Gomera II – Argaga, Playa del Ingles

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Ein Fahrweg führt vom Hafen in Vueltas unterhalb einer senkrechten, mehrere hundert Meter mächtigen Felswand zur Finca Argayall an der Mündung des Barranco de Argaga. Auf dem Weg dorthin kann man gut aufgeschlossen dünne Lavaergüssen von Basalten des Upper Old Edifice mit Tuffen und Gängen sehen. Auf obigem Bild ist die Grenze zu den horizontalen Basalten des Young Edifice mit roten Pyroklasten oder einem erodiertem Tuffring  zu erkennen. 

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Basalte des Upper Old Edifice. Jede Lage repräsentiert einen Lavaerguß, hauptsächlich wohl Pahoehoe-Laven, teilweise auch Aa-Laven, im Top gelbe und rote pyroklastische Aschenlagen.

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Mehrere Meter dicke, verschieden farbige dünne Aschen- und Lapilituffe in fein geschichteter schräger Lagerung, überlagert von einem Basalterguß, der die Tuffe leicht gefrittet hat (Rotfärbung).

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Rechts unten verschweißte kompakte Pyroklasten, darüber weniger verfestigte Tephra-Lagen aus Aschen und Lapilli in leicht gradierter Schichtung, möglicherweise umgelagert (Schrägschichtung?). Es folgt eine dünne Geröllage, darüber fein geschichtete, verschieden farbige Aschentuffe.

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Feinste Aschenlagen in schräger Lagerung. Die verschieden farbigen Lagen können neben unterschiedlichem Glasanteil/Entglasung auf wechselnde Zusammensetzung durch Magmendifferentiation innerhalb der Magmakammer zurückzuführen sein. Gelbe und braune Färbungen zeigen Eisenoxide/-hyroxide an, was für eine Einwirkung von Wasser spricht. Hellere Lagen sind wohl eisenärmer, möglichweise auch felsischer Zusammensetzung, sie könnten aber auch fein granulierte Bimsaschen sein.

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Ein steil einfallender Gang durchschneidet rote Pyroklasten, Anschnitt eines kleinen begrabenen Tuffkegels? Dafür spricht, daß Pyroklasten- und Aschenlagen hinter der Kurve zur anderen Seite einfallen. Dem Kegel vorgelagert sind zwei dickere Basaltlagen, durch eine ocker- und rotgefärbte Tuffschicht von den im Hangenden durchgehenden dünneren Lavaströmen getrennt.

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Steiler Basaltgang mit einer Mächtigkeit von einem Meter, rechts ein scheinbar endender Gang mit flacherem Einfallwinkel. Das Gestein ist beim Spalten tatsächlich schwarz (Basaltoid), die helle Farbe ist durch Verwitterung und anhaftendem Staub zu erklären. Der Basaltgang durchdringt die roten Pyroklasten und könnte auch ein Zufuhrkanal zu den überliegenden dünnen Lavaströmen sein. Förderschlote von Alkalibasalten sind nach VINX (2010) häufig mit Pyroklasten (Tuffbrekzien) assoziiert.

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Am Wegesrand: Basaltoid mit Ausscheidungen von kugeligen Mineralaggregaten in Hohlräumen. BB 6 cm.

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Kalkausscheidungen im Barranco de Argaga. Der Bach führt nur selten Wasser, z.B. nach starken Regenfällen. Stehendes Wasser verdunstet und hinterläßt die weißen Mineralkrusten. Vom Wanderweg weiter den Barranco hinauf nach Gerian ist dringend abzuraten.

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Ausschnitt aus einem großen Block eines stark porphyrischen Basaltoids mit bis 2 cm großen Pyroxenen, verwittertem Olivin (gelbbraun) und kleinen Plagioklasleisten mit basaltischem Xenolith/Autolith. BB 20 cm.

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Felswand im Barranco de Argaga aus gestapelten Lavaergüssen mit eingeschalteten Pyroklasten. Lockeres Material zwischen den Basaltlagen ist z.T. deutlich herausgewittert. Weiter oben ist ein einzelner mächtiger Lavaerguß in säuliger Ausbildung zu erkennen, der möglicherweise den Abschluß des UOE bildet.

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BB 14 cm, aphantischer Basaltoid mit Lamination, möglicherweise eine Folge von Entglasungserscheinungen und damit verbundenen Mineralausscheidungen (Analcim?).

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Graue, blasige Lava mit Glasglanz (vitrophyrisch), teilweise mit ausgefüllten Blasenhohlräumen. BB 16 cm.

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Die Steine am Geschiebestrand sind im trockenen Zustand hell durch anhaftenden Staub, Ton oder Salz. Im nassen Zustande zeigt sich, daß die allermeisten Gesteine dunkle Basaltoide sind. Die petrographische Vielfalt ist gering, die Variationsbreite hoch: aphantische und porphyrische Basaltoide mit und ohne Hohlräumen, diese mit und ohne Füllung sowie desgleichen verschiedene Laven und gelegentlich verfestigte Pyroklasten.

