La Gomera IV – Alojera, Epina, Montana del Cepo, Cumbre de Chiguere

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Wilde Kliffküste mit Basalten des Lower Old Edifice in meerwärts einfallender Lagerung oberhalb der Playa Alojera. 

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An der Playa de Alojera durchziehen mäßig viele leicht geneigte, nach W einfallende basaltische Lagergänge mit bis zu 1 m Mächtigkeit die Laven und Pyroklasten. Diese Gänge verlaufen mehr oder weniger konform mit der Lava und müssen wohl als Sills (Lagergänge) angesprochen werden. Sie sind in den unteren Einheiten von LOE häufig und werden zum Top der Formation seltener. Typischerweise haben sie Abstände von 4-5 m und sind assoziiert mit Pahoehoe-Laven.

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Vergrünte Laven, möglicherweise zu einem submarinen Stadium (keine Pillow-Laven beobachtet) des LOE gehörend, durchsetzt mit reichlich ausgefüllten Blasenhohlräumen (meist wohl Calcit). Calcit tritt hier auch massig und kristallin auf. Säulenbildung des schwarzen Lagergangs ist zu erkennen. Eine Altersmessung am Sillschwarm (Alojera Kliffküste) ergab ein Alter von 10,2 Ma (ANCOCHEA 2006). Im Bild sind einige runde Bohrspuren, wohl von einer Probenahme, zu erkennen.

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Vulkanische Brekzie, durchsetzt mit reichlich kristallinem Calcit. BB 20 cm.

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Auschnitt aus einem größeren Block, Olivin-Pyroxen-Basaltoid (Ankaramit?) mit reichlich gefüllten Blasenhohlräumen, Produkte einer hydrothermalen Alteration. Viele Mandeln sind im Randbereich mit grünen Mineralen (Prehnit?) ausgekleidet und komplett mit Calcit verfüllt, Olivin ist zu braunen Folgeprodukten verwittert.

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Gesteinsprobe von der Playa de Alojera mit hohem Olivingehalt und auffallendem Glanz. Es steht an der Playa in einem Gang an, ist aber meist stark verwittert. Augitkristalle bzw. Klinopyroxen ist reichlich vertreten, eine schwarze Grundmasse weist einen glasigen Glanz auf und könnte ebenfalls hauptsächlich aus Pyroxen bestehen. Denkbar ist aber auch ein gewisser Anteil an vulkanischem Glas. Plagioklas ist makroskopisch nicht erkennbar, das Gestein fällt durch eine hohe Dichte auf und ist nicht magnetisch. Neben Olivin ist ein weiteres flaschengrünes Mineral zu erkennen, möglicherweise ebenfalls Klinopyroxen (Diosid?). Ultramafischer Basalt, vermutlich ein Basanit (Ankaramit oder Pikrit?).

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Straßenaufschluß mit leicht gerundetem, auch felsischem Geröll an der Straße Alojera-Epina, möglicherweise Ablagerungen eines Schuttstroms.

 

Epina – Straßenanschnitte

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Frischer Straßenanschnitt bei Epina an der Abzweigung nach Alojera. Ein senkrechter basaltischer Gang von 10 m Breite durchschlägt geschichtete Aschen- und Tuffschichten und hinterläßt einen rotbraunen randlichen Kontakthof durch Frittung.

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Sich durchkreuzende felsische Gänge in brüchigem Wirtsgestein. Dieser Straßenabschnitt muß nach starken Regenfällen regelmäßig von Geröll beräumt werden. Die Aufschlüsse liegen in etwa 1.000 m Höhe, Feuchtigkeit ist hier regelmäßig vorhanden, die Verwitterung ist entsprechend tiefgründig.

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Felsischer Gang von etwa 1 m Breite mit hellem, pudrigem Material, „salitre“ genannt, entstanden durch das Zusammenwirken von evtl. primärer magmatischer Alteration, starker Verwitterung und Bodenbildungsprozessen.

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Mäßig fester Tuff mit eingelagerten Bomben, Bildbreite etwa 60 cm.

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Bildbreite etwa 6 m.

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Ausschnitt (BB 2 m) aus einer etwa 7 m breiten Trachyt-Aureole, ebenfalls als bröseliges Material vorliegend, mit Liesegangschen Ringen. Sie entstehen durch Diffusion von eisenhaltigen Lösungen und Wiederausscheidung in Form von Fe-Oxiden und -hydroxiden. Diese Formen scheinen eine Besonderheit zu sein, sie kommen wohl ansonsten nur auf Fuerteventura (Cofete und Esmeralda) vor, traquita bandeada („gebänderter Trachyt“). (Quelle).

 

Montaña del Cepo

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Ein prächtiges Farbspiel verschiedener Verwitterungsproduke mit (Paläo?)-Bodenbildungen und bizarren Oberflächenformen gibt es auf der Montaña del Cepo. Anstehend sind Vulkanoklasten und Basalte des Young Edifice (laut geologischer Karte) in Nachbarschaft zum Trachytisch-Phonolithischem Komplex von Vallehermoso und zum Basalkomplex. Denudation führte zu Ausbildung dieser badlands. Zugänglich ist diese Hochfläche von Vallehermoso kommend in der letzten scharfen Kurve vor Las Rosas (Ortsschild!) auf der linken Seite. Man sucht einen der beiden schlecht erkennbaren Einstiege, gelangt aber nach wenigen Metern oberhalb auf einen deutlichen Pfad, der direkt zur Hochfläche führt.

