Im Thüringer Becken

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Muschelkalkhänge im Saaletal. Die Rudelsburg thront etwa 80 m höher über einem Prallhang der Saale. Hier am Ostrand des Thüringer Beckens hat sich die Saale im Pleistozän tief in Buntsandstein- und Muschelkalkschichten eingeschnitten.

Die Trias des Thüringer Beckens wird anhand einiger Bilder vorgestellt. Das Gebiet um die Drei Gleichen mit der Lokalität Haarhausen und der Große Seeberg bei Gotha werden in einem separaten Artikel behandelt. 

GeologieThüringer Becken

Geologische Übersicht und saxonische Bruchstörungen im Bereich des Thüringer Beckens, Grafik: D. FRANKE, regionalgeologie-ost.de.

Zwischen herzynisch streichendem Thüringer Wald und Harz befindet sich die Struktur des Thüringer Beckens. Saxonische Bruchschollentektonik im Zuge der alpidischen Tektogenese vom Santon (Oberkreide, 85 Ma) bis zum Pliozän bewirkte Hebung (Kyffhäuser, Harz, Thüringer Wald) und Senkung (Thüringer Becken, Subherzyn) von  Krustenblöcken entlang parallel verlaufender Störungen. Prominente Verwerfungen mit mehreren hundert Metern Verwurfshöhe sind z.B. die in NW-SE-Richtung verlaufende Eichberg-Gotha-Arnstadt-Saalfelder Störungszone und die Finnestörung.

Paläozoische Meeressedimente wurden während der Variszischen Gebirgsbildung zu SW-NE-streichenden Sätteln und Mulden gefaltet. Bis zum Perm wurden die Höhen wieder abgetragen, die Mulden mit Abtragungsschutt verfüllt. Nach Vordringen des Meeres im Zechstein wurden mächtige Steinsalz-, Gips- und Kalilager gebildet, die nachfolgende großräumige Hebungen und Senkungen in der Trias mit Festlands- und Meeressedimenten überlagerten. Der Buntsandstein ist festländischer Entstehung. Die Gipse und Dolmite des Röt weisen bereits auf große Evaporitwannen hin, die den Vorstoß des Muschelkalkmeeres andeuten. Im Mittleren Muschelkalk sind in die Kalksteine wieder Evaporite (Steinsalz, Gips) eingeschaltet, die auf eine zeitweilige Verlandung in aridem Klima schließen lassen. Im Oberen Muschelkalk kehrt jedoch das Meer zurück, bis sich im Unteren Keuper das Land flach aus dem Meer hebt und festländische Sedimente abgelagert werden. Es gibt noch kürzere Phasen von Meeresvorstößen bis in die Zeit des Lias mit Evaporiten im Mittleren Keuper und Sandsteinen im Oberen Keuper (Rhät), danach bleibt das Gebiet des Thüringer Beckens weitgehend Festland.

Mit der Hebung des Thüringer Waldes und des Harzes seit der Kreidezeit sank das Becken ein, die Bruchlinien NW-SE streichender saxonischer Störungszonen entstehen. Bis zum Tertiär erfolgte Abtragung bis zur Bildung einer Tiefebene, die an ihren aufgebogenen Außenrändern ältere Gesteine freilegt- ausgehend vom Beckenzentrum leicht ausräumbare Schichten des Keupers, der Muschelkalk, ein äußerer Ring von Buntsandstein, am Rande der Mittelgebirge schließlich Zechstein. Durch erneute Hebung und Zertalung im Tertiär sind die saxonischen Störungsformen wieder herauspräpariert worden. Eiszeitliche Flüsse setzten diese Abtragung fort. In den Warmzeiten und im Holozän (Interglazialen) bildeten sich große Travertinlager (z.B. Taubach, Ehringsdorf).

 

Naturräume im Thüringer Becken. Quelle: wikipedia. Die nahezu konzentrisch angeordnete Schichtstufenlandschaft mit Keuper-Hügelland im Inneren des Beckens ist von Muschelkalkhöhenzügen (Hainich, Finne, Hainleite, Dün etc.) umgeben, die zum Beckenrand hin allmählich ansteigen, um dann mitunter steil abfallen.

