Geschiebe in Hohenfelde

IMG_8521

Etwa 20 km östlich von Kiel liegt Hohenfelde. Am Örtchen Hubertsberg und am nahegelegenen Campingplatz in der Nähe der Straußenfarm entstanden im Juli 2014 und Oktober 2014 die folgenden Fotos von Strandgeschieben. Man beachte auf obigem Foto die günstigen Handstückgrößen. 

1

IMG_9715

Verzwilligung von Anorthoklas-Einsprenglingen in einem großen Stück Rhombenporphyr, Bildbreite 8 cm.

2

IMG_8548

Ein weiterer Rhombenporphyr mit graugüner Grundmasse und orangegelben bis grünlichen Einsprenglingen, BB 12 cm.

3

IMG_9652

Eigenartiger orangebrauner Granit-Porphyr, Breite 15 cm, mit mäßig vielen Einsprenglingen aus hellem Kalifeldspat und noch weniger grünlichem Plagioklas. Zu einem großen Teil besteht dieses Gestein aus körniger Grundmasse. Die kräftig grünen Aggregate sind wohl eher chloritisierte dunkle Mineralien in Nachbarschaft zu hellgrünen Plagioklaseinsprenglingen.

IMG_9655

Rückseite: die wenigen, bis zentimetergroßen glasklaren Quarze sind abgerundet und weisen Spuren magmatischer Korrosion auf, teilweise auch mit feinen Einschlüssen der Grundmasse im Inneren der Quarze.

IMG_9655 copy

BB 7,5 cm. Hier erkennt man die Beschaffenheit der orangebraunen, körnigen Grundmasse:  ein wenig erinnert sie an mikropegmatitische Verwachsung von Kalifeldspat und Quarz in teilweise hakigen Formen. Die Zugehörigkeit zu einem Rapakiwi-Pluton könnte angenommen werden, aber zu welchem? Eiförmige Quarze könnten auf Ragunda passen, vielleicht ist es aber auch ein Porphyr aus Småland?

4

IMG_9634

Roter Ostseeporphyr mit einigen größeren Xenolithen, BB 16 cm.

5

IMG_8524

Bildbreite ca. 20 cm. Schlieriger rhyolithischer Vulkanit, der vom Mineralbestand an einen Bredvad-Porphyr erinnert: sehr feinkörnige Grundmasse, kein Quarz, einzelne kleine rote Kalifeldspäte, wenig grüner Plagioklas, Chloritflecken, sehr wenig schwarze Minerale.

IMG_8526

Detail der schlierigen Partie, BB 8 cm. Die helle gelbe Schliere besitzt eine körnige Grundmasse, weiter unten mit Grünstich. Rechts davon, im dunkleren Bereich, ist eine Farbvertiefung und eine leichte Anreicherung von schwarzen Mineralen zu erkennen.

6

IMG_8593

Schöner Fund eines (Ostsee?)-Syenitporphyrs, BB 15 cm. In Gebieten mit viel braunem Ostsee-Quarzporphyr kommt auch der Ostsee-Syenitporphyr mitunter gehäuft vor. Die Herkunft aus der Ostsee muß aber zunächst fraglich bleiben, weil zu viele Feldspateinsprenglinge vorliegen. Im Zentrum des Gesteins befindet sich ein einzelnes größeres Quarzkorn, ansonsten ist das Stück frei von makroskopisch erkennbarem Quarz. Die graubraune Grundmasse enthält rote Kalifeldspateinsprenglinge (mit zahlreichen schwarzen Einschlüssen, jedoch nicht „netzartig“ ausgebildet, wie bei Zandstra 1988 beschrieben) sowie schwarze, schalig aufgebaute und weiße Mandeln und Blasen, zum Teil mit konzentrischem Wachstum.

IMG_8594

Rückseite des Steins, die konglomeratartige Ausbildung ist ein weiteres Charakteristikum. Ein Anstehendes des Ostsee-Syenitporphyres ist wie beim Braunen Ostsee-Quarzporphyr nicht bekannt, wird aber auf dem Grund der Ostsee vor Stockholm angenommen. Denkbar ist auch eine Herkunft aus einem der nordschwedischen Rapakiwi-Gebiete.

7

IMG_8563

BB 13 cm. Bei Smed heißt das Gestein Åland-Ringquarzporphyr, ein weiterer gebräuchlicher Name ist Åland-Granitporphyr. Es wirkt wie ein Porphyr, hat aber eine körnige Grundmasse. Der überwiegende Teil der runden Quarzeinsprenglinge weist einen schwarzen Rand auf. Ein mafischer Xenolith mit rundgeschmolzenen Kanten enthält einen einzelnen Einsprengling. In der Mitte und am rechten Rand befinden sich mafische Partien, die wie bereits vom Porphyr fast „verdaute“ Partien aussehen. Im größeren Xenolithen sind grüne Plagioklaskristalle zu erkennen. Diese Xenolithe sind Folge der für Rapakiwigesteine üblichen Magmenmischung zwischen einer granitischen und einer basaltischen Schmelze (magma mixing).

