Exkursion SW-Schweden 1: Kullaberg

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Blick auf einen Küstenabschnitt der Kullaberg-Halbinsel bei Kullens Fyr.

Eine geologische Exkursion führte mich im Sommer 2015 ins Grundgebirge SW-Schwedens und nach Småland. Natürlich ging es hierbei nicht nur um das Aufsammeln von Leitgeschieben, sondern vor allem um einen Einblick in die geologischen Zusammenhänge vor Ort. Die Verhältnisse stellen sich komplizierter dar, als man es von der bloßen Auseinandersetzung mit „Leitgeschieben“ erwarten könnte, siehe z.B. die zahlreichen Ausprägungen und Übergänge des „Flammenpegmatits“ bzw. deformierten Pegmatits weiter unten. Als Resumee einer ersten geologischen Schwedenreise lassen sich zwei Punkte deutlich herausstellen: 1. ich habe viel zu viele Proben mit nach Hause genommen 2. die Zeit reichte meist nicht aus für umfassendere Einblicke in die jeweils regionale Geologie. In diesem ersten Teil nun folgt eine kurze und allgemeine Einführung in die Geologie des Südwestschwedischen Granulitgebietes. Wem das zu sehr ins geologisch „Eingemachte“ geht, kann gleich weiter herunter scollen zur Überschrift „Kullaberg“. Der Transskandinavische Magmatitgürtels (TIB) folgt in Teil 4. Die Berichte sind wie folgt gegliedert:

Zahlreiche Exkursionspunkte in SW-Schweden finden sich in einem Exkursionsführer, s. Literatur Möller, Johansson, Andersson, Söderlund (1996). Vielen Dank auch an Matthias Bräunlich für zahlreiche weitere Tips und Koordinaten!

 

Allgemeine Bemerkungen zum Südwestschwedischen Granulitgebiet

Skandinaviens_Grundgebirge

Grafik aus kristallin.de. Zur Einführung in die Grundzüge der Geologie Skandinaviens siehe ebenfalls kristallin.de.

Das Südwestschwedische Granulitgebiet (SGR) stellt einen Teil der Svekonorwegischen Provinz dar, eines großes Krustensegments des Baltischen Schildes, welches sich im Verlauf der Svekonorwegischen Gebirgsbildung (resp. Grenville-Orogenese in Nordamerika) vor 1,14 – 0,9 Ga bildete. Der in Südwestschweden befindliche Teil der Svekonorwegiden nennt sich Südwestschwedisches Gneisgebiet. Dieses teilt sich in ein östliches (auf der Karte öT) und westliches Segment (wT). Ein Teil des östlichen Segments ist die SGR mit Gesteinen, die während der Gebirgsbildung einer hochgradigen Metamorphose (höhere Amphibolit- bis Granulitfazies) unterworfen wurden, mit metamorphen Peaks vor 1.035 Ma und 930 Ma. Das jüngere Datum wird als postkollisionaler Kollaps (isostatischer Ausgleich der verdickten Kruste) angenommen. Der Kontinent Baltica kollidierte mit mindestens einem großen Kontinent, möglicherweise Amazonia. Zu Tage tritt heute ein tief erodiertes Orogen, die ursprüngliche Versenkungstiefe der Gesteine betrug bis etwa 35 km (alle Angaben und Zahlen aus Bingen et al. 2008). Angenommen wird, daß die Ausgangsgesteine (Protolithe) des Östlichen Segments (öT) i. W. aus Granitoiden und Granitmassiven mit mafischen Intrusionen bestanden, die ein Alter von 1.730-1.660 Ma aufweisen, ähnlich den Gesteinen des TIB (Söderlund et al, 2002; Möller et al, 2007). Als „Halland-Event“ wird eine ältere Phase der Gebirgsbildung mit assoziierter Migmatisierung zwischen 1.460 und 1.420 Ma bezeichnet. Dem Halland-Event folgte das lokale Aufdringen von postorogenen Graniten (Torpa-/Tjärnesjö-Granit, 1.400-1.380 Ma) mit assoziierter Charnockitisierung (Andersson et al 1990). Auch diese Granite wurden später im Zuge der svekonorwegischen Orogenese deformiert (ca. 955 Ma, Andersson 1996). Das SGR hat eine polymetamorphe Geschichte mit variierenden Graden der Metamorphose, Migmatisierung und retrograden Metamorphose. Es existieren also auch ältere Metamorphose-Strukturen (z.B. im Gebiet Borås-Ulricehamn, ca. 1.660 Ma), die eine ähnliche tektonische Orientierung wie die svekonorwegischen Gesteine besitzen, aber schwer von diesen zu unterscheiden sind.

