Großgeschiebe aus der Niederlausitz – Metamorphite

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Größtes Geschiebe von etwa 2,50 m Höhe auf der Findlingshalde in Steinitz, ein migmatitischer Gneis (Nr. 096) mit grobkörnigen pegmatitischen Partien (Leukosom) und grauen, foliierten Gneispartien (Paläosom/Melanosom). Das Objekt ist mittlerweile verschwunden.   

Metamorphite, die tektonische Deformation durch seitlich gerichteten Druck erfahren haben, können zunächst nach Textur, in zweiter Linie nach Chemismus beschrieben werden. Bei den leukokraten Metamorphiten ist der Mineralbestand makroskopisch nicht immer leicht bzw. eindeutig zu bestimmen, vor allem, wenn die Minerale granuliert sind. Häufige Texturformen sind Gneisgranite, Gneise, auch Mylonite sowie Gesteine, die in mehr oder minder hohem Grade von partieller Aufschmelzung betroffen waren (Migmatite). Zumindest makroskopisch behalten Gesteine granitischer bis tonalitischer Zusammensetzung, z.B. Orthogneise, ihren Mineralbestand bei steigenden Druck- und Temperaturbedingungen weitgehend bei, abgesehen von hydrothermalen Alterationserscheinungen niederer metamorpher Faziesbereiche. Dies liegt nahe, da unter Schmelzbedingungen zunächst wieder Quarz und Feldspat mobil werden, die bei entsprechend großen Schmelzvolumina als plutonische Körper in die höhere Erdkruste aufsteigen können. In Paragneisen, also metamorphen Gesteinen aus sedimentärem, v.a. pelithaltigem Edukt, kommt es bevorzugt zur Neubildung von Mineralen wie Glimmer, granoblastischem Granat, Amphibol, Cordierit, Sillimanit u.ä. Mineralneubildung durch Metamorphose ist weiterhin der Fall bei basischen Edukten wie Basalten und Gabbros, die in Amphibolite, Eklogite etc. umgewandelt werden können. Neben Druck und Temperatur spielt die Gegenwart von Fluiden (hauptsächlich H2O) eine wichtige Rolle.

Eine weitere Gruppe von Metamorphiten, die Mineralneubildungen oder auch Umkristallisation (z.B. Quarzit), aber keinen gerichteten Druck erfahren haben, sind die Granofelse wie Quarzite, Fleckenquarzite, Hornblendefelse, der Västervik-Fleckengranofels und andere Gesteine. Häufig ist bei der Mineralbestimmung in Metamorphiten eine mikroskopische Untersuchung nötig, die nicht unbedingt den Implikationen einer Gesteinsbestimmung im Gelände entspricht. Man stößt aber schnell an die Grenzen der Bestimmbarkeit metamorpher Mineralgesellschaften. Die hohe Variabilität und Ubiquität vieler Migmatite und Metamorphite ermöglicht nur sehr eingeschränkte Aussagen über ihre Herkunft. Nur einige wenige Metamorphite haben einen charakteristischen Habitus und spezifischen Mineralbestand, z.B. Västervik-Fleckengranofels, (Västervik)-Fleckenquarzite, eingeschränkt die Sörmland-Gneise.

 

Gneise

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Brauner Gneisgranit bzw. Gneis mit granitoider Zusammensetzung (Nr. 520, Steinitz, Breite ca. 1 m). Man erkennt bis 3 cm lange, z.T. rechteckige Alkalifeldspatkristalle, die entlang der Foliationsebene eingeregelt sind. Weiterhin konnte Biotit als dunkles Mineral identifiziert werden. Auf dem Bild nicht zu erkennen sind grünliche Feldspäte, vermutlich alterierter Plagioklas, sowie etwas Quarz. Ihre Mengenanteile sind makroskopisch kaum abschätzbar, eine genauere Aussage hinsichtlich der Zusammensetzung (Granit, Granodiorit oder Quarz-Monzonit) kann nicht gemacht werden. Das Gestein wird von einer hellen Aplitader durchschlagen, die ebenfalls deformiert wurde.

