Gomera III – La Merica, El Guro, Taguluche

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Blick vom Mirador der Eremita del Santo in Arure in das tiefe Tal von Taguluche. Die ersten Häuser sind weniger als 1 km Luftlinie entfernt, mit dem PKW sind es über 18 km. Dies verdeutlicht ein wenig die immensen Umwege, die man aufgrund der Morphologie der Insel zu bewältigen hat. 

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Lohnend ist die La Merica-Wanderung hoch über dem Valle Gran Rey wegen ihrer Aus- und Einsichten in Morphologie und vulkanische Erscheinungsformen. Von Arure (Mirador nicht verpassen!) führt ein Höhenweg über den Gipfel der La Merica und Riscos de La Merica mit anschließendem Abstieg nach La Calera. Auf dem Bild: Blick zurück nach Arure, Ausgangspunkt der Wanderung. Rechts, tief eingeschnitten, der Barranco de Arure.

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Roter Lapillituff, möglicherweise als Paläoboden ausgebildet oder umgelagert, überlagert von feinen Schichten rötlicher bis weißer Schuttlagen, die eine Einregelung und rhythmische Gradierung zeigen, dies könnten Ablagerungen eines Schlammstroms (debris flow) oder aber auch Fallout-Ablagerungen sein.

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Durch Pyrometamorphose gefritteter roter Tuff, im Hangenden subrezente Basalte des Young Edifice, im Liegenden verschweißte vulkanische Brekzie. Man beachte den sehr dünnen, etwa 10 cm breiten Lavastrom oberhalb der Frittung, der von einer dünnen Schicht Pyroklasten oder Geröll begleitet wird, bevor dann die meterhohen Basaltsäulen einsetzen.

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Detail des gleichen Profils ohne Nebel, Höhe des Ausschnittes etwa 1,50 m.

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Möglicherweise im Zuge der Abkühlung und Erstarrung durch Hangfliessen entstandene Deformation von Basaltsäulen. Obere und untere Bereiche des Lavastroms waren bereits erkaltet, während die mittleren Lagen noch duktil waren.

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Überreste des Vulkans Tejeriguete, eines phreatomagmatischen Kegels. Phreatomagmatische Ausbrüche sind explosiv und entstehen durch direkten Kontakt von Magma oder Lava mit externem/meteorischem Wasser. Es scheint nur noch eine Flanke dieses Aschenkegels erhalten zu sein, Aschenschichten fallen nur in eine Richtung.

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Hier finden sich möglicherweise Spuren explosiver Tätigkeit: Agglomeratlava. Meist runde Formen des hochporösen Gesteinsstapels sind weitgehend frei von Aschen, Höhe des Stapels etwa 5 m.

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Eine kuriose Ablagerung aus diesem Vulkankegel sind gleichmäßig gerundete Tuffbälle, die aus Kalk (und Zeolithen?) mit Lapilli bestehen, die Lokalität ist unter dem Namen Las Pelotillas bekannt. Es handelt sich um einen möglicherweise finalen Auswurf einer Spalteneruption (nach Chinea 2012), Durchmesser der Bälle 5-7 cm.

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Die Kalkakkretionen bilden auch Lagen bzw. Adern im Lapillituff. Enger Korngrößenbereich der z.T. limonitisierten, teilweise basaltischen Lapilli, Bildbreite 8 cm.

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Willkürlich verlaufender Basaltgang in rotem, oxidiertem und braunem, hydratisiertem Lapillituff am Vulkan Tejeriguete.

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Vertikaler Basaltgang (20 cm breit), der sich radial zum ehemaligen Vulkanschlot erstreckt, in geschichtetem, gut sortiertem Lapilituff.

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Hochfläche von La Merica. Auf dem Weg fallen immer wieder reichlich Kalkkrusten und Kalkgesteine auf. Einige Ruinen auf dem Wanderweg sind Reste einer einstigen Kalkbrennerei.

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Blick zurück über die Hochfläche zur La Merica (867 m), über die Ebene verteilt reichlich vulkanische Kalksteine.

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Basaltsäulen, durchzogen von Kalkadern und horizontalen Rissen am Riscos de La Merica (600 m).

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Basaltsäulen des Young Edifice beim Abstieg nach La Calera, unterlagert von Pyroklasten. Auffällig ist die Zweiteilung der Säulenlagen, vermutlich bedingt durch einen von außen nach innen verlaufenden Abkühlungsprozeß.

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Basaltsäulen in doppelter Lagerung, unterlagert von roten, violetten bis braunen Pyroklasten.

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Mehrere Zehnermeter mächtige, undeutlich säulenartig entwickelte Basalte, vermutlich eine kleine Depression der ehemaligen Landoberfläche ausfüllend.

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Fein geschichtete, an der Basis eines Basaltergussen rot gebrannte Aschenlagen mit weißen Kalkkrusten (?), darunter gelblichbraune, hydratisierte Aschen. Höhe etwa 1 m.

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Beim Abstieg fallen immer wieder offenbar stark alterierte Basalte (oder Basanite) auf. In einer festen, hellgrauen Grundmasse liegen Pyroxene und die orangebraunen Reste von Olivinkristallen/-xenolithen. Letztere sind offenbar komplett zersetzt worden, während die Pyroxene relativ unverändert erscheinen. BB 11 cm.

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Blasenzüge in Lava, zoniert nach Blasengröße. BB 20 cm.