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Die geologische Karte (Karte aus kristallin.de) zeigt einen Teil des östlichen Segmentes, schraffiert ist das Südschwedische Granulitgebiet (SGR). Es wird durch große, etwa in N-S-Richtung verlaufende Scherzonen begrenzt. Im Norden liegt es östlich der Mylonitzone, deckt ein Gebiet etwa von Ulricehamn im N bis zur südlichen phanerozoischen Bedeckung ab, im Osten ist es durch die Protoginzone begrenzt. Innerhalb dieses Gebietes finden sich Gesteine, die während der Svekonorwegischen Orogenese Metamorphosebedingungen der Granulit- bis Oberen Amphibolitfazies durchliefen. Es sind im wesentlichen Orthogneise und metamorphe mafische Gesteine (Amphibolite, mafische Granulite). Diese Gesteine repräsentieren tiefere Krustenteile bis 35 km, im Extremfall des Eklogits über 50 km. Die Erdkruste war durch die Orogenese (Kontinent-Kontinent-Kollision) erheblich verdickt und strebte nach isostatischem Ausgleich. Die tektonischen Verhältnisse innerhalb des Südteils des Östlichen Segments sind komplex, hauptsächlich kompressionale Deformation wechselt sich ab mit extensionalem tektonischem Regime. Durch gravitationalen Kollaps (isostatischen Ausgleich) und durch Abtragung des Orogens konnten tiefere Teile der Erdkruste im Laufe von Jahrmillionen an die Erdoberfläche gelangen.

Mafische Gesteine östlich der Protoginzone zeigen niedriggradige Metamorphosebedingungen mit Chlorit, Epidot und Aktinolith als charakteristischen Mineralbestand. Innerhalb der Protoginzone ist häufig Amphibolitfazies zu beoachten, während westlich davon pyroxenhaltige Gesteine der Granulitfazies erscheinen. Ebenso gehen an der Mylonitzone die Gesteine von E nach W in granatfreie, Epidot-Amphibolit-Gesteine über, die eine Folge retrograder Metamorphose sind (Johansson 1992). Felsische Gesteine in Gegenwart von Fluiden, v.a. Wasser, wurden durch die herrschenden Metamorphosebedingungen weniger im Stoffbestand als in der Textur verändert, da sie bei höherer Temperatur (Überschreiten des Granitsolidus) zur Aufschmelzung neigen. Diese Vorgänge führen zu den zahlreichen Erscheinungsformen und Übergängen zwischen Gneisen, Migmatiten und pegmatitischen Partien.

Gesteine, die die Lithologie des SGR bestimmen, sind in erster Linie Adergneise bzw. Migmatite von granitischer bis intermediärer Zusammensetzung (rötliche und graue Orthogneise, s. Karte). Mit ihnen verknüpft sind Pegmatite von charakteristischer Farbe, die ebenfalls deformiert sein können. Anorogene Granite (z.B. Torpa-, Tjärnesjö-Granit mit Feldspat-Megakristallen) bis Quarzmonzonite sind datiert auf 1.380-1.400 Ma. Mit ihnen assoziiert ist der Charnockit von Varberg, ebenfalls mit einem Alter von etwa 1,4 Ga. Lokal treten an anderen Orten kleinere Charnockitvorkommen und auch charnockitisierte Gneise mit grünen oder braunen Feldspäten auf. Gänge, Lagen und Linsen von verschiedenen Granatamphiboliten und Mafischen Granuliten sind in den Gneisen und Charnockiten verteilt, sie stellen möglicherweise verschiedene Generationen von Intrusionen (und Extrusionen?) dar. Granitamphibolite können eine Ausdehnung von einigen km Länge und bis zu 1 km Dicke erreichen. Höchste Metamorphosegrade erfuhren Gesteine der Eklogitfazies, zu finden im Raum Ullared (Retro-Eklogite).

