La Gomera VI – Fortaleza, Erque, Calvario

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La Fortaleza (1.243 m), Blick nach Westen vom Mirador del Igualero. Mächtige horizontale Basalte des YE über dem tiefen Barranco de Erque, gekrönt von der Phonolith-Kuppel der Fortaleza. Diese Quellkuppe (Kryptodom) ist eine Intrusion felsischer Magmen. Die Magmen drangen nicht bis an die Oberfläche, sondern blieben im Schlot stecken und bilden einen mächtigen Lagergang, der im Laufe der Jahrmillionen aufgrung größerer Verwitterungsresistenz gegenüber dem umgebenen Gestein herauspräpariert wurde. 

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Nordöstlich der Fortaleza. Erkennbar sind die dicken Phonolith-Säulen. Diese Intrusion entstand in der 3. und letzten felsischen Phase im Young Edifice, Datierungen nach der K/Ar-Methode ergaben ein Alter von 4,36±0,09 Ma (CUBAS et al. 2002).

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Corestone an der Straße Chipude-La Dama in etwa 1 km Entfernung zur Fortaleza, Durchmesser ca. 80 cm.

 

Erque

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Blick in den gewaltigen Barranco de Erque. Ein langgezogener Rücken eines felsischen Ganges ist erkennbar. Unterhalb der horizontalen Basalte des Young Edifice setzen die Laven des UOE ein, im Talgrund ist laut geologischer Karte LOE aufgeschlossen.

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Nahe der Straßenabzweigung nach Erque an der Strecke Playa de Santiago-Chipude kann man nach etwa 300 m Richtung Erque auf der linken Seite lose Augitkristalle im Tuff sammeln.

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Augitfundstelle. Links schalige, scherbige Ablagerung eines Basaltoids (helle Verwitterungsrinde, beim Spalten: dunkler, aphyrischer Basaltoid), möglicherweise infolge Abkühlung und tektonischer Einspannung. Rechts davon verfestigter gelbbrauner Tuff, hier stecken die Augite, überlagert von feinen Aschenbahnen oder durch Wasser umgelagerte feine Vulkaniklasten.

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Einige Meter weiter, eine 30 cm dünne Basaltdecke auf rotem bis gelbbraunem Tuff.

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Wulstige Lava, vermutlich Pahoehoe-Lava, BB etwa 40 cm.

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Lava mit unterschiedlich ausgeprägten Blasenzügen: oben zahlreiche Blasen, darunter wenige größere, in die Länge gezogene Blasen. Vermutlich stiegen die Gasblasen aus dem Lavastrom nach oben und sammelten sich, während heißere, bereits von einer Kruste bedeckte Partien nur noch sporadisch entgasten, eine geringe Restviskosität aufwiesen und weiterfließen konnten.

 

Calvario und Inselsüden

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Im Inselsüden bei Antoncojo zeigt sich eine sanftere Morphologie. Lavaergüsse des jüngsten Schildstadiums (Young Edifice) bedecken hier größere Areale und vermitteln den Eindruck eines flachen, allmählich ins Meer gleitenden Schildvulkans.

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Roque Imada (1.084 m) kurz oberhalb der Abzweigung nach Imada, eine in der 3. und letzten felsischen Phase des Inselvulkanismus entstandene Phonolith-Intrusion.

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Straßenanschnitt ganz in der Nähe: Vermengung felsischer Pyroklasten mit undeutlich entwickelten Basaltgängen, unterlagert von roten bis gelben Tephralagen.

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Sich verzweigender Basaltgang durchschlägt felsische Vulkaniklasten.

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Kompakte, verschweißte felsische Pyroklasten am Roque Imada.

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Verschiedene trachyphonolithische Kuppen der 3. felsischen Episode, rechts in der Ferne der Kalvarienberg (Calvario).

