äusserlich nicht dem Leitgeschiebe nahe kommt. Auch von diesem Granit gibt es wieder zahlreiche Varianten, s. skan-Kristallin.de. Diese Probe zeigt rote, kräftig perthitisch entmischte Alkalifeldspäte mit unregelmässigen Korngrenzen, leicht bläulichen bis weissen Quarz, als dunkle Minerale Glimmer und grünschwarze Alterationsprodukte. Titanit wurde nicht entdeckt.

GranitVanevik

Schnittfläche durch obige Probe, handpoliert von Alexander Bräu. Die dunklen und grünlichen Schlieren im unteren Teil zeigen, daß benachbarte Intrusionen/Gänge mit dem Granit interagierten. Einzelne, stark alterierte und vergrünte Feldspäte, vermutlich Plagioklas, sind zu erkennen.

S34_OstsmalandGranit_StrAufschlPaskallavik

Unterwasseraufnahme einer kleinen Probe eines Gerölls vom Strassenaufschluß. Wenig dunkle Minerale, aber reichlich Titanit in keilförmigen, dunkelbraunen Aggregaten.

Gangporphyr_Paskallavik1b

Probe des Gangporphyrs als Unterwasseraufnahme. Dieser Påskallavik-Porphyr i.e.S., auch bezeichnet als Påskallavik-Granitporphyr, besitzt eine braune bis bräunlich-rote Matrix mit bis zu 3 cm langen Alkalifeldspatkristallen von hellgrauer bis rötlicher Farbe. Viele von ihnen sind leicht kantengerundet oder oval geformt, oft mit einem Rand aus hellerem Feldspat. Die zahlreichen Einsprenglinge erscheinen eingeregelt, was sich nach Lindh (2011) als Fließtextur deuten lässt. Grössere bläuliche und gerundete Quarzkristalle sind nicht besonders zahlreich vertreten, Plagioklas ist schwach bis deutlich grün gefärbt. Lindh spricht das Gestein als Quarztrachyt an (verminderter Quarzanteil, <20% im Vergleich zum Rhyolith).

O. Nordenskjöld 1893, S.56) beschreibt die Eigenschaften der Påskallavik-Porphyre, die nach damaliger Definition einen großen Teil der ost-småländischen Gangporphyre ausmachten, wie folgt: „Man kennt die hier zu besprechenden porphyrischen Ganggsteine bisher aus den Sektionen Mönsteras, Oscarshamn, Kalmar, Lenhofda, Lesebo und Hvetlanda, vielleicht auch Wexiö und Wimmerby. Sie kommen als Gänge vor, deren Mächtigkeit zwischen 40 und einigen wenigen Metern schwankt. In den allermeisten Fällen bestehen sie in der Mitte aus einem breiteren Band von Porphyr, welcher an den beiden Seiten von schmaleren Salbändern aus scharf abgegrenztem Diabas oder Porphyrit begleitet wird.“. Die Häufigkeit solcher Gangporphyre in manchen Geschiebegemeinschaften lässt auf eine grosse Anzahl von Gängen im Anstehenden schliessen. Die in Vånevik gesammelten Proben sind nun kurioserweise nicht gleichzusetzen mit dem entsprechenden Leitgeschiebe, sondern stehen eher den Granitporphyren mit etwas gröberer Grundmasse, mehr Einsprenglingen und dunklen Mineralen nahe. Vergleiche hierzu Bilder des Påskallavik-Porphyrs, speziell den Proben aus Värlebo, mit den vorliegenden und weiteren Proben dieses Påskallavik-Granitporphyrs.

Gangporphyr_Paskallavik

Detail der vorigen Probe als Unterwasseraufnahme.

GangporphyrPaskallavik_1c

Schnittfläche des Gangporphyrs, handpoliert von Alexander Bräu. Schön erkennbar ist der mehrfach zonierte Aufbau der Alkalifeldspat-Kristalle.

 

(6) Stenhuggarmuseum Vånevik

Einige Meter weiter vom Strassenaufschluss befindet sich der Ort Vånevik, in dem es ein sehenswertes Museum zur steinverarbeitenden Industrie gibt (Stenhuggarmuseum). Der hier verarbeitete „Kristallgranit“ wurde v.a. auch nach Deutschland exportiert. Die Steinverarbeitung kam in den 70er Jahren zum Erliegen.

IMG_8398web

Im Stenhuggarmuseum gibt es einige Haufen mit handlichem Granit-Bruchwerk. Ob das Gestein nun direkt aus diesem Steinbruch stammt oder aus einem benachbarten Steinbruch, ist unklar. Es handelt sich jedenfalls um eine mafitarme Variante des Vånevik-Granits mit milchig-trüben blauen Quarzen, rotbraunen bis orange gefärbten, perthitisch entmischten Alkalifeldspäten und wenig Plagioklas (meist grün-grau).