Jena

Blick nach SE von den Höhen des Oberen Muschelkalk im mittleren Saaletal bei Cospeda Richtung Jena. Die Ceratitenschichten des Obere Muschelkalks (weicher Schieferton mit gelegentlichen Kalkbänken) bilden hier eine stark zertalte Hochfläche aus, die über die Schichtstufe des Trochitenkalks in den flacheren Mittleren und steilen Unteren Muschelkalk und die sanfter geneigten Hänge des Oberen Buntsandsteins übergeht. Siehe auch Wikipedia-Artikel zur Zur Geologie des Mittleren Saaletals.

Muschelkalk

Stark vereinfachtes Normalprofil des Muschelkalk in Thüringen, umgezeichnet nach WAGENBRETH/ STEINER (1982)

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Blick von der Rudelsburg bei Bad Kösen nach Norden. Die Saale schnitt tiefe Mäander in die Hochfläche. Am Himmelreich (Berggaststätte, am gegenüberliegenden Hang erkennbar) hat sie den Unteren Muschelkalk freigelegt. Darüber befindet sich die Verebnungsfläche des Mittleren Muschelkalk. Siehe auch Geopfad Bad Kösen.

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Burg Saaleck im Unterem Muschelkalk.

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Die Burg setzt direkt auf leicht schräg einfallene Schichten des Unteren Muschelkalk auf. Als Baustein dienten die Steine der Schaumkalkschichten aus der Region.

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Bunte Tonstein-Wechselschichten des Keupers an der B 85 nördlich von Etzleben. Die Lagerung ist durch saxonische Einmuldung oder durch Gipsauslaugung im Untergrund gestört, die Störung mittlerweile durch Lockermaterial verdeckt.

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Zwischen den Höhenzügen Hainleite und Schmücke (Finne) bahnte sich die Unstrut ihren Weg durch die Thüringer Pforte, Blick nach Osten. Hier tauchen die Schichten des Muschelkalk nach Süden ab, unmittelbarer Übergang zum Beckeninneren. Eine Schichtstufe des Unteren Muschelkalk in der Verlängerung der Finnestörung fällt hier mit einer Verebnung im Mittleren Muschelkalk steil nach Süden ein.

Weimar

Ilmtaltravertin. Blick vom Schloß Belvedere nach NE über das Ilmtal. In Warmzeiten (Eem) entstanden Travertinlager in relativ kurzen Zeiträumen aus kalkhaltigen, durch Muschelkalk gespeisten Quellwässern. Diese Quellkalke entstehen aus CO2-übersättigten Quellgrundwasser (Lösung des Kalks als Hydrogencarbonat) durch Verschiebung des chemischen Gleichgewichtes zwischen Hydrogencarbonat und Carbonat zugunsten der Carbonatfällung. Der poröse Travertin enthält oft eingeschlossene Pflanzenteile, auch Überreste menschlichen Lebens wurden gefunden, s. a. Ehringsdorfer Urmensch.

Ronneburg

Im Präzechstein-Rand des Thüringer Beckens baute die SDAG Wismut Uran ab. Im Bild die Brücke über das Gessental und der Blick zur Schmirchauer Höhe, ehemalige Spitzkegelhalden von Ronneburg, renaturiert und rekultiviert im Rahmen der BuGa 2007, Neue Landschaft Ronneburg. In der Gera-Jáchymov-Störungszone liegen Vererzungen von Uran (Erzgehalt ca. 0,1 %) in einer hydrothermal gebildeten Lagerstätte in Schwarzschiefern und Diabasen des Ordovizium und Silur.

 

Literatur

FRANKE, D. (2014): Regionale Geologie von Ostdeutschland – Ein Wörterbuch. – Website www.regionalgeologie-ost.de

WAGENBRETH/ STEINER: Geologische Streifzüge, VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1982

 

2 Gedanken zu „Im Thüringer Becken

  1. Ulrike

    Toller Blog! Ich studiere Geographie und die Enstehung des Thüringer Beckens kommt waschl in der Prüfung dran. Der Artikel folgt der Chronologie, was ich bevorzuge, da man Entstehungsrozesse nachvollziehen kann. Die anderen Beiträge werde ich ebenfalls lesen. Vielen Dank dafür!
    ps: Da schwedische Geologie behandelt wird wäre auch ein Beitrag über norwegische Geologie ganz interessant :).

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