Eine Kiste Gesteine

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Eine Kiste mit Geschiebefunden aus dem Berliner Raum (Funde um 1975, weitgehend aus der Kiesgrube Seidelstrasse, Berlin Tegel, heute Flughafensee) sowie weiteren Gesteinsproben nichtnordischer Herkunft wurde mir von Herrn A.P. Meyer (Berlin) überlassen, der auch einen Großteil der Funde machte, zumindest aber einem Sammlerkollegen bei der Bestimmung half (nur die richtigen Bestimmungen). Es war ein sehr lehrreiches Unterfangen und eine große Freude, die Proben zu begutachten. Die Bilder sind in direktem oder indirektem Tageslicht gemacht.

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Digerberg-Sandstein bzw. -Tuffit, Sandstein mit feinen bis mittelkörnigen Pyroklastika aus Dalarna, Fundort Tegel.

 

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Ausschnitt aus einem Grauen Venjan-Porphyrit (Gruvasen-Typ?), BB 5,5 cm, mit charakteristischen sechseckigen Biotitplättchen, farblosem Quarz und einigen Augit-Kristallen in grauer, körniger Grundmasse. Plagioklas müßte den überwiegenden Teil der Feldspäte ausmachen, während rötlicher Kalifeldspat gar nicht zu entdecken war. Porphyrit ist eine alte Bezeichnung für Porphyre mit reichlich Plagioklaseinsprenglingen, petrographisch ein Paläo-Latit/-Andesit. Fundort Tegel.

 

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Småland-Gangporphyr. Dichte braune Grundmasse mit mehr roten Kalifeldspat- als grünen Plagioklaseinsprenglingen sowie dunkelgrünen Chloritflecken, kein eigenständiger Quarz erkennbar.

 

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Vislanda-Granit, Gruppenname für einen stark deformierten Småland-Granit mit zuckerkörnigem, granuliertem Quarz.

 

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Småland-Blauquarz-Granit. Die Sammelbezeichnung „Roter Växjö“ für rote, weitgehend fein- bis mittelkörnige Granite aus Småland, die in unzähligen Varianten auftreten, ist mittlerweile obsolet. Weniger stark deformiert als der Vislanda-Granit, Kalifeldspäte zerdrückt. Entsprechend dem sauren Charakter der Småland-Granite ist reichlich Quarz enthalten, der eine blaue Färbung aufweist.

 

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„Grauer Växjö“-Quarzdiorit laut Etikett. Bezeichnung obsolet, das Gestein wird nicht mehr als Leitgeschiebe angesehen. Gleich- und mittelkörniges, plagioklasreiches Gestein, möglicherweise aus Småland, tritt aber auch an anderen Orten reichlich auf (z.B. Uppland). Farbloser, grob zerdrückter Quarz tritt auf (Quarz-Diorit), Hornblende und Biotit sind reichlich enthalten.  Riesgraben Tegel.

 

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Kopfgroßer Quarzporphyr, Fundort Oderberg-Bralitz. Was auf den ersten Blick wie ein Åland-Quarzporphyr aussieht, fällt durch das Fehlen von echten Kalifeldspateinsprenglingen und die transparente Farbe des Quarzes aus dem Rahmen einer Eignung als Leitgeschiebe.

 

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Porphyrischer Rapakiwi-Granit (Kökar-Rapakiwi). Fundort Tegel.

 

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Stockholm-Fleckenquarzit und ein Bornholm-Granit (Hammer-Granit). Imprägnierung von Hämatit bewirkt die rote Färbung der Feldspäte. Beide Fundort Tegel.

 

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Interessantes und hübsches Gestein: Kontaktgestein oder Mischgestein mit reichlich Quarz, Kiesgrube Tegel, leg. A.-P. Meyer (1970).

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Auf diesem Bild erkennt man, daß die grünen Bestandteile hauptsächlich aus miteinander verkitteten Quarzkörnern besteht, die einer Metasomatose unterworfen waren. Das große orangerote Kalifeldspatkristall ist ebenfalls von Quarz durchsetzt.

 

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Rhombenporphyr, links ein Fund aus Tegel, rechts eine Anstehendprobe von A.P.Meyer, Beschriftung: „Rhombenporphyr, Typ RP 13 (korrigiert: 12), (siehe Hesemann Tafel 9, Figur 2), F.O.: beim Gehöft Tömte, Nördl. Sörkedal (Bärum-Kessel, Oslo-Graben, 27.8.66)“. Graublaue, rektanguläre und quadratische Einsprenglinge mit hellem Reaktionsrändern in grüngrauer Grundmasse (entspräche eher RP 13, Piperhus-Typ?).

 

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Große Scheibe eines Ångermanland-Zweiglimmergneisgranit. Im rechten Bild ist die gleichzeitige Anwesenheit von Biotit und Muskovit gut erkennbar. Muskowit ist ein aluminiumreicher Glimmer, wie er in S-Graniten auftritt (orogene Granite mit Magmenbildung aus sedimentären Edukten) Kiesgrube Seidelstr. Feb 1971.