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Häufig anzutreffender porphyrischer Olivin-Pyroxen-Basalt.

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Mandelstein, BB ca. 10 cm, mit länglichen Blasenhohlräumen, durch Flußbewegung der Lava ausgelängt, ohne erkennbare Vorzugsrichtung. Mineralfüllungen sind meist Calcit oder Zeolithe.

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Sehr grobblasige Lava mit kleineren, teilweise gefüllten Hohlräumen.

 

Playa del Ingles

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Dominant erhebt sich die Felswand der La Merica etwa 500 m hoch am nördlichen Talausgang des Valle Gran Rey. Über mächtigen Schuttkegeln erkennt man Basaltlagen des Upper Old Edifice mit Pyroklasten, im ersten Drittel auch eine dünne weiße Lage mit möglicherweise felsischen Pyroklasten. In der oberen Hälfte dominieren horizontale, dickere Basaltströme des Young Edifice. Die Grenze mit Erosionsdiskordanz zum UOE könnte die dicke Lage mit braunen Pyroklasten/Vulkanoklasten im oberen Drittel sein. Dafür spricht auch der dicke, die Pyroklasten unterlagerende Basaltstrom (Trachybasalt, Abschluß des Old Edifice, s. Beschreibung im ersten Teil).

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Seitliche Ansicht des La Merica Zwischen La Puntilla und La Playa, erkennbar sind begrabene Tuffkegel des Old Edifice mit roten Pyroklasten.

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Direkt am Playa del Ingles stehen Zehnermeter mächtige Gerölllagen an, die wohl durch einen Bergsturz/Flankenkollaps (aus Chinea 2012) entstanden sind. Dahinter erhebt sich eine Wand mit einer Serie von grauen, roten bis violetten und gelbbraunen Aschen/Pyroklasten. Möglicherweise füllen die Aschen eine Depression oder ein Paläotal aus. Zwei senkrechte Basaltgänge stören ihre Lagerung.

Sand

Sand, sofern an den Inselstränden überhaupt vorhanden, ist schwarz und zeichnet sich neben kleinen Gesteinsstücken durch die Gegenwart von reichlich schwarzem Augit und grünem Olivin aus. Auch Magnetit müßte vorhanden sein, wurde aufgrund des Fehlens eines Handmagneten aber nicht geprüft. Bildausschnitt von etwa 2 cm Breite. Alle folgenden Bilder von Gesteinen entstanden am Playa del Ingles, sofern nicht anders angegeben.

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Starke Sonnenbrennerverwitterung, Eigenschaft von Alkali-Olivinbasalten. Die roten Flecken sind vermutlich ein Produkt der Zersetzung von Nephelin unter Volumenzunahme zu Analcim. Möglicherweise ist gar nicht wenig Nephelin enthalten, bei über 10% könnte es sich um einen Basanit handeln, dafür spricht auch die ungewöhnlich dunkle Farbe.

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Bruchfläche eines porphyrischen Basalts mit Pyroxen und Olivin, Alkali-Olivinbasalt oder Ankaramit (Bezeichnung für Basanite mit einem hohen Anteil an Pyroxen und Olivin). Olivin ist meist zersetzt (weitgehend opak), in der Grundmasse ist eine weiße Mineralausscheidung zu erkennen. Plagioklas ist nicht zu erkennen.

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Plagioklasbasalt mit stark angewitterten Olivinen (orange) und größeren Pyroxenen.

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Glänzender Olivin-Augit-Basalt, BB 18 cm, die angewitterte Oberfläche ist lediglich ist ein wenig matter, aufgrund fehlender Verwitterungserscheinungen (kein Sonnenbrenner) wohl arm an Nephelin?

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BB 8 cm. Detail: reichlich Pyroxenkristalle in einer schwarzen, leicht fettglänzenden Grundmasse, in der weiterer Pyroxen enthalten sein kann, Plagioklas ist gar nicht zu erkennen. Es handelt sich um ein ultrabasisches Gestein („Melabasalt“). Ob es auch ultramafisch (Klinopyroxenit, >90% Mafite) ist, kann makroskopisch nicht entschieden werden. Die Einschätzung geht zunächst in Richtung ultrabasischer Olivinbasalt oder Basanit/pikritischer Basalt.

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Pyroxen-Megakristalle bis 3 cm in einem olivinhaltigem, grauem Basalt, an der Playa del Ingles häufig zu finden. Möglicherweise sind diese außergewöhnlich großen Kristalle Kumulate aus einer Magmakammer, z.B. an kühleren Seitenwänden oder am Boden, die dort längere Zeit wachsen konnten, bevor sie durch aufsteigendes Magma mitgerissen wurden.

