Geschiebe vom Südlichen Landrücken („Rote Moränen“)

„Reise von Åland…“- Fotos von Geschieben aus dem Drawehn. Der Drawehn ist Teil des Südlichen Landrückens, einem Altmoränenzug aus der Saale-Kaltzeit (vor 300.000 bis 130.000 Jahren), Warthe-Stadium (vor 186.000-160.000 Jahren). Er besteht aus der „roten“ Warthe-Moräne, die Gesteine aus Finnland, den Aland-Inseln und dem Grund der östlichen Ostsee führt (Ostbaltische Provenienz).

Besucht wurden die Kiesgrube Waddeweitz (+52° 59′ 53.30″, +10° 54′ 54.62″) und die Kiesgrube Thunpadel (+53° 5′ 55.46″, +11° 1′ 51.52″).

DSC_0036Rapakiwi-Granit („Bröckelstein“), ein anorogener Granit mit charakteristischen großen, runden Einsprenglingen (Ovoide).  Dieser (leicht angewitterte) Block ist ein Rapakiwi vom „Wiborgit“-Typ, benannt nach dem Granitmassiv im Umfeld der finnischen Stadt Wiborg (Karelien). Rapakiwis kommen (untergeordnet) auch in Drammen/ S-Norwegen , Rödö/ NO-Schweden vor, sind im Geschiebe aber seltener. In den baltischen Moränen sind Rapakiwis von den Aland-Inseln mit Abstand am häufigsten zu finden.

 

DSC_0030Vergrößerte Aufnahme des Wiborgits, vermutlich aus (NO-)Aland, Breite des Ovoids etwa 4 cm, übliche Breite 1-2 cm.  Die Grundmasse besteht aus Quarz und Feldspat der 2. Generation in graphischer Verwachsung (Lupe) . Auffällig sind Ringe von Plagioklas (2.Generation) um die Kalifeldspäte. Die kleineren gelben, idiomorphen Einsprenglinge sind Plagioklas (1.Generation). Es gibt zwei Generationen an Quarz im Rapakiwi: die großen, helleren Quarze und die kleinen, dunklen Quarze. In den Ovoiden liegen ebenfalls kleine Quarze, bisweilen auch wie eingeregelt. Dieser Block ist leicht angewittert, die Rotfärbung im Bruch kann noch intensiver sein, wie es für die Aland-Magmatite typisch ist.

Rapakiwi-Plutone sind Lakkolithe, zisternenartige Gänge eines bimodalen (basaltische und granitische Schmelzen) Magmatismus. Die Ovoide sind durch rhythmisches Anschmelzen und erneutes Kristallwachstum gekennzeichnet, manche Ovoide weisen mehrere Wachstumsringe auf. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Europiumanomalie , die Aussagen über die Fraktionierung des magmatischen Ausgangsgesteins ermöglicht.

 

Pyterlit Wiborg 2Pyterlit, ebenfalls ein Rapakiwi aus Aland (Kökar-Pyterlit), allerdings ohne Ovoide, dafür mit Säumen aus idiomorphen Quarzkristallen um die Kalifeldspäte (pyterlitisches Gefüge). Deutliche perthitische Entmischung der Kalifeldspäte, wenig brauner Plagioklas.

 

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DSC_0063Alterierter Granit mit ziegelrotem, zum Teil zonar gefärbtem Feldspat, Chlorit- oder Epidotadern und -einsprenglingen, die die Kalifelsspäte z.T. durchschlagen. Quarz ist durchscheinend weiß bis graubraun und reichlich vorhanden. Plagioklas alteriert gelb bis grün. Möglich ist eine Herkunft aus Smaland.

 

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Ein weiterer Granit, oben angefeuchtet, unten trocken. Weißer bis hellgrauer Quarz, z.T. eingeregelte Kalifeldspatkristalle von weißer bis roter Farbe. Der Block führt einen grünen Xenolith, Plagioklas ist weiß bis leicht grünlich gefärbt.

 

Prickgranit Porphyraplit  Prickgranit Porphyraplit 2Prick-Granit: feinkörniger, braunroter Granit mit Biotitflecken, vermutlich aus Aland.

 

Vänevik-GranitVanevik-Granit, ein Smaland-Granit mit braunrotem Kalifeldspat, blauem Quarz und Biotit-/Chlorit-Aggregaten. Vanevik-Granit enthält oft viel Titanit und hin und wieder violette Flußspatkristalle.

Basalt 1Basalt (Diabas) mit gelber Verwitterungsrinde, von weißen Adern durchzogen.

 

DSC_0034Roter Gneis mit ausgewalztem Quarz.

 

Gneis mit AplitGneis mit Aplit. Im Ausgangsgestein muß der Aplit bereits vor der Metamorphose enthalten gewesen sein, da er ebenfalls von der Metamorphose erfasst wurde. Es handelt sich in diesem Falle nicht um eine Aufschmelzung im Zuge fortschreitender Metamorphose, da an der Grenze Melanosom/Leukosom dunkle Ränder auftreten müßten, die hier fehlen. Außerdem sind die Minerale beider Partien eingeregelt.

 

MigmatitMigmatit mit typischen Spuren der Teilaufschmelzung: Leukosom aus Feldspat und Quarz mit regellosem (magmatischem) Gefüge, Melanosom mit Foliation.

 

DSC_0079 Migmatitischer Gneis mit aufgeschmolzenen Linsen aus Quarz und hellrotem Kalifeldspat.

 

Migmatit 1Fein foliierter Migmatit mit gelber Verwitterungsrinde (Plagioklas?)

 

Granatamphibolit angew 2

Bröseliger granatführender Gneis, in dem die Auswalzung der schwarzen Mineralien gut zu sehen ist. Es gibt blaßrote Granate und Imprägnierungen von grünem Chlorit. BB 14 cm.

 

Granulit evtl Schonen3

Granulit evtl Schonen2

Gneisgranit bzw Augengranit, offenbar angeschmolzener Quarz, weiße Kalifeldspataugen, orangegelber Plagioklas und rote Butzen von Granat. Wenig Glimmer/dunkle Mineralien.

 

Belemnit 1  Belemnit 2Feuerstein-Konkretion, gefunden in einem Lesesteinhaufen am Feldrand bei Thunpadel, Länge: 9 cm. Auf den ersten Blick sah dieser Fund aus wie die Spitze eines Riesenbelemnits. Mittlerweile wurden ähnliche Funde getätigt. Es handelt sich lediglich um eine Konkretion, die mannigfaltige Formen annehmen kann.

Fliessformen 1Fließablagerungen in der Sandgrube Thunpadel. Eine konglomeratische Linse, möglicherweise direkt vom Gletscher abgeschmolzenes Geschiebe, überlagert von feineren Sanden (teilweise limonitisiert) aus Flussablagerungen in Kreuzschichtung, die weniger Geröll führen. Darüber wieder roter Geschiebemergel.

Ein Gedanke zu „Geschiebe vom Südlichen Landrücken („Rote Moränen“)

  1. Franziska Hanko

    Guten Tag,

    für die Entstehung des Fachbuches „Bodenfruchtbarkeit-erkennen, bewahren, fördern“, das im Erling Verlag erscheinen wird, soll ich anfragen, ob es möglich wäre das Bild eines Gneises, Graniten und der Sandsteinwand von Ihnen verwenden zu dürfen.

    Natürlich werden Sie als Urheber im Buch genannt. Wenn Sie eine besondere Formulierung wünschen, teilen Sie mir diese bitte hier mit.

    Vielen Dank schon einmal im Voraus.

    Mit freundlichen Grüßen

    Franziska Hanko

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