Geschiebe um den Bülker Leuchtturm

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Auf Geschiebesuche am Bülker Leuchtturm, etwa 10 km N von Kiel, etwa 2 km N der Ortschaft Strande im Juli 2014. Interessant war hier vor allem das Auftreten südwestschwedischer metamorpher bis hochmetamorpher Gesteine wie Flammenpegmatit, Schonengranulit und mafische Granulite. Auch Geschieben aus dem Oslograben (Rhombenporphyr, Larvikit) wurden gefunden, die ich weiter im Osten, z.B. auf Rügen, wesentlich seltener bzw. gar nicht antreffe.

Im Bild ein dem Flammenpegmatit farblich ähnlich erscheinendes Objekt (größeres Bild). Es zeigt allerdings eine Foliation und ein gehäuftes Auftreten schwarzer Minerale, handelt sich um einen Gneis mit leicht migmatischem Gefüge und flammenpegmatitischer Partie. Die Farbverteilung von zinnoberrot, leuchtend gelb (Plagioklas) und grau (Quarz) ist typisch für die Südwestschwedische Gneisregion. 

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Plagioklasschlieriger Granatamphibolit, angefeuchtet, BB 35 cm, migmatitisches Gefüge, Leitgeschiebe für SW-Schweden. Granat-Porphyroblasten bis 1,5 cm Größe.

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Ausschnitt der trockenen Oberfläche, BB 16 cm. Eine interessante Eigenschaft des Granats ist es, sich Deformationen während der Metamorphose anzupassen und seine Kristallstruktur unversehrt zu erhalten. Aussagen über den Protolithen kann man nicht so ohne weiteres machen, „echte“ Amphibolite entstehen aus basaltischen/gabbroiden Edukten. Die Bedingungen der Amphibolitfazies liegen bei etwa 650 Grad und 4-5 kbar.

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Ein anderes Exemplar eines Granatamphibolits mit jeweils weißem Kranz (vermutlich Plagioklas oder ein Folgeprodukt der metamorphen Mineralreaktion) um die roten Granate.

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Mafischer Granulit, Breite 11 cm. Zunächst recht unscheinbares Gestein. Unter der Lupe erkennt man schwarze Minerale (Pyroxen und untergeordnet glänzenden Amphibol), weißen Plagioklas und reichlich kleine rote Granate. Protolith war ein basaltisches Gestein, welches während der svekonorwegischen Orogenese in der Subduktionszone granulitfaziellen Bedingungen unterworfen war, Herkunft ist das Südwestschwedische Granulitgebiet.

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Mafischer Granulit mit Foliation, von zwei Seiten betrachtet. BB 13 cm. Mittel- bis grobkörnige Varianten dieses Gesteins sind Meta-Gabbros mit Granat. Umhüllt Granat tendenziell die schwarzen Pyroxene, spricht man von coronitischem Gefüge (Granat-Coronit).

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Detail des oberen Stücks, BB 6 cm: in der Vergrößerung wird der Mineralgehalt deutlicher sichtbar. Neben weißem Plagioklas und rotem Granat sind grünlich-schwarze Pyroxene und auch schwarzer Amphibol vorhanden (im Bild nicht gut unterscheidbar). An einigen der Pyroxenen ist eine Coronabildung zu beobachten, Übergang zum Granat-Coronit. Coronitisches Gefüge ist ein Kennzeichen für derart unvollständig abgelaufene Mineralreaktionen, daß sich ein thermodynamisches Gleichgewicht nicht einstellen konnte (vollständiger Stoffumsatz von Pyroxen und Plagioklas zu Granat und Amphibol?). Da metamorphe Prozesse an Subduktionszonen in geologischen Zeiträumen verhältnismäßig schnell ablaufen, setzte eine retrograde Entwicklung des Metamorphosepfades vor vollständigem Stoffumsatz ein.

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BB 40 cm. Rhythmische Konzentrationsänderung von Plagioklas (?) und Amphibol (Hornblende) in einem Amphibolit. Ein weißes Mineral liegt hier in Schlieren in einem gleichkörnigen Gefüge mit Amphibol vor. Denkbar ist aber auch eine Umlagerung, z.B. von Plagioklas durch Diffusion unter geeigneten Temperaturen unter Mithilfe von fluider Phase.

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Västervik-Fleckengestein, Breite 15 cm. Die schwarzen Flecken enthalten v.a. Biotit und Cordierit, die weniger verwitterungsbeständig sind als die felsische Matrix aus Kalifeldspat und Quarz.

