Brandenburg: Bad Freienwalde

Ein lohnendes Ziel für geologische Betrachtungen in Brandenburg ist die Gegend um Bad Freienwalde, nicht zuletzt aufgrund ihres landschaftlichen Reizes. Der Hohe Barnim, eine durch mehrere Eiszeiten geformte Hochfläche glazialer Sedimente, bricht hier mit Höhenlagen von bis zu 150m über N.N. direkt zum Oderbruch (ca. 20m über N.N.) ab. Im Gebiet von Bad Freienwalde sind Schollen aus dem Tertiär, die gewöhnlich in einer Tiefe von 100-200m liegen, in die glazialen Ablagerungen hochgepresst worden. In zwei ehemaligen Tongruben im Hammerthal lassen sich diese Schichten beobachten.

DSC_0034Ehemalige Rupeltongrube im Hammerthal (Südgrube): aufgeschuppte Tertiärschollen aus dem mittleren Oligozän (Rupelium, 33,9–28,1 mya). Im Rupelton finden sich Septarien, Konkretionen von Calciumcarbonat um Biogenreste. Die Wände in der Südgrube sind abbruchgefährdet! Zugangsbeschränkungen gibt es nicht, es handelt sich jedoch um ein Naturschutzgebiet. Darüber hinaus muß man sich vergegenwärtigen, daß man sich hier sehr schmutzig machen kann. Begehung ggf. nur bei trockenem Wetter.

Literatur: (1) SCHROEDER, J.H.: Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg Nr.2, Bad Freienwalde – Parsteiner See), Berlin, 1994.

Zur mineralogischen Situation siehe hier: mineralienatlas.de .

NormalprofilDas Gebiet um Bad Freienwalde ist Teil der Nordwesteuropäischen Tertiärsenke und besteht marin-brackischen Sedimenten in Wechsellagerung mit terrestrischen Sedimenten. Das Normalprofil der in Bad Freienwalde anstehenden Schichten nach Wahnschaffe (1908) zeigt diese Schichtfolgen: Rupelton als Folge einer Meerestransgression, Meeres- und Strandsande als terrestrische Ablagerungen mit unregelmäßig auftretenden Braunköhleflözen im Miozän. Spätere Bohrungen bestätigten dieses Profil, welches durch die Untersuchung von Mikrofossilien (Foraminiferen) stratigraphisch genauer eingeordnet werden konnte.

  • Untere und Obere Briesker Schichten mit Braunkohle, Kohlenletten im Wechsel mit Glimmersanden, Miozän bzw. 3.miozäner Flözhorizont
  • Mittenwalder Schichten mit groben und mittleren Quarzsanden/Kohlesanden, Miozän.
  • Untere Cottbuser Schichten mit Toneisenstein führendem Stettiner Sand und Obere Cottbuser Schichten mit Glimmerfeinsanden (Chattium/Oligozän).
  • Rupel-Schichten mit Rupelton (Rupelium/Oligozän)

 

DSC_0073Verschiedene Bodenhorizonte, unten der rötlich-blaugraue Rupelton (C-Horizont), darüber Ausbleichungshorizonte (B-Horizont). Man kann eine schmale eisenhaltige (Bt) und eine kalkhaltige, ausgebleichte Schicht (Al), erkennen. Die Differenzierung ist durch wohl postglazial durch Sickerwasser entstanden. In Bad Freienwalde treten eisenhaltige Quellen auf mit tertiären Sanden als Grundwasserleiter und Rupelton als wasserundurchlässige Schicht.

 

DSC_0086Dislokationsdiskordanz zwischen einer Rupeltonscholle und glazialen Sanden, die im NW-SE-Verlauf in die Stettiner Sande übergehen.

 

Paläogeographische Kartenansicht (35 Ma) zu Beginn des Oligozän (Rupelium): Dänemark ist noch nicht vorhanden, die Ostsee und Skandinavien bilden eine zusammenhängende Landmasse, England ist mit Irland verbunden, es gibt einen durchgehenden Meeresarm (Para-Tethys). Der Meeresspiegel lag in dieser recht warmen Zeit (keine Vergletscherung der Pole) etwa 100m höher als heute. Im Miozän setzt eine teilweise Vergletscherung der Antarktis ein, die den Meeresspiegel global um bis zu 150m absenkte, in der Folge verlandeten die  Schelfmeere (Abbildung: wikipedia)

 

Gips im Rupelton   Gips 3 In bestimmten Horizonten des Rupelton finden sich eingewachsene konkretionäre Kristallaggregate von Gips,  auf dem linken Bild ein rosettenartiges Aggregat (5cm), rechts ein tannenbaumartiges Gebilde (Breite: 5cm).