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Arnö-Gneisgranit laut Beschriftung auf dem Gelände des kleinen Naturlehrpfades in Grießen (Nr. 430, Breite 65 cm). Diese Bestimmung muß angezweifelt werden, da nur der nicht deformierte Arnö-Granit, wenn überhaupt, als Leitgeschiebe gilt (s. kristallin.de und skan-kristallin.de). Vielmehr dürfte es sich um einen svekofennischen Gneisgranit handeln, wie er im Umfeld der Tagebaue nicht selten auftritt. Auffällig sind die runden, aber nicht eingeregelten Feldspateinsprenglinge (Augengneis).

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Anisotropes Gefüge in einem mylonitischen Gneis (Nr. 183, Steinitz, BB ca. 50 cm). Aufgrund des bei der Deformation vorherrschenden seitlich gerichteten Druckes ist die Texturierung des Gesteins je nach Blickrichtung unterschiedlich. Links eine Augentextur mit weißen Feldspat-Porphyroklasten(?). Rechts, um 90 Grad versetzt, eine flaserige Textur und ein Gneisgefüge bzw. eine protomylonitische Textur.

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Gefüge eines kräftig orangefarbenen Augengneises (Nr.184, Steinitz) granitischer Zusammensetzung. Xenomorpher Quarz bildet schlierige, ausgewalzte Aggregate. Es überwiegt orangeroter Alkalifeldspat. Plagioklas ist mehr gelblich gefärbt und untergeordnet vorhanden, ebenso die flaserigen Aggregate dunkler Minerale (Biotit), die durch ihre Grünfärbung z.T. in chloritähnliche Minerale umgewandelt wurden.

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Mylonit (Nr. 434, Tgb. Jänschwalde, B 90 cm). Mylonite stammen aus tektonischen Scherzonen und entstehen durch die plastische Verformung des Gesteins bei hohen Temperaturen im festen Zustand (sog. Dislokationsmetamorphose). Kennzeichnend ist dabei das streng planare Gefüge. In diesem Fall ist die obere Gesteinshälfte (ultra- bis orthomylonitisch) getrennt durch eine hellere mittlere Partie (ultramylonitisch) mit ähnlicher Textur von der unteren, weniger streng planaren (protomylonitischen) Hälfte.

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Kleinteilige Fältelung in einem biotitreichen migmatitischen Gneis (Nr. 198, Steinitz, BB 90 cm). Die unregelmässige Wellenform eines vermutlich ehemals mehr oder weniger planaren Gneisgefüges ist unter duktilen Bedingungen eingeengt und verfaltet worden (Stauchung). Auf ein Vorliegen solcher Bedingungen läßt die obere migmatitische Partie schließen: weißer Feldspat und Quarz wurden mobil und kumulierten in einem Leukosom bzw. Neosom und in größeren helleren Schlieren. Um diese Partien herum gruppieren sich dunkle Minerale (Restit), die nicht von Aufschmelzung betroffen waren.

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Stengeliger Gneis mit grobkörniger pegmatoider Partie (Nr. 514, Steinitz, BB 55 cm). Die etwa 15 cm hohe pegmatitartige Ader besteht aus grauem Quarz und weißen bis grauweißen Feldspäten. Rote Färbungen scheinen Hämatitausscheidungen zu sein.

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Grauer Bändergneis (Nr. 195, Steinitz), ein granatführender Biotit-Amphibolgneis, vermutlich aus sedimentärem Edukt (Paragneis).

 

Migmatite

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Migmatit am Aussichtspunkt Cottbus-Nord (Nr. 291, Breite 120 cm). Auffällig ist die starke Verfaltung der Leukosome, ein sog. ptygmatisches Gefüge, vermutlich ebenfalls durch Stauchung und Einengung. Ein Großteil der Migmatite dürfte ihre Herkunft in den nördlicheren Gebieten, im Bereich der Svekofenniden haben, da solche Gesteine im TIB nur untergeordnet vorkommen. Vor allem im Tagebau Welzow-Süd treten Migmatite gehäuft auf. Sie bilden bevorzugt Großgeschiebe aus, da sie im Anstehenden weitständig geklüftet sind.