Vanevik-Granit1b_Vanevik

Die Unterwasseraufnahme der gleichen Probe zeigt deutlich den geringen Anteil an dunklen Mineralen, wohl Biotit und grünliche Alterationsprodukte wie Chlorit. Gut erkennbar ist die perthitische Entmischung der roten bis rotbraunen Alkalifeldspäte. Grüner bis grüngrauer Plagioklas weist manchmal eine Zonierung mit dunkleren Kernen und hellerem Rand auf. Auch in dieser Probe ist Titanit zu finden.

S35_VanevikGranit_Vanevik

Weitere Probe vom Stenhuggarmuseum, Unterwasseraufnahme. Der grob- bis mittelkörnige Vånevik-Granit ist ein Alkalifeldspat-Granit und tritt in verschiedenen Varianten im Gebiet zwischen Oskarshamn und Mönsterås auf. Vånevik-Granit als mögliches Leitgeschiebe meint mafitarme, von reichlich blaugrauem oder blauviolettem, milchig-trübem Quarz und rötlichen bis rotbraunen Alkalifeldspäten dominierte Granite mit wesentlich weniger grüngrauem, „eigentümlich fleckigem“ (Holmquist 1906) Plagioklas sowie gelblichbraunem Titanit. Vermutlich ist der Gesteinsansprache aber mehr gedient, es allgemein bei der Bezeichnung Ost-Småland-Granit zu belassen.

IMG_6805web

Das Museum war bei unserer Ankunft schon geschlossen, das Betreten des Geländes in einem ehemaligem Steinbruch ist aber auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Neben einer interessanten Dokumentation mit historischen Bildern kann man einige Granitproben auflesen.

 

Epilog: Smygehuk

IMG_7208web

Letzte Station vor der Fähre der Strecke Trelleborg-Rostock war der Strand von Smygehuk, Schwedens südlichstem Ort. Der Untergrund besteht aus mehrere Zehnermeter mächtigen Kreide-Schichten, die Kreidekalke wurden in solchen Öfen jahrhundertelang gebrannt.

IMG_7186web_BB35cm

Entsprechend sah das Bild am Geschiebestrand aus. Zu 90% finden sich Feuersteine und Sedimentgesteine, vermutlich der Kreide. Rote Småland-Granite, Kristallingeschiebe allgemein, die ich in Unkenntnis der geologischen Verhältnisse hier zu finden hoffte, waren nur zu einem geringen Prozentsatz vertreten.

IMG_7285web

Unter den wenigen Kristallin-Geschieben fielen zahlreiche Exemplare solcher schwarz-weißen Gneise auf, vielleicht ein Paragneis, mit rotem Granat oder Hämatitflecken, Herkunft ungewiss.

IMG_7210web

Am Leuchtturm von Smygehuk befindet sich ein Vandrarhem. Will man früh die erste Fähre in Trelleborg erreichen, bietet sich hier eine Übernachtung an. Diese Preise sind allerdings für deutsche Verhältnisse ohne Mitgliedsausweis recht üppig.

 

 

Literatur

Cruden, A. R. (2008): Emplacement mechanisms and structural influences of a younger granite intrusion into older wall rocks – a principal study with application to the Götemar and Uthammar granites; Site-descriptive modelling, SDM-Site Laxemar, R-08-138.

Fettes D. J., Desmons J. 2007: Metamorphic rocks, a classification and glossary of terms: recommendations of the International Union of Geological Sciences Subcommission on the Systematics of Metamorphic Rocks, Cambridge University Press

Friese, N. (2009): Tectonically-controlled emplacement mechanisms in the upper crust under specific stress regimes: case studies. Dissertation, Göttingen.

Friese, Vollbrecht, Tanner, Fahlbusch, Weidemann (2011): Multi-stage emplacement of the Götemar Pluton, SE Sweden: new evidence inferred from field observations and microfabricanalysis, including cathodoluminescence microscopy. Int J Earth Sci (Geol Rundsch) (2012) 101:1149–1167.

Hesemann J. (1975): Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen, GLA Nordrhein-Westfalen.

Holmquist, P. J. (1906): Studien über die Granite von Schweden, 77-265.

Kresten P, Chyssler J, (1976): The Götemar massif in south-eastern Sweden: A reconnaissance, Geologiska Föreningens i Stockholm Förhandlingar 98, 155–161.

Lindh, A. (2011): Exkursionsunterlagen Südschweden

Zandstra J. G. (1988): Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988.

Åhäll K-I (2001): Åldersbestämning av svårdaterade bergarter i sydöstra Sverige. SKB R-01-60, Svensk Kärnbränslehantering AB. survey.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.