Thüringer Becken: Großer Seeberg

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Die einzige, in Thüringen gesicherte Trias/Jura-Grenze ist im Kammerbruch am Großen Seeberg SE von Gotha aufgeschlossen: Oberer Keuper (Rhät oder Rät, 208-201 Ma) mit mächtig gebanktem Sandstein wird im Hangenden von Tonstein-Schichten des Oberen Rät begleitet, die kurz unter der Grasnarbe unmerklich in die braunen Schichten des unteren Jura (Lias) übergehen. Diese Schichtfolge ist der obere Teil des Standardprofils der Seeberg-Formation (synonym zur Exter-Formation).

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Im benachbarten Güntherslebener Bruch. Steinbrüche als Lieferant von Bausandsteinen werden in diesem Gebiet seit dem 11. Jahrhundert betrieben. Der beliebte Seeberger Sandstein ist z.B auch Baustein am Schloß Sanssouci oder am Reichtag in Berlin.

Der Sandstein des Seebergs wurde am Rande der Eichenberger-Saalfelder Störungszone zunächst versenkt und so vor Erosion bewahrt und später als Reliefumkehr durch die Abtragung herausmodelliert. Gesteinen des Muschelkalks an der Basis sind Schichten des Keuper bis schließlich des Lias aufgelagert.

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Auf die dickbankigen Sandsteine des Mittleren Rhät folgt im Hangenden das Obere Rät mit nur leicht verfestigtem Tonstein und einer als „Schorf“ bezeichneten geringmächtigen fossilleeren Sandsteinbank aus Flußablagerungen sowie darüber wieder Tonsteine („Schieferthone“). Erst kurz unter der Grasnarbe liegt die Grenze zum Lias (Hettangium, Psiloceraten-Schichten, Psilonotenton) mit eher bräunlichen Tonsteinen, die wieder mehr Fossilien wie Belemniten, Crinoiden, Ammoniten (Androgynoceras capricornu) und Brachiopoden (Rhynchonella furcillata) führen.

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Die gelblichen, hochreinen Sandsteinbänke des Mittleren Rhät aus Vindelizisch-Böhmischen Liefergebieten sind 1-3 m mächtig und haben einen Quarzkornanteil von 95-99 %. Es sind weitgehend limnische und ästuarine Sedimente eines ausgedehnten Flußdeltasystems. Rippelmarken und Trockenrisse zeigen, daß das Gebiet gelegentlich trocken fiel. In den Sandsteinen gibt es Fossilien von Süßwassermuscheln und Pflanzen. Den Bankungen sind einige unter brackigen Bedingungen entstandene dünne Tonsteinlagen eingeschaltet.

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Die zyklische Abfolge von Sandsteinen mit dünnen Tonschichten setzt sich vom Mittleren Rät zum Hangenden ins Obere Rät mit lakustrinen Tonsteinen fort.

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Quelle: G. Beutler, International Field Workshop on the Triassic of Germany and surrounding countries July 14–20 2005, stratigraphie.de.

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Sandstein mit konzentrischen Limonit-Fällungen.

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Sandstein links mit Schrägschichtung in der Aufsicht, rechts mit Kolkmarken.

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Rippelmarken zeigen geringe Wassertiefen des damaligen Flußdeltas an. Der annähernd parallele Verlauf der Strömungsrippel läßt auf eine vorherrschende Wind- oder Fließrichtung schließen. Breite des Blocks ca. 1 m.

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Rippelmarken, Wellenrippel: nahezu gleiches Einfallen an Luv- und Leeseite.

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Wellenrippel

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Trockenrisse einer tonigen Lage, die nachfolgend erneut mit Ton verfüllt wurden. Dünne Lage eines in den Sandstein eingeschalteten brackigen Sediments.

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Eisensandstein, Imprägnierung von Hämatit.

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Abdruck oder Grabgang (?) in hämatitisierter Erhaltung und Synäreserisse. Letztere sind subaquatische Rißbildungen durch Koagulationsprozesse und Phasentrennung bzw. osmotische Entwässerung von Tonen, verursacht durch höhere Salinität der überliegenden Wassersäule.

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Leider bereits abgesammelte, dunkelgraue Tonschicht im Sandstein mit unbestimmbaren Muschelabdrücken (Myophoria?).

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Rhythmische Limonitbänder (Liesegangsche Ringe), entstanden durch Diffusion und Wiederausfällung von eisenhaltigen Lösungen im Zuge der Verwitterung.

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Limonitbänder

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Eisen- und Mangan(?)-Oxide in senkrecht zur Schichtung stehenden Spalten.



Bergbeule in Seebergen

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In Seebergen stehen Schichten des Mittleren Keuper (Arnstadt-Formation) an. Verkippte Ton- und Schluffsteine des Steinmergelkeuper (225 Ma) sind am Großen Seeberg in voller Mächtigkeit (ca. 138 m) erhalten.

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Besonders deutlich ist hier der Kontrast zwischen roten und grüngrauen Bunten Mergeln.

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Farbspiel zwischen durch Hämatit (rot) und Chlorit (grün) gefärbte Ton- und Mergelsteine. Die rote Farbe zeigt trocken-heißes, arides bis semiarides Klima an. In der Nähe der weißen Dolomitbänke sind reduzierte Eisenverbindungen (Stauwasser, Sauerstoffabschluß) grün gefärbt.

 

Literatur

FRANKE, D. (2014): Regionale Geologie von Ostdeutschland – Ein Wörterbuch. – Website www.regionalgeologie-ost.de

WAGENBRETH/ STEINER: Geologische Streifzüge, VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1982

Geotope Thüringen-Geologische Besonderheiten in Thüringen, TLVermGeo 2010

Texte von Schautafel im Kammerbruch

http://www.palaeo-online.de/

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