Fränkische Jura / Solnhofen

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Die Steinbrüche der südlichen Frankenalb gehören zu den bedeutendsten Fossilfundstellen der Welt. Hier fand man bisher 11 Exemplare des Archaeopteryx, der in der Evolutionstheorie das Bindeglied zwischen Reptilien und Vögeln darstellt. Darüber hinaus kommen im Plattenkalk des Weißjura (Tithonium, 161-150 mya) mehr als 700 fossile Arten vor: Ammoniten, Panzerkrebse, Knochenfische, Austern, Haarsterne, Seelilien, sogar Quallen, Nadelholzgewächse (Brachiphyllum) und Funde von Scaphognathus und Pterodactylus.

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Im tropisch warmen flachen Schelfmeer der Tethys gab es im Bereich der südlichen Frankenalb (Altmühltal) eine große Karbonatplattform mit Riffen (Bioherme aus Cyanobakterien sowie Kieselschwämmen) und lagunären Verhältnissen. In diesen Lagunen-Wannen lagerte sich der Plattenkalk ab, der eine Wechselfolge unterschiedlich kalk- und tonhaltiger Lagen ausbildet. Die Sedimentation erfolgte durch Kalk abscheidene Organismen.

Durch das Fehlen von Sauerstoff am Meeresgrund und den hohen Salzgehalt durch Verdunstung und zeitweise fehlende Verbindung zum offenen Meer gab es kein Benthos, so daß der Meeresboden nicht durchwühlt wurde, die Schichtung erhalten blieb und abgestorbene Lebewesen konserviert wurden (Fossillagerstätte). Sowohl Hart- als auch Weichteile blieben erhalten. Fossilien sind nicht häufig zu finden, aber mitunter besonders gut erhalten. Im Tertiär erfolgte die regionale Hebung und der Beginn der Verkarstung dieser Schichten.

Es gibt umfangreiche Publikationen und Literatur zu den Solnhofener Plattenkalken, empfohlen sei die Seite des Museums Solnhofen und solnhofen-fossilienatlas.de. Eine sehr gute Einführung bietet die Seite von Peter Rüdel.

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Weißer Jura Zeta 2b (obere Solnhofen-Formation) im „Hobbysteinbruch“ Solnhofen-Langenaltheim. Hier kann man nach Entrichtung eines geringen Geldbetrages Fossilien des „Solnhofener Archipels“ sammeln. Zumindest gibt es hier massenhaft Dendriten und Calcitkristalle.

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Der Solnhofer Plattenkalk ist ein begehrter Naturwerkstein (Lithographenstein) aus dem Altmühltal, der manuell abgebaut wurde. Die ökologischen Bedingungen im Jura-Meer änderten sich häufig, was sich in der Wechsellagerung der Bank-, Mergel- und Plattenkalke ausdrückt. Diese Wechsellagerung aus karbonatischen und tonigen Sedimenten durch (turbiditische) Trübeströme wird in Süddeutschland Flinz genannt, die tonigen Zwischenschichten heißen Fäulen, s.a. Bouma-Sequenz.

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Dendriten sind Ausscheidungen von Eisen- und Manganoxiden durch Diffusionsprozesse. Im Tertiär vor 20 Millionen Jahren, also mehr als 100 Millionen Jahre nach Ablagerung und Diagenese der Plattenkalke, entstanden diese Dendriten durch intensive tropische Verwitterung und Verkarstung.

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Dendriten aus Langenaltheim. Schwarze Dendriten deuten auf mehr Mangan, braune auf einen höheren Eisengehalt hin, beide werden unter oxidativen Bedingungen ausgeschieden.

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Harte, zähe und feinkörnige Kalksteinbank aus mikritischem (mikrokristallinen) Calcit und Tonbestandteilen mit dendritischen Ausscheidungen an Stylolithen, die bei der Kompaktion und Diagenese durch Drucklösungsvorgänge entstanden.

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Im „Besuchersteinbruch“ von Mühlheim stehen häufig verkieselte, feingeschichtete Kalke und Mergelschiefer mit Schutt- und Schillbänken aus dem Weißjura Zeta 3 an (Mörnsheimer Schichten, Unter-Tithonium), in denen man kostenpflichtig Fossilien suchen kann: Schwämme, Muscheln, Ammoniten, Tintenfische, Krebse, Fische, Reptilien, Kotspuren (Koprolithen) und Pflanzen. s.a. Projekt Mülheim.

Ammonit

Ammonit Subplanites n.sp., ein häufiger Fund. Die Fossilsuche verlief nicht besonders erfolgreich, was wohl der aufgewendeten Zeit von nur etwa 2 Std. bei allerdings glühender Sommerhitze geschuldet war.

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