Elbingerode: Blauer See und Steinbruch Garkenholz

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Am „Blauen See“ bei Rübeland, erreichbar auf der B 27 Rübeland-Hüttenrode auf der linken Seite (Parkplatz). Die Blaufärbung entsteht durch Lichtreflektion der blauen Lichtanteile an Schwebstoffen von Kalk, die aus übersättigter Lösung ausscheiden. Durch Nährstoffeintrag färbt sich der See allerdings bereits im Frühling grün. Der Kalksteinbruch Garkenholz wurde 1946 stillgelegt, die unterste Sohle füllte sich mit Wasser, Karsterscheinungen im Kalkgestein sorgt für einen wechselnden Wasserstand des Sees.  

Elbingerode

Der Elbingeröder Komplex, eingebettet in die Blankenburger Faltenzone, besteht in seinem Zentrum aus mehreren hundert Meter mächtigen Massenkalken (Mittel- bis Oberdevon, frühes Givet bis spätes Frasnium, ca. 382-372 mya). Zusammen mit dem Iberg handelt es sich um eines der beiden großen devonischen Riffkomplexe im Harz.

Im Mitteldevon stiegen Magmen in die Wissenbacher Schiefer auf, die 500-1000 m mächtige Schwellen aus Keratophyren (intermediäres oder saures, helles vulkanisches Ganggestein mit Albit und Chlorit) und Schalsteinen (gering metamorphes vulkanoklastisches Gestein) bildeten, und auf denen im Givet ein Algen- und Korallenwachstum begann. Diese Massenkalke erreichen durch Absinken des Untergrundes und Nachwachsen des Riffkörpers bis zum Oberdevon eine Mächtigkeit von bis zu 600 m. Begleiterscheinung des Vulkanismus ist die Bildung der sedimentär-exhalativen Roteisenerzlager vom „Lahn-Dill-Typ“ und Pyritvererzungen (Grube „Einheit„, Lagerstätte vom „Rio-Tinto-Typ“). Mineralogisch erwähnenswert sind auch die Rhodonit-Vorkommen von Schävenholz.

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Riffkalksteine des Mittel-Devons an der Südflanke des „Braunesumpf“-Sattels. Riffbildner sind Stromatoporen und rugose Korallen, es finden sich auch Reste von Crinoiden und Brachiopoden. Kalke und Riffschutt wurden durch tektonische Beanspruchung deformiert. Nach OESTERREICH (1991) fand eine Frühdiagenese am Ende des Riffwachstums statt, die zur Zementation und Umkristallisation führte. Eine Spätdiagenese ohne Dolomitisierung erfolgte im Unter- und Oberkarbon (duktile Deformation bei 250-300 Grad). Kluftsysteme entstanden auch seit der Ober-Kreide, Voraussetzung für die Verkarstung und Höhlenbildung seit dem Paläogen (Hermannshöhle, Baumannshöhle).

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Umkristllisierter, eisenhaltiger Calcit (Bildbreite ca. 20 cm) in den anstehenden Kalkfelsen am Blauen See.

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Außenriff-Fazies (WELLER et al. 1991) des Riffkörpers: im Steinbruch am Parkplatz sind ebenfalls Riffkalke aufgeschlossen; bankige Lagunenkalke (links) und Kalke aus Riffschutt (rechts) sowie pelagische Styolinen-Kalke. Mylonitischer Kalkstein aufgrund einer im NE des Steinbruchs gelegenen variszischen Scherzone kommt ebenfalls vor. Man findet Klüfte, die sich mit Sedimenten verfüllten (Neptunische Gänge).

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Leicht metamorph überprägter, feinkörniger arenitischer Kalkstein mit Foliation, Bildbreite 10 cm.

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Stylolithischer Kalk mit dünnen, waagerechten, verfüllten Klüften und Spuren chemischer Lösungsverwitterung, möglicherweise durch Karstvorgänge (Schratten).

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Schlammkalk aus einem Neptunischen Gang? Oberflächlich angewitterter, kristalliner Kalkstein mit Klüften, die ebenfalls mit braunem Calcit ausgefüllt sind. Nach der Diagenese im Oberkarbon kam es durch tektonische Bewegung zu einer Kluftbildung in den Kalken. Nach Absenkung des Riffs erfolgte die Verfüllung tektonischer Fugen mit Calcit, Siderit, Tonmineralen, Eisen- und Manganoxiden (OESTERREICH 1991) durch hydrothermale Tiefenwässer.

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Plattige und schieferige Schalsteine, gering metamorphes, vulkanoklastisches Gestein, entstanden durch Ausstoß mineralischer Wässer am Meeresgrund. Bestandteile des Schalsteins sind die Keratophyr-Tuffe, Kalkstein und als eisenhaltiger Bestandteil Limonit, Hämatit, Siderit und/oder Magnetit. Möglicherweise ist das Gestein auf dem unteren Bild auch später durch Imprägnierung von Kalkstein mit eisenhaltigen Lösungen entstanden.

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Schalstein-Erz mit Siderit, Limonit und authigenem Quarz, in submarin-hydrothermal-sedimentärer Erzlagerstätte entstanden (Lahn-Dill-Typ) und während der Variszischen Orogenese durch Umkristallisation in Spalten und Fugen überprägt.

 

Literatur

FRANKE, D. (2014): Regionale Geologie von Ostdeutschland – Ein Wörterbuch. www.regionalgeologie-ost.de

Näheres zur Geologie des Elbingeröder Komplexes (pdf)

OESTERREICH, B. (1992): Ein Beitrag zur geochemischen Faziesdiagnostik devonischer
Riffkarbonate im östlichen Rhenoherzynikum (Elbingeröder Komplex, Harz).  Z. geol.
Wiss., 20(3): 259-264, Berlin

WELLER, H. (1991): Fazies und Stratigraphie des Atollstadiums im Elbingeröder
Komplex/Harz. Z. geol. Wiss., 19(6): 663-671, Berlin