Exkursion SW-Schweden 1: Kullaberg

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Felsküste auf der Kullaberg-Halbinsel nahe Kullens Fyr, SW-Schweden.

Eine geologische Exkursion führte im Sommer 2015 in das SW-schwedische Grundgebirge und nach Småland. Dabei ging es neben der Probenahme von Gesteinen (Leitgeschiebe-Vergleichsproben) um einen Einblick in die regionalen geologischen Zusammenhänge. Die folgende Serie aus acht Artikeln zeichnet die Stationen dieser Reise nach:

 

Zur Geologie des Südwestschwedischen Granulitgebiets

Die erste Etappe der Exkursion führte ins Südwestschwedische Granulitgebiet. Es folgt ein kurzer Abriss zur Geologie. Zahlreiche der besuchten Lokalitäten wurden dem Exkursionsführer von Möller et al. 1996 entnommen.

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Übersichtskarte der geologischen Gebietseinheiten in Norwegen, Schweden und Finnland (Grafik aus kristallin.de). Die Lokalitäten in dieser Serie von Exkursionsberichten befinden sich im östlichen Segment der svekonorwegischen Domäne (öT). Ab Teil 4 geht es um Gesteine aus dem südlichen Teil des Transskandinavischen Magmatitgürtels (TIB).

Die Svekonorwegische Provinz ist ein großes Krustensegment des Baltischen Schildes, das während der Svekonorwegischen Gebirgsbildung (Grenville-Orogenese in Nordamerika) vor 1,14 – 0,9 Ga entstand. Ein Teil davon ist das Südwestschwedische Gneisgebiet, das sich, voneinander getrennt durch eine breite Mylonitzone, in ein östliches (öT) und westliches Segment (wT) aufteilt. Der südliche Teil des östlichen Segment wird als Südwestschwedisches Granulitgebiet (SGR) bezeichnet und enthält Gesteine, die während der Gebirgsbildung einer hochgradigen Metamorphose (höhere Amphibolit- bis Granulitfazies) unterworfen wurden. Die großflächig verbreiteten Granulite sind eine Besonderheit unter den gesteinen des Baltischen Schilds und entstanden durch mindestens eine Kontinent-Kontinent-Kollision (möglicherweise Amazonia mit Baltica). Ermittelt wurden metamorphe Peaks vor 1.035 Ma und 930 Ma. Das jüngere Datum wird Beginn des postkollisionalen Kollaps (isostatischer Ausgleich der verdickten Kruste) aufgefasst.  Die Gesteine, die heute an der Oberfläche liegen, sind tiefe Bereiche eines Orogens. Ihre ursprüngliche Versenkungstiefe betrug maximal 35 km (Bingen et al. 2008). Man nimmt an, dass die Ausgangsgesteine (Protolithe) des Östlichen Segments (öT) im Wesentlichen aus Granitoiden und Granitmassiven mit mafischen Intrusionen bestanden. Mit 1.730-1.660 Ma sind sie ähnlich alt wie einige Gesteine des TIB (Söderlund et al, 2002; Möller et al, 2007). Der svekonorwegischen Orogenese ging eine eine ältere Phase der Gebirgsbildung mit assoziierter Migmatisierung voraus, die als „Halland-Event“ bezeichnet wird (zwischen 1.460 und 1.420 Ma). Nach dem Halland-Event drangen lokal postorogene Granite auf (Torpa-/Tjärnesjö-Granit, 1.400-1.380 Ma), die mit Charnockiten assoziiert sind bzw. charnockitisiert wurden (Andersson et al 1990). Auch diese Gesteine wurden während der späteren svekonorwegischen Orogenese deformiert (ca. 955 Ma, Andersson 1996). Das Südwestschwedisches Granulitgebiet besitzt also eine polymetamorphe Geschichte mit Gesteinen, die von unterschiedlichen Metamorphose-Graden, Migmatisierung und retrograder Metamorphose betroffen waren.

