Flechtinger Höhenzug und Gommern

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Sand- und Siltsteine des Rotliegend im Bebertal („Hünerküche“). Im Perm gab es hier aktiven Vulkanismus und ein heißes, trockenes (arides) Klima. Das vulkanische Gestein konnte der Hitze-, Wind- und der fluviatilen Erosion durch heftige Regenfälle nicht standhalten, so daß sich die durch Regen oder Wind fortgetragenen Verwitterungsmassen als Sand in Senken oder in Küstennähe absetzten. 

 

Aus WAGENBRETH/STEINER (1982). Das nördlichste Hartgesteinvorkommen in Deutschland gibt es im ca. 400 qkm großen Flechtinger Höhenzug, einer herzynisch ausgerichteten Pultscholle mit sanften Geländeformen. Mit maximal 176 m (Butterberg bei Ivenrode) übersteigt er kaum die weiter nördlich liegenden Endmoränen. Die Geschichte seiner Genese ist jedoch viel älter und beginnt im Karbon mit der Ablagerung von Kulmgrauwacken im Rheischen Ozean. Im Zuge der Variszischen Gebirgsbildung wurden diese gefaltet, und liegen heute als nordöstlichste Aufragung des Rhenoherzynikums vor. Im Perm/ Unterrotliegend setzt effusiver Vulkanismus (Andesitoide) ein, dem eine explosive, ignimbritische Phase (Rhyolithoide) folgt. Danach erfolgte Abtragung, die Sedimente des Oberrotliegend wurden abgelagert. Das Gebirge wurde eingerumpft und bis in die Kreidezeit immer wieder vom Meer bedeckt. Von Trias bis Kreide erfolgte Schollenbildung und erneute Hebung, die mesozoischen Deckschichten wurden weitgehend abgetragen. Sie finden sich heute noch auf der südlich anschließenden Weferlingen-Schönebecker Triasplatte.

FlechtingerHoehenzug

Aus WAGENBRETH/STEINER (1982). Die Grafik verdeutlicht den Zusammenhang der Genese des Thüringer Waldes und des Harzes mit dem 60 km weiter nördlich gelegenen Flechtinger Höhenzug. Dieser ist der NW-Teil der herzynisch ausgerichteten, nach SW abtauchenden Flechtingen-Roßlauer Scholle, die im Norden, analog zur Harznordrandstörung, durch die Haldensleben-Störung begrenzt ist.

Vereinfachte Stratigraphische Übersicht

  • Flysch, Süplingen-Formation (Grauwacken, Sandstein, andesitoide Tuffe, Kalksteine).
  • Andesitoide I , Sedimentite der Bodendorfer Schichten, Andesitoide II (im Steinbruch Bodendorf und Dönstedt/Eiche) im Stefan C, etwa Grenze Kasimovium/Ghzelium.
  • rhyolitische Ignimbrite, explosives Stadium des Vulkanismus (Typ Holzmühental, Typ Steinkuhlenberg); darüber jüngere Andesitoide, die nur lokal auftreten.
  • Wechsellagerung aus Konglomerat, Sand-, Silt- und Tonsteinen aus dem Oberrotliegend (Saxon I und II)
  • im Süden des Höhenzuges steht Zechstein mit Kupferschiefer an, der z.B. im Tal der Hünenküche abgebaut wurde. Der Zechstein taucht wie im Harz im Süden ab.

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Unterkarbonische Grauwacken (Flyschfazies) am Campingplatz Süplingen (Süplingen-Formation) hinter der Gaststätte „Alte Schmiede“. Es sind die ältesten Gesteine der Gegend, stratigraphisch korrelieren sie mit der Clausthaler Kumfaltenzone und sind kontaktmetamorph durch das auflagernde Ältere Andesitoid I beeinflußt.

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Steinbruch Flechtingen am Holzmühlental (Dönstedt, Bodendorf), Blick nach NE. Das bei Bildvergrößerung erkennbare, nach NW steil einfallende, orthogonale Kluftsystem in den Vulkaniten (Andesitoide, Ignimbrite) ist eine synvulkanische Primärklüftung. Die Klüfte und später entstandene Scherzonen füllten sich mit Mineralpragenesen von Quarz, Calcit, Fluorit und Chalcopyrit. In diesem Steinbruch werden Ignimbrite und Rhyolithe abgebaut (Augitporphyr und grünlichgrauer, braungrauer und rötlicher Quarzporphyr). Der Abbau in den drei großen Steinbrüchen im Flechtinger Höhenzug findet seit 100 Jahren statt, und liefert derzeit ca. 3 Millionen Tonnen Schotter und Splitt im Jahr.

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Im Holzmühlental gibt es eine Aussichtsplattform, die einen Blick in den Steinbruch ermöglicht, ein ehemalig angelegter Geopfad ist nicht mehr zu finden. Am Weg stehen rhyolithische Gesteinschichten mit steil einfallender Plattenklüftung an.

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Leicht gekippte Schichten des Oberrotliegend im Bebertal. Der Begriff Rotliegend ist ein Mansfelder Bergmannsausdruck („rotes totes Liegendes“), und bezeichnet die Gesteine unter dem Kupferschiefer, die rote Hämatit-Färbungen zeigen, ein Hinweis auf Ablagerung in heißem, trockenen Wüstenklima.