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BB 18 cm, Detail der Texturbestandteile eines Migmatits aus obigem Block, hier exemplarisch erläutert: helle, mit ungeregeltem Gefüge grobkörnig kristallisierte Bereiche stellen das Leukosom dar und entsprechen den aufgeschmolzenen, hellen Partien. Sie besitzen tonalitische bis granitische Zusammensetzung und sind umgeben vom Restit/Melanosom: schwarze Säume als Ansammlungen von dunklen, nicht aufgeschmolzenen Mineralen (Biotit, Hornblende o.ä.) aus dem Wirtgestein. Leukosom und Melanosom zusammen bilden das Neosom, die Summe des durch partielle Aufschmelzung veränderten Gesteinsanteils. Paläosom, oben und unten im Bild, bezeichnet das Ausgangsgestein, in dem die Bestandteile der beiden erstgenannten Texturbereiche noch mehr oder minder gleichmäßig verteilt vorliegen.

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Weiteres Detail der Nr. 291, ptygmatisches Gefüge.

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Verfaltete pegmatitische Ader in einem grünlich-grauem Gneis (Nr. 165, Steinitz, BB ca. 40 cm) tonalitischer Zusammensetzung. Das Gneisgefüge wurde auch hier vermutlich durch Stauchung unter duktilen Bedingungen in der Festphase verformt.

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Verfalteter Paragneis (Nr. 509, Breite 35 cm) im Tagebau Cottbus-Nord, vermutlich mit reliktischer Schichtung. Die Farbgebung des Gesteins verrät möglicherweise etwas über die Metamorphosebedingungen: grüner Epidot und schwarzer Amphibol: Epidot-Amphibolit-Fazies = untere Amphibolitfazies). Neben Amphibol ist auch reichlich dunkler Glimmer vorhanden. Das Gestein enthält Strukturelemente eines Migmatits: grobkörnige und rekristallisierte Partien (Leukosome), z.T. mit dunklen Rändern eines Melanosoms.

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Migmatitischer Gneis (Tgb. Cottbus-Nord, Breite 60 cm) mit großem linsenförmigem Leukosom.

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Falte (Aufschiebung durch duktile Deformation in einer Festphase) in einem Bändergneis (Nr. 301, Tgb. Cottbus-Nord, BB 45 cm) mit senkrecht zur Foliation verlaufenden und mit aplitischem Material verfüllten Klüften, die durch Bruchtektonik entstanden. Die Klüftung muß zeitlich vor der Bildung der Falte erfolgt sein, da sie ebenfalls räumlich versetzt auftritt.

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Recht häufig zu beobachtender Typ eines gewöhnlichen feinkörnigen Amphibolits (Nr. 293, Merzdorf/ Tgb. Cottbus-Nord, B 45 cm). Die Edukte für solche Amphibolite sind z.B. Basalte oder Gabbros als regionalmetamorphe Gesteinsumwandlungen während einer Orogenese.

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Detailansicht, BB ca. 7 cm. Die Hauptminerale Amphibol (schwarz) und Plagioklas (weiß) liegen in deutlich begrenzten Körnern vor. Eine weitere mattgraue Komponente scheint vorhanden, möglicherweise Pyroxen. Weiterhin ist eine grünliche epidotähnliche Substanz zu erkennen, die durch hydrothermale Alteration aus Plagioklas hervorgegangen sein kann. Die einzelnen Mineralkörner zeigen keine Einregelung oder Auslängung, das Gefüge des Gesteinsblocks insgesamt wirkt aber schwach foliiert oder bildet eine reliktisches layering ab.

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Amphibol-porphyroblastischer Metamorphit, „Hornblende-Gabbro“ (Nr. 173, Steinitz, BB 20 cm). Die runden, schwarzen Amphibole (Granoblasten) dominieren das Mineralgefüge. Untergeordnet treten weiße Körner, wahrscheinlich Plagioklas, und grünliche, epidotartige Partien auf. Als Edukt ist auch hier ein gabbroides Gestein bzw. ein Dolerit denkbar. Amphibolite magmatischen oder sedimentären Ursprungs sind allerdings nicht immer unterscheidbar (VINX 2011), v.a. wenn der geologische Kontext des Anstehenden fehlt.