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Die geologische Karte (Karte aus kristallin.de) zeigt einen Teil des östlichen Segmentes, schraffiert ist das Südschwedische Granulitgebiet (SGR). Es wird durch große, etwa in N-S-Richtung verlaufende Scherzonen begrenzt, im Nordwesten von der Mylonitzone, im Osten von der Protoginzone. Innerhalb dieses Gebietes finden sich Gesteine, die während der Svekonorwegischen Orogenese Metamorphosebedingungen der Granulit- bis Oberen Amphibolitfazies durchliefen. Es sind im wesentlichen Orthogneise und metamorphe mafische Gesteine (Amphibolite, mafische Granulite). Diese Gesteine repräsentieren tiefere Krustenteile bis 35 km, im Extremfall des Eklogits über 50 km. Die Erdkruste war durch die Orogenese (Kontinent-Kontinent-Kollision) erheblich verdickt und strebte nach isostatischem Ausgleich. Die tektonischen Verhältnisse innerhalb des Südteils des Östlichen Segments sind komplex, hauptsächlich kompressionale Deformation wechselt sich ab mit extensionalem tektonischem Regime. Durch gravitationalen Kollaps (isostatischen Ausgleich) und durch Abtragung des Orogens konnten tiefere Teile der Erdkruste im Laufe von Jahrmillionen an die Erdoberfläche gelangen.

Mafische Gesteine östlich der Protoginzone zeigen niedriggradige Metamorphosebedingungen mit Chlorit, Epidot und Aktinolith als charakteristischen Mineralbestand. Innerhalb der Protoginzone ist häufig Amphibolitfazies zu beoachten, während westlich davon pyroxenhaltige Gesteine der Granulitfazies vorkommen. Ebenso gehen an der Mylonitzone die Gesteine von Ost nach West in granatfreie Epidot-Amphibolit-Gesteine über, die ein Produkt retrograder Metamorphose sind (Johansson 1992). Leukokrate Gesteine wurden im Zuge der Metamorphose weniger im Mineralbestand, als in Textur und Gefüge verändert. Bei höherer Temperatur (Überschreiten des Granitsolidus) neigen sie zur Aufschmelzung und führten zu Übergängen zwischen Gneisen, Migmatiten und pegmatitischen Partien.

Die Gesteine innerhalb des SGR sind in erster Linie Adergneise bzw. Migmatite von granitischer bis intermediärer Zusammensetzung (rötliche und graue Orthogneise, s. Karte). Mit ihnen verknüpft sind Pegmatite von charakteristischer Farbe, die ebenfalls deformiert sein können. Die Anorogenen Granite (z. B. Torpa-, Tjärnesjö-Granit mit Feldspat-Megakristallen) bis Quarzmonzonite sind datiert auf 1.380-1.400 Ma und mit Charnockiten assoziiert (z. B. Varberg-Charnockit). Kleine Charnockitvorkommen oder auch charnockitisierte Gneise mit grünen oder braunen Feldspäten treten an mehreren Lokalitäten auf. Gänge, Lagen und Linsen von Granatamphiboliten und Mafischen Granuliten finden sich in Gneisen und Charnockiten, möglicherweise handelt es sich um verschiedene Generationen von Intrusionen (und Extrusionen?). Vorkommen von Granitamphiboliten können eine Ausdehnung von einigen km Länge und bis zu 1 km Breite erreichen. Die Gesteine mit den höchsten Metamorphosegraden finden sich im Raum Ullared (Retro-Eklogite).

lange waren in der Geschiebekunde Leitgeschiebe aus SW-Schweden unterrepräsentiert, im Vergleich zu Gesteinen aus Gebieten östlich der Protoginzone. Zu den „klassischen“ Leitgeschieben zählten der Varberg-Charnockit und die Kullaite. Bei den Kullaiten stellte sich heraus, dass sie auch in anderen Gebieten vorkommen. Ein häufiges Auftreten von  weißschlierige Granatamphiboliten und Schonen-Granulit ist typisch für SW-schwedische Geschiebegemeinschaften (Smed/Ehlers 1994). Die NW-Dolerite wurden von Geisler (1996) beschrieben. R. Vinx (1996, 1998) führte weitere, im Geschiebe wesentlich häufiger anzutreffende Leitgeschiebe ein, zunächst den Granatcoronit (Vinx 1996) als besondere Erscheinungsform des mafischen Granulits, später (Vinx 1998) den granoblastischen mafischen Granulit, Halland-Retro-Eklogit und den deformierten bunten Pegmatit („Flammenpegmatit“). Möglicherweise eignen sich auch porphyrische Varianten des Torpa- und Tjärnesjön-Granits als Leitgeschiebe für Halland.