Für die Geschiebekunde relevante Leitgeschiebe aus SW-Schweden waren lange Zeit unterrepräsentiert im Vergleich zu Gesteinen aus dem Gebiet östlich der Protoginzone. Zu den „klassischen“ Geschieben zählen Varberg-Charnockit, mit deutlichen Einschränkungen die Kullaite und der Vaggeryd-Syenit. Letzterer liegt aber bereits innerhalb der Protoginzone und ist leicht verwechselbar und besitzt zudem ein variables Erscheinungsbild. Ein häufiges Auftreten von Granatamphiboliten, von Smed/Ehlers (1994) genauer als weißschlierige Granatamphibolite spezifiziert, ist typisch für SW-schwedische Geschiebegemeinschaften, ebenfalls der von Smed/Ehlers als Leitgeschiebe angesprochene Schonen-Granulit. Plagioklasphyrische NW-Dolerite wurden von Geisler (1996) beschrieben. R. Vinx (1996,1998) führte weitere, im Geschiebe wesentlich häufiger anzutreffende Leitgeschiebe ein, zunächst den Granatcoronit (Vinx 1996) als besondere Erscheinungsform des mafischen Granulits, später (Vinx 1998) ganz allgemein den granoblastischen mafischen Granulit, Halland-Retro-Eklogit und den deformierten bunten Pegmatit („Flammenpegmatit“). Möglicherweise sind auch die porphyrischen Varianten des Torpa- und Tjärnesjön-Granits als Leitgeschiebe für Halland geeignet.

 

Kullaberg

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Luftbild der Kullaberg-Halbinsel, fotografiert am naturum Kullaberg (Foto: Bertil Hagberg).

Erstes Ziel der Schwedenreise war der Grundgebirgshorst des Kullabergs, ca. 35 km NW von Helsingborg. Von Süden her der Kattegatküste folgend, treten hier erstmals proterozoische Gneise der SGR zutage. Die Morphologie der Halbinsel erscheint trotz des relativ gerinen Höhenunterschiedes von etwa 100 m zum Meeresspiegel fast mittelgebirgsartig, während weiter südlich sanfte Hügel (Moränen, Gesteine des Paläozoikums und Mesozoikums) überquert werden.

Die im Permokarbon angelegte, immer noch aktive Sorgenfrei-Tornquist-Zone (s. erste Karte oben), Teil einer etwa 100 km breiten Deformationszone bzw. Schwächezone der Sutur zwischen dem Baltischen Schild und Mitteleuropa (Verschweißung von Baltica und Avalonia vom Ordovizium bis Silur), hinterläßt in ihrem NW-SE-Verlauf durch Dehnungstektonik bzw. extensionales tektonisches Regime entstandene Horste und Gräben in SW-Schweden. Als Horste treten landschaftliche Einheiten wie Hallandsåsen, Söderåsen und, als südwestlichste Einheit, der Kullaberg zutage. Die Gräben sind gefüllt mit kambrischen bis tertiären Sedimenten. Zur Zeit der Hauptaktivität der Tornquist-Zone (Karbon/Perm) stiegen mafische Magmen auf, die Tausende von Gängen im proterozoischen Grundgebirge und untergeordnet in paläozoischen Sedimentgesteinen bildeten (NW-Dolerite, Lamprophyre und auch die Kullaite als exotische Mischgesteine).

Das Grundgebirge besteht auch am Kullaberg aus Gneisen (Orthogneise), oft migmatitisiert, und mafischen Gängen. Ihr Metamorphosealter beträgt etwa 1 Ga, amphibolit- bis granulitfazielle Metamorphose fand während der svekonorwegischen Gebirgsbildung (Grenville-Orogenese) statt. Zeugen dieser Hochdruckmetamorphose sind v.a. Amphibolite und mafische Granulite, weil an diesen mafischen Gesteinen der Metamorphosegrad durch den Mineralbestand ermittelt werden kann (i.W. Granat). Das Faltungsalter der Horste und Gräben wird als spät-silurisch eingeschätzt. Viele der weit verbreiteten Gesteine der SGR und ihre Kontaktbeziehungen treten hier zutage.

