Geschiebe von Rügen

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Steilküste bei Klein Zicker/Thiessow auf Rügen, Besuch Mitte April 2014. Es folgen einige Fotos von Geschieben der Inselstrände Rügens. Soweit die Funde vor Ort interessant erschienen und nicht mitgenommen wurden, habe ich Fotos gemacht und nachträglich versucht, anhand der Bilder die Bestimmungen/Vermutungen zu bestätigen. Dieses Vorgehen gelang nicht immer zur Zufriedenheit, stellte jedoch eine kurzweilige Beschäftigung mit dem Dornenwald nordischen Kristallins dar. Die Funde stammen von den Stränden bei Klein-Zicker, Göhren Nordperd und westlich Kap Arkona. Auffällig an allen Fundorten war das häufige Auftreten von meist kleineren Åland-Gesteinen, reichlich roten Småland-Graniten sowie Porphyren vom Typ Påskallavik.   

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Großer grünschwarzer plagioklasporphyrischer Diabas/Dolerit, Höhe ca. 50 cm. Auf der rechten Seite Detailaufnahme (BB 12 cm) mit eingeregelten Plagioklas-Leisten und reichlich kleineren, regellos verteilten Plagioklasen in der Grundmasse (doleritisches Gefüge). Einige schwarze Einsprenglinge müßten Pyroxen (Augit) sein. Wohl kein Öje-Diabas. Nach HESEMANN (1975) müßten „serizitisierte“ Plagioklas-Einsprenglinge vorhanden sein.

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Öje-Diabas-Porphyrit, BB 15 cm, mit bis 3 cm großen grünen Plagioklaseinsprenglingen, die teilweise durch Alteration (Aufnahme heißer Fluide, Subgrünschieferfazies) in Epidot, Serizit und Chlorit umgewandelt sind. Epidot entsteht aus Plagioklas, Serizit (feinschuppiger Hellglimmer, z.B. Muskovit, Paragonit) aus Kalifeldspat und Chlorit ist das Alterationsprodukt aus schwarzen Mineralien (v.a. Biotit). Bei allen diesen makroskopisch schwer unterscheidbaren Reaktionsprodukten erfolgte die chemische Umsetzung durch Wasseraufnahme und Einbau von OH-Gruppen ins Kristallgitter. Makroskopisch erkennbar jedenfalls ist die grüne Färbung der Plagioklas-Einsprenglinge, die Konzentration kleiner, intensiv grüner Minerale entlang von Spaltflächen und kleine, längssäulige Augit-Kristalle in den Einsprenglingen.

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BB 25 cm. Hier erfolgte ebenfalls Alteration: grüner Plagioklas und große schwarze Einsprenglinge. Ein grobkörniger Gabbro mit großen Pyroxenen (Klinopyroxen) und Plagioklas könnte in Hornblende und Epidot umgewandelt worden sein. Kleine rote Granate wurden ebenfalls entdeckt, also vermutlich ein granatführender Hornblendegabbro.

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Brauner Ignimbrit mit weißen und rostbraunen Schlieren, BB 11,5 cm, wahrscheinlich aus Småland. Im Gegensatz zu Dala-Ignimbriten sind in Småland-Ignimbriten, so die Regel, deutlich weiniger Einsprenglinge zu erkennen.

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Hälleflint (Metarhyolith) mit bis zu 1,5 cm dicker Quarzlage. Stark quarzhaltige, rhyolitische Vulkanite – als Protolith kämen hier Aschelagen oder ein Ignimbrit in Frage – wurden während der Metamorphose (bei den Hälleflinten wohl Grünschiefer- bis Amphibolitfazies) p/t-Bedingungen unterworfen, die Quarz in cm-dicken Lagen segregierte. Das Gestein wirkt gneisartig, besitzt aber eine viel höhere Zähigkeit, Feinkörnigkeit und Dichtigkeit als ein gewöhnlicher, magmatisch entstandener Gneis. Vielleicht kommt auch ein Hornfels aus sedimentärem Edukt in Frage, Farbe und Strukturierung sprechen aber dagegen.

