Geologische Streifzüge auf Rügen

Bild5119Blick auf den Siebenschneiderstein am Gellort, 1 km NW von Kap Arkona; nördlichster Findling in Ostdeutschland. Es ist ein Karlshamm-Granit (ca. 1,4 Ga, ca. 61m³) mit Spuren von Frostsprengung, der mit den Gletschern der letzten Eiszeit aus Blekinge (SO-Schweden) hierher tranportiert wurde.

DSC_0154Steilküste in Klein-Zicker, Nähe Cafe Zollhaus. Reichlich Nordisches Geschiebe liegt vor einer Wand aus eiszeitlichem Geschiebemergel/Till. Es ist Ausschmelztill der weichselglazialen Mecklenburg-Phase vor 13.000 bis 15.000 Jahren, in der an dieser Stelle der Insel Sedimentakkumulation nur durch Eisabbau des Mönchsguter Eislobus erfolgte, sog. glazilimnische Sedimentation.

DSC_0148Dieser Till ist ungeschichtet und unsortiert mit einem hohen Anteil an feinen Sedimenten (Ton, Sill) und relativ feinkörnig mit dropstones. Die Grablöcher stammen von Wespen der Gattung Odynerus.

DSC_0204   DSC_0201Seltsame Lagerungsstruktur an der Steilküste in Klein-Zicker: orthogonales Kluftmuster eines
Geschiebemergels wird durch limonitische Imprägnationen nachgezeichnet.

DSC_0326Auf den Feuersteinfeldern von Mukran. Akkumulation von Feuersteinen, die aus der nahe gelegenen Kreide stammen. Historische Sturmfluten vor 3.500 bis 4.000 Jahren haben sie abgelagert. Hier finden sich hin und wieder abgerollte Seeigel.

SeeigelAbgerollter Seeigel (Galerites) von den Feuersteinfeldern.

DSC_0448Die Kreideküste Rügens ist von einem beachtlichen Fortschreiten der Erosion betroffen, um durchschnittlich etwa 30 cm pro Jahr wird die Küstenlinie zurückgedrängt. Immer wieder ereignen sich Abbrüche und ganze Felsstürze.

Einst gab es ein etwa 100 km breites, in OW-Ausdehnung gelegenes Kreideplateau zwischen Mön und Rügen, die Steilküsten auf beiden Inseln nur noch ein Relikt davon. Die zu 98% aus Kalk bestehende Schreibkreide, namensgebend für die Kreidezeit, ist eine flachmarine küstennahe Ablagerung eines tropischen Meeres (200-400m Wassertiefe) und ist weitgehend aus Coccolithen aufgebaut.

DSC_0404Einlagerungen von Geschiebemergel und Schmelzwassersanden zwischen die Kreidefelsen, Sollbruchstellen für künftige Abbrüche.

DSC_0399Ursprünglich horizontal abgelagerte Kreide mit den typischen Feuersteinlagen (Feuersteinbänder). Durch die Kraft der Gletscher in der letzten Eiszeit kam es zur Aufschiebung und Verkippung der Kreide. Vorausgegangen sind möglicherweise Störungen des Untergrundes im Tertiär (alpidische Gebirgsbildung). Der Gletscher-Hauptstrom teilte sich in den Beltsee-Eisstrom und den Oder-Eisstrom und umfloss das damalige Rügen.

DSC_0386Mehr zur Geologie von Rügen. Sehr interessant ist auch die Seite von Bodo Manitz, speziell zu in der Kreide vorkommenden Fossilien. Ausführlichere Fossilsuche habe ich auf der Insel Mön betrieben, Bericht hier. Es folgen drei Geschiebe vom Strand in Klein-Zicker.

DSC_0215Grobkörniger Dolerit (Diabas), vermutlich ein NW-Dolerit. Zum Teil ophitisches, z.T. glomerophyrische Plagioklas-Leisten mit schwarzem, eckigem Augit und roten Hämatit-Flecken , vermutlich aus Magnetit stammend.

DSC_0193   DSC_0188Gneisgranit mit abgerundetem rotem Feldspat in schwarzer Grundmasse, geht in Richtung Askersund (Filipstad-)-Granit. Rechts ein Limonitsandstein mit Bioturbation.

Ein Gedanke zu „Geologische Streifzüge auf Rügen

  1. Tamara Baldus

    Hallo!
    Ich bin Geologiestudentin aus Bonn und werde in drei Wochen auf Rügen meine Geländearbeit für meinen Masterabschluss durchführen. Es geht um das Thema „Lockersedimentdeformation“, wobei besonders Schichtgrenzen von Ton und Sand interessant sind. Die Bilder in diesem Blog waren schon sehr aufschlussreich, aber vielleicht kannst Du mir noch weitere Orte auf Rügen empfehlen, wo man (ggf. unterhalb der Steilküsten) ähnliche Strukturen findet? Das würde meine Suche danach erheblich erleichtern! Vielen Dank schon einmal im Vorraus,

    Tamara

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