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An der Eremita del Buen Paso. Eine Lage Brekzie mit felsischen und basaltischen Vulkanoklasten und feinkörnigem hellem Tuff, möglicherweise eine ignimbritische Ablagerung. Über- und unterlagert von roten Pyroklasten. BB etwa 1,50 m.

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Allgegenwärtig auf der Insel sind Platten einer verfestigten Tuffbrekzie aus rotem Tuff und Bruchstücken blasiger Basaltlava als Baustein. BB 35 cm, Herkunft wohl nicht von Gomera.

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El Calvario (808 m) bei Alajero, von Norden sanft ansteigend, nach Süden steil abfallend, Quell- oder Staukuppe. Nach CUBAS et al. (2002) zeichnen sich die Roques des südöstlichen Sektors durch metalumischen Charakter aus: höherer Gehalt an Al-Komponente als an Alkalikomponente, aber weniger als Alkali-+Calciumkomponente zusammen. Während der magmatischen Differentiation durch fraktionierte Kristallisation aus mafischem Magma werden Fe-, Mg- und Ca-Komponenten entfernt bei gleichzeitigem Anwachsen der Gehalte an Si, Al, K und Na. Die Gesteine erhalten einen alkalischen (K,Na), alumischen (Al), insgesamt felsischen (Feldspat, Silikat) Charakter. Die SE-felsischen Roques haben selten mehr als 4% normativen Nephelin. Sie sind als (foidhaltige) Trachyte anzusprechen.

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Nach Norden einfallende plattige Lagerung der Trachyte.

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Anstehender, im frischen Zustand grauer bis grünlichgrauer, im verwitterten Zustand gelblicher bis weißer Trachyt.

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(Mafischer?) Trachyt mit heller Verwitterungsrinde in dem aus umliegenden Gesteinen errichteten Mauerwerk an der Eremita San Isidor. Glatte, scherbige Spaltflächen lassen auf einen Glasanteil in der Matrix schließen.

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Frische Bruchfläche einer anstehenden Gesteinsprobe: graue, feinkörnige Grundmasse mit einigen schwarzen Einsprenglingen, vermutlich Klinopyroxen, jedoch nicht sicher identifiziert. Beim Drehen und Wenden im Licht fallen einige wenige längliche, transparente und eingeregelte Feldspäte ohne makroskopisch erkennbare polysynthetische Verzwilligung auf. Diese Feldspäte könnten Sanidin sein, wie er für Trachyte typisch sind, allerdings zeigen sie eher eine für Plagioklas typische Leistenbildung. Sämtliche gesammelten Proben wiesen keine größeren, auffallenden Feldspateinsprenglinge oder trachytisches Gefüge auf. Schwarze Einsprenglinge können nach Vinx (2011) Pyroxen, Hornblende, auch Biotit oder Alkali-Pyroxene und -amphibole sein. Laut Literatur (s.o.) müßte das Gestein als Trachyt anzusprechen sein.

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Trachyt mit sphärolithischer Ausbildung eines mafischen Minerals und feinen Adern eines weißen Minerals (HCl-Probe negativ). Zum Ausbruch von felsischen Magmen sind aufgrund seiner hohen Viskosität große Mengen an Wasser erforderlich, die einen explosiven Ausbruch bewirken können. Möglicherweise ist das Gefüge dieses Gesteins auf starke hydrothermale Alteration zurückzuführen.

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Rechts im Bild zieht sich eine lange Zunge eines basaltischem Lavaergusses meerwärts. Dahinter, ein wenig weiter rechts, befindet sich die Bergkuppe La Caldera, ein laut Tafel auf dem Calvario felsischer Aschenkegel (?), der weitgehend von der Erosion verschont geblieben sein soll. Verifiziert werden konnten diese Angaben bisher nicht, ein Besuch steht auf der Agenda eines nächsten Besuches. CUBAS et al. 2002 datieren El Calvario auf 4,20 Ma. Dies widerspricht wiederholt gelesenen Vermutungen, La Caldera wäre einer der letzten und jüngesten Vulkane La Gomeras.

 

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