Kaiserstuhl: Karbonatitkomplex

Der Karbonatitkomplex im Zentrum des Kaiserstuhlvulkans hat eine Ausdehnung von etwa 1 km² und befindet sich zwischen Alt-Vogtsburg und Schelingen. Er stellt eine Besonderheit dar, da es in Europa nur wenige weitere Karbonatitfundstellen gibt, in Skandinavien (Alnö/Schweden und Lappland/Finnland) und auf der Halbinsel Kola (Lovozero-Massiv).

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Blick auf den Karbonatitkomplex vom Badberg zum Orberg. An der Straße von Schelingen nach Bahlingen und auf dem Orberg auf Höhe der Waldgrenze befinden sich mehrere Steinbrüche im Karbonatitgestein, in denen es in den 30er und 50er Jahren Abbauversuche auf die Nb-haltigen Koppit-(Ce-Pyrochlor)-Akzessorien des Karbonatit gab, die vermutlich aufgrund geringer oder stark schwankender Mineralgehalte bald wieder eingestellt wurden.

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Im kleinen Steinbruch an der Waldgrenze (Steinbruch V). Die im Karbonatitgestein gemessene Anomalie von Strontiumisotopen belegt, daß die karbonatischen Schmelzen direkt aus der Tiefe stammen und nicht durch eine Assimilation oberflächennah anstehender Kalksteine entstanden sein können. Für den primär magmatischen Charakter sprechen weiterhin die oxidischen Magnetit-Bestandteile und die hohe Konzentration an Niob, Strontium, Barium und den imkompatiblen Seltenen Erden.

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Intrusiver Gang aus mittelkörnigem Karbonatit (Sövit). Deutlich sind die Fließstrukturen im Kontrast zu den später entstandenen parallelen Bankungen (Abkühlung) zu erkennen. Später intrudierten weitere kleine, dunkelbraune ankeritische Karbonatitgängchen, noch jüngere Klüfte enthalten erdige, Fe- oder Mn-haltige Verwitterungsprodukte. Auch besonders grobkörnige Karbonate sowie Alvikite (kleinere Gänge, schneller abgekühlt, nadelige Ausbildung des Calcit) kommen vor. Das intrusive Verhalten der hypabyssischen Karbonatite wird beim Betrachten der eruptiven Nebengesteine deutlich: Karbonatit entsendet Apophysen in die Umgebungsgesteine, z.B. in die subvulkanische Brekzie und Essexite, nicht umgekehrt.

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Die plattige Zerklüfung ist wohl eine Verwitterungserscheinung, die gesamte Karbonatitintrusion ist als eine von Norden her aufsteigende Platte zu sehen, die die Gesteine ihrer Umgebung (Essexite, Phonolithe und subvulkanische Brekzien) durchbrach und Platz nahm in ringförmigen Alkaligesteinsintrusionen (ring-dyke).

Karbonatit

Karbonatitprobe (BB 12 cm): grobspätiger Calcit (90%) mit Einfäbungen durch Eisen. Weitere Bestandteile sind bariumhaltiger, grüner Phlogopit (mit vermiculitartigem Aufblähen beim Erhitzen) bis 1 mm und schwarze Oktaeder Magnetit (Magnesioferrit) bis 2 mm. Weiterhin kommen im Karbonatit vom Orberg als Akkzessorie sehr kleiner Pyrochlor (bis max. 2 mm) in rotbraunen Oktaedern vor sowie Forsterit und Apatit.

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Blick vom Orberg Richtung Süden.

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Steinbruch III an der Straße Schelingen nach Bahlingen. Mit dem Karbonatit sind hier grüngraue subvulkanische Brekzien assoziiert.

 

Badberg

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Etwa 2 km vom Orberg entfernt, im Steinbruch am Badloch, liegt das erste von Wimmenauer als magmatisch benannte Karbonatitvorkommen in Deutschland. Die Braunfärbung der anstehenden Karbonatite ist durch Limonit bedingt. Aus Naturschutzgründen ist das Betreten verboten, die begehrten Mineralien, Dysanalyt bzw. Nb-Perowskit und Uranpyrochlor als kirschroter Koppit, befinden in heute nicht mehr zugänglichen Horizonten.

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Einige Meter vom Steinbruch entfernt befindet sich die 21 Grad warme, leicht radioaktive Quelle des Badloch, die in ein Becken gefaßt wurde.

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Der Aufstieg auf den Badberg lohnt sich, man befindet sich auf dem zentralen Grat des Kaiserstuhls und hat von hier einen Rundblick auf die umliegenden Berge der nördlichen und südlichen Kammlinie. Auch der Badberg besteht überwiegend aus Karbonatit (Sövit), untergeordnet Phonolithen, vulkanischer Brekzie und Kalksilikatgesteinen. Eine Forschungsbohrung 1970 im Steinbruch am Badloch stieß auf Ledmorit (melanitreicher Orthoklas-Nephelinsyenit), Tinguait, darunter lagen die vom Karbonatitmagma alterierten Essexite.

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Blick vom Badberg nach SW auf den Totenkopf, März 2013.

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Blick nach NW auf Oberbergen, Juli 2013.

 

Literatur

  1. Wimmenauer/Wilmanns/Fuchs: Der Kaiserstuhl – Gesteine und Pflanzenwelt, Ulmer-Verlag 1989, S. 39-88
  2. S.Zartner: Der Kaiserstuhl-Karbonatit (2009)
  3. Über die Verwitterung ostafrikanischer Karbonatite s. a. Gunnar Ries

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu „Kaiserstuhl: Karbonatitkomplex

  1. Dr. med. Hans Joachim Hildebrandt

    Sehr überraschend sind im Vergleich zu den 90er Jahren mit Exkursionen unter Führung der Professoren Wolfhard Wimmenauer und Jörg Keller des Petrographischen Studienkreises von Dr. H.J. Meyer-Marsilius die erheblich vermehrten Aktivitäten zur Geologie des Kaiserstuhl .
    Wir hatten einen noch weitaus besseren Zugang zu den Aufschlüssen und der Entnahme von Handstücken.

  2. Mike Löffel

    Wie stark ist den das radioaktive Wasser belastet?Meine Tochter war darin Baden und als ich dann später diesen Bericht sah machte ich mir Sorgen.
    Mfg Mike

    1. admin Artikelautor

      Es ist sehr schwach radioaktiv und stellt meines Wissens nach keine Belastung dar.

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