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Roter Augengneis mit schmutzig-grünem Plagioklas, BB 30 cm.

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Migmatit mit zerrissenem Melanosom, Breite etwa 60 cm.

 

Åland-Geschiebe

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Dieser interessante Åland-Rapakiwi, BB 20 cm, ist von einer grüner Ader durchzogen, die eine Ausscheidung von Hämatitpigmenten und somit eine partielle leuchtend rote Färbung bewirkte. Auch die vorher rötlichen Ovoide mit grünem Plagioklasrand sind nun leuchtend rot gefärbt und von weißen Ringen umgeben.

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Detail der Reaktionszone, BB 15 cm.

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BB 8 cm. Ein rotes Feldspatovoid (2.v.r.) mit weißem Rand besitzt insgesamt eine nahezu sechseckige idiomorphe Gestalt und ist zusätzlich von einer schwarzen Zone eines mafischen Minerals (Ausscheidung oder Neubildung?) umgeben.

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Åland-Rapakiwi mit graphischer Verwachsung und plagioklasummanteltem Ovoid (Ø 3 cm). Daneben schwarze Minerale (Hornblende) und Spuren von Alteration (grüner Plagioklas, rote Hämatitpigmente).

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Roter Quarzporphyr mit weiß-rotem Kalifeldspat im trockenen Zustand, BB 16 cm.

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Im angefeuchteten Zustand nimmt der Porphyr eine leuchtend rote Farbe an, die abgerundeten Kalifeldspäte zeigen eine hellrote Farbe.

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Quarz ist hellgrau transparent mit magmatischer Korrosion (abgerundete Körner, manchmal mit roter Grundmasse im Inneren). Plagioklas scheint vollständig zu fehlen, ebenso schwarze Minerale. Die Grundmasse ist feinkörnig ohne graphische Verwachsungen. Die Art der abgerundeten Feldspäte erinnert an Rödö-Porphyre, für einen Åland-Quarzporphyr von Hammarudda ist der Farbton der Grundmasse wohl zu hell, außerdem fehlen schwarze Minerale. Die Anzahl der Einsprenglinge ist weder besonders hoch noch gering. Matthias Bräunlich sagt: höchstwahrscheinlich Hammarudda-Quarzporphyr.

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Eindeutiger ist die Einschätzung an diesem Exemplar, BB 6 cm: reichlich helle Kalifeldspäte in einer braunroten Grundmasse mit graphischer Verwachsung. Die trüben Quarze zeigen magmatische Korrosion, Mafite und grüne Plagioklase sind untergeordnet vorhanden, Åland-Quarzporphyr.

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Dieses braunrote Rapakiwigestein mit gelbweißen Feldspatovoiden enthält recht wenig größere Quarze. Die Grundmasse besteht komplett aus graphischer Verwachsung von Kalifeldspat und Quarz. Einige Mafite und wenig grüner Plagioklas sind zu erkennen, Rapakiwi-Porphyraplit.

 

Weitere Geschiebe unbekannter Herkunft

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Granitoides Gestein von 13 cm Breite mit weißen Feldspatkristallen und einer roten Feldspatmasse, die Zwischenräume zwischen den größeren Kristallen ausfüllt. Quarz ist makroskopisch in mäßiger Menge vorhanden (unter 20%).

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BB 6,5 cm. Die rote Kalifeldspatmasse bildet keine graphischen Verwachsungen mit Quarz. Einige Biotitplättchen liegen lose verstreut im Gestein.

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Porphyraplit, BB 12 cm, mit einigen größeren hellen Quarzen und einer zweiten Generation Quarz in der Grundmasse. Weiterhin gibt es gelbe Feldspat-Einsprenglinge, die nur mäßige Rundung aufweisen. Schwarze Mineralien kommen innerhalb der Einsprenglinge und in der Grundmasse vor. Wenig grüner Plagioklas, einige dunkelgrüne Chloritflecken. Der von skandinavischen Geologen verwendete Begriff Porphyraplit charakterisiert eine Erscheinungform von Rapakiwi-Gesteinen, allgemein petrographisch kann man auch von einem Granophyr sprechen, unter diese Klassifikation fallen dann jedoch die meisten Rapakiwi-Gesteine (Hinweis von M. Bräunlich), so daß in diesem Zusammenhang der Begriff wenig hilfreich ist.

 

Ein Gedanke zu „Geschiebe um den Bülker Leuchtturm

  1. Christoph

    Dann kann ich da ja demnächst mal mit offenen Augen herumlaufen: Mal sehen, was ich davon wiederfinde 🙂

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