 

Kullaberg

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Luftbild der Kullaberg-Halbinsel, fotografiert am naturum Kullaberg (Foto: Bertil Hagberg).

Das erste Ziel der ersten geologischen Schwedenreise war der Grundgebirgshorst des Kullabergs, ca. 35 km NW von Helsingborg. Hier treten erstmals proterozoische Gneise der SGR an die Oberfläche, die weiter südlich von jüngeren Sedimenten bedeckt sind. Die Höhenlagen der Halbinsel erheben sich etwa 100 m vom Meeresspiegel, die Morpholgie wirkt mittelgebirgsartig im Vergleich zu den sanften Moränen-Hügeln im Süden. Am Kullaberg lassen sich die unterschiedlichen Gesteinstypen der SGR sowie ihre Kontaktbeziehungen an zahlreichen Küstenaufschlüssen beobachten.

Im Permokarbon entstand die (immer noch aktive) Sorgenfrei-Tornquist-Zone (s. erste Karte oben), die Teil einer etwa 100 km breiten Deformationszone bzw. Schwächezone an der Sutur zwischen dem Baltischen Schild und Mitteleuropa ist (Verschweißung von Baltica und Avalonia vom Ordovizium bis Silur). Im Bereich dieser NW-SE verlaufende Deformationszone entstanden im späten Silur durch Dehnungstektonik bzw. extensionales tektonisches Regime Horste und Gräben in SW-Schweden. Zu den Grundgebirgs-Horsten gehören der Hallandsåsen, Söderåsen und, als südwestlichste Einheit, der Kullaberg. Die Gräben sind gefüllt mit kambrischen bis tertiären Sedimenten. Zur Zeit der Hauptaktivität der Tornquist-Zone (Karbon/Perm) stiegen mafische Magmen auf, die als Gangschwarm mit Tausenden von Gängen das proterozoische Grundgebirge und auch die paläozoischen Sedimentgesteinen durchbrachen (NW-Dolerite, Lamprophyre, Kullaite).

Das Grundgebirge am Kullaberg besteht aus Gneisen (Orthogneise, oft migmatitisiert) und mafischen Gängen. Ihre amphibolit- bis granulitfazielle Metamorphose fand vor etwa 1 Ga statt, im Zuge der svekonorwegischen Gebirgsbildung (Grenville-Orogenese). Zeugen dieser Hochdruckmetamorphose sind u. a. die migmatischen Amphibolite (plagioklasschlieriger Granatamphibolit) und mafischen Granulite. Sie enthalten Granat, der in Metabasiten erst ab der Oberen Amphibolitfazies gebildet wird.

Geologisches Schema der Kullaberg-Halbinsel aus Söderlund et al. (2008). Sie zeigt ältere Generationen von mafischen Gängen, die annähernd in N-S-Richtung verlaufen oder unregelmäßig geformte Körper im granitischen Gneis ausbilden sowie NW-verlaufende Doleritgänge (im engl. diabase). In Söderlund et al. (2008) werden einige Gesteine des Kullabergs datiert, u.a. drei Proben eines Granitgneises (1694±7 Ma, 1693±7 Ma and 1663±14 Ma). Partielles Aufschmelzen an einem Pegmatitgang wurde mit 1473±6 Ma angegeben. An einem der zahlreichen nach N streichenden Amphibolitgänge wurde ein Alter von 961±6 Ma ermittelt. Dieses Alter wird vor die Amphibolitfazies-Deformation datiert, die vermutlich im Zusammenhang steht mit der Exhumierung der Kruste kurz nach dem svekonorwegischen Kompressionsstadium. Ein weiterer, nicht deformierter Pegmatit von 934±6 Ma entstand, als die Kruste so weit exhumiert war, daß sie die duktil-spröde-Grenze bereits überschritten hatte.