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Heller, sehr fein gekörnter bläulichgrüner Metavulkanit (oder Hornfels?) mit verschiedenen Lagen unterschiedlichen Gefüges: oberhalb und unterhalb der gneisartig ausgebildeten Mittellagen ist das Gefüge dichter, angeschmolzen, wohl quarzhaltiger und von leicht dunklerer Farbe. Über den Protolithen kann nur spekuliert werden: ein heller, sehr feiner Aschentuff oder sehr Fe-armes Sediment. Dispers in dichten Partien verteilte Minerale könnten die ungewöhnliche bläulich-grüne Färbung verursachen, z.B. Reaktionsproduke einer Alteration wie Chlorit aus Glimmer.

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Dieser interessante Block mit einem Durchmesser von etwa 1 m zeigt den Kontakt eines sehr grobkörnigen, teilweise grasgrünen Diabas (ähnlich Öje-Diabas) mit einem sauren Gestein, das an das typische Gefüge eines Porphyrs vom Typ Påskallavik erinnert.

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Gesamtansicht von der anderen Seite. Es handelt sich um eine mechanische Magmenmischung (magma mingling), ein Eindringen eines basischen Ganges in saures, also SiO2-reiches Wirtsgestein. Eine Ader eines feinkörnigen braunen Aplits durchschlägt den gesamten Block.

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Größerer Ausschnitt des unmittelbaren Kontaktbereiches zwischen Diabas und Porphyr, BB 40 cm: braune, dünnflüssige Schlieren sind sehr feinkörnig und sehen aus wie durch Wasserzufuhr aus dem Porphyr aufgeschmolzene Aplite. Ihr Erstarrungsverhälten verrät, daß sie hoch viskos gewesen sein müssen und sehr schnell erstarrten.

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Akkumulation von abgerundeten Kalifeldspäten aus dem braunen Porphyr an der Grenze zur grünen Diabasschmelze läßt auf ein Aufschmelzen von Porphyr-Matrix schließen. Aus dieser wird v.a. Wasser aus dem Biotit des Porphyrs mobilisiert, das zur starken Alteration und somit zur intensiven Grünfärbung (z.B. Epidot aus Plagioklas, Chlorit aus Biotit und möglicherweise weitere Reaktionen) des Diabas führte und den Aplit mobilisierte.

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Detail Diabas, Megakristalle von Plagioklas bis 5 cm Größe. Durch Wasserzufuhr zur mafischen Schmelze wird der Kristallisationspunkt (eutektischer Punkt) des Plagioklas herauszögert. Er bleibt bis zum Schluß in Lösung, obwohl es sich nach der Bowenschen/Rosenbergschen Regel vor Quarz und Kalifeldspat ausscheiden müßte (Folge des magma mixing). Denkbar ist allerdings auch, daß die großen Plagioklase aus einem Anorthositgang stammen, der vom Diabas durchschlagen wurde.

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Aplitische Ader/Injektion von etwa 1 cm Breite, der Farbe nach aus dem Nebengestein stammend, durchschlägt einzelne Plagioklaskristalle.

 

Småland-Porphyre

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An den Inselstränden Rügens gab es reichlich Porphyre vom Typ Påskallavik zu finden. Entscheidend für die Zuordnung zu diesem Typ ist eine feinkörnige Grundmasse von grauer, brauner bis schwarzbrauner Farbe, abgerundete Feldspäte mit charakteristischer Zonierung und runde, blaue bis hellgraue Quarze, die aber auch fehlen können. In der Grundmasse ist viel Biotit enthalten, häufig auch eingeregelt. Breite des obigen Exemplars ca. 30 cm.

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Varianten des Påskallavik-Porphyrs. Quarz ist links grau, BB 16 cm und rechts blau gefärbt, BB ca. 30 cm. Die Farbe der Grundmasse variiert von rotbraun bis dunkelbraun. Abgerundete, durch Zonarbau gekennzeichnete Kalifeldspäte mit dunklem Kern (perthitische Entmischung und dunkle Mineralien) und hellem Rand.

