Thüringer Becken: Drei Gleichen – Haarhausen

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Blick von der Mühlburg nach NE über die Schloßleite und die vermoorte Senke der Wachsenburgmulde zur Wachsenburg. Das Gebiet der landschaftlich reizvollen Drei Gleichen SE von Gotha befindet sich im Übergangsbereich zwischen Keuper-Hügelland und Muschelkalkhöhen. Die Wachsenburgmulde ist eine Einsenkung an einer saxonischen Hauptstörungslinie, dessen vor der Erosion geschützte Schichten heute mit den Zeugenbergen der Drei Gleichen als Reliefumkehr vorliegen. 

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Aus Wagenbreth/Steiner (1982). Im Abstand von 10 km parallel zum Nordrand des Thüringer Walds verläuft die Eichberg-Gotha-Arnstadt-Saalfelder Störungszone auf einer Länge von 150 km. Im Bereich der Wachsenburgmulde sorgt ein Salzdiapir für die Ausbildung von Muschelkalkhorsten (Schlossleite, Längel) in der Aufpressungszone. Schichten des Keupers wurden eingemuldet, später teilweise ausgeräumt, nur vereinzelt wurden Kuppen von Rhätsandstein (Oberer Keuper) vor Abtragung bewahrt.

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Blick von der Mühlburg nach NE über die Talsenke der Wachsenburgmulde auf die Burg Gleichen (Wanderslebener Gleiche), links davon der Kaffberg. Beide bestehen aus einer Rhätsandsteinkuppe (Oberer Keuper), unterhalb der Burg Gleichen erkennt man die badlands aus Steinmergelkeuper (Mittlerer Keuper).

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Am Südhang unterhalb der Burg Gleichen. Tonsteine und Mergel des Keupers quillen auf bei Nässe und schrumpfen bei Trockenheit. So werden Wurzelgeflechte zerrissen, starke Niederschläge erzeugen Auswaschungsrinnen. Auch Überweidung, Verbiß und Trittschäden zerstören den Böden, es entstehen badlands.

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Das Klima kann im Sommer an den Südhängen wüstenartig heiß werden, eine ökologische Lücke für thermophile Pflanzen mediterraner Steppen- und Karstlandschaften, z.B. Thymian oder gelbes Kelch-Steinkraut.

Stratigraphie des Keuper im Germanischen Becken, Quelle: wikipedia. Zur Zeit des Keuper (235 bis 199,6 Ma) war das Gebiet nördlich der Alpen Ablagerungs- und Abtragungsgebiet. Der Obere Keuper der Exter-Formation (hier lokal als Seeberg-Formation) besteht im wesentlichen aus Rhätsandstein. Im Mittleren Keuper ist im Thüringer Becken eine Beckenfazies mit zwei größeren Diskordanzen ausgeprägt. Das Gebiet der Drei Gleichen gehört zur Typregion der Arnstadt-Formation.

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Obere Bunte Folge der Arnstadt-Formation mit Steinmergelbänken. Die Arnstadt-Formation mit Heldburg-Gipsmergels (Weser-Formation) im Liegenden und Rhätsandstein (Oberer Keuper) im Hangenden mit bunten Tonsteinen, eingeschalteten dolomitischen Steinmergelsteinen und Kalksteinen, weist eine Schichtlücke (Altkimmerische Hauptdiskordanz) von 7 Millionen Jahren an der Basis auf. Zwischen Unterer (214 bis 211,5 mya) und Oberer (207-206) Arnstadt-Fm gibt es eine weitere Schichtlücke (211,5-207 mya). Der Steinmergelkeuper der Arnstadt-Formation besteht aus der Unteren Bunten Folge (51 m), Mittleren Grauen Folge (25 m), Oberen Bunten Folge mit Steinmergelbänken (37 m) und Oberen Bunten Folge ohne Steinmergelbänke und dünnen Dolomit-Lagen (25 m). Es handelt sich um zyklisch lakustrine Sedimentation und Evaporiten aus Salztonebenen (Playas).

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Mittlere Graue Folge (25 m). Die Ablagerungen der Arnstadt-Formation sind Beckensedimente (Playas) mit zeitweiliger Überflutung. Kalk- und Kieselkrusten deuten auf Phasen vollständiger Austrocknung und Evaporitbildung (Kalke, Dolomite, Sulfate) hin. Im Mittleren Keuper gibt es im Gegensatz zum Unteren Keuper wenig fossilführende Horizonte, was wohl den lebensfeindlichen Bedingungen der Playa-Landschaft geschuldet ist.

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Untere Bunte Folge und Mittlere Graue Folge, Blick zur Schloßleite.

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Detail der Unteren Bunten Folge. Verkippte Steinmergelbänkchen mit rotem Tonstein.

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Blick über die A4 zur Wachsenburg mit Schloßleite. Die Wachsenburg befindet sich im Inneren der Mulde, dessen südlicher Störungsrand durch den Muschelkalkhorst der Schloßleite (rechts) gebildet wird.

