Niederlausitz: Im Tagebau Jänschwalde

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Angehobener Eimerkettenbagger der Hauptarbeitsebene eines mit der Förderbrücke F60 verbundenen Abraumbandes im Tagebau Jänschwalde. Das Hauptförderband transportiert Abraum quer über die Grube zur Kippenseite (links). In der Tiefe liegt der 2. Miozäne Braunkohlenhorizont und die Kohlebandanlage.

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Nordende des Tagebaus mit freigelegtem Abbaubereich, links im Bild der zweite Abraumbagger der F60-Hauptarbeitsebene, Blick nach SE. Im Tagebau Jänschwalde steht das Deckgebirge in diesem Bereich der Hornoer Hochfläche mit bis 95 m Mächtigkeit an. Die Braunkohle des 2. Miozänen Flözkomplexes ist dem Langhium zuzuordnen und jünger als 16,2 Ma bzw. aus Unterem Mittel-Miozän, Obere Briesker Folge, Welzow-Subformation.

Sichtbar ist das geologische Profil von der Braunkohle über tertiäre Meeresablagerungen (Sande) zu im Bild mehr orangefarben erscheinenden pleistozänen Sanden (Grundmoräne sowie Fluß- und Schmelzwassersande). Das Kohleflöz ist der 2. Miozäne Flözkomplex, der sich im Raum Jänschwalde in 3 Flözgruppen mit 2 schluffigen Zwischenmitteln („Hangendschluffe“) gliedert. Die auf dem Bild deutlich erkennbar durch eingeschaltete tertiäre Sande abgetrennte Oberbank (Oberbegleiterkomplex) wird im Liegenden von der Mittelbank (10-12 m) mit Zwischenmittel (Hangendschluff, nicht so gut erkennbar) und der Unterbank begleitet.

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Kohlige Sande auf bergfeuchter Braunkohle des 2. Miozänen Unterflözes mit Hangendschluff.

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Detail des sandigen Zwischenmittels.

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Schaufelradbagger 1506 SRs 1300

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…entfernt den Hangendschluff.

Abbau

Skizze vom Tagebau. Quelle: Vattenfall, Foto von Schautafel. In Abbaurichtung (rechts) wird das Grundwasser großräumig durch Brunnenriegel abgesenkt. Nach der Vorfeldberäumung entfernt der Vorschnittbagger die ersten Dekameter Abraum, die über eine Bandanlage direkt zum Absetzer weitergeleitet werden. Die F60 Förderbrücke mit ihren 3 Abraumbaggern gräbt sich bis zu 60 m tief ein und ist für den eigentlichen Aushub bzw. die Abräumung des Deckgebirges zuständig. Schließlich fördern diverse Bagger die Kohle, die auf einem Förderband dem Verladebahnhof der werkseigenen Grubenbahn zugeführt und im benachbarten Kraftwerk verbrannt wird. Jährliche Fördermenge Braunkohle ca. 14 Mio. t. Siehe auch: Imagefilm Vattenfall (2009) zum Tagebau Jänschwalde (youtube).

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Ab 1970 erfolgte am Südrand des Tagebaus die Entwässerung, hier die ehemalige Ortslage Klinge, 1981 abgebaggert. 1974 die erste Aufschlussbaggerung, danach Förderung bis 1990. Dabei blieb das Restloch des Südrandschlauches (Klinger See) übrig. Sanierung dieses Gebietes seit 1994, Flutung durch Fremdwasser bis 2024.

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Brunnenriegel mit Filterbrunnen. Die geförderten Grubenwässer (Grundwasser) müssen gereinigt und geklärt werden. Über einen Vorfluterkanal werden sie zum Kraftwerk Jänschwalde geleitet und dort gereinigt.

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Aus Grubenwasserreinigungsanlagen oder auch aus auch Sanierungsbereichen stammende karbonat-, mitunter auch sulfathaltige, saure Eisenhydroxid-Schlämme (Verockerung) in unmittelbarer Tagebauumgebung sind eine unschöne Begleiterscheinung. Auch Bereiche der Spree färben sich immer wieder rot („Rote Spree“).

Vorschnittbagger

Der Vorschnittbagger transportiert die oberste Schicht des Deckgebirges kilometerweit über ein Förderband zum Absetzer.

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Absetzer von Osten, ehemalige Ortslage Weißagk, im Vordergrung Sanierung des Oberlaufs der Malxe.

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F60 Förderbrücke von Westen

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Kippenseitiger Blick auf die Abraumschüttung im unmittelbaren Abbaubereich mit Fahrrinne.

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Kippenseitiger Blick der arbeitenden F60.

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Auf der ersten Kippensohle

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Auf der Fördersohle, links anstehende Braunkohle, rechts die Kohlenbandanlage.

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Eimerkettenbagger zur Kohleförderung mit Kohlebandanlage.

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Braunkohlenkraftwerk Jänschwalde „unter Volldampf“. Die Kohle aus dem Tagebau wird über das Kohlenband auf die Werkseisenbahn verladen und im Kraftwerk Jänschwalde zur Stromerzeugung genutzt. Bei all dem gewaltig erscheinendem Aufwand, der zur Braunkohleförderung betrieben wird, ist die Energieerzeugung aus Braunkohle dennoch die kostengünstigste vor allen Energieformen (2009: Braunkohle 2,8 Cent/kwh, Atomkraft: 3,5 Cent/kwh, Quelle) Problematisch ist und bleibt jedoch die schlechte CO2-Bilanz von Braunkohlekraftwerken, zumal die Erprobung von CCS (Carbon Capture and Storing) aufgrund der politischen Rahmenbedingungen nun durch Vattenfall beendet wurde (4/2014).

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Geklärtes Grubenwasser am Kraftwerk Jänschwalde, Beginn des Unterlaufs der Malxe, die vom Oberlauf durch den Tagebau getrennt wurde.

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Ausschnitt aus einem 2-2,5 m3 mächtigen Block Paläoporellenkalk auf dem Vattenfall Betriebsgelände. Der ordovizische Kalk aus Öland/Gotland besteht aus Kalkschalen röhrenbildener Grünalgen, darin ein Discoceras (Vorläufer der Ammoniten).

 

 

 

 

 

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