 

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Basisches, dem Åsby-Diabas bzw. Ulvö-Dolerit ähnliches Gestein mit Kalifeldspat-Imprägnierung, die dort für gewöhnlich nicht hingehört. Herkunft möglicherweise Nordingrå (Meyer) „Granitisierter Gabbro“, Kgr. Tegel leg. A.P. Meyer (1976)

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Grauer Revsund-Granit, Kiesgrube Seidelstrasse, leg. A.P.Meyer, Mai 1976. Das linke Orthoklas-Kristall erscheint leicht transparent, das rechte zeigt die typische Reflexion eines Karlsbader Zwillings.

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Zwei Exemplare Tuffit (beschriftet mit Moler-Tuffit). Das Gestein besteht aus pyroklastischem Anteil (Glas) + Kalkspat (Säureprobe deutlich positiv). Fundort Spandau, Kiesgrube an der Falkenseer Chaussee. Moler-Tuffit ist nach HESEMANN (1975), S. 158 ein untereozänes, subaquatisch gebildetes Gestein in „Wechsellagerung (Moler) mit bunten Tonen, Diatomeenerde oder sandigem Kalk (Zementstein).“ Nach RUDOLPH („Strandsteine“ Band 1) gibt es neben dem Limfjord (Nordjütland) ein Vorkommen auch im Nordosten Mecklenburgs. Das linke, rote Exemplar zeigt regelmäßige Aschelagen, das rechte ist deutlich härter und scharfkantiger, basaltartiger. Aschelagen sind hier nicht erkennbar, gelblichbraune Verfärbung. Herkunft ungewiß.

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Detail des linken Geschiebes. Das Gestein wirkt auf den ersten Blick wachsglänzend. Unter der Lupe erkennt man feine, glänzende Plättchen. Deutlich ist die Schichtung zu erkennen, in die grüne Flecken eingelagert sind.

 

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Basisches Ganggestein, Fundort Kiesgrube Seidelstrasse/ Berlin-Tegel, leg. A.P.Meyer. Das  grünlichgraue bis grüne Gestein hat eine körnige bis feinkristalline Grundmasse, in die einige weiße, verwittert gelbliche, fettglänzende rechteckige Kristalle (Nephelin, Foid?) eingebettet sind. Magnetit ist an einigen Stellen nachweisbar. Unteres Bild, BB 2,6 cm: Gefüllte Hohlräume, dessen Wände von einem weißen Mineral (HCl negativ, Zeolith?) ausgekleidet und mit einem nicht identifiziertem dunklen Mineral gefüllt sind. Die weißen Minerale zeigen sphärolitische Ausbildung. Hin und wieder erkennt man in der Grundmasse schwarze Nädelchen, möglicherweise Ägirin. Die Gegenwart von Nephelin könnte dann Ägirin rechtfertigen.

 

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Zuletzt ein Sedimentärgeschiebe: durch Glaukonit grün gefärbter Sandstein mit phosphatschaliger mobergella holsti (Moberg 1892), eines der ältesten Körperfossilien Skandinaviens aus dem Unterkambrium (Eokamrium). Mobergella gehört zur Tommotium-Fauna (small-shelly-fauna), die unmittelbar vor der kambrischen Explosion lebte, und bereits Schalentiere kennt. Vermutlich stellt mobergella einen Vorläufer der Brachiopoden dar.

 

Weitere Gesteine

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Ein Suevit (Impaktbrekzie, Stbr. Aumühle/Nördlinger Ries 1976) und ein shatter cone im Malmkalk (Strahlenkalk) aus dem Steinheimer Becken (Baugrube in Sontheim, Steinheim a.A., 1978).

 

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Shonkinit (Theralit, also ein foidführender Gabbro, magmatisches Äquivalent des Basanits) vom Katzenbuckel/Odenwald („Katzenbuckelit“). Spätes Produkt der magmatischen Förderung, nach dem Haupterguß eines Sanidin-Nephelinits. Shonkinit ist ein Nephelin-Tinguait-Porphyr, nach Streckeisen ein Foidsyenit (melanokrater Nephelinsyenit). Babylonische Namensverwirrung! Siehe auch bgr.bund.de und magmatism.blogspot.

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Detail: quadratische und seckseckige Nephelinkristalle mit weißer Kruste, durch leichtere Verwitterbarkeit im Gestein zurückgetreten.

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Frische prismatische Nephelinkristalle auf der Bruchfläche: farblose bis leicht trübe Kristalle mit braunem Rand. BB 4 cm.

 

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Ganggestein (laut Beschriftung feinkörniger Shonkinit) vom Katzenbuckel/Odenwald mit schmalem, senkrecht verlaufenden Tinguaitgang (grün). In einer feinkörnigen Grundmasse liegen zahlreiche winzige schillernde Augitkristalle und Nadeln? Kleine weiße Einsprenglinge mit unregelmäßigen Formen könnten Nephelin sein. Nephelinbasalt, Nephelin-Sanidinit?

 

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Poröse Lava vom Ätna, durchsetzt mit Augitkristallen.

 

Literatur

A.P. Meyer, „Über Funde kristalliner Geschiebe um Berlin“ in 14. Sonderheft zur Zeitung DER AUFSCHLUSS, Heidelberg 1964.