Schwarzwald: Schluchsee, Grube Clara und Freiburg

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Der Schluchsee entstand in der Folge der Vergletscherung des Schwarzwalds in den letzten Kaltzeiten (Riß und Würm). Schneefälle auf einer Höhe von 1000 m, die auch im Sommer nicht abtauten, verdichteten sich zu Firnmassen, dann zu einem Gletscher. Der Schluchsee-Gletscher mit seinen mitgeführten Trümmermassen hobelte eine etwa 3 km lange, 500 m breite und 30 m tiefe Hohlform in die anstehenden posttektonischen (undeformierten) Bärhalde-Granite (319-331 Millionen Jahre, GEYER/GWINNER 1986). Nach dem Abtauen des Eises füllte sie sich mit Wasser. Seit 1932 wird der ehemalige Gletschersee zur Energiegewinnung aufgestaut. 

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Profilschnitt durch den Oberrheingraben von W nach E mit Vogesen und Schwarzwald als gehobene Grabenschultern des Kristallin, den versenkten mesozoischen Schichten, tertiärer Grabenfüllung und dem Kaiserstuhlvulkan. Quelle: Touristik Breisach am Rhein.

Der Prozeß der Hebung des Schwarzwaldes als östliche Grabenschulter des Oberrheingrabens begann vor etwa 35 Millionen Jahren mit Rifting (Passives Rifting) und der Ablagerung von Sedimenten (Tertiär). Die folgende Phase der Blattverschiebung ist bis heute noch nicht abgeschlossen und bewirkt weitere Hebung, so daß der Schwarzwald heute bis zu 2,5 km herausgehoben ist, wovon bis zu 1,5 km wieder erodiert und in den Oberrheingraben (ca. 4 km Sedimentmächtigkeit) zurück transportiert wurden. Im Schwarzwald liegen heute Gesteine an der Oberfläche, die aus dem Grundstockwerk eines Teils des variszischen Gebirges (Moldanubikum) stammen. Im nördlichen Schwarzwald sind es variszische Granite, z.T. mit Buntsandstein-Bedeckung, im mittleren Schwarzwald ist es der Zentralschwarzwälder Gneis-Anatexit-Komplex (Metamorphose im Kambrium und Ordovizium, prävariszisch), im südlichen Teil treten wieder Granite auf.

Bekannt ist die Zone von Badenweiler-Lenzkirch mit paläozoischen Vulkaniten und Sedimentgesteinen, die zwischen den Graniten und Gneisen eingeklemmt scheinen. Es handelt sich hierbei um Ophiolithe eines eingeschuppten Mikrokontinents (Terran) mit variszischer Sutur (Nahtzone), vermutlich Teil eines Inselbogens am Nordrand von Gondwana. Die Granite nördlich der Zone sind das plutonische Tiefenstockwerk dieses Inselbogens, der nach Ende der Subduktion mit dem aktiven Kontinentalrand (evtl. Gondwana) kollidierte. Deckenstapelung bewirkte Krustenverdickung und Metamorphose, es entstanden synorogene Granite (Bärhalde-Granit).  Für diese Hypothese eines paläozoisches Riftings sprechen erhöhte Goldgehalte, Eklogite und Chromitdetritus in den oberdevonisch-unterkarbonischen Grauwacken (LOESCHKE et al.1998).

Weiteres zur Geologie s.a. Universität Tübingen und oberrheingraben.de

 

Grube Clara

Aus dem südlichen Schwarzwald sind viele Erzgänge bekannt, meist Pb-Zn-Cu-Ag- oder auch Co-Ni-Bi-Ag-U-Vererzungen. Es handelt sich um hydrothermale Bildungen in Kluftgängen von Störungszonen, die am Ende der variszischen Orogenese und im Tertiär angelegt wurden. Die Grube Clara befindet sich noch in Betrieb und baut auf Baryt- und Fluorit-Gänge, die von Cu-Ag-Pb-Vererzungen im Gneis und Buntsandstein begleitet werden und Arsenat- und Seltene-Erden-Paragenesen enthalten. Die Gänge befinden sich in einer Störungszone im Schwarzwälder Gneis-Komplex. Näheres zur Bergbaugeschichte.

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Auf der Sammelhalde der Grube Clara, bekannteste Mineralfundstelle im Schwarzwald. Man zahlt einen Beitrag für die Mineraliensuche, die Fundmöglichkeiten variieren stark, zeitweise wird neues Material angefahren. Von der Grube sind über 375 verschiedene Mineralien beschrieben, unter anderem auch der Clarait. Siehe auch clara-mineralien.de.

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Mächtiger Block (ca. 100 x 60 cm) aus derbem Amethyst, die bläulich-grünen Trümmer im Hintergrund sind Fluorit.

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Schwerspat (Baryt), Breite 4 cm.

