Kalksteinbruch Langenberg/Oker

DSC_1710Auf der 1.Sohle des stillgelegten Kalksteinbruchs der Rohstoffbetriebe Oker am Langenberg bei Göttingerode, einem der bekanntesten Aufschlüsse des nördlichen Harzvorlandes. Die Schichten des Oberjura in der Aufrichtungszone des Harzes fallen in überkippter Lagerung nach Süden ein. Ober-Jura (Malm) tritt in einem etwa 200m breiten Profil hervor und ist in das Kimmeridgium (ca. 157,3 bis 152,1 mya) einzuordnen. 

DSC_0622Die Schichten stehen nach WNW-ESE (herzynisch) überkippt und sind Teil der Harznordrand-Aufschiebung. Die Schichten wurden nach dem Santon (Ober-Kreide) steilgestellt und fallen mit etwa 70 Grad nach Süden ein. Die ältesten Schichten liegen also im Süden (rechts), die jüngeren (links) im Norden.

DSC_1693Sedimente aus Kalkschlamm, Ton und Mergeln eines nicht festlandsnahen Flachmeeres (Meeresarm) des Unteren Kimmeridge, in dem die Umweltbedingungen (Tiefe, Salinität, Temperatur) ständig wechselten, wodurch unterschiedliche Schichten zur Ablagerung kamen. Später, im höheren Kimmeridge, sind einige Bereiche teilweise verlandet, nachgewiesen durch Süßwasserarten und Landpflanzenreste. Nach den Senkungsvorgängen am nördlichen Harzrand kehrte sich diese Bewegung ab der Oberkreide um: Hebung des Harzes, Senkung des Vorlandes unter Herausbildung der Subherzynen Mulde, dadurch Verkippung der Schichten im Harzvorland.

DSC_1752Blick nach Westen vom Top (304 m) des Langenberges Richtung Goslar. Der Südteil des Langenberges ist durch die Steinbruchtätigkeit komplett ausgeräumt worden. Rechts erhebt sich der Sudmerberg, davor die Schlackehalden der Zinkhütte Harlingerode.

DSC_1658Jede dieser Schichtflächen sind ein Stück ehemaligen Meeresbodens, durch die Überkippung blickt man auf die Schichtunterseiten und kann das Profil horizontal erschliessen.

Stratigraphie

DSC_1743Dunkle Tonmergelsteine, gefolgt von eisenschüssigen Kalksteinen des „Unteren Korallenooliths“ (Oxfordium 163,5-167,3 mya) im Südteil des Bruches mit Blick auf die Harznordrandverwerfung.

DSC_0618Dickbankige, gelbbraune Kalksteine des Höheren Korallenooliths (Oxfordium), früher zur Branntkalkherstellung genutzt. Oolithe sind kleine (0,5-2mm im ø) Mineralkügelchen aus Kalk, die in warmem, sauberem, wellenbewegtem, kalkübersättigtem Wasser aus Kristallisationskeimen entstehen und konzentrische Schalen aus radialstrahligem Calcit bilden.

DSC_1732Ooidführende, teilweise dolomitische Mergelkalke des Kimmeridgium. Blick nach Osten, von Süden (rechts, älter) gehen die ooidführenden Kalk-Mergelstein-Wechselfolgen in dichte, stärker gebankte Kalksteine mit eingelagerten Dolomit-Bänken über (links, jünger, Oberes Kimmeridgium). Schließlich folgt die Diskordanz zur Unterkreide, die im Gelände nicht sichtbar ist.

DSC_0585Im Steinbruch Langenberg lassen sich eine Vielzahl an Fossilien finden, dessen Vergesellschaftung sich aufgrung wechselnder Umweltbedingungen in den einzelnen Schichten ständig ändert. Es gibt Brachiopoden, Muscheln, Schnecken, Seeigel, Ostrakoden. Die aragonitschaligen Lebewesen sind nur als Steinkern oder Abdruck erhalten.

DSC_1698Grabgänge (Bioturbation) von Thalassinoides (Krebstiere) im grauem Kalkmergel. Das Sediment war offenbar weich genug zum Graben, aber dennoch stabil.

 

DSC_1691   DSC_1719Links: eine Schichtunterseite, komplett durchsetzt mit Thalassinoides. Rechts: Befall durch Bohrorganismen (Muscheln), möglicherweise auf bereits lithifizierem Hartgrund. Das unverwitterte Sediment ist dunkelgrau (Eisensulfide, Bitumen), die gelben Partien verwittert.

MurchisoniaSchnecke Chemnitzia (abbreviata?)

Pterocera 2   Pterocera 1„Aporrhais“, eine auch rezent vorkommende Gattung, hier als Steinkern von Harpagodes (oceani), früher Pterocera oceani.

DSC01855 copy   DSC01857 copyUnbestimmte Brachiopoden (vorkommend Ornithella, Zeilleria (Terebratula), Loboidothyris, Rhyorhynchus humeralis) und Muscheln (Eocallista). Rechts Steinkerne der Muschel Pleuromya.

Untitled-4 copyAusgestorbene Hexakoralle der Gattung Isastraea.

Untitled-3copy   DSC01859 copyLinks Muschel Camptonectes , rechts ein Krebsgang Thalassinoides

DSC_0609Bekannt wurde der Langenberg durch die Funde von mehreren Tausend  Sauropoden-Knochen („Europasaurus“) ab Ende der 90er Jahre sowie (Zwerg)-Krokodile, Flugsaurier (Dsungaripterus) und Fußabdrücke von Dinosauriern.

Literatur: R.Fischer: „Die Oberjura-Schichtfolge vom Langenberg bei Oker“, Arbeitskreis Paläontologie Hannover 1991, Heft 2 S. 21-52.

4 Gedanken zu „Kalksteinbruch Langenberg/Oker

  1. Warmke, Peter

    Hallo!
    Ich habe mich sehr über Ihre Seite zum Langenberg bei Goslar gefreut. Damit konnte ich einen Fund, den ich vor einigen Wochen gemacht habe, als „Hexakoralle Isastaea“ bestimmen.
    Freundliche Grüße aus Husum
    P.W.

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  2. Jörg Wilbrandt

    Ich komme direkt aus Bad Harzburg und wollte mit meinen Kindern nach Fossilien suchen. Aber leider: „Betriebsgelände – Zutritt strengstens verboten“ Hat jemand eine Idee wie man da als Laie herankommen könnte? Gibt es dort vielleicht geführte Grabungsevents o. ä?

    Viele Grüße

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  3. Wolfgang Blaschke

    Hallo,ich bin der Wolfgang, war 2016 und 2017 am Langenberg ich war und bin immer noch sehr beeindruckt . Habe viel gefunden, nur mit der Bestimmung gibt es leider probleme. Vieleicht kommt jemand aus der Gegend,der mit mir kontakt aufnehmen kann.

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