Geologisches Schema der Kullaberg-Halbinsel aus Söderlund et al. (2008). Sie zeigt ältere Generationen von mafischen Gängen, die annähernd in N-S-Richtung verlaufen oder unregelmäßig geformte Körper im granitischen Gneis ausbilden sowie NW-verlaufende Doleritgänge (im engl. diabas). In Söderlund et al. (2008) werden einige Gesteine des Kullabergs datiert, u.a. drei Proben eines Granitgneises (1694±7 Ma, 1693±7 Ma and 1663±14 Ma). Partiales Aufschmelzen an einem Pegmatitgang wurde mit 1473±6 Ma angegeben. An einem der zahlreichen nach N streichenden Amphibolitgänge wurde ein Alter von 961±6 Ma ermittelt. Dieses Alter wird vor die Amphibolitfazies-Deformation datiert, die vermutlich im Zusammenhang steht mit der Exhumierung der Kruste kurz nach dem svekonorwegischen Kompressionsstadium. Ein weiterer, nicht deformierter Pegmatit von 934±6 Ma entstand, als die Kruste so weit exhumiert war, daß sie die duktil-spröde-Grenze bereits überschritten hatte.

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Erster Kontakt mit proterozoischem Grundgebirge bei Kullens Fyr. Migmatitische Bänderung und Gneisigkeit streichen in N-S-Richtung und fallen etwa 20° nach NW ein. Die Klüftung der rotgrauen Gneise verläuft nicht in Foliationsrichtung. Viele Klüfte sind wohl spät-silurischen Alters, während die Gneisbildung spätestens während der svekonorwegischen Orogenese stattfand.

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Landschaftsimpression an der Spitze der Kullaberg-Halbinsel, unterhalb des Leuchtturms Kullens Fyr. Rotgraue Gneise in starker Klüftung aufgrund von Bruchtektonik dominieren die wilde Felsküste.

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Gerölle: graue Gneise mit roten Adern sowie rote Pegmatite, vereinzelt an Flammenpegmatit bzw. deformierten Pegmatit erinnernd, BB 50 cm.

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Typischer, grauer, Hornblende führender Gneis mit roten migmatitischen Schlieren, BB 12 cm.

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Rotgrauer Gneis mit migmatitischer Linse.

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Gang eines dunklen (Amphibol?-)Gneises von etwa 1 m Breite, diskordant von einem Pegmatit durchschlagen.

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Mafischer Körper mit Amphibolit und mafischem Granulit unterhalb des Leuchtturms Kullens Fyr. Mafischer Granulit findet sich im zentralen Teil dieses Körpers. Zum Rand hin nimmt der Anteil an Amphibol auf Kosten von Pyroxen zu.

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Strandgeröll eines granatführenden Amphibolits aus obigem mafischen Körper, mit anstehendem Gestein identisch. Möglicherweise spiegelt sich in der Texturierung zwischen schwarzem Amphibol weißem Plagioklas ein doleritisches Gefüge des Ausgangsgesteins wider. Allein am Kullaberg ist die Spannbreite an Erscheinungsformen von Amphibolit, meist granatführend (<5% Granat) oder Granatamphibolit (>5% Granat) groß, von fein- über mittel- zu grobkörnigen Varianten mit mehr oder weniger Plagioklas, letzterer auch in migmatitischen Schlieren (plagioklasschlieriger Granatamphibolit). Die (Granat-)Amphibolite sind variabel gefaltet, gneisig oder ohne Foliation. Hauptbestandteile sind Hornblende (Amphibol, schwarz), Plagioklas (weiß) und Granat (rot). Daneben können in wesentlich geringerer Menge Quarz, Biotit und Klinopyroxen auftreten.

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Strandgeröll eines weiteren Granatamphibolits aus einem benachbartem Gang. Granat (hellrot), Plagioklas (weiß) und Amphibol (schwarz) sind wieder der dominierende Mineralbestand, das Gestein weist eine leichte Gneisgkeit auf.

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Diese Skizze aus Möller et al. (1996) zeigt die im unmittelbaren Umkreis des Leuchtturms auftretenden Gänge und Körper, die im Gelände aufgesucht wurden. Man erkennt deutlich die mit dem Gneis assoziierten, etwa in N-S-Richtung streichenden proterozoischen Amphibolite und mafischen Granulite im Gegensatz zu den in NW-Richtung verlaufenden permokarbonischen Doleriten („NW-Dolerite“).