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Sehr feinkörniger, homogener Gneis (Nr. 204, BB 50 cm, Steinitz) mit deutlich erkennbarer Foliationsrichtung. Auch der Blick mit der Lupe brachte aufgrund Feinkörnigkeit keinen eindeutigen Mineralbefund, vermutet wird Alkalifeldspat und Quarz. Es gibt keine Einsprenglinge. Ob es sich um einen Metavulkanit oder Meta-Tuffit handelt, z.B. ein „Leptit“ oder „Hälleflinta“ aus den svekofennischen Bereich, bleibt Vermutung.

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Leuchtend roter gneisiger Migmatit? (Nr. 296, Findlingsdepot Cottbus-Nord, BB 28 cm) mit großen Feldspataugen, vermutlich Porphyroblasten, also während der Metamorphose neu gewachsenen Kristallen. Die dunklen Bereiche des Gesteins könnten das Restit aus einem Gneis sein. Denkbar ist auch eine Grenze zu einem basischen Gang und mylonitische Zerscherung eines benachbarten Gesteins mit granitähnlicher Zusammensetzung.

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Dunkelgrauer, migmatitischer Amphibolit (Nr. 171, Steinitz, Höhe 50 cm) mit hellen Feldspatadern. Auf der linken Seite ist ein Versatz durch Bruchtektonik zu erkennen. Das Gestein besteht hauptsächlich aus Amphibol und Plagioklas mit doleritischem Gefüge (Meta-Dolerit). Das deutlich quarzhaltige Leukosom besitzt eine tonalitische Zusammensetzung.

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Grauer migmatitischer Gneis (Nr. 167, Steinitz, Höhe 75 cm) mit hellen Streifen als Leukosom, randlich begrenzt von schwarzem Melanosom. Weiterhin sind senkrecht zur Foliationsebene unregelmäßig verlaufende, helle Adern zu erkennen. Sie sind in den Gneis eingedrungen (Injektionen?), ohne sein Gefüge zu beeinträchtigen. Auch ein nennenswerter tektonischer Versatz ist nicht erkennbar.

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Heterogenes Gefüge eines Migmatits (Nr. 181, Steinitz, BB 50 cm) mit hohem Grad an Aufschmelzung mit Bruchstücken von Melanosom in größtenteils aus Neosom bestehendem Gesteinsmaterial. Denkbar ist aber auch die Nachbarschaft eines pegmatoiden Granits und eines dunklen, restitischen Gneises ohne unmittelbaren genetischen Zusammenhang.

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Schwarz-weißer Migmatit (Nr. 168, Höhe 35 cm, Steinitz) mit Zonen unterschiedlichen Amphibolgehalts, zum Großteil als ungeregeltes Gefüge aus Amphibol und Feldspat, z.T. aber auch als gneisiger Migmatit (links) mit Schlieren-Struktur. Vermutlich aus basaltischem und/oder gabbroidem bis dioritischem Edukt entstanden. Ebenfalls denkbar sind amphibolitfaziell metamorphisierte Gesteinsklasten, ein „Meta-Gerölldiabas“.

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Detail der Partie mit gneisigem Reliktgefüge (Schlieren-Textur) der Nr. 168.

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Möglicherweise Bänder von Melanosom/Restit um Leukosome in einem grau-weißen Gneis (Nr. 166, BB 40cm, Steinitz). Die helleren Partien enthalten auch gleichzeitig Amphibol in grösseren Aggregaten. Vielleicht wird hier auch eine reliktische Schichtung in einem Paragneis abgebildet. Denkbar ist weiterhin eine Injektion eines granitähnlichen Magmas in den Gneis. Häufig wirft die nähere megakopische Untersuchung von metamorphen Geschieben mehr Fragen auf, als beantwortet werden können, zumal der geologische Kontext des Anstehenden immer fehlt.