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3,5 cm großer Pyroxen-Megakristall, durch makroskopisch unsichtbare Entmischungslamellen Ebenen zusätzlicher Teilbarkeit, damit falsche Winkel vortäuschend (nach VINX 2011).

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Basaltoid mit angewitterter Oberfläche, dadurch deutlich hervortretenden Plagioklasleisten. BB 13 cm. Kein Olivin, möglicherweise ein Trachybasalt.

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BB 20 cm, bis 2 cm lange Plagioklasleisten in einer blasigen Lava.

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Durch Fließbewegung der Lava lokal eingeregelte Plagioklaskristalle und -leisten. Größere Hohlräume oben links, innerhalb des konzentrisch geflossenen Kristallbreies sowie die Rotbraunfärbung könnten auf die Einwirkung von Gasen oder Fluiden (Fumarole?) schließen lassen, die diese Anordnung der Kristalle in noch nicht erstarrter Lava bewirkten. BB 35 cm.

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Tuffbrekzie mit orangegelbem Tuff als Bindemittel. BB 70 cm.

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Kleiner Strandstein vom Playa Valle Gran Rey, halb Tuffbrekzie oder Lapillituff, halb Kalkstein (HCl positiv). Kalkablagerungen kommen durch zirkulierende Wässer häufig vor, z.B. an Thermalquellen. Gesteine werden durch dem Magma entweichende Fluide hydrothermal zersetzt oder aufgeheiztes, zirkulierendes meteorisches Wasser löst Calcium und scheidet es bei Druckentlastung und geringeren Temperaturen als Kalk aus.

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Lava von der Playa Valle Gran Rey mit reichlich Blasenhohlräumen mit paralleler Texturierung.

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Leicht angefeuchtet. Rechts blasige Lava, links Tuff, getrennt durch einen roten Saum aus Fe(III)-oxiden oder -hydroxiden, möglicherweise entstanden durch Frittung, denkbar wäre auch eine Farbänderung durch Wasseraufnahme. Playa Valle Gran Rey.

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Feinste Blasenzüge in paralleler Textur, möglicherweise eingeregelt durch Fließlamination. Basalt mit wenig zersetztem Olivin.

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Angewitterte graue Lava mit hervortretenden Fließstrukturen, BB 60 cm. Schlackige und wulstige Formen deuten auf eine Abkühlung an der Luft hin.

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Graue Lavafetzen, hineingefallen in stark blasige, rötliche Lava. Dafür spricht jedenfalls die randliche Verdrängung und Einregelung der Blasen. BB 50 cm.

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Grünlichgraue, kugelige Lava mit grauem Tuff und gelbgrünen Rändern, möglicherweise beim Kontakt mit Wasser erstarrt? BB 70 cm.

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Mitgerissene Sedimente? Gelblicher blasiger Basalt mit Fremdgesteinseinschlüssen und teilweise mit sandartigem Material gefüllten Hohlräumen. Des öfteren sollen auch Xenolithe von Sedimentgesteinen in den Basalten vorkommen, ob es sich hierbei tatsächlich um einen Kontakt von Sedimenten mit Basalt handelt, konnte nicht eindeutig geklärt werden.

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Durch Alteration violett und rot gefärbte Lava mit Fossilinhalt. BB 12 cm.

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Tuff mit Trockenrissen und tafoniartiger Wabenverwitterung. Diese entsteht in aridem Klima durch ein Zusammenspiel von Salz-, Lösungs- und Windverwitterung. BB etwa 80 cm.

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Fortgeschrittene Tafoni-artige Wabenverwitterung, BB 80 cm.

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Etwa 3,50 m hohe Tuffbrekzie aus gelbbraunem und rotem Tuff, verkittet mit Bomben oder Blöcken im Brandungssaum an der Playa del Ingles.

 

 

 

2 Gedanken zu „Gomera II – Argaga, Playa del Ingles

  1. Pingback: La Gomera I – Geologie | Geologische Streifzüge

  2. Barbara Kempe

    Sehr sehr interessante Arbeit Fotos super .war selbst einmal auf gomera und fasziniert. Hatte zu dieser Zeit ungefähr 1980 noch kaum geologisches Wissen.kam erst später durch mitgliedschaft in einer gruppe. Jetzt eine Frage: habe auf einem flohmarkt bei uns in wedel am Wochenende ein Stück erstanden.Soll von den camp verden sein.eingeschlossen sind Muschelschalen zu sehen. Fällt ihnen dazu etwas ein.würde mich seh freuen über eine Rückmeldung. Bitte Fehler entschuldigen.ich schreibe auf dem Smartphone und antworte zum ersten mal auf so eine kommentaraufforderung.

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