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Der durch die erosive Wirkung des Meeres stärker abgetragener Bereich markiert den Verlauf des NW-streichenden Doleritganges, welcher sich bis zum Standort entlangzieht und im Gelände mitunter schwer zu erkennen ist. Es handelt sich um den auf der obigen Kartenskizze eingetragenen dicken Gang (Dolerite), der sich bis zum westlichen Ende der Kullaberg-Halbinsel erstreckt.

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Der gleiche Doleritgang von der Küste aus betrachtet, Breite des Ganges etwa 15 m.

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Kleine Probe des anstehenden Dolerits als Strandgeröll. An einer frisch geschlagenen Probe ist das doleritische Gefüge nur mit Mühe zu erkennen. Der Dolerit ist sehr unauffällig, er zeigt im Gegensatz zum Dolerit von Arild (s. dort) keine größeren Plagioklaseinsprenglinge.

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Wenige Meter weiter östlich vom Dolerit sieht man einen migmatitischen Mix von dunklem amphibolitischem und hellerem granitischem Material.

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Etwa 20 cm hoher, roter Gang, bestehend aus rotem Feldspat und Quarz, in einem grauen Gneis, vermutlich ein Aplitgang.

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An der Lokalität Silvergrottan kann man einen teilweise ausgeräumten Pegmatitgang betreten. Der Eingang ist etwa 1 m hoch, der begehbare Teil etwa 15 m lang. Angeblich sollen Dänen 1561 den schillernden Pegmatit für Silber gehalten haben oder sie glaubten, hier diesbezüglich fündig zu werden, was allerdings nicht der Fall war.

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Einige Meter vor dieser Lokalität ist ein Amphibolitgang im Kontakt zu einem weitgehend pegmatitisierten Gneis ausgebildet. Erkennbar ist, daß weiße Schlieren im Amphibolit weitgehend auf die Kontaktzone beschränkt sind. BB etwa 3,50 m.

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Blick auf die Grenze Pegmatit/Amphibolit am gleichen Gang, BB etwa 1,50 m.

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Die Grenze ist einigermaßen klar ausgebildet, am Kontakt zum Pegmatit treten große schwarze Blättchen von Glimmer auf, vermutlich Biotit. BB 40 cm.

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Zum Ganginneren geht der schlierige Amphibolit in mafischen Granulit über. Dies äußert sich schon in der farblichen Abstufung vom Grauschwarz des Amphibolits in ein Braun des Mafischen Granulits.

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Anstehender mafischer Granulit. Bildbreite etwa 20 cm. Mafische Granulite (nach Vinx 1996) sind Gesteine der Granulitfazies, einer trockenen Hochdruckfazies, die u.U. auch fast Eklogitfazies erreicht haben. Im allgemeinen sind sie im Gegensatz zu vielen Amphiboliten undeformiert. Wesentlicher Mineralbestand sind Plagioklas (weiß), Klinopyroxen (grünlich-schwarz) ± Hornblende (glänzend, schwarz) und granoblastischer Granat (rot) in winzigen Körnern. Der Gesamteindruck ist zunächst ein recht unansehnliches Braun. Plagioklas wird unter granulitfaziellen Bedingungen instabil und wandelt sich an den Korngrenzen zum Pyroxen zu Granat-Granoblasten um.

Das Maß des Fe-Mg Austausches zwischen Granat und Klinopyroxen in mafischen Granuliten ist als Geo-Thermometer und -Barometer geeignet und kann mit geeigneten Methoden gemessen werden. Mafische Granulite zeigen Metamorphosebedingungen von 700-800°C bei 8-12 Kbar (Stabilitätsfeld von Kyanit). Der Druck entspricht einer krustalen Tiefe von 30-45 km. Die Kruste muß also zum Zeitpunkt der Metamorphose sehr verdickt gewesen sein. Die Temperaturen sind deutlich über dem Solidus für granitische Kompositionen in Gegenwart von Fluiden. Die Exhumierung bzw. der Aufstieg der mafischen Granulite muß recht schnell erfolgt sein, da sie i.A. nur in geringem Maße retrograd überprägt wurden (Bildung von Hornblende; Möller et al. 1996).