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Blick zur von den badlands der Burg Gleichen zur Mühlburg mit Schloßleite, einer Flanke des Wachsenburggrabens.

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Unterhalb der Burg Gleichen bedeckt der Seebergsandstein (Rhätsandstein) als Härtling die Tonsteine und Mergel des Mittleren Keuper.

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Rhätsandstein aus den Steinbrüchen der unmittelbaren und weiteren Umgebung als Baustein.

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Im Inneren der Wachsenburgmulde. Blick vom Parkplatz unterhalb der Wachsenburg nach NW, links Schlossleite, im Vordergrund verkippte Schichten des Steinmergelkeupers.

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Unterhalb der Wachsenburg. 

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Arnstadt-Formation unterhalb des Südhanges der Wachsenburg. Im Top der Formation kommt etwa 1 m mächtiger, hellgrauer „Wachsenburgsandstein“ (Alaunium) aus Flußsedimenten vor, in dem Fischschuppen von Semionotus gefunden wurden.

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Wachsenburgsandstein mit Schrägschichtung.

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Tonstein mit Trockenrissen (BB 16 cm) von der Basis des Wachsenburgsandsteins.

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Unterhalb der Wachsenburg.

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Der Heldburggipsmergel (kmGOG), bis 40 m mächtig, hier in einem Alabasterbruch unterhalb der Wachsenburg, schließt die Weser-Formation ab, darüber folgt die Altkimmerische Hauptdiskordanz. der anstehende Gipsstein, 6-8 m mächtig, wird von grauen Tonzwischenlagen begleitet.

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Verkippte Dolomitbank im Steinmergelkeuper mit rotem Tonstein.

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Die Mühlburg als die dritte der Burgen befindet sich direkt auf der südlichen Störungszone der Muschelkalkaufpressung.

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Rhätsandstein als Baustein auf der Mühlburg.

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Ausgewittertes natürliches Fundament und Bausteine der Mühlburg aus Rhätsandstein.

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Blick von der Schlossleite nach SW auf die Horst, einem Plateau aus Muschelkalk.  Die Mulde wendet sich in die Antiklinale. Im Muldentrog nahezu waagerecht liegende Schichten sind zum Muldenrand hin aufgebogen.

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Kalkberg und Weinberg im NW-SE-Streichen der Wachsenburgmulde zwischen Haarhausen und Holzhausen.

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Überreste des Rhätsandsteinbruchs auf der Schlossleite unterhalb der Mühlburg mit Störungslinien und verkippter Lagerung.

 

Schottergrube Haarhausen

Das Flächennaturdenkmal Schottergrube Haarhausen ist ein strukturgeologisch vielfältiger Aufschluß im Thüringer Becken. Die Haarhäuser Störung ist Teil einer einer NW-SE streichenden saxonischen Bruchstruktur im System der überregionalen Eichenberg-Saalfelder Störungszone, nördliche Störungszone der Wachsenburg-Mulde. Es liegen Bruchstrukturen (Schräg-Ab-, -Auf-, -Über- und -Seitenschiebungen, Blattverschiebungen), Klüfte (Zug- und Schubklüfte) und Falten (Biegegleitfalten) von Schichten aus Mittlerem und Oberem Muschelkalk und dem Grenzdolomit des Unteren Keupers zutage.

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Von links nach rechts Ceratitenschichten und Trochitenkalk in fast senkrechter Lagerung. Ein Horizont des Mittleren Muschelkalk ist von Vegetation und Geröll verdeckt, rechts oben wieder Ceratitenschichten.

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Falten von Kalksteinen und Kalkmergelsteinen im Mittleren Muschelkalk mit Übergang zum Oberen Muschelkalk (Trochitenkalk).

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Stark verfaltete Struktur.

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Detail einer schiefen Falte aus obigem Bild.

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Ceratitenschichten

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Ceratitenschichten

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Kalksteine, Dolomitsteine, Tonsteine des Unteren Keupers (Grenzdolomit). Bankige Dolomite führen Myophoria goldfussi.

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Verschiedene Karbonatgenerationen: Kalkstein mit ausgeheilten Klüften von rosa Calcit.

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Kalkstein mit Schrammen (BB 20 cm) in verschiedenen Richtungen, möglicherweise eine Folge der tektonischen Aktivität.

Literatur

DSK 2005: Lithostratigraphie des Keupers, stratigraphie.de

FRANKE, D. (2014): Regionale Geologie von Ostdeutschland – Ein Wörterbuch. – Website www.regionalgeologie-ost.de

WAGENBRETH/ STEINER: Geologische Streifzüge, VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1982

M.Franz: Dissertation: LITHO- UND LEITFLÄCHENSTRATIGRAPHIE, CHRONOSTRATIGRAPHIE,
ZYKLO- UND SEQUENZSTRATIGRAPHIE DES KEUPERS IM
ÖSTLICHEN ZENTRALEUROPÄISCHEN BECKEN (DEUTSCHLAND, POLEN)
UND DÄNISCHEN BECKEN (DÄNEMARK, SCHWEDEN) 2008

 

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