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Leuchtend rote, lateritartige Bodenbildung, im Hangenden gefolgt von rotbraunen Aschen und Tuff-Bildungen, im Top graue Corestones und Saprolith-Bodenbildungen. Helle Saprolith-Böden enthalten eine Reihe von Tonmineralen. In diesen Mineralen liegen noch Alkali- und Erdalkalimetalle vor (Na, K, Ca, Mg, auch Si), die im Zuge weiter anhaltender Verwitterung ausgewaschen und abgeführt werden und unter subtropischem Klima weiter zu roten Lateritböden verwittern. Diese roten Residualbildungen bestehen weitgehend aus Mineralen unlöslicher Elemente wie Fe und Al (Kaolinit, Fe- und Al-hyroxide und -oxide). Letztere können auch nach Rothe (2008) in Form von massigen, extrem harten ironstones mit bis 60 % Fe2O3 von 0,5 bis 2,5 m Mächtigkeit auftreten.

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„Corestones“ in grauem Lateritboden. Corestones sind durch unterirdische Verwitterung, ähnlich der „Wollsackverwitterung“ entstandene gerundete Steine. Feine konzentrische Abkühlungs- und Druckentlastungsklüfte zeichnen das Muster der späteren Verwitterung, der sog. „Zwiebelschalenverwitterung“ vor. Ausgangsgesteine können Bomben, Blöcke und auch Basaltsäulen sein. Rothe (2008) erwähnt, daß die Tonbildung zu Staunässehorizonten geführt haben muß, was die vollständige Zersetzung der basaltischen Ausgangsgesteine begünstigt haben muß.

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Fast vollständig zu saprolithischem Material verwitterte Corestones, Maßstab: Fußspitze.

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Rest von grauer, verwitterter Lava auf roter, lateritischer Bodenbildung, in der einige Wurzelhorizonte erkennbar sind. Der Lateritboden stammt wohl aus der Verwitterung vulkanischen Lockermaterials, die durch erneute Basaltergüsse überdeckt wurden. Im Hintergrund ist diese Lagerung ebenfalls erkennbar. Inwiefern die roten Böden eine rezente Bildung sind oder bereits während einer Pause in der vulkanischen Aktivität entstanden sind (Paläoboden), kann nicht beantwortet werden.

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Merkwürdige Mosaikbildungen von roten, orangen und grauen Verwitterungsprodukten.

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Detail

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Bildbreite ca. 40 cm.

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Blick über den Barranco de las Rosas zum gewundenen Lauf der Küstenstraße, darüber Basalte des Young Edifice, im Höhenniveau korrelierend mit der Montana del Cepo. Rostbraune Bodenbildungen (Fe-hyroxide).

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Freigelegtes Verwitterungsprofil von Basaltsäulen

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An diesen Formen ist die Bildung der Corestones gut nachvollziehbar: teilweise sind die polygonalen Muster der Abkühlungsklüfte noch gut erkennbar, teilweise sind sie bereits deutlich abgerundet. Die Verwitterung greift also an den eindringenden Wässern exponierten Ecken der Säulen an und rundet diese ab.

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Penta- bis heptagonale Muster der Abkühlungsklüfte von Basaltsäulen. BB etwa 80 cm.

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Rostbrauner Corstone-Horizont, darunter rote bis violette und weiße Verwitterungsprodukte  von vulkanischem Lockermaterial und/oder Pyroklasten.

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Steinrosen, BB etwa 4 m. Hier ist keine ehemalige Säulenform erkennbar, die Verwitterung läuft aber nach ähnlichem Muster ab: thermaler Stress während der Abkühlung des Gesteins sorgt für konzentrische Abkühlungsklüfte, eindringendes Wasser (sauerstoffhaltig, möglicherweise sauer durch Huminsäuren aus überliegenden Böden einer ehemaligen Vegetationsdecke) greift hier an, so daß die rosettenartigen Rinden der Corestones entstehen können, engl.: spheroidal weathering.

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Steinrosen, BB etwa 2 m.

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Blaue Ausblühungen, möglicherweise eines Tonminerals wie Montmorillonit.

 

Cumbre de Chiguere (Chijeré)

Von Epina aus führt eine Piste zur Cumbre de Chiguere. Bei trockenem Wetter ist die Piste mit dem PKW zu bewältigen, beim letzten Besuch (Feb 2015) musste die Anfahrt abgebrochen werden, da die Piste zu matschig war und somit einen etwas halsbrecherischen Verlauf durch die öde Bergwelt des Nordens nahm. Möglich ist auch ein Aufstieg von der Playa de Vallehermoso.

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Man findet eine „Mondlandschaft“ aus bunten Tuffen und kuriosen Formen vor, die sich im Bereich des Basalkomplexes befindet. Ob dieser Bereich, ca. 600 m ü.d.M., allerdings ebenfalls einen gehobenen, möglicherweise ehemals submarinen Inselteil darstellt, muß wohl bezweifelt werden. Die Tuffe sehen eher nach subaerischer Entstehung aus.

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Auch an der Cumbre de Chiguere finden sich Verwitterungsformen, deren Ursprung nicht leicht zu deuten ist. Ob es sich hier um eine Bombe handelt, die in weiche Aschenlagen fiel oder um einen weitgehend verwitterten Corestone mit Zwiebelschalenverwitterung, bleibt offen.

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Ein weiterer Corestone bzw. vulkanische Bombe, Breite etwa 30 cm.

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Zellenartige Strukturen, BB 1 m, Zeugen einer intensiven Verwitterung, die unter Mithilfe von reichlich Wasser abgelaufen sein muß, nun aber einer starken Erosion in einem weitgehend trockenem Klima unterliegt (badlands).

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Bombe oder Corestone mit schaliger Verwitterung.

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Blick von der Ermita de Coromoto ins Tal von Vallehermoso, im Hintergrund der Roque Cano.

 

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