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Strandgeröll aus anstehendem Gestein: feinkörniger mafischer Granulit mit Granat (rot), Pyroxen (mattschwarz), Hornblende (glänzend schwarz) und Plagioklas (weiß). Eine leichte Gneisigkeit ist zu beobachten. Einige mafische Granulite waren nach Möller et al. (1996) Doleritgänge, die nach der Metamorphose noch Reliktgefüge zeigen. In diesem Stück scheint recht viel Hornblende zugegen zu sein, die vermutlich durch retrograde Metamorphose entstand.

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Weiteres Strandgeröll des anstehenden Mafischen Granulits, etwas grobkörniger. Granat ist hier etwas unauffälliger, aber reichhaltig vorhanden.

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Schmaler Quarz/Feldspatgang von 10 cm Durchmesser im mafischen Granulit. Im Gängchen finden sich einige große dunkle Glimmeraggregate.

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Das anstehende Gestein findet sich als Geröll am Ufer wieder. Der allergröße Teil der Steine besteht aus Gesteinen der unmittelbaren Umgebung, in diesem Fall v.a. wieder Gneise, Pegmatite, Amphibolite und mafische Granulite.

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Ortsfremde Gesteine sind nicht zahlreich und fallen ziemlich schnell auf, so wie dieser braune Porphr (BB 12 cm) mit graubläulichen Quarzen, der überhaupt nicht in diese Gegend gehört.

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Ein weiteres Geröll, BB 18 cm: Grenze einer granitoiden Partie zu einem mafitreichen Gneis. Der granitartige Bestandteil wurde wohl aus dem Gneis ausgeschmolzen, was sich in der mafitreichen Grenze (Melanosom) zwischen rotgrauem Gneis (Paläosom) und der grobkörnigeren granitoiden Partie (Neosom) äußert.

 

Kullaitgang Lahibiagrottan

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Rutschiger Abstieg zur Lahibiagrottan, etwa 200 m Luftlinie S vom Leuchtturm Kullens Fyr. Hier befindet sich ein Kullaitgang. Kullaite sind im Geschiebe sehr selten auftretende Ganggsteine, ein Grund, sich hier entsprechende Proben zu besorgen. Erwähnenswert ist die Grotte an dieser Lokalität, die zwar durch Brandung und Frosteinwirkung entstand, nun aber mehrere Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der Grund dafür liegt vermutlich sowohl im seit dem Atlantikum gesunkenen Meeresspiegel als auch in der Landhebung seit dem Ende der letzten Vereisung.

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Etwa 2 m breiter Gang eines roten Kullaits, rechts daneben plagioklasschlieriger Granat-Amphibolit. Der Kullait ist permokarbonischen, der Granatamphibolit proterozoischen Alters. Zwischen der Entstehung beider Gänge liegt ein Zeitraum von mindestens 600-700 Millionen Jahren.

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Die Ganggrenze ist durch eine schlierige, etwa 20 cm breite Übergangszone gekennzeichnet. Kullaite sind Mischgesteine aus einer aufdringenden basischen bzw. basaltischen (verhältnismäßig heißen) Schmelze, die auf ihrem Weg Anteile saurer (felsischer) Gesteine vollständig assimilierte. Saure (verhältnismäßig kühlere) Schmelzen enthalten mehr Wasser, das im basischen Gestein eine hydrothermale Alteration bewirkte, was sich in der Rotfärbung (Hämatitpigment) und im Kullait enthaltenem Chlorit äußert. Die Kullaitschmelze besaß immer noch genügend Temperatur, um eine Reaktionszone mit dem Amphibolits zu bewirken.

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Der Kullaitgang lässt sich weiter hinten in der Felswand verfolgen, dazwischen ist er durch die Erosion ausgeräumt. Am Hang liegen zahlreiche rote Kullait-Gerölle. Die folgenden Proben sind gerundet und wurden am Strand gesammelt, der stellenweise voll von rotem Kullait ist.

