Archiv für den Monat: Januar 2014

Kaiserstuhl: Geologie – Limberg – Humberg

Zwei Exkursionen in den Kaiserstuhl im März und im Juli 2013 gaben einen Einblick in die Geologie und die petrographische Vielfalt dieses verhältnismäßig jungen Vulkangebietes. Die Auswahl der Exkursionspunkte erfolgte nach auf mineralienatlas.de beschriebenen Mineralfundstellen.

Die Phase der vulkanischen Aktivität im Miozän vor 19-15 Millionen Jahren begann mit dem Aufstieg von Magmen im Oberrheingraben im Kreuzungsbereich einer tektonischen Schwächezone des Rheingrabens und herzynischer Brüche in der Bonndorfer Grabenzone. Aus etwa 24 km Tiefe, an einer durch die Grabenbildung verdünnten Erdkruste, drangen die Magmen eines Manteldiapirs aus bis zu 100 km Tiefe infolge Druckentlastung an die Oberfläche.

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Kaiserstuhl: Karbonatitkomplex

Der Karbonatitkomplex im Zentrum des Kaiserstuhlvulkans hat eine Ausdehnung von etwa 1 km² und befindet sich zwischen Alt-Vogtsburg und Schelingen. Er stellt eine Besonderheit dar, da es in Europa nur wenige weitere Karbonatitfundstellen gibt, in Skandinavien (Alnö/Schweden und Lappland/Finnland) und auf der Halbinsel Kola (Lovozero-Massiv).

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Blick auf den Karbonatitkomplex vom Badberg zum Orberg. An der Straße von Schelingen nach Bahlingen und auf dem Orberg auf Höhe der Waldgrenze befinden sich mehrere Steinbrüche im Karbonatitgestein, in denen es in den 30er und 50er Jahren Abbauversuche auf die Nb-haltigen Koppit-(Ce-Pyrochlor)-Akzessorien des Karbonatit gab, die vermutlich aufgrund geringer oder stark schwankender Mineralgehalte bald wieder eingestellt wurden. Weiterlesen

Kaiserstuhl: Achkarren – Kirchberg

Rebgelände nördlich Achkarren (Schneckenberg)

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Zufahrt zum Rebgelände am Schneckenberg. Löß, ein kaltzeitliches äolisches Sediment, lagerte sich im damals vegetationslosen Kaiserstuhl auf Leeseiten bis zu 30-40 m Mächtigkeit ab. Der wasserspeichernde Löß weist Standfestigkeit und gute Kornbindung auf (Korngrößen 0,002-0,2 mm, Feinsande, Schluff und Ton), ist allerdings leicht erodierbar: in der Eichgasse bei Bickensohl bildet er durch anthropogenen Einfluß bis zu 8 m mächtige Gassen (Hohlwege) aus. Bekannt sind Einschaltungen von Kalkkonkretionen im Löß, „Lößkindel“ genannt, in ehemaligen Wurzelhorizonten.  Weiterlesen

Geologische Sommerexkursion 2013

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Die Artikel zur geologischen Sommerexkursion 2013 beschreiben Etappen einer 9-tägigen Reise von Berlin nach Freiburg und zurück. Es stand die Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit sowie Erreichbarkeit der Aufschlüsse im Vordergrund. Die Auswahl ist recht willkürlich, es sind aber viele „klassische“ geologische Lokalitäten dabei: Münchberger Gneismasse, Jura von Solnhofen, Nördlinger Ries und Steinheimer Becken, Jura der Schwäbischen Alb und Ziele im Schwarzwald. Der Kaiserstuhl wird gesondert behandelt. Die Beschreibungen sollen lediglich einem ersten Einblick in die Geologie genannter Gebiete dienen, der durch zukünftige Besuche vertieft werden kann.

  1. Rotliegend im Geraer Becken/Thüringisches Schiefergebirge/Münchberger Gneismasse
  2. Fränkische Jura/Solnhofen
  3. Nördlinger Ries
  4. Steinheimer Becken
  5. Schwäbische Alb: Kaiserberge und Lias Epsilon
  6. Schwarzwald: Schluchsee, Grube Clara und Freiburg

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Schwarzwald: Schluchsee, Grube Clara und Freiburg

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Der Schluchsee entstand in der Folge der Vergletscherung des Schwarzwalds in den letzten Kaltzeiten (Riß und Würm). Schneefälle auf einer Höhe von 1000 m, die auch im Sommer nicht abtauten, verdichteten sich zu Firnmassen, dann zu einem Gletscher. Der Schluchsee-Gletscher mit seinen mitgeführten Trümmermassen hobelte eine etwa 3 km lange, 500 m breite und 30 m tiefe Hohlform in die anstehenden posttektonischen (undeformierten) Bärhalde-Granite (319-331 Millionen Jahre, GEYER/GWINNER 1986). Nach dem Abtauen des Eises füllte sie sich mit Wasser. Seit 1932 wird der ehemalige Gletschersee zur Energiegewinnung aufgestaut.  Weiterlesen

Schwäbische Alb: Kaiserberge und Lias Epsilon

Einen Einblick in die Geologie der Schwäbischen Alb bot der Besuch der Burg Staufeneck, der Burg Hohenstaufen, eine Begehung eines Teil des geologischen Wanderwegs von Schwäbisch-Gmünd auf den Rechberg und ein Besuch im Lias Epsilon bei Ohmden.

