Eem von Klinge

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Aussichtspunkt an der ehemaligen Ortslage Klinge am Südrandschlauch des Tagebaus Jänschwalde. Wenige hundert Meter westlich befindet sich das als Freilichtmuseum zugängliche Eemvorkommen von Klinge auf dem Gelände alter Ziegeltongruben (Betriebszeit 1809-1923) direkt am Tagebaurand. Saalekaltzeitliche Schmelzwasserseen haben sich im Laufe der Eem-Zeit bis zum Beginn der Weichsel-Kaltzeit mit Sediment verfüllt.  

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Das Eem von Klinge, direkt am Tagebaurand, besitzt eine große Bedeutung innerhalb der Quartärgeologie und wurde deshalb von der Abbaggerung verschont. Der Aufschluss wurde von 1984-2004 intensiv untersucht (R. und U. Striegler). Es gibt nicht viele ungestörte Eeemvorkommen, da die meisten von ihnen durch die folgende Weichseleiszeit abgetragen wurden. In Senken konnten sich einige von ihnen erhalten, zumal wenn sie mit weichselzeitlichen Talsanden bedeckt wurden.

Profil

Profil der Klinger Schichten, Grafik von Schautafel im Freilichtmuseum. Seeablagerungen der Warmzeit des Eem (Eem-Interglazial vor 126.000-115.000 Jahren) zwischen Saale- und Weichsel-Komplex. In der Eem-Warmzeit herrschten relativ stabile klimatische Verhältnisse, die globale Durchschnittstemperatur und damit auch der Meeresspiegel lagen 1-2 Grad Grad bzw. 4-6 m höherhöher als heute. Diese Werte wurden aus der Analyse von NGRIP-Eisbohrkernen gezogen. An Pollenanalysen aus Bohrkernen aus Eifel-Maren konnte gezeigt werden, daß die Eem-Zeit zumindest in der Eifel mit einer Trockenheitsphase von 468 Jahren endete. Es entstand eine Steppenlandschaft mit Waldbränden und Staubstürmen (Quelle: wikipedia; siehe auch: wissenschaft.de).

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Sichtbares Profil der Klinger Schichten: 5-Unterer Torf (Hochmoorphase), 6-Lebertorf (aus Algen und anderen mikroskopisch feinen organischen Resten), 7-Lebermudde: organische Reste (meist Pflanzen) mit Sedimentanteil. In dieser Abfolge spiegelt sich die Verlandung des Sees wider: See-Sedimente (7) aus abgestorbenen Pflanzen und feinem Sedimenteintrag gehen über in eine Schicht mit deutlich mehr organischem Material (Reste von Algen) bis zur beginnenden Hochmoorbildung (6, Lebertorf).

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Leicht durch glaziale Tektonik(?) gekippte Schichten, Lebermudde mit Lebertorf

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Geradezu wie in Jahresringen ausgebildet scheint der Untere Torf.

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1903 wurde ein fast vollständig erhaltenes Mammutskelett geborgen, welches sich im Naturkundemuseum Berlin befindet und eines von acht bisher in Deutschland gefundenen Exemplaren darstellt. Bereits 1891 fanden Nehring/Ruff eine abgeworfene rechte Geweihstange eines Riesenhirsche. Beide Modelle sind auf dem Gelände des Freilichtmuseums zu sehen.

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Fragment eines Eichenblattes (Quercus robur) in Lebermudde (BB 6 cm). In den Klinger Schichten gibt es Überreste von Blättern und Samen von Waldgehölzen, Pflanzen des offenen Wassers, Gehölzen des Moorgebüsches sowie Ried- und Moorpflanzen. Auch die Kieselalgen (Diatomeen)-Flora wurden von der Universität Minsk untersucht. C.A.Weber entwickelte 1893 auf Grundlage der Klinger Schichten die Pollenanalyse, die seither ein wichtiges Mittel zur Altersdatierung und zur Klimaanalyse ist.

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Sicherung der Kippenböschung entlang des Südrandschlauches durch Vorschüttung von grobem Gesteinsmaterial.

 

Literatur

NVN Cottbus e.V. (Naturwissenschaftlicher Verein der Niederlausitz)

Schriftenreihe „Natur und Landschaft in der Niederlausitz“ – Heft 31 (2015);

Eem von Klinge in Heft 24 (2007) und 27 (2008).

 

Ein Gedanke zu „Eem von Klinge

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