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Trockenes Kullaitgeröll. Kullaite sind im Geschiebe nicht nur selten und gesuchte Raritäten, man muß sie wegen ihres zunächst relativ unscheinbaren Äußeren auch erst einmal erkennen. Dieses Stück ist relativ grobkörnig, am Geschiebestrand treten auch feinkörnigere Varietäten auf. Mit der Lupe erkennt man ein regelloses Gefüge der roten, häufig länglichen Feldspäte sowie dunkle bzw. grüne Minerale.

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Angefeuchtete Partie: Grundmasse aus regellos angeordnetem rotem Feldspat (vermutlich Plagioklas, Bestimmung makroskopisch nicht möglich) und schwarzen bis schwarzgrünen Mineralen, z.T. auch nadelig ausgebildet (i.W. Chlorit und Erz nach Hjelmquist 1930; aus Zandstra 1988). Gelegentlich finden sich einige größere und etwas heller wirkende Feldspat-Einsprenglinge. Die rote Farbe ist wohl durch Hämatitpigment hervorgerufen.

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Ein weiteres Kullait-Geröll. Neben den Vorkommen von Kullait am Kullaberg, inklusive des weiter unten beschriebenen Kullaits von Josefinelust ist unklar, wie viele bisher nicht entdeckte oder nicht mehr vorhandene Kullaitgänge in SW-Schweden existieren. Auch in der Nähe von Dalby, im Oslograben und auf Bornholm kommen Kullaite vor, aus diesem Grunde sind sie per se keine Leitgeschiebe. Siehe hierzu auch den Beitrag von Matthias Bräunlich auf kristallin.de.

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Geröll eines plagioklasschlierigen Granatamphibolits von der Lokalität Lahibiagrottan. Als „statistisches“ Leitgeschiebe (Smed) von SW-Schweden geeignet. Nach Vinx (1998) sind die Amphibolite aufgrund ihrer Plagioklasschlierigkeit als Leitgeschiebe geeignet, weil diese Texturierung (ebenso wie die auf dem Bild ebenfalls erkennbaren weißen Plagioklassäume um rote Granate) die Folge einer retrograden Metamorphose sind, wie sie nur vom Übergang der oberen Amphibolitfazies denkbar ist, die wiederum bestimmend ist für die SGR.

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Strandgerölle aus Granatamphiboliten mit großen Granaten, rotgrauen Gneisen und grauen mafischen Granuliten.

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Anstehender mittelkörniger Granatamphibolit mit cm-großen Granaten oberhalb des Kullaits (östlicher Abstieg).

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Leicht angewitterte Probe aus dem Gang. Das Exemplar führt verhältnismäßig viel Granat. Erkennbar sind auch hier wieder Coronen von Plagioklas um die Granate.

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Pegmatitische Partie; BB an der Basis etwa 1 m.

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Nicht nur die Vielfalt der Gesteine, auch die kontrastreichen Bildungen von Flechtenbewuchs fallen am Kullaberg ins Auge.

 

Josefinelust

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Ein weiterer Kullaitgang ist an der etwa 2 km östlich von Kullens Fyr gelegenen Lokalität Josefinelust zu finden. Ein steiler Abstieg führt zum Strand.

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Brauner Kullaitgang von etwa 80 cm Breite in graurotem Gneis. Der Gang weist im Gegensatz zum roten Kullait von Lahibiagrottan eine scharfe Begrenzung zum Nebengestein auf.

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Panorama des Kullaitganges, der sich wie mit dem Lineal gezogen küstenparallel in NW-Richtung auf etwa 300 m Länge erstreckt, unterbrochen durch den Strand.

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Geröllstrand bei Josefinelust: in der Hauptsache rotgraue Gneise, einige Mafische Granulite und Amphibolite und hin und wieder ein Kullait. In Gangnähe häufen sich die Kullaite.

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Strandgeröll des braunroten Kullaits von Josefinelust. Kennzeichnend ist wieder ein regelloses Gefüge der Feldspatleisten und -kristalle in der Grundmasse. Es erinnert hier, stärker als beim roten Kullait von Lahibiagrottan, an ein (ehemals?) ophitisches Gefüge aus Plagioklas und Pyroxen, wie es für Dolerite typisch ist.