 

Quarzite und andere Granofelse

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Quarzit (Nr. 189, BB 50 cm, Tagebau Cottbus-Nord), ein hochmetamorphes, dichtes Gestein mit richtungslosem Gefüge (Granofels), hauptsächlich (über 90%) aus Quarz bestehend.

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Bruchfläche der Nr. 189 mit kleinen millimetergroßen Punkten aus Schwermineralen und Glimmerschüppchen.

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Quarzit bis Glimmerquarzit (Nr. 248, BB 60 cm, Beginn der Zufahrtsstrasse zum Aussichtsturm in Steinitz). Das Gestein enthält reichlich richtungslos-körnigen Quarz und dunkle Minerale, vermutlich in der Hauptsache Glimmer. Trotz der dunklen Färbung scheint das Gestein aber zum weitaus größten Teil aus Quarz zu bestehen.

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Detail der Nr. 248: Quarzlinsen und -adern in Gesteinspartien mit dunklen, glimmerähnlichen Mineralen. Der ungefähre prozentuale Anteil an dunklen Mineralen ist nicht abzuschätzen, scheint aber eher gering (unter 20%) zu sein.

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Hellgraues Metasediment (Nr. 501, Tgb. Cottbus-Nord, BB 50 cm) mit basischen Gesteinsklasten und möglicherweise Schwerminerallagen, die eine boudinageartige Textur aufweisen.

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Ausschnitt aus dem gleichen Block.

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Detail der Schwerminerallage (?). Die dunkelbraunen Körner konnten nicht identifiziert werden, ein Magnet stand nicht zur Verfügung. Das Gestein scheint insgesamt nicht besonders stark metamorphisiert zu sein, da in der Matrix einzelne Quarzkörner noch gut zu erkennen sind. Ein Abschlag zur näheren Untersuchung konnte nicht gefertigt werden. Nicht ausgeschlossen ist, dass es sich bei den dunklen Körnern ebenfalls um Quarze handelt, die eine Umhüllung (coating) aus z.B. braunen Fe-oxiden aufweisen.

 

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Unterwasseraufnahme eines (Västervik)-Fleckenquarzits, Fund auf einer Steinhalde bei Papproth/Welzow-Süd. In der Geschiebeliteratur werden solche Gesteine häufig als „Stockholm“-Fleckenquarzit bezeichnet ohne klaren Beleg der Herkunft aus diesem Gebiet. Vielmehr müsste zumindest ein Großteil diese Gesteine aus dem Västervik-Gebiet kommen, wo auf einer gemeinsamen Exkursion (Langmann/Torbohm 2016, Publ. in Vorbereitung) reichlich Fleckenquarzit als Nahgeschiebe sowie eine anstehende Varietät gefunden wurde. Die Gesteinsmasse besteht aus viel Quarz und bedeutend weniger Glimmer. Feldspat ist makroskopisch nicht zu entdecken. Die Granoblasten besitzen einen roten Rand und einen weißen Kern aus faserigen Aggregaten, in der Hauptsache wahrscheinlich Sillimanit.

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Dunkler, möglicherweise migmatitischer Paragneis aus pelitischem Edukt (Nr. 172, Steinitz) mit Bruchfläche (rechts) und Verwitterungsrinde (links). Mit der Lupe ließ sich roter Granat feststellen. Dieses Gestein wurde vor einer möglichen Teilaufschmelzung auch einer Metamorphose mit Mineralneubildung unterworfen. Erkennbar ist dies neben dem Vorhandensein von Granat an den schwarzen Flecken, die möglicherweise aus Cordierit bestehen, der zu Biotit umgewandelt wurde. Cordierit ist in dieser Form nicht makroskopisch nachweisbar, lediglich die ähnliche Art der schwarzen Flecken (wie z.B. in den Västervik-Fleckengesteinen) läßt dies vermuten. Offenbar wurden diese Granoblasten dann noch Im Zuge nachfolgender Tektonik ausgelängt. Die beiden Möglichkeiten der Genese, Bildung eines Granofelses und Foliierung, entsprächen zwei entgegengesetzen tektonischen Regimes, die jedoch in genügendem zeitlichen Abstand in den Svekofenniden stattgefunden haben können.