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Malachit, Breite 5 cm.

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Amethyst, Breite 10 cm.

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Noch nicht identifiziertes, anoxidiertes Sekundärmineral in einer Quarzdruse. Auf dem gleichen Handstück fand sich ein kleines, büscheliges Aggregat Agardit. Duftit?

 

Freiburg

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Höllental mit Höllentalhirsch, Bilder vom Besuch im März 2013. Der Rotbach ist ein Zufluß der Dreisam, der sich tief in den Verlauf des Bonndorfer Grabensystems eingeschnittenen und die tektonisch zerrütteten Gneise (inhomogene Diatexite) und Migmatite ausgeräumt hat. Vergletscherung in den Kaltzeiten und ein Überlaufen von Eisstauseen in das Dreisamtal sind Ursache für die tiefgründige Abtragung.

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Blick nach W in das Tal der Dreisam vom Schloßberg, Verbindungstal zum Zartener Becken. Auch dieses Becken wurde mit dem tektonischen Grabensystem des Bonndorfer Grabens vorgezeichnet, durch die Dreisam ausgeräumt und mit periglazialen Schuttdecken belegt.

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Blick nach SSW vom Aussichtsturm des Schloßbergs auf die Mündung des Dreisamtals in die Oberrheinische Tiefebene. Durch das Stadtgebiet Freiburgs verläuft die messerscharfe Hauptrandverwerfung zwischen Oberrheingraben und Schwarzwald, im Bild rechts unterhalb des Schloßbergs. Der Höhenunterschied im Stadtgebiet beträgt mehr als 1000 m. Mit 1254 m ist der Schauinsland der höchste Punkt im Stadtgebiet, der westliche Teil der Stadt liegt im Oberrheingraben auf einem Schwemmkegel mit quartären Lockermassen. Dem Schloßbergsporn, der sich bereits im Schwarzwald befindet, schließt sich die Vorbergzone an, die beim Absinken des Grabenbruchs durch an der Flanke des Schwarzwalds hängen gebliebene, verkippte Staffelschollen entstand. Die Schollen des Lorettobergs und des Schönbergs links im Hintergrund gehören dieser Zone entlang der Hauptrandverwerfung an, und bestehen hauptsächlich aus Gesteinen des Mesozoikums (Trias, Jura).

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Gneisfelsen auf dem Schloßberg

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Angewittertes Stück eines migmatitischen Gneises, Anatexit, genauer Metatexit, vom Schloßberg. Dieses Gestein ist durch partielle Aufschmelzung entstanden. Präkambrische Sedimentgesteine wurden während einer frühen Gebirgsbildung (assynthisch) durch Regionalmetamorphose amphibolitfaziell umgewandelt und später noch einmal variszisch überprägt.

 

Tuniberg

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Ein aufgelassener Steinbruch am Tuniberg, am Sportplatz Munzingen, zeigt teils geschichtete, teils massige gelbliche Kalksteine der Hauptrogenstein-Formation (bjHR, früher Braunjura Epsilon), die von zahlreichen Klüften und Spalten durchzogen werden, und am Tuniberg Mächtigkeiten bis 58 m erreichen. Der Tuniberg ist die westlichste Scholle der Vorbergzone des Schwarzwalds und von einer bis zu 15 m dicken Lößschicht bedeckt, die die fruchtbaren Böden für den intensiven Weinanbau bildet.

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Karsterscheinungen mit Höhlenbildung, Kalksinter, kristallisierten Calcitrasen und Karstwassermarken durchsetzen das Gestein.

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An der Südseite Tunibergs bei Munzingen. Steil abfallene Schichten des Dogger (Brauner Jura), die sich hier von den Murchisonae-Schichten über die Sowerbyi-Schichten, die Humphriesi- und Blagdeni-Schichten bis in den Hauptrogenstein verfolgen lassen.
Die Schichten fallen schwach nach Osten ein und sind durch Störungen mit bedeutender
Sprunghöhe gekennzeichnet.

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Die Fossiliensuche im Dogger wurde aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse ergebnislos eingestellt.

Ein Gedanke zu „Schwarzwald: Schluchsee, Grube Clara und Freiburg

  1. Schwinghammer Rudolf

    Bin auf der Suche nach einer Migmatit-Fundstelle in Deutschland.
    Das mir vorliegende Stück ist rötlich-braun und mittelkörnig.
    Es sieht aus wie das linke Bild nach Eingabe folgendem Suchbegriff im Intenet:
    „Gesteinsarten Migamatit“ – 3.Auflistung „Bilder zu Migmatit“ – links erstes Foto.
    Ich wäre sehr interessiert, von welchem Fundort diese Stück stammen könnte.
    Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
    Mit freundlichen Grüßen und Glück auf
    Rudolf Schwinghammer

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