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Links ein rotbrauner Påskallavik-Porphyr mit Blauquarz, BB 25 cm. Im rechten Exemplar (BB 18 cm) sind die Kalifeldspäte sind nur leicht gerundet und es liegt reichlich Blauquarz vor, der eine Herkunft aus Smaland wahrscheinlich werden läßt, aber zunächst keinem spezifischem Typ zugeordnet werden konnte.

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Porphyr mit wenig korrodierten aber vielen klar eckig ausgebildeten Feldspatkristallen in dunkelbrauner Matrix, kaum grauer Quarz. Leicht eingergelter Biotit in der Grundmasse zeigt eine Deformation des Gefüges an und läßt zumindest eine Herkunft aus Smaland wahrscheinlich werden.

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Auch dieser Porphyr war einer Deformation ausgesetzt und dürfte ein Smaland-Porphyr sein. Graue Grundmasse mit etwas weniger, sowohl abgerundet eckigen als auch zonierten runden Feldspateinsprenglingen. Wenig Quarz. Die typische Erscheinungsform einiger Feldspateinsprenglinge mit korrodiertem/entmischtem Kern und hellem Rand rechtfertigt die Zuordnung zum Påskallavik-Porphyr.

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Arg verspiegelt, dennoch interessant. BB 6 cm. Links eine Zwillingsbildung eines Feldspatkristalls mit dunklem Kern. Rechts eine mehrfache Zonierung: grüner Ring um einen rosafarbenen Kalifeldspat, wiederum umhüllt von weißem Feldspat.

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Diesem Porphyr (BB 15 cm) sieht man die Verformung, der Smaland-Gesteine im allgemeinen als Teil des TIB unterworfen waren, noch deutlicher an: teilweise eingeregelte, gerundete Kalifeldspäte mit Blauquarz und hellgrünem Plagioklas in einer mit Biotitschlieren versehenen braunen Grundmasse: Emarp-Porphyr.

 

Ostbaltische Geschiebe

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Leuchtend roter Quarzporphyr, BB 11 cm, im trockenen Zustand mit vielen hellgrauen Quarzen, die teilweise magmatische Korrosion aufweisen (auf dem Foto nicht gut erkennbar). Etwas hellere, abgerundete Kalifeldspäte sind ebenfalls reichlich vorhanden, schwarze Minerale fehlen fast vollständig. Lediglich einige dickere Nadeln (Hornblende?) sind zu erkennen. Die Grundmasse ist feinkörnig, ohne erkennbare graphische Verwachsung. Im Geschiebe sind solche Porphyre nicht selten, eine Herkunft aus Åland muß aber zweifelhaft bleiben. Siehe hierzu auch die ausführliche Betrachtung verschiedener Åland-Quarzporphyre von M.Bräunlich auf kristallin.de.

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Dieses angefeuchtete Exemplar (BB oben 25 cm, unten ca. 15 cm) zeigt eher die charakteristischen Eigenschaften eines rotbraunen Aland-Quarzporphyrs: reichlich korrodierte Quarze und abgerundete, helle Kalifeldspäte in einer körnigen Grundmasse mit vereinzelten graugrünen Plagioklaskristallen, schwarzen Mineralen und Xenolithen.

 

Sedimentite

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Konglomerat (Tosterup-Konglomerat?) aus Tonschiefer, gerundeten Quarzen und Eisengallen, Breite 20 cm.

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Grabspuren, Bioturbation, vermutlich ein Silur-Kalk, Breite 60 cm.

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Mittelkörniger, konglomeratischer Sandstein, Breite 11 cm. Mindestens ein Quarzkorn besitzt eine deutlich blaue Färbung. Gelbe Entfärbungsflecken deuten auf einen Jotnischen Sandstein, denkbar ist auch ein Nexö-Sandstein (Kambrium).