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Ausschnitt aus einem Gestein (Nr. 190, Steinitz) als weiteres Beispiel für einen Granofels, einem Gestein mit statisch ablaufender Metamorphose, erkennbar an den schwarzen Granoblasten mit den roten Rändern. Eine leichte Deformation des Gefüges hat zeitgleich oder etwas später stattgefunden. Der Fund weist eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Västervik-Fleckengestein (Västervik-Fleckengranofels) auf. Das Bild des Leitgeschiebes trüben ein wenig die grünlich-grauen Bestandteile und sein deformiertes Gefüge. Im Falle des Västervik-Fleckengesteins bestehen die schwarzen Granoblasten aus Cordierit (mit retrogradem Biotit) und etwas weißem Sillimanit, eingebettet in eine glimmerquarzitische Gesteinsmasse mit leuchtend rotem Feldspat. Die metasedimentären Västervik-Gesteine sind vielgestaltig ausgebildet, eine Zuordnung dieses Exemplars zu dieser Formation bleibt Vermutung, da ähnliche cordierit-porphyroblastische Gesteine auch in anderen metasedimentären Formationen der Svekofenniden auftreten können.

Einen besonderen Fund eines Västervik-Fleckengesteins oder Västervik-Fleckengranofelses zeigt das obige Bild (Nr. 532, Steinitz). Trotz trockener Gesteinsoberfläche ist ein Mischgefüge mit einem Fleckenquarzit (weiße Flecken, wahrscheinlich Sillimanit) gut erkennbar. Diese „Mischzone“ ist nur etwa 10 cm breit, darunter ist das Gestein wesentlich ärmer an Sillimanit, darüber geht es in eine (glimmer)quarzitische Partie über. Migmatitische Schlieren scheinen diese Dreiteilung zu abzugrenzen. Nicht genug damit, findet sich an der Unterseite des Gesteins ein scharfer Kontakt zu einem roten Alkalifeldspatgranit. Dies unterstützt die Vermutung, dass die Bildung von Fleckenquarziten – geeigneten Gesteinschemismus vorausgesetzt – abhängig ist von der unmittelbaren Nähe zu Granitintrusionen (Kontaktmetamorphose). Siehe hierzu auch NOLTE 2012.

Vom obigen Block konnte eine kleine Probe geschlagen werden. Das Gestein insgesamt, v.a. aber die schwarzen Flecke, reagieren auf einen Handmagneten. Solch ein Mischgefüge Västervik-Fleckenquarzit-Fleckengestein wurde an einigen Nahgeschieben im Gebiet Västervik bereits beobachtet (Publikation in Vorbereitung). Auch eine Anstehendprobe konnte auf Södra Skälö gefunden werden, die aber ein etwas anderes Gefüge besitzt. In zahlreichen Geschiebesammlungen gibt es ähnliche Mischgefüge, trotzdem kam kurioserweise bisher niemand auf die Idee, das Anstehende von „Stockholm“-Fleckenquarziten im Västervik-Gebiet zu suchen. Auch zeichnet sich mit fortlaufendem Literaturstudium, v.a. der Quellen zur Herkunft der Fleckenquarzite, ab, dass es im Raum Stockholm solche Gesteine überhaupt nicht gibt.

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Ausschnitt aus einem ca. 60 cm breiten Block mit einer Partie aus Hornblende-Granofels (Nr. 298, Südrand Tgb. Cottbus-Nord) möglicherweise eine kontaktmetamorphe Bildung. Die hornblendehaltige Zone beschränkt sich auf eine kleine Partie des Gesteinsblocks. Seitlich betrachtet (nicht auf dem Foto) weist der Gesteinsblock eine deutliche Schieferung auf.

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Detail des ungeregelten, amphibol-porphyroblastischen Gefüges. Die Grundmasse scheint im Wesentlichen aus unbestimmtem Feldspat zu bestehen.