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Mächtige Erosionskegel am gegenüberliegenden Berghang der Montana de Guerguenche am Ausgang des Valle Gran Rey. Basalte des YE sind horizontal, UOE-Basalte mit Pyroklasten leicht gekippt gelagert.

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Markante Diskordanz eines Vulkankegels (Tuffkegels) des UOE mit reichlich Pyroklasten, überlagert von jüngeren, horizontalen Lavaströmen.

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Verwitterung am Südhang, vermutlich auf thermische Verwitterung (Insolationsverwitterung) zurückzuführen, sicherlich im Zusammenspiel mit anderen Arten der Verwitterung (Salz, Feuchtigkeit). Derartige Verwitterungserscheinungen, vermutlich entstanden durch starke Temperaturdifferenzen und damit einhergehenden Zugspannungen (Ausdehnung bei Erwärmung, Kontraktion bei Abkühlung), sind auf Gomera nicht allzu oft zu beobachten.

 

Wanderung zum Wasserfall in El Guro

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In El Guro steigt man die Treppe in den Ort hinauf, von hier aus ist der Weg zum „Wasserfall“ (Saldo de Agua) ausgeschildert. Kurz nach Verlassen des Ortes passiert man mächtige Basaltsäulen. Nach etwa 1 Std. Aufstieg durch den weitgehend ausgetrockneten Barranco de Arure erreicht man den Wasserfall, der weniger durch seine Größe als durch die sichtbaren Folgen seiner erosiven Wirkung beeindruckt: eine mächtige Höhlung zwischen den Basaltsäulen ist entstanden. Die Basaltsäulen sind zum Teil verbogen. Eine Besonderheit ist der Wasserfall dennoch, da er wohl stetig Wasser führt, welches aus den höheren, feuchten Regionen bis hier ins Tal gelangt. Nach starken Regenfällen ist der Weg natürlich nicht begehbar.

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Höhlung am Wasserfall

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Vulkanische Bombe oder ein Corestone auf dem Weg zum Wasserfall, Durchmesser etwa 1 m.

 

Taguluche

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Schräggelagerte Basalte des Old Edifice mit steiler Kliffküste in Taguluche. Der abgeschiedene Weiler liegt am südlichen Ende der Alojera-Zone (Lower Old Edifice, laut geologischer Karte). Südlich von Taguluche, in Blickrichtung, stehen die Gesteine des Upper Old Edifice an.

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Die Straße nach Taguluche führt durch eine öde Gegend und windet sich teilweise gewagt durch ziemlich bröckeliges Material (Laven und Pyroklasten des UOE, durchzogen von verwitterten Gängen).

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Kurz nach der Abzweigung der Straße nach Alojera gibt es einen Straßenanschnitt eines Schuttstroms (?), der tektonischen Versatz zeigt. Auffällig ist, daß über dem roten Aschenmaterial (1) zunächst eine feine, geschichtete Lage (2) folgt, dann eine mittelkörnige, sortierte (3), wieder eine feine geschichtete (4) und schließlich eine grobe, unsortierte Lage mit gradierter Schichtung (5). Möglicherweise handelt es sich hier um eine unverfestigte ignimbritische Fließeinheit. Ein ähnliches Profil findet sich in Schmincke (2010), für eine Verifizierung hätte man das obige Profil genauer untersuchen müssen. Im Hangenden ist der Schuttkomplex durch ein ebenmäßiges Bodenprofil (6) abgeschnitten.

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Einige Meter weiter, an der Basis Pyroklasten, darüber verschieden farbige Tufflagen, überlagert von zwei dünnen, verwitterten Lavaströmen. Höhe des Anschnitts etwa 4 m.

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Im Gebiet Taguluche fallen Gänge auf, die der Erosion stärker widerstehen als das umgebende lockere Material, und in der Landschaft „Mauern“ ausbilden. Ancochea et al. (2008) datierten hier basaltische Gänge mit einem Alter von 8,1 Ma, die zum Radialschwarm S2 gerechnet werden können (UOE). Die folgenden Bilder entstanden auf einem schmalen Berggrat direkt hinter der Eremita San Salvador.

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Auffällig ist die Verwitterung dieser Gänge, die in quaderförmige Gesteinsstücke zerfallen.

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Der Grund ist hier angedeutet: der Gang ist regelhaft von feinen Trennfugen einer weißen Mineralausscheidung kreuz und quer durchsetzt. Möglicherweise drangen bei der Abkühlung Wässer in feine Abkühlungsklüfte, die nun die bevorzugten Bruchlinien vorgeben.

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Eine Probe des Basaltoids aus diesem Gang zeigt eine Einregelung von länglichen Pyroxen. Auf einer Spaltfläche wirkt das tiefschwarze Gestein frisch und zeigt keine sichtbaren Spuren hydrothermaler Alteration. Makroskopisch erkennbare Minerale sind Pyroxen, Plagioklas und wenig Olivin.

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Blasige Lava mit Plagioklaskristallen, ausgebildet als Stricklava (Pahoehoe-Lava). BB 60 cm.

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Homogen blasige Lava mit glomerophyrischen Plagioklasleisten aus obigem Aufschluß.

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Die mächtigen Galion-Berge (429 m) direkt an der Küste (Playa de Guarinen) bei Taguluche mit Laven, Basalten und Pyroklasten des Old Edifice (UOE) am Top der Formation (laut geologischer Karte).

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