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Erster Kontakt mit proterozoischem Grundgebirge bei Kullens Fyr. Migmatitische Bänderung und Gneisigkeit streichen in N-S-Richtung und fallen etwa 20° nach NW ein. Die Klüftung der rotgrauen Gneise verläuft nicht in Foliationsrichtung. Viele Klüfte sind wohl spät-silurischen Alters, während die Gneisbildung spätestens während der svekonorwegischen Orogenese stattfand.

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Landschaftsimpression an der Spitze der Kullaberg-Halbinsel, unterhalb des Leuchtturms Kullens Fyr. Durch Bruchtektonik geklüftete rotgraue Gneise dominieren die wilde Felsküste.

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Gerölle: graue Gneise mit roten Adern sowie rote Pegmatite, vereinzelt an Flammenpegmatit bzw. deformierten Pegmatit erinnernd, BB 50 cm.

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Grauer, Hornblende führender Gneis mit roten migmatitischen Schlieren, BB 12 cm.

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Rotgrauer Gneis mit migmatitischer Linse.

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Gang eines dunklen (Amphibol-)Gneises von etwa 1 m Breite, diskordant von einem Pegmatit durchschlagen.

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Mafischer Körper mit Amphibolit und mafischem Granulit unterhalb des Leuchtturms Kullens Fyr. Mafischer Granulit findet sich im zentralen Teil dieses Körpers. Zum Rand hin nimmt der Anteil an Amphibol auf Kosten von Pyroxen zu.

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Strandgeröll eines granatführenden Amphibolits aus obigem mafischen Körper, mit anstehendem Gestein identisch. Möglicherweise spiegelt sich in der Texturierung zwischen schwarzem Amphibol weißem Plagioklas ein doleritisches Gefüge des Ausgangsgesteins wider. Allein am Kullaberg ist die Spannbreite an Erscheinungsformen von Amphibolit, meist granatführend (<5% Granat) oder Granatamphibolit (>5% Granat) groß, von fein- über mittel- zu grobkörnigen Varianten mit mehr oder weniger Plagioklas, letzterer auch in migmatitischen Schlieren (plagioklasschlieriger Granatamphibolit). Die (Granat-)Amphibolite sind variabel gefaltet, gneisig oder ohne Foliation. Hauptbestandteile sind Hornblende (Amphibol, schwarz), Plagioklas (weiß) und Granat (rot). Daneben können in wesentlich geringerer Menge Quarz, Biotit und Klinopyroxen auftreten.

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Strandgeröll eines weiteren Granatamphibolits aus einem benachbartem Gang. Granat (hellrot), Plagioklas (weiß) und Amphibol (schwarz) sind wieder der dominierende Mineralbestand, das Gestein weist eine leichte Gneisgkeit auf.

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Diese Skizze aus Möller et al. (1996) zeigt die im unmittelbaren Umkreis des Leuchtturms auftretenden Gänge und Körper, die im Gelände aufgesucht wurden. Man erkennt deutlich die mit dem Gneis assoziierten, etwa in N-S-Richtung streichenden proterozoischen Amphibolite und mafischen Granulite im Gegensatz zu den in NW-Richtung verlaufenden permokarbonischen Doleriten („NW-Dolerite“).

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Der durch die erosive Wirkung des Meeres stärker abgetragener Bereich markiert den Verlauf des NW-streichenden Doleritganges, welcher sich bis zum Standort entlangzieht und im Gelände mitunter schwer zu erkennen ist. Es handelt sich um den auf der obigen Kartenskizze eingetragenen dicken Gang (Dolerite), der sich bis zum westlichen Ende der Kullaberg-Halbinsel erstreckt.

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Der gleiche Doleritgang von der Küste aus betrachtet, Breite des Ganges etwa 15 m.