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Blick vom Hohenstaufen (684 m) auf die dem Albtrauf nordwestlich vorgelagerten Zeugenberge Rechberg (708 m) und Stuifen (754 m), die als Überreste der Albhochfläche der rückschreitenden Erosion der Juratafel widerstanden. Die Zeugenberge liegen etwa 40-50 m tiefer als die eigentliche Schichtstufe. Im Miozän vor 16-17 Millionen Jahren kam es durch tektonische Bewegung zur Bildung von Bruchschollen und Verwerfungen im Schwäbischen Lineament. Die Schollen der Zeugenberge als Bestandteil der Grabenstruktur des Rechberggrabens sind abgeschoben und abgesunken, und waren bis zum Pleistozän vor Verwitterung geschützt, während die umgebenden Schichten abgetragen wurden.  Weiterlesen

Steinheimer Becken

Das Steinheimer Becken als in Folge des Ries-Ereignisses entstandener „kleiner Bruder“ des Nördlinger Ries weist im Vergleich einige Unterschiede auf. Mit einem Durchmesser von 3,8 km (7 km) ist es viel kleiner als das Ries, der Durchmesser des Impaktors betrug etwa 100-150 m. Es gibt einen Zentralberg, Suevit fehlt im Steinheimer Becken, da der Impakt nicht die kristallinen Gesteine des tieferen Untergrunds erreichte. Für diese Bilderserie wurde ein Teil des 9 km (verkürzt 6 km) langen geologischen Rundwegs mit 21 Stationen erwandert.

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Im Zentrum des Beckens erhebt sich der Steinhirt 50 m über den heutigen Kraterboden. Die Tiefe des Kraters beträgt etwa 200 m, die absolute Höhe des Zentralbergs 100 m. Solche Zentralberge entstehen bei Kratern mittlerer Größe durch die Rückfederung der Erdkruste. Bei größeren Kratern wie dem Nördlinger Ries kollabierte der Zentralberg sofort wieder, es entstand der Kristalline Ring.  Weiterlesen

Nördlinger Ries

Das Nördlinger Ries (ø ca. 25 km) ist eines der am besten erhaltenen großen Impaktkrater der Erde. Er entstand zusammen mit dem kleinen Bruder Steinheimer Becken (ø ca. 3,8 km) vor ca. 14,6 Millionen Jahren im Miozän (Langhium), im sog. Ries-Ereignis. Man nimmt an, daß das ca. 35 km entfernte Steinheimer Becken durch den Einschlage eines Satelliten des großen Meteoriten entstanden ist.

Es gibt viele Exkursionspunkte im Nördlinger Ries, ausgewählt wurden das Geotop Lindle bei Holheim und die See-Sedimente von Hainfarth („Büschelberg“). Auf der Seite mpz-bayern.de und geopark-ries.de findet man weitere Ziele, es gibt einen ausführlichen Exkursionsbericht (pdf) der Universität Erlangen, unbedingt empfehlenswert ist ein Besuch des Rieskrater-Museum in Nördlingen.

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Fränkische Jura / Solnhofen

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Die Steinbrüche der südlichen Frankenalb gehören zu den bedeutendsten Fossilfundstellen der Welt. Hier fand man bisher 11 Exemplare des Archaeopteryx, der in der Evolutionstheorie das Bindeglied zwischen Reptilien und Vögeln darstellt. Darüber hinaus kommen im Plattenkalk des Weißjura (Tithonium, 161-150 mya) mehr als 700 fossile Arten vor: Ammoniten, Panzerkrebse, Knochenfische, Austern, Haarsterne, Seelilien, sogar Quallen, Nadelholzgewächse (Brachiphyllum) und Funde von Scaphognathus und Pterodactylus.

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Geraer Becken – Thüringisches Schiefergebirge – Münchberger Gneismasse

Rotliegend im Geraer Becken

Im Geotop „An der Lasur“ im Gessenbachtal in Gera (OT Pforten) ist die Grenze vom Oberrotliegend zum Zechstein zu beobachten. Zechstein und Rotliegend liegen hier den geschieferten Gesteinen des Ostthüringischen Schiefergebirges auf, welche an der Grenze Unter-/Ober-Karbon in der sudetischen Phase der Varisziden gefaltet wurden.

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Der rote Schutt ist eine Beckenfüllung des Perm und entstammt der Abtragung des  Ostthüringischen Schiefergebirges. Am Ende des Rotliegend ist das Schiefergebirge fast in seinem eigenen Schutt versunken, eine flache Landschaft mit Wüstencharakter prägte dieses Gebiet. Diese Schuttbecken bewirkten eine Absenkung der Erdkruste, es erfolgt Meeres-Transgression, nur noch kleinere Felsen und Inseln ragen aus dem Zechsteinmeer.  Weiterlesen