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Bruchfläche eines Spaltstücks aus der geschieferten Partie des obigen Blocks. Dies ist das „reguläre“ Gestein, dem die granofelsische Partie angehängt ist. Es besteht aus Plagioklas (Alkalifeldspat nicht erkennbar), dunklem Glimmer und schwarzem bis grünlich-schwarzem Amphibol (Amphibol-Glimmerschiefer). Quarz ist nicht erkennbar, das Gestein reagiert nicht auf einen Handmagneten. Auf der Rückseite des Handstückes (nicht auf dem Foto) sind größere Flächen mit Erz (Pyrit) imprägniert. Die Hauptminerale besitzen eine deutliche Einregelung. Eine rote Ader durchzieht das Gestein. Die rote Farbe könnten lediglich Hämatitimprägnierungen sein, da sich das Gefüge des einbettenden Gesteins kaum ändert. Denkbar ist auch eine Injektion von Alkalifeldspat entlang von Rissen, der aber makroskopisch nicht identifizierbar ist. Die reflektierende, im Anschnitt lanzettförmige reflektierende Kristallfläche in der linken roten Ader ist Calcit (HCl-Probe positiv).

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Auffälliges metamorphes Gestein, ein leukokrater Granofels (Nr. 297, Tgb. Cottbus-Nord) mit graugrüner, dichter Gesteinsmasse, in der auf der glatten, wie poliert erscheinenden Oberfläche außer dunklen, glimmerartigen Mineralen im Querschnitt makroskopisch keine weiteren Minerale bestimmbar sind. An der Flanke des Gesteins (nicht auf dem Foto) ist ist ein Übergang in eine pegmatitartige Quarz-Feldspat-Partie zu beobachten.

 

Granat und Hornblende in Metamorphiten

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Eines der häufigsten metamorphen Minerale ist Granat, der aufgrund seiner Kristallgröße, Form und Färbung auffällt und leicht erkannt wird. Im Bild: idiomorphe Granate in einem Leukosom eines migmatitischen Paragneises (Nr. 359, Findlingspark Nochten).

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Große hellrote Granat-Porphyroblasten in einem migmatitischen Gneis (Nr. 179, Steinitz). Grüne Färbungen scheinen alterierte Feldspäte (Plagioklas), dunkelgrüne Partien Chlorit zu sein. Möglicherweise ist auch Sillimanit zugegen, der auf der Verwitterungsseite aber nicht sicher identifiziert werden konnte.

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Quarzarmer Paragneis (Nr.164, Steinitz) mit großen Granat-Porphyroblasten. Ähnelt den Paragneisen vom Typ Sörmland, die auch Cordierit enthalten müssen, der hier nicht erkannt wurde.

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Die Gneistextur dieses Metamorphits (Nr. 187, Steinitz, B 45 cm) ist fast nicht mehr zu erkennen, kleinmaßstäblich dominiert ein richtungslos-körniges Gefüge eines Migmatits. Das Gestein enthält sehr große Granoblasten von Granat.

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Ein näherer Blick auf die Nr. 187 zeigt, dass die granathaltigen Partien aus mehreren Mineralen bestehen. U.a. scheint noch grünschwarzer Amphibol und ein helles Mineral anwesend zu sein, vermutlich Quarz. Die Verteilung von Amphibol und Granat ist irregulär, manche Granate sind teilweise oder vollständig umsäumt von Amphibol.

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Leukosom oder pegmatitischer Gang in einem migmatitischen Gneis mit Hornblende-Megakristall (Nr. 302, Findlingsdepot Cottbus-Nord), Kristallhöhe etwa 4 cm.

 

Granat-Cordierit-Gneise vom Typ Sörmland

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Migmatitischer Paragneis vom Typ Sörmland (Nr. 429, Aussichtspunkt Grießen, Tagebau Jänschwalde; B 100 cm). Nach VINX 2011 handelt es sich um quarzarme Granat-Cordierit-Paragneise mit deformierten Granat-Porphyroklasten und häufig bläulich-grauem Cordierit, der allerdings makroskopisch nicht leicht von Quarz unterscheidbar ist. Entsprechende Vertreter dieses Gesteinstyps treten in den Tagebaubereichen der Niederlausitz häufig auf. Diese Gneise sind aus Sörmland bekannt, wo sie große Flächen einnehmen. Ähnliche Gesteine gibt es im Bottnischen Becken und in Süd-Finnland. Siehe auch ALTENBURG 2011.