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Kleine Probe des anstehenden Dolerits als Strandgeröll. An einer frisch geschlagenen Probe ist das doleritische Gefüge nur mit Mühe zu erkennen. Der Dolerit ist sehr unauffällig, er zeigt im Gegensatz zum Dolerit von Arild (s. dort) keine größeren Plagioklaseinsprenglinge.

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Wenige Meter weiter östlich vom Dolerit sieht man einen migmatitischen Mix von dunklem amphibolitischem und hellerem granitischem Material.

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Etwa 20 cm hoher, roter Gang, bestehend aus rotem Feldspat und Quarz, in einem grauen Gneis, vermutlich ein Aplitgang.

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An der Lokalität Silvergrottan kann man einen teilweise ausgeräumten Pegmatitgang betreten. Der Eingang ist etwa 1 m hoch, der begehbare Teil etwa 15 m lang. Angeblich sollen Dänen 1561 den schillernden Pegmatit für Silber gehalten haben oder sie glaubten, hier diesbezüglich fündig zu werden, was allerdings nicht der Fall war.

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Einige Meter vor dieser Lokalität ist ein Amphibolitgang im Kontakt zu einem weitgehend pegmatitisierten Gneis ausgebildet. Erkennbar ist, daß weiße Schlieren im Amphibolit weitgehend auf die Kontaktzone beschränkt sind. BB etwa 3,50 m.

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Blick auf die Grenze Pegmatit/Amphibolit am gleichen Gang, BB etwa 1,50 m.

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Die Grenze ist einigermaßen scharf ausgebildet, am Kontakt zum Pegmatit treten große schwarze Blättchen von Glimmer auf, vermutlich Biotit. BB 40 cm.

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Zum Ganginneren geht der schlierige Amphibolit in mafischen Granulit über. Dies äußert sich schon in der farblichen Abstufung vom Grauschwarz des Amphibolits in ein Braun des Mafischen Granulits.

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Anstehender mafischer Granulit. Bildbreite etwa 20 cm. Mafische Granulite (nach Vinx 1996) sind Gesteine der Granulitfazies, einer trockenen Hochdruckfazies, die u.U. auch fast Eklogitfazies erreicht haben. Im allgemeinen sind sie im Gegensatz zu vielen Amphiboliten undeformiert. Wesentlicher Mineralbestand sind Plagioklas (weiß), Klinopyroxen (grünlich-schwarz) ± Hornblende (glänzend, schwarz) und granoblastischer Granat (rot) in winzigen Körnern. Der Gesamteindruck ist zunächst ein recht unansehnliches Braun. Plagioklas wird unter granulitfaziellen Bedingungen instabil und wandelt sich an den Korngrenzen zum Pyroxen zu Granat-Granoblasten um.

Das Maß des Fe-Mg Austausches zwischen Granat und Klinopyroxen in mafischen Granuliten ist als Geo-Thermometer und -Barometer geeignet und kann mit geeigneten Methoden gemessen werden. Mafische Granulite zeigen Metamorphosebedingungen von 700-800°C bei 8-12 Kbar (Stabilitätsfeld von Kyanit). Der Druck entspricht einer krustalen Tiefe von 30-45 km. Die Kruste muß also zum Zeitpunkt der Metamorphose sehr verdickt gewesen sein. Die Temperaturen sind deutlich über dem Solidus für granitische Kompositionen in Gegenwart von Fluiden. Die Exhumierung bzw. der Aufstieg der mafischen Granulite muß recht schnell erfolgt sein, da sie i.A. nur in geringem Maße retrograd überprägt wurden (Bildung von Hornblende; Möller et al. 1996).

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Strandgeröll aus anstehendem Gestein: feinkörniger mafischer Granulit mit Granat (rot), Pyroxen (mattschwarz), Hornblende (glänzend schwarz) und Plagioklas (weiß). Eine leichte Gneisigkeit ist zu beobachten. Einige mafische Granulite waren nach Möller et al. (1996) Doleritgänge, die nach der Metamorphose noch Reliktgefüge zeigen. In diesem Stück scheint recht viel Hornblende zugegen zu sein, die vermutlich durch retrograde Metamorphose entstand.