 

Gips 2   Gips 1Bei der Zersetzung von Eisensulfid aus den Tonlagen (Oxidation) entsteht Schwefelsäure, die ebenfalls enthaltenes Calcium löst. Das Calciumsulfat in wäßriger Lösung kann durch zirkulierende Wässer transportiert werden und in mergeligen Lagen konkretionär ausgeschieden werden. Dabei verdrängt das wachsende Gipskristall die plastische Tonmatrix. Das linke Bild (4cm) zeugt von auskristallisiertem und wieder angelöstem Gips.

 

DSC_0292Mitteloligozäne, lagenweise glaukonitisierte Sande („Stettiner Sande“, Untere Cottbuser Schichten, Chattium), durch Limonit teilweise gelblich gefärbt, folgen stratigraphisch auf den Rupelton und enthalten Bänke von Toneisenstein. Darüber liegen feine, marine Glimmersande (Obere Cottbuser Schichten).

 

DSC_0333 Toneisensteinbänke, in bis zu 1m langen, 20 cm mächtigen Blöcken. Das Eisenerz wurde einst abgebaut, es gab im Hammerthal ein Hammerwerk zur Zerkleinerung der Erzmassen. Aus dem Ton wurden Ziegeleiprodukte und aus dem Flözton Alaun (Alaunwerk von 1717-1857) hergestellt, zeitweise auch untertage (Mundloch des Gerhardstollen am Teufelssee).

 

DSC_0077   LimonitsandsteinSchaliger Toneisenstein, sog. Hexenschüsseln. Rechts ein Toneisenstein (10cm) mit verschiedenen Eisenoxiden, -hydroxiden oder -oxidhydraten, u.a. Goethit. Limonit (gelb) stellt eine Mischung dieser Komponenten dar, ebenso die braunen Partien. In entsprechend  oxidierendem Milieu konnte sich auch Mangan ablagern (Manganomelan)

 

DSC_0058   DSC_0102Kompakter Eisensandstein mit gelber Limonitrinde, roten Eisenoxiden und grünem Glaukonitfleck. Rechts grüner Glaukonitsandstein aus den Stettiner Sanden.

 

Ehemalige Tongrube Drainrohr GmbH im Hammertal (Nordgrube)

DSC_0399Blick vom Top der Grube auf Bad Freienwalde am Rande des Oderbruchs. Ein Eislobus der Saale-Kaltzeit schuf das Becken des Oderbruches, möglicherweise gab es bereits in der Saale-Kaltzeit eine Ausschürfung von tertiären Schollen. Der Landschaftseindruck erinnert fast an ein Mittelgebirge. Der Höhenunterschied im Stadtgebiet liegt bei 150m.

 

DSC_0166 copyReste des Tonbergs, ehem. Abbaugebiet der Nordgrube. Mit ein wenig Ausdauer kann man hier sicherlich noch einige Fossilien sammeln, bei einem Besuch fand ich lediglich ein 1,2 cm großes Exemplar einer Gastropode (Scalaspira).

 

DSC_0157 2Hier fehlt offensichtlich eine Skalierung (Bildbreite ca. 1m), es ist dies ist nicht der Grand Canyon, sondern eine Miniaturausgabe mit schwach verfestigtem Tonsteinletten und Braunkohlenton (siehe  Normalprofil). Es handelt sich um den sog. „Flözton“ zur Alaungewinnung. Auch hier findet sich Gips in Kristallsonnen auf dünnen, brüchigen Tonsteinschichten.

 

Tonstein   DSC_0435Stück eines leicht verfestigten, krümeligen (Alaun-)Tonsteins mit Trockenrissen, Gelbfärbung vermutlich durch einen geringen Anteil an Eisenverbindungen. Rechts ein Abschnitt mit Geschiebemergel (Blockpackung) und grobem Kies im Hangenden des Tonabbaus.

