Harz: Teufelsmauer und Aufrichtungszone

Stippvisite in der nördlichen Aufrichtungszone des Harzes. Von den zahlreichen im Harzvorland vorhandenen Aufschlüssen eines Teils der „Klassischen Quadratmeile der Geologie“ (preußische Meile, ca. 7,5 km) werden hier die Teufelsmauer, der Sudmerberg und der Klusfelsen beschrieben.

Die mesozoischen Schichten ab dem Buntsandstein bis zur Oberkreide lagerten sich über dem weitgehend eingeebneten Urharz ab. Mehrfache Vorstöße des Kreidemeeres (im Barremium, Coniac und Santon) und große Flußsysteme trugen auch diese Schichten wieder ab, z.B. durch Brandungserosion, Transport durch Flüsse, und sammelten sie in Becken im Harzvorland ab.

Ab der Oberkreide begann der Harz im Zuge der alpidischen Gebirgsbildung wieder aufzusteigen (saxonische Orogenese). Die ursprünglich waagerecht gelagerten mesozoischen Schichten bis zum Mittel-Santon im unmittelbaren Harzvorland (Aufrichtungszone) wurden durch die Hebungs- und Aufschiebungsprozesse des Harzes an der Hauptstörung der Harznordrandverwerfung aufgerichtet, steilgestellt und sogar überkippt (Mittel-Santon bis Unter-Campan, ca. 83 mya). Im Subherzyn des nördlichen Harzvorlandes entstanden durch Halokinese (Salztektonik) die Höhenzüge z.B. des Harly, Huy oder des Quedlinburger Sattels.

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Gehärtete, steilgestellte, überkippte Sandsteine des Santon (quarzitischer Heidelberg-Sandstein, Ablagerung vor etwa 84 Millionen Jahren) der Teufelsmauer. Die tonig-kalkigen Schichten der Oberkreide sind von silifizierten Partien (eindringende Kieselsäure) durchsetzt, die Folge ist eine extreme Verhärtung weniger Schichtmeter.

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Schematischer geologischer Schnitt durch das nördliche Harzvorland (nach MOHR). Die  Sudmerberg-Schichten (Mittel-Santon/ Ober-Emscher) liegen nahezu waagerecht, ältere unterliegende Schichten von Unter-Santon bis Buntsandstein sind steil gestellt.

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Bis zu 20 m erheben sich die Härtlingsschichten über die Umgebung. Weichere Schichten wurden abgetragen, vor allem in den letzten Kaltzeiten räumten eiszeitliche Gletscher Teile der Teufelsmauer ab.

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Die Teufelsmauer tritt auf einer Länge von 20 km (von den Gegensteinen bei Ballenstedt bis zum „Hamburger Wappen“ bei Timmenrode/Blankenburg) immer wieder an die Oberfläche, allerdings besteht sie nicht immer aus quarzitischem Santon-Sandstein, so stammen z.B. die Gegensteine aus dem Coniac. Seit 1935 steht die Teufelsmauer unter Naturschutz, vorher wurde sie als Steinbruch genutzt.

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Der Kalksteinbruch am Langenberg wurde bereits an anderer Stelle bereits beschrieben. Schichten des Oberjura (Malm) schließen nach Norden hin diskordant zu Schichten der Unterkreide ab.

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Schlossfelsen Quedlinburg, Sandsteine aus der unteren Unterkreide (Barremium, 125 mya) an der südlichen Sattelflanke der Quedlinburger Mulde. Wie viele Höhenzüge im Harzvorland ist auch der Quedlinburger Sattel durch Halokinese entstanden.

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Blick vom Sudmerberg (354 m) auf den steilen Harznordrand. Links im Bild das Okertal, rechts der Rammelsberg (636 m). Die Sudmerberg-Schichten, welche die oberen 2/3 des Sudmerberges einnehmen, bestehen aus konglomeratischen Sandsteinbänken in Wechsellagerung mit glaukonitischen Mergelsteinen.

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Nahezu waagerecht abgelagerte, konglomeratische Kalksandsteinbänke des Mittel-Santon (Ober-Emscher) unterhalb des Sudmerbergturms. Die kalkigen Bestandteile sind durch Lösungsverwitterung entfernt worden. Man erkennt teilweise Schrägschichtung in den einzelnen Lagen, die auf eine Ablagerung in bewegten, küstennahem Meereswasser hinweisen.

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Im subtropischen Klima der Kreidezeit war der Harz vom Kreidemeer bedeckt oder umgeben. Je nach Stand des Meeresspiegels wurden die mesozoischen Schichten des Harzes erodiert (Brandungserosion, fluviatil durch Flußsysteme) und küstennah in den Becken des Harzvorlandes ablagert. Auch paläozoische Kieselschiefer wurden hier aufgefunden. Der Meeresspiegel zu dieser Zeit lag etwa 200 m höher als heute.

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Der Klusfelsen in Goslar an der Nordöstlichen Harzrandstörung besteht aus leicht glaukonitisiertem Hilssandstein, der durch Verwitterung gelb gefärbt ist, und in der Unterkreide vor etwa 110 Millionen Jahren (Albium?) abgelagert wurde, bevor auch seine Schichten in der Oberkreide steilgestellt wurden. Kluft- und Störungssysteme zeugen von den angreifenden Gebirgskräften.

Literatur

Hanle et al.: Meyers Naturführer: Harz, Meyers Lexikonverlag 1992

Knappe: Wanderungen in die Erdgeschichte (28): Wackersteine, Wald und Wüste – unterwegs im Harz, Pfeil, München 2011

Mohr/ Kulke/ Möller: Die klassische Quadratmeile der Geologie, Hannover 1989

2 Gedanken zu „Harz: Teufelsmauer und Aufrichtungszone

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