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Weiteres Strandgeröll des anstehenden Mafischen Granulits, etwas grobkörniger. Granat ist hier etwas unauffälliger, aber reichhaltig vorhanden.

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Schmaler Quarz/Feldspatgang von 10 cm Durchmesser im mafischen Granulit. Im Gängchen finden sich einige große dunkle Glimmeraggregate.

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Das anstehende Gestein findet sich als Geröll am Ufer wieder. Der allergröße Teil der Steine besteht aus Gesteinen der unmittelbaren Umgebung, in diesem Fall v.a. wieder Gneise, Pegmatite, Amphibolite und mafische Granulite.

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Ortsfremde Gesteine sind nicht zahlreich und fallen ziemlich schnell auf, so wie dieser braune Porphr (BB 12 cm) mit graubläulichen Quarzen, der überhaupt nicht in diese Gegend gehört.

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Ein weiteres Geröll, BB 18 cm: Grenze einer granitoiden Partie zu einem mafitreichen Gneis. Der granitartige Bestandteil wurde wohl aus dem Gneis ausgeschmolzen, was sich in der mafitreichen Grenze (Melanosom) zwischen rotgrauem Gneis (Paläosom) und der grobkörnigeren granitoiden Partie (Neosom) äußert.

 

Kullaitgang Lahibiagrottan

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Rutschiger Abstieg zur Lahibiagrottan, etwa 200 m Luftlinie S vom Leuchtturm Kullens Fyr. Hier befindet sich ein Kullaitgang. Kullaite sind im Geschiebe sehr selten auftretende Ganggsteine, ein Grund, sich hier entsprechende Proben zu besorgen. Erwähnenswert ist die Grotte an dieser Lokalität, die zwar durch Brandung und Frosteinwirkung entstand, nun aber mehrere Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der Grund dafür liegt vermutlich sowohl im seit dem Atlantikum gesunkenen Meeresspiegel als auch in der Landhebung seit dem Ende der letzten Vereisung.

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Etwa 2 m breiter Gang eines roten Kullaits, rechts daneben plagioklasschlieriger Granat-Amphibolit. Der Kullait ist permokarbonischen, der Granatamphibolit proterozoischen Alters. Zwischen der Entstehung beider Gänge liegt ein Zeitraum von mindestens 600-700 Millionen Jahren.

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Die Ganggrenze ist durch eine schlierige, etwa 20 cm breite Übergangszone gekennzeichnet. Kullaite sind Mischgesteine aus einer aufdringenden basischen bzw. basaltischen (verhältnismäßig heißen) Schmelze, die auf ihrem Weg Anteile saurer (felsischer) Gesteine vollständig assimilierte. Saure (verhältnismäßig kühlere) Schmelzen enthalten mehr Wasser, das im basischen Gestein eine hydrothermale Alteration bewirkte, was sich in der Rotfärbung (Hämatitpigment) und im Kullait enthaltenem Chlorit äußert. Die Kullaitschmelze besaß immer noch genügend Temperatur, um eine Reaktionszone mit dem Amphibolits zu bewirken.

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Der Kullaitgang lässt sich weiter hinten in der Felswand verfolgen, dazwischen ist er durch die Erosion ausgeräumt. Am Hang liegen zahlreiche rote Kullait-Gerölle. Die folgenden Proben sind gerundet und wurden am Strand gesammelt, der stellenweise voll von rotem Kullait ist.

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Trockenes Kullaitgeröll. Kullaite sind im Geschiebe nicht nur selten und gesuchte Raritäten, man muß sie wegen ihres zunächst relativ unscheinbaren Äußeren auch erst einmal erkennen. Dieses Stück ist relativ grobkörnig, am Geschiebestrand treten auch feinkörnigere Varietäten auf. Mit der Lupe erkennt man ein regelloses Gefüge der roten, häufig länglichen Feldspäte sowie dunkle bzw. grüne Minerale.