Eine veraltete und in Mitteleuropa übliche Bezeichnung für das Perm (und oberes Oberkarbon, Stefanium) ist Dyas (302-251 mya), die sich unterteilt in Rotliegend (ca. 302-257 mya) und Zechstein (257-251 mya). Diese Einteilung erfolgte aufgrund der weit verbreiteten, charakteristischen Lithofazies. International haben sich diese Begriffe nicht durchgesetzt, werden aber als lithostratigraphische Einheiten weiterhin verwendet, ebenso wie die  Unterteilungen in Autun (Unterrotliegend), Saxon (Oberrotliegend) und Thuringium (Zechstein). Allerdings bereitete auch die chronostratigraphische Korrelation der verschiedenen Rotliegend-Becken Schwierigkeiten, so daß man eher separate Formationen anspricht, z.B. Süplingen-Formation, Bebertal-Formation etc.

Bebertal

Oberrotliegend mit Erxlebener Schichten: Gleichkörnig, schräg geschichteter Bausandstein und Unteres Konglomerat. Darüber die Eislebener Schichten mit Oberen Konglomerat, parallel geschichteten Sandsteinen, Sandsteinschiefer und sandigem Schluffstein. Die Steine wurden hier früher in einem Steinbruch abgebaut.

Über dem Oberrotliegend folgt im Süden des Höhenzuges ein schmales Band Zechstein mit Kupferschiefer, der früher bei Emden und auch im Westteil der Hünenküche abgebaut wurde. Baryt am Witteschacht (Tal der Hünenküche), und silberhaltiger Bleiglanz aus der Silberkuhle bei Bodendorf sind weitere, ehemals genutzte Bodenschätze.

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Detail der Erxlebener Schichten: Gleichkörnig, schräg geschichteter Bausandstein äolischen Ursprungs (Dünenbildung), der in der damals nördlichen Passat-Zone von NE angeweht wurde und z.T. Kreuzschichtung zeigt, unterlagert vom Unteren Konglomerat.

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Sandstein-„Schiefer“ (Siltstein), im Hangenden wiederum mit schräg geschichtetem Sandstein, (Eislebener Schichten, Saxon II).

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Für den Bau der Veltheimsburg wurden die roten Gesteine der Umgebung (Vulkanite, Porphyre und Sandsteine) zum Burgenbau benutzt. Als Vorschlag für eine Exkursion bietet sich der Besuch Hünerküche im Bebertal an: Rotliegend-Sandsteine, ehem. Barytgrube Witteschacht und Reste eines Kupferschieferbergbaus im westlichen Verlauf des Tales, danach Fahrt zur nahegelegenen Veltheimsburg.

Quarzit

Wie bereits angedeutet, finden sich im Flechtinger Höhenzug dem Harz analoge, geologische Baueinheiten wieder. So taucht z.B. südöstlich des Flechtinger Höhenzuges der variszisch streichende, unterkarbonische Gommern-Quarzit auf, der zum Hörre-Gommern-Zug gehört, und im Harz den altersgleichen Acker-Bruchberg-Zug bildet. Er ist insgesamt ca. 300 km lang, aber nur wenige km breit.

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Der Blaue See bei Pretzien/Gommern ist ein abgesoffener Steinbruch im Gommern-Quarzit. Sauberes Wasser und seine Tiefe bewirken eine Lichtstreuung und Reflektion der blauen Lichtanteile.

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Ein empfehenswerter Besuch in der Nähe ist der Gesteinsgarten Gommern, der die größte open-air-Gesteinssammlung Deutschlands mit über 240 Exponaten zeigt. Hier ein Bild eines Loire-Sandstein aus dem Tertiär. Im Hintergrund der Kulk, ein gefluteter Quarzit-Steinbruch und die 20 m hohe Wanderdüne Fuchsberg aus der Weichselkaltzeit.

Literatur/ Links

Tourentips auf www.harzregion.de

Geologie des Flechtinger Höhenzuges auf www.sachsen-anhalt.de (via google)

WOLFGAMM, M.: Fluidentwicklung und Diagenese im NEDB (via google), Abstract

WAGENBRETH, O.; STEINER, W.: Geologische Streifzüge. VEB Deutscher Verlag für
Grundstoffindustrie, Leipzig 1982

HENNINGSEN, D.; KATZUNG, G. (2005): Einführung in die Geologie Deutschlands.
Spektrum Akademischer Verlag

4 Gedanken zu „Flechtinger Höhenzug und Gommern

  1. Reinhard Gast

    eine sehr schöne Übersicht!
    Danke und Grüße
    Reinhard Gast

  2. Wolfgang Viedt (Grasleben-Helmstedt)

    Eine Darstellung die mich sehr begeistert hat ……gern wandere ich aus dem braunschweiger Hügelland ins
    benachbarte S-A

  3. Raimund Vögeler

    Danke für die gelungene Beschreibung.
    Zum Flechtinger Höhenzug habe ich eine ganz persönliche Beziehung. Für mich ist er etwas Besonderes.

    Raimund Vögeler

  4. Raimumd Vögeler

    Eine gelungene und interessant gestaltete Beschreibung des Flechtinger Höhenzuges.
    Ich habe eine ganz persönliche Beziehung mit freudigen Erinnerungen zu dieser besonderen geologischen Formation .

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