 

DSC_0415Geschichtete, verkippte Glimmersande mit braunen, tonigen Sequenzen, kohlige Schluffe. Ich kann durch die Nähe zu den Kohlenletten nur annehmen, daß es miozäne Sande sind, möglicherweise Untere Briesker Schichten, eine Akkordanz der Ablagerungen war nicht zu beobachten.

DSC_0416   DSC_0145Links eine Detailaufnahme der geschichteten Glimmersande, rechts Glimmersande mit Tonlagen, die zum Teil an Warven erinnern, möglicherweise eine Folge kurz aufeinander folgender mariner Trans- und Regression.

 

Auf der Neuenhagener Insel

Die Neuenhagener Insel ist ein pleistozäner Hochflächenrest im Oderbruch. An der Strecke Schiffmühle-Bralitz befindet sich nach ca. 1km auf der rechten Seite eine ehem. Kiesgrube, der allerdings mittlerweile ziemlich verwachsen ist. In der Literatur (1) SCHROEDER ist der Aufschluß sehr detailiert beschrieben, es handelt sich um einen Endmoränenrest mit glazigen beeinflußten Tertiärschollen und Geschiebmergeln aus allen drei Kaltzeiten sowie deren glazifluviatien und glazilimnischen Ablagerungen. Viel ist jedenfalls nicht mehr davon zu besichtigen.

DSC_0507   DSC_0484Blick in die Kiesgrube Ende November 2011. Rechts ein Aufschluß mit grau-gelblichem Geschiebemergel.

DSC_0476   DSC_0477Klare Schichtgrenze zwischen verkipptem tertiärem Quarzsand und -kies mit Braunfärbung (Limonit) und unregelmäßigen, waagerecht verlaufenden Sickerlamellen Fe-haltiger Wässer.

DSC_0492   DSC_0488Links abwechselnd kiesige und feinsandige Schmelzwasserlagen, rechts möglicherweise teils geschichteter tertiärer Glaukonitsand unterlagert von Kalkausscheidungen.

DSC_0466Augengneis mit roten Kalifeldspataugen und gelblich-weißen Plagioklas-Schlieren. Die nahegelegene ehemalige Kiesgrube Oderberg-Bralitz ist gesondert beschrieben.

 

Weitere Aufschlüsse und Ziele

DSC_0452In Altranft gibt es einen 1964 eingerichteten Findlingsgarten (B 167 Abzw. Richtung Baasee nehmen, unmittelbar nach der Eisenbahnbrücke rechts), der vor kurzem gewartet wurde (neue Beschilderung). In dieser ehemaligen Kiesgrube können 37 nummerierte Geschiebe besichtigt werden, allerdings sind nicht mehr alle Nummern auffindbar, manche Stücke sind stark angewittert. Lehrreich zum Kennenlernen der Geschiebe ist der Garten allemal.

DSC_0589FFH-Gebiet Gabower Hangkante auf der Südseite der Neuenhagener Insel, geprägt von Trockenrasen-Vegetation. Von oben hat man einen guten Blick ins Oderbruch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Brandenburg: Bad Freienwalde

  1. Norbert Schlaak

    Sehr geehrter Herr Torbohm,
    habe mich sehr über diese zufällig gefundene Seite gefreut. Sehr schöne Aufnahmen und viele interessante Details und alles mit den wichtigen Querverweisen (wie z. B. zu M. Bräunlich) – gratuliere!
    Arbeite seit einigen Jahren auch in der Gegend um Bad Freienwalde (u.a. Mitwirkung am Geol. Führer, Schroeder1994). Haben übrigens den Aufschluss Schiffmühle 2013 wieder „präpariert“, so ist wieder etwas mehr zu sehen, leider hält der Zustand nicht lange. Vielleicht sind Sie ja mal wieder in der Gegend.
    Herzlicher Gruß von
    Norbert Schlaak

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  2. Hildegard

    Eine sehr einladende und informative Beschreibung!
    … Das Gebiet um Bad Freienwalde ist Teil der Nordwesteuropäischen Tertiärsenke und …. (da würde ich ein „aus“ einfügen) …. besteht marin-brackischen Sedimenten…

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