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Angefeuchtete Partie: Grundmasse aus regellos angeordnetem rotem Feldspat (vermutlich Plagioklas, Bestimmung makroskopisch nicht möglich) und schwarzen bis schwarzgrünen Mineralen, z.T. auch nadelig ausgebildet (i.W. Chlorit und Erz nach Hjelmquist 1930; aus Zandstra 1988). Gelegentlich finden sich einige größere und etwas heller wirkende Feldspat-Einsprenglinge. Die rote Farbe ist wohl durch Hämatitpigment hervorgerufen.

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Ein weiteres Kullait-Geröll. Neben den Vorkommen von Kullait am Kullaberg, inklusive des weiter unten beschriebenen Kullaits von Josefinelust ist unklar, wie viele bisher nicht entdeckte oder nicht mehr vorhandene Kullaitgänge in SW-Schweden existieren. Auch in der Nähe von Dalby, im Oslograben und auf Bornholm kommen Kullaite vor, aus diesem Grunde sind sie per se keine Leitgeschiebe. Siehe hierzu auch den Beitrag von Matthias Bräunlich auf kristallin.de.

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Geröll eines plagioklasschlierigen Granatamphibolits von der Lokalität Lahibiagrottan. Als „statistisches“ Leitgeschiebe (Smed) von SW-Schweden geeignet. Nach Vinx (1998) sind die Amphibolite aufgrund ihrer Plagioklasschlierigkeit als Leitgeschiebe geeignet, weil diese Texturierung (ebenso wie die auf dem Bild ebenfalls erkennbaren weißen Plagioklassäume um rote Granate) die Folge einer retrograden Metamorphose sind, wie sie nur vom Übergang der oberen Amphibolitfazies denkbar ist, die wiederum bestimmend ist für die SGR.

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Strandgerölle aus Granatamphiboliten mit großen Granaten, rotgrauen Gneisen und grauen mafischen Granuliten.

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Anstehender mittelkörniger Granatamphibolit mit cm-großen Granaten oberhalb des Kullaits (östlicher Abstieg).

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Leicht angewitterte Probe aus dem Gang. Das Exemplar führt verhältnismäßig viel Granat. Erkennbar sind auch hier wieder Coronen von Plagioklas um die Granate.

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Pegmatitische Partie; BB an der Basis etwa 1 m.

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Nicht nur die Vielfalt der Gesteine, auch die kontrastreichen Bildungen von Flechtenbewuchs fallen am Kullaberg ins Auge.

 

Josefinelust

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Ein weiterer Kullaitgang ist an der etwa 2 km östlich von Kullens Fyr gelegenen Lokalität Josefinelust zu finden. Ein steiler Abstieg führt zum Strand.

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Brauner Kullaitgang von etwa 80 cm Breite in graurotem Gneis. Der Gang weist im Gegensatz zum roten Kullait von Lahibiagrottan eine scharfe Begrenzung zum Nebengestein auf.

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Panorama des Kullaitganges, der sich wie mit dem Lineal gezogen küstenparallel in NW-Richtung auf etwa 300 m Länge erstreckt, unterbrochen durch den Strand.

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Geröllstrand bei Josefinelust: in der Hauptsache rotgraue Gneise, einige Mafische Granulite und Amphibolite und hin und wieder ein Kullait. In Gangnähe häufen sich die Kullaite.

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Strandgeröll des braunroten Kullaits von Josefinelust. Kennzeichnend ist wieder ein regelloses Gefüge der Feldspatleisten und -kristalle in der Grundmasse. Es erinnert hier, stärker als beim roten Kullait von Lahibiagrottan, an ein (ehemals?) ophitisches Gefüge aus Plagioklas und Pyroxen, wie es für Dolerite typisch ist.

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Neben einigen roten Einsprenglingen von Feldspat, die sich kontrastreich von der Grundmasse abheben, finden sich mit weißem Mineral gefüllte kleine Hohlräume, die gerne schnell auswittern und dann kleine Hohlräume hinterlassen. Eine Probe mit Salzsäure fällt positiv aus, das weiße Mineral ist Calcit.