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Detail des Gefüges: hellroter Granat, reichlich weißer Feldspat. Quarz ist makroskopisch nicht zu erkennen, in untergeordneten Mengen aber möglicherweise vorhanden. Um Cordierit zu erkennen, muß man noch näher treten.

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Detail, BB 10 cm. Das richtungslose Gefüge zeigt an, dass das Gestein an dieser Stelle aufgeschmolzen war (Leukosom). Zwischen Granat und Feldspat ist hier auch bläulich-transparenter Cordierit zu erkennen. Er besitzt eine ähnlich schlechte Spaltbarkeit wie Quarz, kann aber einigermaßen zuverlässig angesprochen werden, wenn er diese bläulichen Tönungen besitzt.

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In diesem migmatitischen Granatgneis (Nr. 360, Findlingspark Nochten, polierte Fläche) ist der Cordierit gut an seiner graublauen Farbe zu erkennen. Auch hier tritt er xenomorph auf, womit seine makroskopische Erkennbarkeit lediglich auf den Farbeindruck (und die Paragenese) zurückgeführt wird. Sein charakteristischer Pleochroismus (unterschiedlicher Farbeindruck in unterschiedlichen Betrachtungswinkeln) als mögliches Bestimmungsmerkmal kann an einem großen Gesteinsblock kaum beobachtet werden.

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Grauer Granat-Cordierit(?)-Paragneis (Nr. 428, Aussichtspunkt bei Bärenbrück/Tgb. Jänschwalde, BB 40 cm). Migmatit mit ungeregelt-gleichkörnigem und zerissenem Leukosom und dunklen Reaktionsrand eines randlichen Melanosoms. Die weitgehende Graufärbung des Paläosoms, das Vorhandensein von Granat und möglicherweise Cordierit (in den schwarzen Granoblasten?) sowie die makroskopische Abwesenheit von Quarz lassen auf einen Paragneis aus tonigem Edukt schließen.

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Das letzte Bild zeigt einen Quarz-Glimmer-Feldspat-Gneis (Nr. 180, Steinitz) mit anhaftender, wenige cm dünner Partie, in der Feldspäte in einer feinkörnigen Masse aus Quarz + Feldspat liegen. Die Ränder der Feldspäte sind von rotem und dunklem Pigment gesäumt. Eine derartige metamorphe Bildung konnte bisher nicht gedeutet werden, vielleicht handelt es sich um Feldspatporphyroblasten durch den Vorgang der sog. Feldspatsprossung im Zuge einer (K-)Metasomatose?

 

Literatur

Altenburg H J 2011 Findling Trissow – Neubrandenburger Geol. Beiträge 11, S. 9-15, 9 Abb., Neubrandenburg.

Möller S & Appel P 2016 Granat-Cordierit-Sillimanit-Gneis (Sörmland-Granatgneis) von der Eckernförder Bucht – ein Leitgeschiebe? – Der Geschiebesammler 49 1, S. 15-37, 10 Abb., 1 Tabelle, Wankendorf Juni 2016.

Nolte N 2012 Paläoproterozoisches Krustenwachstum (2.0 – 1.8 Ga) am Beispiel der Västervik-Region in SE-Schweden und dem Kamanjab Inlier in NW-Namibia – Dissertationsarbeit, Universität Göttingen.

Sawyer E W 2008 Atlas of Migmatites – Canadian mineralogist: Special publication Band 9, ISSN 1717-6387, NRC Research Press, 371 S.

Vinx R 2011 Gesteinsbestimmung im Gelände, 3. Auflage – Spektrum-Verlag, 480 S.

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Großgeschiebe aus der Niederlausitz – Metamorphite

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