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Neben einigen roten Einsprenglingen von Feldspat, die sich kontrastreich von der Grundmasse abheben, finden sich mit weißem Mineral gefüllte kleine Hohlräume, die gerne schnell auswittern und dann kleine Hohlräume hinterlassen. Eine Probe mit Salzsäure fällt positiv aus, das weiße Mineral ist Calcit.

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Angefeuchtete Schnittfläche eines Kullaits von Josefinelust.

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Strandfund bei Josefinelust. Das Gestein sieht ebenfalls wie ein Kullait aus, ist aber eher braun gefärbt und enthält hellrotbräunliche Einsprenglinge. Möglicherweise stammt es aus einem anderen, benachbartem Kullaitgang. Es soll noch einen zweiten, schmaleren Gang mit einem grün-braunen Kullait geben, den ich aber nicht entdeckt habe.

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Blick nach Westen von einer Anhöhe über den Strand von Josefinelust.

 

Ransvik

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Granat-Amphibolitgang bei Ransvik, Lokalität Diamantklipporna (am Strand links halten, Naturschutzgebiet, kein Hammer!), im Hintergrund die Stadt Mölle. Der Granatamphibolit ist hier recht grobkörnig ausgebildet. Bei Sonnenschein schimmern die Hornblende-Kristallflächen „wie Diamanten“, was der Lokalität ihren Namen gab.

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Detail des Granatamphibolits, in dieser Partie mit viel grobkristallinem Amphibol und deutlich weniger Granat.

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Granatreiche Partie. Große Granat-Porphyroblasten sind von einem Ring aus Plagioklas umgeben.

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Migmatitischer Gneis mit multipler Klüftung am Strand von Ransvik, einige Meter neben dem Amphibolitgang.

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Detail des anstehenden rotgrauen Gneises, BB 30 cm.

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Gneisgeschiebe vom Strand Ransvik, an dem das Aufsammeln von Steinen eigentlich untersagt ist (Schild). Die Gründe sind unklar, zumal es hier ausschließlich Gneise, Aplite und Pegmatite zu geben scheint, die nicht unbedingt begehrte Sammelobjekte darstellen.

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Rhombisches Kluftsystem verschiedener Kluftscharen im Gneis.

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Kurioses Strandgeröll von Ransvik, vermutlich ein Aplit oder eine aplitische Brekzie mit Adern aus Feldspat, Quarz und Chlorit o.ä. als grün färbende Komponente.

 

Literatur

Bingen, B., Nordgulen, O. & Viola, G., 2008: A fourphase model for the Sveconorwegian orogeny,
SW Scandinavia. Norwegian Journal of Geology 88, 43-72

Möller, C., Andersson, J., Lundqvist, I. & Hellström, F.A., 2007: Linking deformation, migmatite
formation and zircon U-Pb geochronology in polymetamorphic gneisses, Sveconorwegian province, Sweden. Journal of Metamorphic Geology 25, 727-750.

Möller, Johansson, Andersson, Söderlund: Southwest-Swedish Granulite Region in Berichte der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft, Beih. z. Eur. J. Mineral. Vol. 8, 1996, No.2

Söderlund, U., Hellström, F.A. & Kamo, S.L., 2008: Geochronology of high-pressure mafic granulite dykes in SW Sweden: tracking the P- T-t path of metamorphism using Hf isotopes in
zircon and baddeleyite. Journal of Metamorphic Geology 26, 539-560.

U. Söderlund (Dr.), C. Karlsson, L. Johansson, K. Larsson: The Kullaberg peninsula – a glimpse of the Proterozoic evolution of SW Fennoscandia GFF 130, pt. 1, p. 1-10 (2008)

R. Vinx: Granatcoronit (mafischer Granulit): ein neues Leitgeschiebe SW-schwedischer Herkunft; Archiv für Geschiebekunde, Hamburg 1996, Band 2, S. 3-20.

R. Vinx: Neue kristalline SW-schwedische Leitgeschiebe: Granoblastischer Mafischer Granulit, Halland-Retro-Eklogit und deformierter, bunter Pegmatit; Archiv für Geschiebekunde, Hamburg 1998, Band 2, Heft 6 S. 363-378.

J. G. Zandstra: Noordelijke Kristallijne Gidsgesteenten; Brill, Leiden, 1988

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