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Angefeuchtete Schnittfläche eines Kullaits von Josefinelust.

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Strandfund bei Josefinelust. Das Gestein sieht ebenfalls wie ein Kullait aus, ist aber eher braun gefärbt und enthält hellrotbräunliche Einsprenglinge. Möglicherweise stammt es aus einem anderen, benachbartem Kullaitgang. Es soll noch einen zweiten, schmaleren Gang mit einem grün-braunen Kullait geben, den ich aber nicht entdeckt habe.

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Blick nach Westen von einer Anhöhe über den Strand von Josefinelust.

 

Ransvik

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Granat-Amphibolitgang bei Ransvik, Lokalität Diamantklipporna (am Strand links halten, Naturschutzgebiet, kein Hammer!), im Hintergrund die Stadt Mölle. Der Granatamphibolit ist hier recht grobkörnig ausgebildet. Bei Sonnenschein schimmern die Hornblende-Kristallflächen „wie Diamanten“, was der Lokalität ihren Namen gab.

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Detail des Granatamphibolits, in dieser Partie mit viel grobkristallinem Amphibol und deutlich weniger Granat.

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Granatreiche Partie. Große Granat-Porphyroblasten sind von einem Ring aus Plagioklas umgeben.

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Migmatitischer Gneis mit multipler Klüftung am Strand von Ransvik, einige Meter neben dem Amphibolitgang.

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Detail des anstehenden rotgrauen Gneises, BB 30 cm.

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Gneisgeschiebe vom Strand Ransvik, an dem das Aufsammeln von Steinen eigentlich untersagt ist (Schild). Die Gründe sind unklar, zumal es hier ausschließlich Gneise, Aplite und Pegmatite zu geben scheint, die nicht unbedingt begehrte Sammelobjekte darstellen.

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Rhombisches Kluftsystem verschiedener Kluftscharen im Gneis.

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Kurioses Strandgeröll von Ransvik, vermutlich ein Aplit oder eine aplitische Brekzie mit Adern aus Feldspat, Quarz und Chlorit o.ä. als grün färbende Komponente.

 

Literatur

Bingen, B., Nordgulen, O. & Viola, G., 2008: A fourphase model for the Sveconorwegian orogeny,
SW Scandinavia. Norwegian Journal of Geology 88, 43-72

Möller, C., Andersson, J., Lundqvist, I. & Hellström, F.A., 2007: Linking deformation, migmatite
formation and zircon U-Pb geochronology in polymetamorphic gneisses, Sveconorwegian province, Sweden. Journal of Metamorphic Geology 25, 727-750.

Möller, Johansson, Andersson, Söderlund: Southwest-Swedish Granulite Region in Berichte der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft, Beih. z. Eur. J. Mineral. Vol. 8, 1996, No.2

Söderlund, U., Hellström, F.A. & Kamo, S.L., 2008: Geochronology of high-pressure mafic granulite dykes in SW Sweden: tracking the P- T-t path of metamorphism using Hf isotopes in
zircon and baddeleyite. Journal of Metamorphic Geology 26, 539-560.

U. Söderlund (Dr.), C. Karlsson, L. Johansson, K. Larsson: The Kullaberg peninsula – a glimpse of the Proterozoic evolution of SW Fennoscandia GFF 130, pt. 1, p. 1-10 (2008)

R. Vinx: Granatcoronit (mafischer Granulit): ein neues Leitgeschiebe SW-schwedischer Herkunft; Archiv für Geschiebekunde, Hamburg 1996, Band 2, S. 3-20.

R. Vinx: Neue kristalline SW-schwedische Leitgeschiebe: Granoblastischer Mafischer Granulit, Halland-Retro-Eklogit und deformierter, bunter Pegmatit; Archiv für Geschiebekunde, Hamburg 1998, Band 2, Heft 6 S. 363-378.

J. G. Zandstra: Noordelijke Kristallijne Gidsgesteenten; Brill, Leiden, 1988