IMG_8566

BB 9 cm. Das große Quarzaggregat in der Mitte zeigt Einschlüsse von roter Grundmasse. Die Grundmasse ist körnig mit Tendenz zu graphischer Verwachsung. Weißer Feldspat ist in wenigen, undeutlich entwickelten Einsprenglingen zu sehen. Am linken unteren Bildrand ein durch Alterationswirkung gelbgrün gefärbter Plagioklas. Er ähnelt den in den Gesteinsbruckstücken enthaltenen Plagioklasen und dürfte ebenfalls aus dem basaltischen Nebengestein stammen.

8

IMG_9586

Ignimbrit mit rötlich-weißen Kalifeldspat- und weniger gelbgrünen Plagioklaseinsprenglingen. Die Grundmasse ist braun, die Fiamme rotbraun. Herkunft: vermutlich Dalarna, BB 15 cm.

9

IMG_8587

Ignimbrit mit brauner Grundmasse, roten Flammen sowie hellroten und olivgrünen Einsprenglingen von Feldspat. Kein Quarz, vermutlich auch aus Dalarna. BB 9 cm.

10

IMG_8617

Aufnahme leider verspiegelt, BB 8 cm, nichtdestotrotz ein hübscher bunter Ignimbrit mit wenig weißen und grünen Einsprenglingen und roten Flammen in violetter Grundmasse. Herkunft ungewiß. Ignimbrite aus dem Oslogebiet können nach Smed (2003) manchmal nicht von Dala-Ignimbriten unterschieden werden.

11

IMG_8599

Grünschwarzer Diabas mit reichlich z.T. eingeregelt erscheinenden Plagioklasleisten und körniger Grundmasse. BB 7 cm.

12

IMG_8518

Mandelstein mit weißen Mandeln und lebhaft roter Hämatitimprägnierung. Breite des Steins: 8,5 cm.

13

IMG_8496

Einsprenglingsreicher Dala-Porphyr(?), BB 17 cm. Im Vergleich zu den Porphyren mit feiner Grundmasse hatte dieses Gestein mehr Zeit zur Kristallisation und besitzt daher eine recht grobkörnige Matrix. Spuren der hydrothermalen Alteration sind deutlich zu erkennen, vor allem an den zahlreichen gelbgrünen Plagioklasen. Eine Einregelung der Feldspäte oder eine Foliation ist nicht vorhanden.

IMG_8502

Detail, BB 10 cm: körnige Grundmasse mit zum großen Teil leicht gerundeten Kalifeldspäten, grüngelbem Plagioklas und kleinen, dunkelgrünen Chloritflecken.

IMG_8504

Rückseite des Gesteins: einige wenige Feldspäte sind mit einer Zonierung versehen: dunkler Kern mit hellem Rand, bedingt durch eine Alteration bereits auskristallisiertem Plagioklas, ummantelt von Feldspat, wohl auch Plagioklas, mit anderer, vermutlich Ca-ärmerer Zusammensetzung.

14

IMG_9624

BB 30 cm. Schwarze, körnige Grundmasse mit abgerundeten, größeren Kalifeldspäten, die teilweise rosa Säume aufweisen. Hohe Einsprenglingsdichte, variable Korngrößen. Viele kleine Einsprenglinge von gelblichem bis grünem Plagioklas. Einige abgerundete bläulichgraue Quarze sind vorhanden, möglicherweise ist dies ein Småland-Granitporphyr, der mit einem mafischen Magma vermengt wurde. Dies bleibt aber Spekulation, es wurden keine Bilder von Småland-Granitporphyren gefunden, die sich mit diesem Exemplar vergleichen ließen. Vielleicht kann man dieses Gestein auch eher in Richtung Gerölldiabas einordnen. Dieser hätte dann aber eine recht homogene Textur durch die einigermaßen gleichmäßige Verteilung von Quarzkörnern und abgerundeten Kalifeldspäten.

IMG_9622

Detail: Abgerundete helle Feldspäte, in der Mitte mit einem blaß orangerotem Ring. BB 13 cm.

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Geschiebe in Hohenfelde

  1. Stoltenberg, Hans

    Den gleichen Geschiebestein, Nr. 5 der gezeigten Fotos, fand ich am 20.02.2016 , 16:00 Uhr an der Hohenfelder Steilküste: Ostpreussenweg Richtung Campingplatz Riechert.
    Mich interessiert die Einordnung des Geschiebes und die Herkunft.
    Können Sie mir weiterhelfen?
    Bitte melden Sie sich unter e-mail.
    Danke!

    Antworten
  2. Ines

    Moin!
    Wow, das sind tolle Aufnahmen! Die Gegend um Kiel ist wirklich schön und auch noch geologisch interessant! Wenn dich Geologie interessiert, schau doch auch mal auf meiner Seite vorbei 😉
    Viele Grüße!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.